Die Méndez Formation ist eine mächtige Folge mariner Mergel, Tonsteine und feinkörniger Sandsteine im Osten und Nordosten Mexikos. Sie entstand vom Campanium bis zum Ende des Maastrichtiums in einem absinkenden Meeresbecken am westlichen Rand des Golfs von Mexiko. Für den Blick auf die letzten Stunden der Kreidezeit ist vor allem ihr oberster Abschnitt bedeutend: An Fundstellen wie La Ceiba und El Peñón bewahrt er nicht nur die Welt vor dem Einschlag, sondern auch Auswurfmaterial des Chicxulub-Ereignisses und unmittelbar danach ausgelöste Sedimentströme.

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Der britische Geologe Geoffrey Jeffreys verwendete den Namen Méndez shale 1910 in einem unveröffentlichten Bericht. Benannt wurde die Einheit nach der Bahnstation Méndez an der Strecke von Tampico nach San Luis Potosí. Robert H. Palmer machte Jeffreys’ Bezeichnung 1927 in der Fachliteratur bekannt. Die Typuslokalität liegt etwa 300 Meter östlich der damaligen Station. Der zeitweilig gebrauchte Name Papagayos Shale bezeichnet dieselbe Einheit und gilt heute als aufgegebenes Synonym. Die gültige moderne Bezeichnung lautet Méndez Formation.1Palmer, R. H. (1927). Geology of eastern Hidalgo and adjacent parts of Veracruz, Mexico. Bulletin of the American Association of Petroleum Geologists, 11(12), 1173–1220.2Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation |
Die Karte zeigt die Umgebung der früheren Bahnstation Méndez im nördlichen Veracruz. Bildquelle: GoogleMaps.
Geologie
Die Méndez Formation besteht überwiegend aus kalkhaltigem Tonstein und Mergel. Frisches Gestein ist häufig blau- bis grüngrau, verwittert jedoch braun, gelblich oder weiß. Hinzu kommen Schluffstein, kalkiger Tonstein, feinkörniger Sandstein, dünne Kalklagen und örtlich weiße Bentonitbänke aus umgewandelter Vulkanasche. Im oberen Teil treten regional auffällige rote und grüne Mergel auf. Die wechselnden Gesteine und ihre weite Verbreitung zeigen, dass die Formation keine überall gleichförmige Schichtplatte ist, sondern unterschiedliche Bereiche eines großen Meeresbeckens umfasst. Auch die Mächtigkeit schwankt stark. An der Typuslokalität wurden ungefähr 300 Meter angegeben, andernorts reichen die Schätzungen von etwa 100 bis 600 Metern. Am südöstlichen Rand der Plattform von Valles–San Luis Potosí können sogar mehr als 1.000 Meter erreicht werden. Faltung, Störungen, schlechte Aufschlüsse und seitliche Fazieswechsel erschweren genaue Vergleiche. Aufgeschlossen ist die Formation vor allem in Synklinalen entlang der Ostflanke der Sierra Madre Oriental; im Untergrund setzt sie sich in den Becken von Tampico-Misantla, Burgos und Veracruz fort. Die Untergrenze zur älteren San Felipe Formation ist gewöhnlich konkordant und fließend. Im Westen geht die Méndez Formation seitlich unter anderem in die küstennähere Cárdenas Formation über. Nach oben folgt in vielen Profilen die paläozäne Velasco Formation; auch dieser Übergang kann kontinuierlich erscheinen. In anderen Regionen gelten abweichende lokale Einheiten. Die vereinfachte Abfolge San Felipe–Méndez–Velasco beschreibt deshalb besonders das klassische Gebiet von Tampico-Misantla und der östlichen Sierra Madre, nicht jeden einzelnen Aufschluss Mexikos.3Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation
Während des Campaniums und Maastrichtiums senkte sich vor der aufsteigenden Sierra Madre Oriental ein langgestrecktes Vorlandbecken ab. Feiner Schlamm gelangte von Westen in dieses Meer und lagerte sich auf dem äußeren Schelf sowie am Kontinentalhang ab. Trübeströme transportierten zeitweise Sand und gröberes Material in tiefere Bereiche. Die Méndez Formation wird daher sowohl als offene marine Mergelfazies als auch als distaler Teil eines turbiditischen Vorlandbeckens beschrieben. Reichliche planktonische Foraminiferen belegen den guten Zugang zum offenen Meer; bodenlebende Foraminiferen und Sedimentstrukturen zeigen wechselnde Wassertiefen und Sauerstoffverhältnisse.4Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x Ältere Veröffentlichungen beschränkten das Alter mancherorts auf das Campanium oder ließen die Formation bereits vor dem Ende der Kreide auslaufen. Mikrofossilien und Ammoniten belegen inzwischen jedoch eine Zeitspanne vom Campanium bis in das späte Maastrichtium. Nicht jeder Aufschluss umfasst diesen gesamten Zeitraum: Die bekannte Ammonitenfauna von Cerralvo gehört beispielsweise in das frühe Maastrichtium, während die obersten Profile von La Ceiba und El Peñón bis an die Kreide-Paläogen-Grenze reichen. Fossilien aus weit auseinanderliegenden Teilen der Formation dürfen daher nicht zu einer einzigen gleichzeitig lebenden Gemeinschaft vermischt werden.5Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation6Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x Besonders wichtig sind die Grenzprofile im Nordosten Mexikos. Bei La Ceiba liegt über obersten maastrichtischen Méndez-Mergeln eine grobe klastische Einheit mit Kügelchen aus geschmolzenem und rasch erstarrtem Gestein. Sie wird als Folge des Chicxulub-Einschlags gedeutet: Erdbeben und Wasserbewegungen destabilisierten den Meeresboden und lösten mächtige Sedimentströme aus. Darüber folgen frühdanische Ablagerungen der Velasco Formation. Mehrere Lagen mit umgelagerten Kügelchen zeigen, dass Material nach dem ersten Eintreffen erneut bewegt wurde; sie sind kein Beleg für mehrere Einschläge.7Arz, J. A. et al. (2001). Micropaleontology and sedimentology across the Cretaceous/Tertiary boundary at La Ceiba (Mexico): impact-generated sediment gravity flows. Journal of South American Earth Sciences, 14, 505–519. doi:10.1016/S0895-9811(01)00051-1

Heutige Lage der Méndez Formation:
Lage: östliches und nordöstliches Mexiko; besonders Veracruz, Tamaulipas, Nuevo León, San Luis Potosí, Hidalgo und Puebla
Benannt: 1910 von Geoffrey Jeffreys
Koordinaten heute: 22,24° N, 98,21° W
Paläo-Koordinaten: 29.4° N, 62.6° W
Alter: 83,6–66,0 Millionen Jahre
Liegt unter: Velasco Formation
Liegt über: San Felipe Formation
Wichtige Fundstellen: Méndez, Cerralvo, El Zancudo, Rancho Las Barretas, La Ceiba und El Peñón
Paläo-Lage der Méndez Formation:
Fossilbericht
Planktonische und bodenlebende Foraminiferen dominieren viele Méndez-Mergel und erlauben eine feine Altersgliederung. Hinzu kommen Muscheln, Schnecken, Seeigel und eine vielfältige Ammonitenfauna. In Cerralvo wurden 23 Arten aus 18 Gattungen nachgewiesen, darunter Diplomoceras, Baculites, Pachydiscus, Gaudryceras und Pseudophyllites. Diese kosmopolitisch und tethysisch geprägte Gemeinschaft lebte jedoch bereits im frühen Maastrichtium, ungefähr vor 70 Millionen Jahren.8Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x Aus Rancho Las Barretas stammt der nahezu vollständige Schädel von Prognathodon cipactli, einem etwa sechs Meter langen Mosasaurier mit kurzem Schädel und kräftigen Zähnen. Auch er gehört in das frühe Maastrichtium und belegt nicht unmittelbar die letzten zwei Millionen Jahre der Kreide. Für diesen jüngsten Abschnitt sind vor allem Mikrofossilien aussagekräftig. An der K/Pg-Grenze brechen die kreidezeitlichen Planktongemeinschaften ein; darüber dokumentieren kleine, überlebende und neu auftretende Foraminiferen die Erholung im frühesten Paläozän.9Rivera-Sylva, H. E. et al. (2026). A new species of Prognathodon (Squamata: Mosasauridae) from the Early Maastrichtian of Nuevo León, Mexico. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen. doi:10.1127/njgpa/130310Arz, J. A. et al. (2001). Micropaleontology and sedimentology across the Cretaceous/Tertiary boundary at La Ceiba (Mexico): impact-generated sediment gravity flows. Journal of South American Earth Sciences, 14, 505–519. doi:10.1016/S0895-9811(01)00051-1
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Die Artenvielfalt der Méndez Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen der Meereswelt, also von den Muscheln, Kopffüßern und Fischen, bis hin zu den mächtigen Meeresreptilien, die dort lebten, findest du hier! |
Weitere Lagerstätten der kreidezeitlichen westlichen Golfküste:
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Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Palmer, R. H. (1927). Geology of eastern Hidalgo and adjacent parts of Veracruz, Mexico. Bulletin of the American Association of Petroleum Geologists, 11(12), 1173–1220. ↩︎
- 2Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation ↩︎
- 3Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation ↩︎
- 4Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x ↩︎
- 5Piña-Arce, M. & López-Palomino, I. (2007). Méndez, Formación. Léxico Estratigráfico de México. Servicio Geológico Mexicano, 1–5. Originalpublikation ↩︎
- 6Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x ↩︎
- 7Arz, J. A. et al. (2001). Micropaleontology and sedimentology across the Cretaceous/Tertiary boundary at La Ceiba (Mexico): impact-generated sediment gravity flows. Journal of South American Earth Sciences, 14, 505–519. doi:10.1016/S0895-9811(01)00051-1 ↩︎
- 8Ifrim, C., Stinnesbeck, W. & Schafhauser, A. (2004). Maastrichtian cephalopods from Cerralvo, north-eastern Mexico. Palaeontology, 47(6), 1575–1627. doi:10.1111/j.0031-0239.2004.00423.x ↩︎
- 9Rivera-Sylva, H. E. et al. (2026). A new species of Prognathodon (Squamata: Mosasauridae) from the Early Maastrichtian of Nuevo León, Mexico. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen. doi:10.1127/njgpa/1303 ↩︎
- 10Arz, J. A. et al. (2001). Micropaleontology and sedimentology across the Cretaceous/Tertiary boundary at La Ceiba (Mexico): impact-generated sediment gravity flows. Journal of South American Earth Sciences, 14, 505–519. doi:10.1016/S0895-9811(01)00051-1 ↩︎
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