Die Gabriola Formation ist eine überwiegend sandsteinreiche Gesteinseinheit der obersten Nanaimo Group im Südwesten von British Columbia im westlichen Kanada. Ihre eindrucksvollsten Aufschlüsse liegen auf Gabriola Island und den benachbarten Gulf Islands. Die Sedimente wurden nicht an einem Strand, sondern durch wiederholte Schwerkraftströme in einem tiefen Vorarcbecken abgelagert. Neuere Altersdaten zeigen, dass die regional unter diesem Namen zusammengefassten Schichten nicht überall gleich alt sind und sich manche Schichten erst im Känozoikum gebildet haben. Ihr Alter reicht somit vom Maastrichtium bis ins Seelandium.

Charles H. Clapp |
Die Gabriola Formation wurde 1914 vom kanadischen Geologen Charles H. Clapp benannt. Ihr Name bezieht sich auf Gabriola Island im heutigen Regional District of Nanaimo. Die Insel ist das klassische Referenzgebiet der Formation; Clapps ursprüngliche Beschreibung entstand im Rahmen seiner geologischen Aufnahme des Kartenblatts Nanaimo.1Clapp, C. H. (1914). Geology of the Nanaimo map-area. Geological Survey of Canada Memoir 51, 135 S. |
Drohnenbild auf die Küste von Gabriola Island. Die Aufschlüsse der Gabriola Formation sind hier besonders gut zu erkennen. Bildquelle: KS B / GoogleMaps.
Geologie
Die Gabriola Formation bildet traditionell die jüngste und stratigraphisch höchste benannte Einheit der Nanaimo Group. Auf Gabriola Island ist sie ungefähr 350 Meter mächtig. Vorherrschend sind dickbankige, mittel- bis grobkörnige arkosische Sandsteine; hinzu kommen örtliche Konglomerate sowie Pakete aus sehr feinkörnigem Sandstein und Siltstein. Weil einzelne Sandsteinkörper seitlich auskeilen, einander überlagern oder durch Erosion abgeschnitten werden, lässt sich die Formation nicht überall mit einer einfachen, gleichförmigen Schichtenfolge darstellen.2Muller, J. E. & Jeletzky, J. A. (1970). Geology of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Vancouver Island and Gulf Islands, British Columbia. Geological Survey of Canada Paper 69-25, 77 S. doi:10.4095/1023533England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. Die Sedimente sammelten sich im Georgia Basin, einem Vorarcbecken am Rand des Terrans Wrangelli . Sand und Gerölle wurden vom benachbarten Festland und aus vulkanischen sowie plutonischen Liefergebieten in das Meer transportiert. Untermeerische Schwerkraftströme führten das Material anschließend hangabwärts. Dabei füllten sie breite, langlebige Rinnen und Rinnenkomplexe auf dem Meeresboden. Die Gabriola Formation wird deshalb heute als sandreiches Tiefwasser-Rinnensystem und nicht als gewöhnliche Küsten- oder Deltaablagerung verstanden.4England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595.5Englert, R. G. et al. (2021). Quantifying the three-dimensional stratigraphic expression of cyclic steps by integrating seafloor and deep-water outcrop observations. Sedimentology 68, 1465–1501. doi:10.1111/sed.12772
Feinkörnige Zwischenlagen enthalten Foraminiferen, deren Lebensräume auf Wassertiefen von ungefähr 600 bis 1.200 Metern hindeuten. Strömungsanzeiger auf Gabriola Island dokumentieren überwiegend einen Transport nach Westen bis Nordwesten. An der Twin Beaches Peninsula blieben außerdem Sedimentstrukturen erhalten, die als Ablagerungen sogenannter zyklischer Stufen gedeutet werden. Solche stufenartigen Formen entstehen, wenn schnelle, sedimentreiche Unterwasserströmungen wiederholt zwischen beschleunigten und abbremsenden Strömungszuständen wechseln.6England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595.7Englert, R. G. et al. (2021). Quantifying the three-dimensional stratigraphic expression of cyclic steps by integrating seafloor and deep-water outcrop observations. Sedimentology 68, 1465–1501. doi:10.1111/sed.12772 Nach unten verzahnen sich die sandreichen Schichten der Gabriola Formation mit den feinkörnigeren Tiefseeablagerungen der Spray Formation. Diese Grenze kann deshalb regional allmählich und nicht überall auf derselben stratigraphischen Höhe ausgebildet sein. Eine jüngere Formation der Nanaimo Group liegt im klassischen Gebiet nicht darüber: Die Obergrenze ist erosiv, und vielerorts folgen erst wesentlich jüngere Lockersedimente des Quartärs.8Muller, J. E. & Jeletzky, J. A. (1970). Geology of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Vancouver Island and Gulf Islands, British Columbia. Geological Survey of Canada Paper 69-25, 77 S. doi:10.4095/1023539England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595.
Lange galt die Gabriola Formation insgesamt als maastrichtisch. Hochauflösende Zirkondatierungen und eine 2026 veröffentlichte Neuordnung der Chronostratigraphie zeigen ein differenzierteres Bild. Im Aufschlussgebiet von Nanaimo wurden Gabriola-Turbidite ungefähr zwischen 67,6 und 63,1 Millionen Jahren abgelagert und überschreiten damit die Kreide-Paläogen-Grenze. In Teilen der Cowichan–Gulf-Islands-Region sind vergleichbare Schichten älter als 66 Millionen Jahre. Jüngere paläozäne Turbidite auf Hornby Island, die früher ebenfalls zur Gabriola Formation gestellt wurden, werden nun als eigenständige informelle Hornby-Turbidit-Einheit behandelt. Die Formation ist folglich regional diachron, darf aber nicht mehr ohne Weiteres bis in das Seelandium verlängert werden.10Huang, C. et al. (2026). A chronostratigraphic scheme for the Nanaimo Group, Georgia Basin, southwest British Columbia (Canada) and northwest Washington State (USA). Geological Society of America Bulletin, Online-Vorabveröffentlichung. doi:10.1130/B38764.1 Während der Ablagerung lag das Georgia Basin als Vorarcbecken am Rand von Wrangellia. Die heutige Position der Gulf Islands entstand erst nach weiterer Plattenbewegung, Deformation und Translation entlang des westlichen Nordamerikas. Wie weit der Ablagerungsraum seit der späten Kreidezeit nach Norden verschoben wurde, hängt vom jeweiligen tektonischen Modell ab. Aus diesem Grund können die Paläo-Koordinaten nur geschätzt werden. Die Nanaimo-Gruppe wurde allerdings durchaus paläomagnetisch vermessen. Von diesen ermittelten Werten gehe ich in der unten stehenden Karte aus.11Kim, B. & Kodama, K. P. (2004). A compaction correction for the paleomagnetism of the Nanaimo Group sedimentary rocks: Implications for the Baja British Columbia hypothesis. Journal of Geophysical Research: Solid Earth, 109(B2), B02102. doi:10.1029/2003JB002696

Heutige Lage der Gabriola Formation:
Lage: Gabriola Island, weitere Gulf Islands und angrenzende Teile des südöstlichen Vancouver Island, British Columbia, Kanada
Benannt: 1914 von Charles H. Clapp
Koordinaten heute: 49,1916° N, 123,8724° W
Paläo-Koordinaten: geschätzt ca. 43° N, 122° W
Alter: 67,6–63,1 Ma
Liegt unter: keine, erosiv aufgeschlossen.
Liegt über: Spray Formation
(Geschätzte!) Paläo-Lage der Gabriola Formation:
Fossilbericht
Der Fossilbericht der Gabriola Formation wird vor allem von Mikrofossilien, organischen Resten und seltenen Spurenfossilien getragen. Gerade die unscheinbaren Funde liefern die wichtigsten Informationen: Sie grenzen das Alter ein, belegen die große Wassertiefe und zeigen, wann der Meeresboden zwischen zwei Sedimentströmen kurzzeitig bewohnbar war.12England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595.13Huang, C. et al. (2026). A chronostratigraphic scheme for the Nanaimo Group, Georgia Basin, southwest British Columbia (Canada) and northwest Washington State (USA). Geological Society of America Bulletin, Online-Vorabveröffentlichung. doi:10.1130/B38764.1Obwohl sie definitiv eine Meeresformation war, wurden hier dennoch fossiles Holz, Pollen und Pflanzenmaterial gefunden. Diese gelangten wahrscheinlich über Flüsse oder nach einem Sturm ins Sediment.14Rouse, G. E., Hopkins, W. S. Jr. & Piel, K. M. (1970). Palynology of some Late Cretaceous and Early Tertiary deposits in British Columbia and adjacent Alberta. In Kosanke, R. M. & Cross, A. T. (Hgg.), Symposium on Palynology of the Late Cretaceous and Early Tertiary. Geological Society of America Special Paper 127, 213–246. doi:10.1130/SPE127-p213 Auch Spurenfossilien von unbekannten Bewohnern des Meeresbodens sind überliefert.15Katnick, D. C. (2001). Sedimentology, stratigraphy and provenance of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Denman and Hornby islands, British Columbia. Unveröffentlichte Masterarbeit, Simon Fraser University.
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Die Artenvielfalt der Gabriola Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen der Meereswelt, also von den Muscheln, Kopffüßern und Fischen, bis hin zu den mächtigen Meeresreptilien, die dort lebten, findest du hier! |
Weitere Lagerstätten der oberkreidezeitlichen Meere in und um Nordamerika:
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Nordpolarmeer:
Pazifik-Küste:
Golfregion:
Pierre Seaway:
Atlantikküste:
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Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Clapp, C. H. (1914). Geology of the Nanaimo map-area. Geological Survey of Canada Memoir 51, 135 S. ↩︎
- 2Muller, J. E. & Jeletzky, J. A. (1970). Geology of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Vancouver Island and Gulf Islands, British Columbia. Geological Survey of Canada Paper 69-25, 77 S. doi:10.4095/102353 ↩︎
- 3England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. ↩︎
- 4England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. ↩︎
- 5Englert, R. G. et al. (2021). Quantifying the three-dimensional stratigraphic expression of cyclic steps by integrating seafloor and deep-water outcrop observations. Sedimentology 68, 1465–1501. doi:10.1111/sed.12772 ↩︎
- 6England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. ↩︎
- 7Englert, R. G. et al. (2021). Quantifying the three-dimensional stratigraphic expression of cyclic steps by integrating seafloor and deep-water outcrop observations. Sedimentology 68, 1465–1501. doi:10.1111/sed.12772 ↩︎
- 8Muller, J. E. & Jeletzky, J. A. (1970). Geology of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Vancouver Island and Gulf Islands, British Columbia. Geological Survey of Canada Paper 69-25, 77 S. doi:10.4095/102353 ↩︎
- 9England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. ↩︎
- 10Huang, C. et al. (2026). A chronostratigraphic scheme for the Nanaimo Group, Georgia Basin, southwest British Columbia (Canada) and northwest Washington State (USA). Geological Society of America Bulletin, Online-Vorabveröffentlichung. doi:10.1130/B38764.1 ↩︎
- 11Kim, B. & Kodama, K. P. (2004). A compaction correction for the paleomagnetism of the Nanaimo Group sedimentary rocks: Implications for the Baja British Columbia hypothesis. Journal of Geophysical Research: Solid Earth, 109(B2), B02102. doi:10.1029/2003JB002696 ↩︎
- 12England, T. D. J. & Hiscott, R. N. (1992). Lithostratigraphy and deep-water setting of the upper Nanaimo Group (Upper Cretaceous), outer Gulf Islands of southwestern British Columbia. Canadian Journal of Earth Sciences 29(3), 574–595. ↩︎
- 13Huang, C. et al. (2026). A chronostratigraphic scheme for the Nanaimo Group, Georgia Basin, southwest British Columbia (Canada) and northwest Washington State (USA). Geological Society of America Bulletin, Online-Vorabveröffentlichung. doi:10.1130/B38764.1 ↩︎
- 14Rouse, G. E., Hopkins, W. S. Jr. & Piel, K. M. (1970). Palynology of some Late Cretaceous and Early Tertiary deposits in British Columbia and adjacent Alberta. In Kosanke, R. M. & Cross, A. T. (Hgg.), Symposium on Palynology of the Late Cretaceous and Early Tertiary. Geological Society of America Special Paper 127, 213–246. doi:10.1130/SPE127-p213 ↩︎
- 15Katnick, D. C. (2001). Sedimentology, stratigraphy and provenance of the Upper Cretaceous Nanaimo Group, Denman and Hornby islands, British Columbia. Unveröffentlichte Masterarbeit, Simon Fraser University. ↩︎
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