Die Kaguyak Formation ist eine mächtige Abfolge mariner Sedimentgesteine aus der späten Kreidezeit. Ihre Aufschlüsse liegen an der abgelegenen Pazifikküste der Alaska-Halbinsel im heutigen Katmai National Park and Preserve. Siltsteine, Sandsteine und Tonsteine dokumentieren dort ein tiefes Meeresbecken am Rand eines aktiven Kontinents. Während viele andere oberkreidezeitliche Schichten der Alaska-Halbinsel in flachen Küstengewässern oder an Land entstanden, bewahrt diese Lagerstätte vor allem Ablagerungen eines untermeerischen Fächers.

Die Kaguyak Formation wurde 1959 von Abraham S. Keller und Hillard N. Reiser benannt. Der Name bezieht sich auf die Aufschlüsse bei der Kaguyak Bay. Das Typusprofil folgt den Meeresklippen zwischen dem Big River und dem Swikshak River und ist rund 1.387 Meter mächtig. Ältere Kartierungen hatten diese Gesteine noch der Chignik Formation zugerechnet.1Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298.
Das Foto zeigt das Mündungsgebiet des Alagnak Wild River. Westlich davon liegt die Kaguyak Formation in den Hügeln oberhalb des Big River, wo bislang kein Panoramabild vorliegt – dazu ist die Gegend wohl zu abgelegen und unwirsch. Bildquelle: Dustin Blanchet (GoogleMaps).
Geologie
Die Kaguyak Formation besteht überwiegend aus dunkelgrauem bis blassbraunem Siltstein, Sandstein und Tonstein. Keller und Reiser gliederten das Typusprofil in drei informelle Abschnitte. Der untere, etwa 610 Meter mächtige Teil wird von fossilführendem Siltstein geprägt. Darüber folgt ein ungefähr 332 Meter mächtiger mittlerer Abschnitt aus massigem, teilweise schräggeschichtetem Sandstein mit eingeschalteten Silt- und Tonsteinen. Den oberen Teil bilden rund 445 Meter dünnbankige Sandsteine und Siltsteine. Zusammen ergibt sich eine Mächtigkeit von etwa 1.387 Metern.2Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298. Am Typusprofil liegt die Kaguyak Formation diskordant auf der wesentlich älteren Naknek Formation aus dem Oberjura. Ihr Oberkontakt ist dort nicht aufgeschlossen. Die erhaltene Schichtenfolge ist gefaltet und örtlich von jüngeren vulkanischen Gesteinen oder quartären Sedimenten bedeckt. Deshalb lässt sich aus dem Typusprofil keine reguläre überlagernde Formation ableiten.3Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298.
Eine spätere Untersuchung von rund 900 Metern der Schichtenfolge deutete die Formation als Ablagerung eines zum Becken hin vorstoßenden untermeerischen Fächers. Wiederkehrende Turbidite entstanden demnach durch sedimentbeladene Dichteströme, die Sand und Schlamm den Kontinentalhang hinabtransportierten. Die unterschiedlich mächtigen Sandsteinpakete spiegeln wechselnde Rinnen, Fächerlappen und ruhigere Beckenbereiche wider.4Detterman, R. L. & Miller, J. W. (1985). Kaguyak Formation—an Upper Cretaceous flysch deposit. In Bartsch-Winkler, S. & Reed, K. M. (Hrsg.), The United States Geological Survey in Alaska: Accomplishments during 1983. U.S. Geological Survey Circular 945, 49–50. doi:10.3133/cir945 Neuere Geländeaufnahmen zeigen, dass die Ablagerungsräume innerhalb der Kaguyak Formation stärker variierten, als es ein einziges, gleichförmiges Tiefwassermodell vermuten lässt. Neben feinkörnigen Tiefwasserablagerungen kommen mächtige Sandsteinkörper vor. An einigen Aufschlüssen wurden außerdem ölgetränkte Sandsteine entdeckt. Diese Funde sind für die Erforschung des kreidezeitlichen Erdölsystems im unteren Cook Inlet von Bedeutung, stellen aber keinen Nachweis einer wirtschaftlich nutzbaren Lagerstätte dar.5Wartes, M. A. et al. (2013). Preliminary stratigraphy and facies analysis of the Upper Cretaceous Kaguyak Formation, including a brief summary of newly discovered oil stain, upper Alaska Peninsula. Alaska Division of Geological & Geophysical Surveys Preliminary Interpretive Report 2013-1F, 25–32. doi:10.14509/24849 Durch Funde von Ammoniten und andere marinen Fossilien können die Schichten dem späten Campanium bis Maastrichtium zugeordnet werden. Besonders wichtig ist die nach Pachydiscus kamishakensis benannte Ammonitenzone, die in Süd-Alaska vor allem das frühe Maastrichtium kennzeichnet. Ältere Kartenwerke geben für die Formation deshalb häufig einen ungefähren Zeitraum von rund 75 bis 66 Millionen Jahren an; die Grenzen der tatsächlich erhaltenen Schichten können örtlich jedoch enger sein.6Jones, D. L. (1963). Upper Cretaceous (Campanian and Maestrichtian) ammonites from southern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 432, 53 S. doi:10.3133/pp432
Heutige Lage der Kaguyak Formation:
Lage: Alaska-Halbinsel, vor allem Katmai National Park and Preserve und Umgebung (Alaska, USA)
Benannt: 1959 von A. S. Keller & H. N. Reiser
Koordinaten heute: ungefähr 59° N 156 W
Paläo-Koordinaten: keine belastbare Koordinaten
Alter: spätes Campanium bis Maastrichtium (75–66 Ma)
Liegt unter: am Typusprofil ist der Oberkontakt nicht aufgeschlossen; örtlich von jüngeren vulkanischen Gesteinen und quartären Sedimenten bedeckt
Liegt über: Naknek Formation (diskordant)
Fossilbericht
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Der bekannte Fossilbericht der Kaguyak Formation besteht überwiegend aus wirbellosen Meerestieren. Er zeichnet das Bild eines nordpazifischen Meeres, in dem Ammoniten, Muscheln, Schnecken und Seelilien lebten. Dinosaurierfunde sind aus der Formation bislang nicht verlässlich dokumentiert. |
Weitere Lagerstätten der Kreidezeit in Alaska:
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Chignik Formation
Matanuska Formation Naknek Formation Kaguyak Formation |
Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298. ↩︎
- 2Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298. ↩︎
- 3Keller, A. S. & Reiser, H. N. (1959). Geology of the Mount Katmai area, Alaska. U.S. Geological Survey Bulletin 1058-G, G261–G298. ↩︎
- 4Detterman, R. L. & Miller, J. W. (1985). Kaguyak Formation—an Upper Cretaceous flysch deposit. In Bartsch-Winkler, S. & Reed, K. M. (Hrsg.), The United States Geological Survey in Alaska: Accomplishments during 1983. U.S. Geological Survey Circular 945, 49–50. doi:10.3133/cir945 ↩︎
- 5Wartes, M. A. et al. (2013). Preliminary stratigraphy and facies analysis of the Upper Cretaceous Kaguyak Formation, including a brief summary of newly discovered oil stain, upper Alaska Peninsula. Alaska Division of Geological & Geophysical Surveys Preliminary Interpretive Report 2013-1F, 25–32. doi:10.14509/24849 ↩︎
- 6Jones, D. L. (1963). Upper Cretaceous (Campanian and Maestrichtian) ammonites from southern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 432, 53 S. doi:10.3133/pp432 ↩︎
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