Die Cabrillo Formation ist eine oberkreidezeitliche Gesteinseinheit an der Pazifikküste des südlichen Kaliforniens. Ihre Sandsteine und groben Konglomerate sind besonders am Point Loma bei San Diego aufgeschlossen. Sie entstanden während des Maastrichtiums in einem submarinen Fächersystem am Rand eines Vorarcbeckens. Der Fossilbericht ist ungewöhnlich: Neben einer kleinen einheimischen Meeresfauna enthalten die Ablagerungen zahlreiche Fossilien, die aus älteren, bereits verfestigten Schichten herausgerissen und erneut abgelagert wurden.

Michael P. Kennedy (links) & George W. Moore |
Die Cabrillo Formation wurde 1971 von Michael P. Kennedy und George W. Moore als oberste von drei Formationen der Rosario Group benannt. Der Name bezieht sich auf das Cabrillo National Monument am südlichen Ende der Point-Loma-Halbinsel. Dort legten die Autoren auch das Typusprofil fest: Es liegt in den Meeresklippen ungefähr 250 Meter östlich des neuen Point Loma Lighthouse. Seine Basis befindet sich rund 30 Meter über dem heutigen mittleren Meeresspiegel, sein oberes Ende an der Kliffkante.1Kennedy, M. P. & Moore, G. W. (1971). Stratigraphic relations of Upper Cretaceous and Eocene formations, San Diego coastal area, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 55(5), 709–722. |
Aufschlüsse der Cabrillo Formation, sichtbar im Point Loma Ecological Reserve. Bildquelle: vakire83 /GoogleMaps.
Geologie
Am Typusprofil ist die Cabrillo Formation 81 Meter mächtig; andernorts erreicht sie bis zu 171 Meter. Das untere Drittel besteht überwiegend aus massigem, mittelkörnigem Sandstein mit dünnen Siltsteinlagen. Im mittleren Drittel folgt ein massiges, schräggeschichtetes Geröllkonglomerat. Viele seiner abgerundeten Komponenten bestehen aus frischem Quarzdiorit. Der obere Abschnitt wird erneut von mittelkörnigem Sandstein aufgebaut und enthält eine ungefähr zwei Meter mächtige Konglomeratlinse.2Kennedy, M. P. & Moore, G. W. (1971). Stratigraphic relations of Upper Cretaceous and Eocene formations, San Diego coastal area, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 55(5), 709–722. Die Sedimente wurden nicht unmittelbar an einem Strand abgelagert. Gemeinsam mit der darunterliegenden Point Loma Formation gehört die Cabrillo Formation zu einem Tiefsee- beziehungsweise submarinen Fächersystem. Sedimentreiche Dichteströme transportierten Sand, Schlamm, Gerölle und bereits verfestigte Gesteinsbruchstücke westwärts in das Becken. Die groben, stellenweise schräggeschichteten Konglomerate der Cabrillo Formation werden als Füllungen proximaler Rinnen gedeutet, durch die das Material in tiefere Teile des Fächers gelangte. Die feinkörnigere Point Loma Formation repräsentiert demgegenüber überwiegend weiter beckenwärts gelegene Ablagerungsbereiche.3Nilsen, T. H. & Abbott, P. L. (1981). Paleogeography and sedimentology of Upper Cretaceous turbidites, San Diego, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 65, 1256–1284. doi:10.1306/03B59495-16D1-11D7-8645000102C1865D
Das Material stammte vor allem aus magmatischen und metamorphen Gesteinen der östlich gelegenen Peninsular Ranges. Während der späten Kreidezeit wurden diese Gesteine am aktiven Kontinentalrand gehoben und abgetragen. Die Sedimente gelangten in ein Vorarcbecken zwischen dem damaligen nordamerikanischen Kontinentalrand und dem vorgelagerten magmatischen Bogen. Die Cabrillo Formation dokumentiert somit keine einzelne Katastrophe, sondern viele wiederholte Transportereignisse innerhalb eines dynamischen Tiefseesystems.4Nilsen, T. H. & Abbott, P. L. (1981). Paleogeography and sedimentology of Upper Cretaceous turbidites, San Diego, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 65, 1256–1284. doi:10.1306/03B59495-16D1-11D7-8645000102C1865D Biostratigraphische Untersuchungen, besonders an Foraminiferen und Ammoniten, weisen der Formation ein maastrichtisches Alter zu. Auch Baculites lomaensis aus der darunterliegenden Point Loma Formation spricht dafür, dass beide Einheiten zumindest teilweise im Maastrichtium abgelagert wurden. Die genaue Dauer der Sedimentation innerhalb dieses Zeitabschnitts ist jedoch nicht überall gleich gut aufgelöst.5Squires, R. L. & Saul, L. R. (2009). Cretaceous opine bivalves from the Pacific slope of North America and palaeobiogeography of subfamily Opinae Chavan, 1969. Palaeontology 52(6), 1311–1347. doi:10.1111/j.1475-4983.2009.00905.x Nach unten geht die Cabrillo Formation konform in die Point Loma Formation über. Ihre Obergrenze ist dagegen eine Erosionsdiskordanz. Im Typusgebiet wird sie von eozänen oder pleistozänen Ablagerungen überdeckt; in der weiteren Umgebung von San Diego können eozäne Einheiten der La Jolla Group, darunter die Mount Soledad Formation, über den kreidezeitlichen Gesteinen liegen. Während des Maastrichtiums lag das Gebiet am östlichen Rand eines Vorarcbeckens vor dem aktiven Kontinentalrand des westlichen Nordamerikas. Seitdem wirkten Plattenbewegungen, Störungen und regionale Krustenverschiebungen auf Südkalifornien ein. Eine scheinbar punktgenaue Paläo-Koordinate ist deshalb schwer zu schätzen, da bislang auch keine paläomagnetischen Messungen für die Formation vorliegen. Ausgehend vom magnetischen Inklinationswert der älteren Point Loma Formation lassen sich Bewegungsrichtung und -Geschwindigkeit des Kontinents in dieser Gegend schätzen. Die untenstehende Karte orientiert sich an diesen Werten.6Tan, X. & Kodama, K.P. (1998). Compaction-corrected inclinations from southern California Cretaceous marine sedimentary rocks indicate no paleolatitudinal offset for the Peninsular Ranges terrane. Journal of Geophysical Research 103: 27169–27192. doi:10.1029/98JB02343

Heutige Lage der Cabrillo Formation:
Lage: Point Loma und weitere Aufschlüsse im Küstengebiet von San Diego, Kalifornien, USA
Benannt: 1971 von Michael P. Kennedy und George W. Moore
Koordinaten heute: 32,6653° N, 117,2458° W
Paläo-Koordinaten: geschätzt ca. 35,5° N, 90° W
Alter: Maastrichtium (späte Kreidezeit; ungefähr 72–66 Millionen Jahre)
Liegt unter: örtlich eozänen Einheiten der La Jolla Group, darunter der Mount Soledad Formation, sowie pleistozänen Terrassenablagerungen; jeweils diskordant
Liegt über: Point Loma Formation (konform)
(Geschätzte!) Paläo-Lage der Cabrillo Formation:
Fossilbericht
Aus der Cabrillo Formation wurden Mikrofossilien, Pflanzenreste und verschiedene wirbellose Meerestiere gemeldet. Ein erheblicher Teil der Fossilien befindet sich allerdings in herausgerissenen Siltsteinblöcken oder anderen Klasten, die bereits verfestigt waren, bevor sie von submarinen Strömungen aufgenommen und in jüngere Schichten der Formation verfrachtet wurden.7Dawson, M. K. (1978). The paleontology of the Cabrillo Formation. San Diego State University, 87 S.8Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109
Adelodonax altus |
Die Makrofauna besteht fast vollständig aus der donaciden Muschel Adelodonax altus.9Squires, R. L. & Saul, L. R. (2009). Cretaceous opine bivalves from the Pacific slope of North America and palaeobiogeography of subfamily Opinae Chavan, 1969. Palaeontology 52(6), 1311–1347. doi:10.1111/j.1475-4983.2009.00905.x10Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 Auch ein Zahn des Haies Squalicorax wurde aus der Cabrillo Formation beschrieben.11Hunt, R. K., Santucci, V. L. & Kenworthy, J. P. (2006). A preliminary inventory of fossil fish from National Park Service units. In Lucas, S. G. et al. (Hgg.), Fossils from Federal Lands. New Mexico Museum of Natural History and Science Bulletin 34, 63–69.12Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 Dinosaurierfunde aus der Point-Loma-Halbinsel werden gelegentlich irrtümlich der Cabrillo Formation zugeschrieben. Die bekannten Dinosaurierreste, darunter Material des Ankylosauriers Aletopelta, stammen noch aus der älteren Point Loma Formation. Für die Cabrillo Formation selbst ist bislang kein gesicherter Dinosaurierfund belegt.13Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 |
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Die Artenvielfalt der Cabrillo Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen der Meereswelt, also von den Muscheln, Kopffüßern und Fischen, bis hin zu den mächtigen Meeresreptilien, die dort lebten, findest du hier!
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Weitere Lagerstätten der oberkreidezeitlichen Meere in und um Nordamerika:
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Nordpolarmeer:
Pazifik-Küste:
Golfregion:
Pierre Seaway:
Atlantikküste:
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Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Kennedy, M. P. & Moore, G. W. (1971). Stratigraphic relations of Upper Cretaceous and Eocene formations, San Diego coastal area, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 55(5), 709–722. ↩︎
- 2Kennedy, M. P. & Moore, G. W. (1971). Stratigraphic relations of Upper Cretaceous and Eocene formations, San Diego coastal area, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 55(5), 709–722. ↩︎
- 3Nilsen, T. H. & Abbott, P. L. (1981). Paleogeography and sedimentology of Upper Cretaceous turbidites, San Diego, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 65, 1256–1284. doi:10.1306/03B59495-16D1-11D7-8645000102C1865D ↩︎
- 4Nilsen, T. H. & Abbott, P. L. (1981). Paleogeography and sedimentology of Upper Cretaceous turbidites, San Diego, California. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 65, 1256–1284. doi:10.1306/03B59495-16D1-11D7-8645000102C1865D ↩︎
- 5Squires, R. L. & Saul, L. R. (2009). Cretaceous opine bivalves from the Pacific slope of North America and palaeobiogeography of subfamily Opinae Chavan, 1969. Palaeontology 52(6), 1311–1347. doi:10.1111/j.1475-4983.2009.00905.x ↩︎
- 6Tan, X. & Kodama, K.P. (1998). Compaction-corrected inclinations from southern California Cretaceous marine sedimentary rocks indicate no paleolatitudinal offset for the Peninsular Ranges terrane. Journal of Geophysical Research 103: 27169–27192. doi:10.1029/98JB02343 ↩︎
- 7Dawson, M. K. (1978). The paleontology of the Cabrillo Formation. San Diego State University, 87 S. ↩︎
- 8Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 ↩︎
- 9Squires, R. L. & Saul, L. R. (2009). Cretaceous opine bivalves from the Pacific slope of North America and palaeobiogeography of subfamily Opinae Chavan, 1969. Palaeontology 52(6), 1311–1347. doi:10.1111/j.1475-4983.2009.00905.x ↩︎
- 10Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 ↩︎
- 11Hunt, R. K., Santucci, V. L. & Kenworthy, J. P. (2006). A preliminary inventory of fossil fish from National Park Service units. In Lucas, S. G. et al. (Hgg.), Fossils from Federal Lands. New Mexico Museum of Natural History and Science Bulletin 34, 63–69. ↩︎
- 12Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 ↩︎
- 13Tweet, J. S., Santucci, V. L. & Connors, T. (2014). Documenting the paleontological resources of National Park Service areas of the southern California coast and islands. Monographs of the Western North American Naturalist 7, 68–81. doi:10.3398/042.007.0109 ↩︎
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