Name: Ankylosaurus magniventris („Versteifte Echse mit großem Bauch“)
Beschrieben: 1908 von Barnum Brown
Ordnung: Ornithischia; Familie: Ankylosauridae
Länge: ♂ und ♀ bis 8,5m (kein äußerlicher Geschlechtsdimorphismus)
Gewicht: ♂ und ♀ bis zu 6.000kg
Ernährung: herbivor
Beschreibung:
Kaum ein anderes Tier hat das millionenjahrelange Wettrüsten zwischen Beutegreifern und ihrer Beute so zur Perfektion gebracht wie Ankylosaurus. Sein ganzer Körper ist von einem Panzer aus stabilen Knochenplatten geschützt. Sogar seine Augenlider sind gepanzert. Und als wäre das als Schutz noch nicht genug, sitzt an seinem Schwanzende eine knöcherne, über vierzig Kilogramm schwere Keule zur Verteidigung. Bei Bedrohung reagiert er instinktiv. Er kauert sich auf den Boden und schleudert seine Keule hin und her, wobei er meist gar nicht genau sehen kann, was sich in deren Gefahrenradius befindet. Doch reicht diese aggressive Geste meist schon aus, um alle Angreifer in die Flucht zu schlagen. Ein gezielter Hieb mit der Keule kann selbst einen Tyrannosaurus schwer verletzen oder ihm die Beine brechen. Die einzige Schwachstelle eines Ankylosaurus ist der weiche, ungeschützte Bauch. Doch ist es selbst für einen Tyrannosaurus nahezu unmöglich, einen ausgewachsenen, über fünf Tonnen schweren Ankylosaurus auf den Rücken zu werfen.

Die Männchen sind von den Weibchen kaum zu unterscheiden. Beide haben einen dunklen, fast schwarzen Panzer und einen rötlichbraunen Bauch. Doch während der Paarungszeit tragen die Männchen eine auffällige, gelbliche Färbung an der Schnauze und entlang der Flanken, die zur Balz dient. Trotz seines Panzers ist Ankylosaurus keineswegs schwerfällig und träge. So ist er in der Lage, kurze Sprints zu meistern und außerdem ein guter Schwimmer. Sein Lebensraum sind Fluss- und Seeufer sowie lichte Sumpfwälder. Hier findet er Schutz und Nahrung zugleich. Seine Zähne exzellente Schneidwerkzeuge, mit denen er seine Nahrung vor dem Verschlucken zerkleinert. Bei der anschließenden Verdauung helfen ihm Magensteine, sogenannte Gastrolithen, die er schluckt, um die Nahrung in seinem riesigen Magen zu zermahlen.
Lebensweise:
Auch wenn Ankylosaurus als Einzelgänger gilt, trifft man ihn gelegentlich in lockeren Gruppen an, insbesondere während der Trockenzeit. Da Nahrung in manchen Regionen dann oft knapp wird, schließen sich mehrere Tiere zusammen, um gemeinsam nach neuen Weidegründen zu suchen. Auch während der Paarungszeit sucht Ankylosaurus die Nähe zu Artgenossen. Die Männchen fechten dann erbitterte Balzkämpfe aus. Hier erfüllt die Keule dann ihren eigentlichen Zweck. Denn weit häufiger als gegen Fressfeinde, die den gepanzerten Giganten meist ohnehin aus dem Weg gehen, setzt ein männlicher Ankylosaurus seinen „Hammer“ gegen Artgenossen ein, um mit ihnen um das Vorrecht zur Paarung zu kämpfen. Selbst die Weibchen können damit wirkungsvoll Interessenten abwehren, die sie als ungeeignet erachten.

Nach der Paarung zieht sich das Weibchen in ein geschütztes Gebiet zurück, um ein Nest zu bauen. Sie legt bis zu sechs große, ledrige Eier in eine flache Mulde, die sie mit Pflanzenmaterial bedeckt. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen die mehrere Jahre bei ihrer Mutter und werden von ihr liebevoll umsorgt, da ihr Panzer zu Beginn ihres Lebens noch weich und für alle größeren Beutegreifer leicht zu knacken ist. So werden in ihren ersten Lebensmonaten viele junge Ankylosaurier zur Beute von Krokodilen, kleinen Theropoden und auch fleischfressenden Sumpfschildkröten. Die Jungtiere sind in dieser Zeit besonders aktiv und verspielt. Sie laufen ständig hinter ihrer Mutter her, um ihr Verhalten zu imitieren. Die Mutter reagiert äußerst wachsam auf Gefahren und bleibt mit ihrem Nachwuchs in der Nähe von dichten Wäldern oder sumpfigem Gelände, um möglichst schwer auffindbar zu sein. Erst nach etwa vier Jahren ist der Panzer der Jungtiere hart genug, sodass sie ihre Mutter verlassen und ein unabhängiges Leben führen können.
Ankylosaurus in Die Weißen Steine:
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Band II:Ein Ankylosaurus gehört zu den ersten Tieren, die von der beim Bus verbliebenen Gruppe der Schulklasse im Kapitel „Höhlenmenschen“ gesichtet werden. |
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Band III:Mike erlebt im Kapitel „Neue Freunde“ eine gefährliche Begegnung mit einem Ankylosaurus, dem er im Sumpf viel zu nahe kommt. Nach einer Weile gewöhnt sich das aggressive Tier jedoch an seine Anwesenheit, sodass Mike nur mit einigen Kratzern davonkommt. |
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Wissenschaftliches zu Ankylosaurus:
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Die bekannten Fossilien von Ankylosaurus stammen alle aus Schichten, die auf einen Zeitraum von vor etwa 68 bis 66 Millionen Jahren während des Maastrichtiums, der letzten Stufe der Oberkreide, datiert werden. Damit gehörte er zu den letzten Dinosauriergattungen, die unmittelbar vor dem Kreide-Paläogen-Massenaussterben existierten. Der Holotyp stammt aus der Hell Creek Formation in Montana. Weitere Fossilien wurden in der Lance Formation und der Ferris Formation in Wyoming, der Scollard Formation in Alberta sowie der Frenchman Formation in Saskatchewan entdeckt. Somit ist Ankylosaurus bislang nur aus Fundstellen in den blauen und hellroten Regionen, also den Gestaden des Binnenmeeres und dem milden Nordwesten Laramidias überliefert. Er war ein verhältnismäßig seltener Dinosaurier. 1Vickaryous, M. K., Maryanska, T. & Weishampel, D. B. (2004). Ankylosauria. In Weishampel, D. B., Dodson, P. & Osmólska, H. (Hgg.), The Dinosauria. University of California Press, 363–392.2Weishampel, D. B. et al. (2004). Dinosaur Distribution. In Weishampel, D. B., Dodson, P. & Osmolska, H. (Hgg.), The Dinosauria (2nd ed.). University of California Press, 517–606. |

Forschungsgeschichte
Peter Kaisen |
1906 entdeckte der Fossiliensammler Peter Kaisen während einer Expedition des American Museum of Natural History 5) in der Hell Creek Formation nahe Gilbert Creek in Montana ein interessantes Fossil. Es bestand aus dem oberen Teil eines Schädels, zwei Zähnen, Teilen des Schultergürtels, Hals-, Rücken- und Schwanzwirbeln, Rippen sowie mehr als dreißig Osteodermen, also Knochenplatten, die der Körperpanzerung dienten. Dieses Exemplar trägt noch heute die Inventarnummer AMNH 589. |
Barnum Brown |
Barnum Brown, der die Expedition leitete, beschrieb das Exemplar im zwei Jahre später in einer ausführlichen Arbeit und gab dem Dinosaurier seinen wissenschaftlichen Namen, Ankylosaurus magniventris. Das griechische Adjektiv αγκυλος lässt sich mit „gebogen“ oder „krumm“ übersetzen, Brown bezog sich aber auf den medizinischen Ausdruck „Ankylose“, was das Verwachsen von Schädelknochen im menchlichen Körper bezieht und somit eher eine Versteifung beschreibt. Die Übersetzung „Versteifte Echse mit dickem Bauch“ beschreibt die Bedeutung des Namens somit eher. Der Artname verweist auf die enorme Breite des Körpers dieses Dinosauriers.3Brown, B. (1908). The Ankylosauridae, a new family of armored dinosaurs from the Upper Cretaceous. Bulletin of the American Museum of Natural History, 24, 187–201. |
Henry F. Osborn |
Brown hatte bereits 1900 bei der Ausgrabung seines berühmten Tyrannosaurus in der Lance Formation von Wyoming insgesamt 77 Osteoderme gefunden. In seiner Beschreibung von Ankylosaurus erwähnte er diese Knochenplatten (Exemplar AMNH 5866), ging jedoch weiterhin davon aus, dass sie zu Tyrannosaurus gehörten. Auch sein damaliger Hauptarbeitgeber Henry F. Osborn vertrat diese Ansicht, als er das betreffende Tyrannosaurus-Exemplar 1905 beschrieb und sie dem Paratypus, damals noch unter der Gattung Dynamosaurus, zuwies.4Osborn, H. F. (1905). Tyrannosaurus and other Cretaceous carnivorous dinosaurs. Bulletin of the AMNH, 21(14), 259–265. |
Brown erstellte in seiner Arbeit eine sehr ausführliche Skelettrekonstruktion, in welcher er die fehlenden Körperteile in einer Weise ergänzte, die noch stark an das damalige Bild von Stegosaurus erinnerte. Er verglich seinen Ankylosaurus aber auch mit dem ausgestorbenen gepanzerten Säugetier Glyptodon. Im Gegensatz zu heutigen Darstellungen zeigte Browns stegosaurierähnliche Rekonstruktion aber noch sehr kräftige Vorderbeine, einen stark gewölbten Rücken, ein Becken mit nach vorne gerichteten Fortsätzen von Darmbein und Schambein sowie einen kurzen, herabhängenden Schwanz, allerdings noch ohne die ikonische Schwanzkeule, da diese damals noch unbekannt war. Auch die Anordnung der Panzerplatten rekonstruierte Brown rein hypothetisch: Er platzierte sie in parallelen Reihen entlang des Rückens. Noch bis in die 1980er Jahre hinein wurde Browns Rekonstruktion maßgeblich verwendet und erschien auch in den meisten populären Darstellungen dieses Dinosauriers noch bis zum späten 20. Jahrhundert.

Samuel W. Williston |
In einer Rezension von Browns Ankylosaurus-Beschreibung aus dem Jahr 1908 kritisierte Samuel W. Williston dessen Rekonstruktion scharf. Er bemängelte, dass sie auf zu wenigen Fossilresten basiere, und behauptete außerdem, Ankylosaurus sei lediglich ein Synonym der Gattung Stegopelta, die Williston selbst 1905 benannt hatte. Darüber hinaus erklärte Williston, dass eine Skelettrekonstruktion des verwandten Polacanthus ein deutlich besseres Beispiel dafür liefere, wie Ankylosaurier tatsächlich ausgesehen hätten.5Nachgedacht für 6s Williston, S. W. (1908). Review. The Ankylosauridae. The American Naturalist, 42(501), 629–630. doi:10.1086/278987 Diesen hatte Franz von Nopcsa in einer Arbeit 1905 rekonstruiert.6Nopcsa, F. (1905). Notes on British dinosaurs. Part II. Polacanthus. Geological Magazine, 2, 241–250. Der Vorschlag wurde jedoch von anderen Forschern nicht akzeptiert. Heute gelten beide Gattungen als klar voneinander getrennt. |
Weitere Funde
1910 leitete Brown eine weitere Expedition nach Kanada, zu Aufschlüssen der Scollard Formation am Red Deer River in Alberta. Dort förderte sein Team ein weiteres Ankylosaurus-Exemplar (AMNH 5214) zutage. Es umfasst einen vollständigen Schädel, Unterkiefer, die erste und bis heute einzige bekannte Schwanzkeule dieser Gattung sowie Rippen, Wirbel, Gliedmaßenknochen und Osteoderme. 1947 fanden auch Charles M. Sternberg und T. Potter Chamney einen Schädel mit Unterkiefer (Exemplar CMN 8880, früher NMC 8880), etwa einen Kilometer nördlich von Browns Fundstelle seiner Expedition von 1910. Dieser Schädel ist der größte bekannte Ankylosaurus-Schädel, weist jedoch Beschädigungen auf. In den 1960er Jahren wurden zudem im Powder River-Gebiet in Montana, einem Abschnitt der Hell Creek Formation, einige gut erhaltene Schwanzwirbel Entdeckt, die als Exemplar CCM V03 inventarisiert wurden. Neben diesen fünf unvollständigen Exemplaren wurden bis heute auch zahlreiche isolierte Osteoderme und Zähne gefunden.7Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063
1990 wies Walter P. Coombs darauf hin, dass sich die Zähne zweier Schädel, die A. magniventris zugeschrieben wurden, in einigen Merkmalen sehr vom Typusexemplar unterschieden. Obwohl er nach eigenen Worten eine „erhebliche Versuchung“ verspürte, dafür eine neue Ankylosaurus-Art zu benennen, verzichtete er darauf, da die Variationsbreite der Art noch nicht ausreichend bekannt war. Coombs brachte außerdem die Möglichkeit ins Spiel, dass die beiden mit dem Holotyp verbundenen Zähne möglicherweise gar nicht zu diesem gehörten, da sie innerhalb des Sediments der Nasenkammern gefunden worden waren.8Coombs, W. (1990). Teeth and taxonomy in ankylosaurs. In Carpenter, K. & Currie, P. J. (Hgg.), Dinosaur systematics. Approaches and perspectives. Cambridge University Press, 269–279. Die drei bekannten Ankylosaurus-Schädel unterscheiden sich in verschiedenen Details ebenfalls sehr voneinander. Diese Unterschiede werden heute vor allem auf taphonomische Prozesse, also Veränderungen während Verwesung und Fossilisation, sowie auf individuelle Variation zurückgeführt. Auszuschließen, dass es doch mehrere Arten von Ankylosaurus gab, ist es allerdings nicht.
Kenneth Carpenter |
Die meisten bekannten Ankylosaurus-Funde wurden lange Zeit aber nie ausführlich wissenschaftlich beschrieben, obwohl mehrere Paläontologen dies immer wieder geplant hatten. Erst 2004 überarbeitete Kenneth Carpenter die Gattung umfassend, in einer Arbeit, die das heutige Bild von Ankylosaurus entscheidend geprägt hat. Carpenter akzeptierte die laut Coombs noch zur Debatte stehenden Zähne als zu A. magniventris gehörig und vertrat die Ansicht, dass sämtliche bekannten Exemplare derselben Art angehören. Er verwies dabei darauf, dass die Zähne anderer Ankylosaurier ebenfalls stark variieren. Außerdem erkannte er, dass die Osteoderme, die einst Brown und Osborn Tyrannosaurus zugeordnet hatten, tatsächlich jenen von Ankylosaurus entsprechen. Tyrannosaurus hingegen besaß überhaupt keinen Knochenpanzer.9Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-043 |
Victoria M. Arbour |
In der aktuellen Forschung zu Ankylosauriern ist vor allem Victoria M. Arbour als eine führende Expertin zu nennen, die 2017 zusammen mit ihrem Kollegen Jordan C. Mallon die Gattung Ankylosaurus erneut unter Berücksichtigung aller neuen Funde umfassend erforscht hat. Dabei beschrieben die beiden auch Elemente des Holotyps, die zuvor nie wissenschaftlich erwähnt worden waren, darunter weitere Teile des Schädels und des Halses. |
Jordan C. Mallon |
Sie kamen zu dem Schluss, dass Ankylosaurus zwar der wohl bei weitem bekannteste Vertreter seiner Gruppe ist, im Vergleich zu verwandten Ankylosauriern weist er jedoch einige sehr ungewöhnliche Merkmale auf und ist keineswegs ein „typischer“ Ankylosaurier. Trotz seiner großen Bekanntheit ist von Ankylosaurus bis heute deutlich weniger Fossilmaterial bekannt als von seinen nächsten Verwandten.10Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063 |
Verwandtschaft
Die Herkunft der Ankylosaurier ist bislang noch sehr mysteriös, da aus dem Mitteljura lediglich wenige Fossilien bekannt sind.11Arbour, V. M. & Currie, P. J. (2016). Systematics, phylogeny and palaeobiogeography of the ankylosaurid dinosaurs. Journal of Systematic Palaeontology, 14(5), 385–444. doi:10.1080/14772019.2015.1059985 Lange Zeit wurde angenommen, dass die Vorfahren der Ankylosaurier unter den Stegosauriern zu suchen seien, derjenigen Dinosauriern, die ihnen unter allen anderen am nächsten stehen. Damals wurde der Name Ankylosauria für alle gepanzerten Dinosaurier verwendet, denen die großen, senkrecht stehenden Rückenplatten der Stegosaurier fehlten. Heute gelten Ankylosaurier und Stegosaurier aber als Schwestergruppen innerhalb der Thyreophora, die sich aus gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben.12Norman, D. B., Witmer, L. M. & Weishampel, D. B. (2004). Basal Thyreophora. In Weishampel, D. B., Dodson, P. & Osmolska, H. (Hgg.), The Dinosauria. University of California Press, Berkeley, 335–342.13Madzia, D. et al. (2021). The phylogenetic nomenclature of ornithischian dinosaurs. PeerJ, 9, e12362. doi:10.7717/peerj.12362

Beide Gruppen teilen einige gemeinsame Merkmale, wie die in die Haut eingebetteten Osteoderme (bei den Stegosauriern vor allem als Knochenplatten und Stacheln ausgeprägt), die schmale dreieckige Schädelform, sowie gewisse Übereinstimmungen im Bau des Gaumens.14Tumanova, T. A. (1987). Pantsirnyye dinozavry Mongolii. Trudy Sovmestnaya Sovetsko-Mongol’skaya Paleontologicheskaya Ekspeditsiya, 32, 1–80. Spätestens im Bathonium, also im mittleren Jura, kamen Ankylosaurier bereits in Afrika vor, wie der Fund von Spicomellus in Marokko belegt.15Maidment, S. C. R. et al. (2021). Bizarre dermal armour suggests the first African ankylosaur. Nature Ecology & Evolution, 5(12), 1576–1581. doi:10.1038/s41559-021-01553-6
Peter M. Galton |
Peter M. Galton schlug 2019 auf Grundlage möglicher Ankylosaurier-Reste aus der Kota Formation einen noch älteren Ursprung im unteren Jura (Sinemurium bis Pliensbachium) vor.16Galton, P. M. (2019). Earliest record of an ankylosaurian dinosaur (Ornithischia: Thyreophora). Dermal armor from Lower Kota Formation (Lower Jurassic) of India. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen, 291(2), 205–219. doi:10.1127/njgpa/2019/0800 |
Spencer G. Lucas |
Spencer G. Lucas argumentierte jedoch 2025, dass diese Fossilien deutlich jünger sein könnten als ursprünglich angenommen, da sich das Alter der Kota Formation wahrscheinlich bis in den Mitteljura hinein erstreckt.17Lucas, S. G. (2025). Fossil vertebrates, biostratigraphy, biochronology and chronostratigraphy. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 667, 112890. doi:10.1016/j.palaeo.2025.112890 |
Von der schottischen Insel Skye sind zudem eine unvollständige Speiche (Radius) und Elle (Ulna) aus Schichten des mitteljurassichen Bajociums bekannt. Ob diese Knochen aber zu einem Ankylosaurier oder einem Stegosaurier gehörten, ist bislang nicht geklärt.18Clark, N. D. L. (2001). A thyreophoran dinosaur from the early Bajocian (Middle Jurassic) of the Isle of Skye, Scotland. Scottish Journal of Geology, 37, 19–26. Es lässt sich derzeit somit noch nicht genau sagen, wann sich Stegosaurier und Ankylosaurier entwicklungsgeschichtlich voneinander getrennt haben. Was wir aber sagen können: bei den Stegosauriern wurden die Osteoderme im Laufe der Evolution zunehmend aufgerichtet, während der seitliche Körperschutz komplett verloren ging.19Coombs, W. P. (1978). The families of the ornithischian dinosaur order Ankylosauria. Palaeontology, 21(1), 143–170. Die Ankylosaurier entwickelten dagegen immer stärkere Panzerungen, mit einer Ausbildung von Osteodermen an der gesamten Körperoberseite und sogar auf der Schädeloberfläche, die sich zunehmend zu einem massiven Körperpanzer verflochten.20Maryanska, T. (1977). Ankylosauridae (Dinosauria) from Mongolia. Palaeontologia Polonica, 37, 85–151. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass der ursprüngliche Panzer ihrer Vorfahren zunächst aus einzelnen, noch nicht miteinander verwachsenen Osteodermen bestand.21Tumanova, T. A. (1987). Pantsirnyye dinozavry Mongolii. Trudy Sovmestnaya Sovetsko-Mongol’skaya Paleontologicheskaya Ekspeditsiya, 32, 1–80.
Paul Sereno |
Kenneth Carpenter schlug 1997 erstmals eine informelle, sehr einfach gehaltene Definition der Ankylosauria als Klade vor: sie umfasst alle Ornithischier, die näher mit Ankylosaurus verwandt sind als mit Stegosaurus.22Carpenter, K. (1997). Ankylosauria. In Currie, P. J. & Padian, K. (Hgg.), Encyclopedia of Dinosaurs. Academic Press, San Diego, 16–20. Paul Sereno verfeinerte diese Definition 2005, indem er ausdrücklich Ankylosaurus magniventris und Stegosaurus stenops als Typusarten dieser Gattungen als Bezugspunkte festlegte.23Sereno, P. C. (2005). The Logical Basis of Phylogenetic Taxonomy. Systematic Biology, 54(4), 595–619. doi:10.1080/106351591007453 Diese Definition wurde später von Daniel Madzia und Kollegen übernommen, als der Gruppenname und die Definition 2021 nach den Regeln des PhyloCode offiziell formalisiert wurden.24Madzia, D. et al. (2021). The phylogenetic nomenclature of ornithischian dinosaurs. PeerJ, 9, e12362. doi:10.7717/peerj.12362 |
Umstritten ist jedoch nach wie vor, welche Dinosaurier tatsächlich zu den Ankylosauriern gerechnet werden sollen, besonders sehr frühe und basale Taxa, die möglicherweise noch vor der Trennung zwischen Ankylosauriern und Stegosauriern lebten. Dazu zählen besipielsweise Scutellosaurus, Emausaurus und Scelidosaurus. Einige Analysen, darunter jene von Kenneth Carpenter (2001)25Carpenter, K. (2001). Phylogenetic Analysis of the Ankylosauria. In Carpenter, K. (Hg.), The Armored Dinosaurs. Indiana University Press, 455. und David B. Norman (2021)26Norman, D. B. (2021). Scelidosaurus harrisonii (Dinosauria: Ornithischia) from the Early Jurassic of Dorset, England. Biology and phylogenetic relationships. Zoological Journal of the Linnean Society, 191(1), 1–86. doi:10.1093/zoolinnean/zlaa061, kamen zu dem Ergebnis, dass diese drei frühen Thyreophoren tatsächlich näher mit Ankylosaurus verwandt sind als mit Stegosaurus. Auf dieser Grundlage schlugen Carpenter und später Norman vor, den Begriff Ankylosauria neu zu definieren und ihn nur auf die beiden Familien Nodosauridae (Panzersaurier ohne Schwanzkeule) und Ankylosauridae (Panzersaurier mit Schwanzkeule) zu beschränken. Für alle Formen, die zwar keiner dieser Familien eindeutig zugeordnet werden können, die aber trotzdem näher mit Ankylosaurus als mit Stegosaurus verwandt sind, führten sie die neue Klade Ankylosauromorpha ein. Da jedoch selbst diese ursprünglichen Formen immer schon als Ankylosauria betrachtet wurden, sofern sie evolutionär weiter entfernt mit Stegosaurus verwandt waren, hielten Madzia und Kollegen eine solche Neudefinition für obsolet.27Madzia, D. et al. (2021). The phylogenetic nomenclature of ornithischian dinosaurs. PeerJ, 9, e12362. doi:10.7717/peerj.12362
Sergio Soto-Acuña |
Doch auch die traditionelle Aufteilung der Ankylosauria in die beiden Familien Ankylosauridae und Nodosauridae ist inzwischen umstritten. Einige jüngere Entdeckungen sehr ungewöhnlicher Panzersaurier, wie z.B. Stegouros elengassen, stellen dieses Ordnungssystem zunehmend auf den Kopf. 2021 führten Sergio Soto-Acuña und Kollegen bei der Beschreibung dieses ungewöhnlichen basalen Ankylosauriers die neue Klade Euankylosauria ein, die als größte Klade definiert ist, die Ankylosaurus magniventris und Nodosaurus textilis umfasst, jedoch nicht Stegouros elengassen.28Soto-Acuña, S. et al. (2021). Bizarre tail weaponry in a transitional ankylosaur from subantarctic Chile. Nature, 600(7888), 259–263. doi:10.1038/s41586-021-04147-129Fonseca, A. O. et al. (2024). A comprehensive phylogenetic analysis on early ornithischian evolution. Journal of Systematic Palaeontology, 22(1), 2346577. doi:10.1080/14772019.2024.2346577 |
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Thomas J. Raven und Kollegen rückten 2023 komplett von der traditionellen Aufteilung der Ankylosauria ab. Sie betrachteten die einst als Nodosauridae interpretierte Gruppe als polyphyletisch und teilten sie neu ein. Panoplosauridae und Struthiosauridae bilden in ihrem Stammbaum einen Zweig, der den Ankylosauriden (mit Schwanzkeule!) näher steht als den Polocanthidae.30Raven, T. J. et al. (2023). The phylogenetic relationships and evolutionary history of the armoured dinosaurs (Ornithischia: Thyreophora). Journal of Systematic Palaeontology, 21(1), 2205433. doi:10.1080/14772019.2023.2205433 Dieser Einschätzung bin ich auch in dem untenstehenden möglichen Stammbaum gefolgt. |

Körperbau
Auch wenn bislang kein vollständiges Skelett von Ankylosaurus bekannt ist, lässt sich sicher sagen, dass er der bei weitem größte bekannte Ankylosaurine und möglicherweise sogar der größte Vertreter aller Ankylosauridae, sowie einer der größten bekannten Thyreophoren überhaupt war. Schon der kleinste bekannte Schädel von AMNH 5214 misst ganze 55,5 cm in der Länge und 64,5 cm in der Breite. Damit ist er trotzdem größer als die Schädel aller anderen bekannten Ankylosaurinen. Das größte Exemplar CMN 8880 hat jedoch einen Schädel mit 64,5cm Länge und 74,5cm Breite!
Die genauen Körpermaße und das Gewicht von Ankylosaurus können aufgrund der Spärlichkeit der Fossilien jedoch bis heute nur ungenau geschätzt werden, entsprechend bewegen sich alle aktuellen Größenangaben in einem recht breiten Rahmen: moderate Schätzungen beginnen bei AMNH 5214 schon bei 5,4 Metern Körperlänge, reichen aber auch bei diesem „kleinen“ Exemplar schon bis zu 7,94 Metern. Letztere Angabe fürfte aber wohl doch eher unwahrscheinlich sein. Das größte Exemplar CMN 8880 könnte allerdings tatsächlich zwischen 6,25 und 9,99 Metern lang gewesen sein. Das Spektrum der Gewichtsschätzungen für Ankylosaurus ist ebenfalls sehr weitreichend, von 4,78 Tonnen im Minumum bis 7,95 Tonnen im Maximum. 31Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-04332Benson, R. B. J. et al. (2014). Rates of Dinosaur Body Mass Evolution Indicate 170 Million Years of Sustained Ecological Innovation on the Avian Stem Lineage. PLOS Biology, 12(5), e1001853. doi:10.1371/journal.pbio.100185333Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063Da auch viele andere, besser bekannte Ankylosaurier bereits Längen von 5 bis 6 Metern Länge und ein Gewicht von über 5 Tonnen erreichten, Ankylosaurus aber doch erheblich größer war, habe ich ihm in Die weißen Steine eine maximale Länge von 8,5 Metern und ein Gewicht von 6 Tonnen gegeben. Damit bewegt er sich in einem moderaten, aber realistischen Rahmen.
Vollkommen unbekannt sind bis heute unter anderem weite Teile des Beckens, des Schwanzes und der Füße. Dennoch gilt als sicher, dass sich Ankylosaurus vierbeinig fortbewegte. Die Hinterbeine waren länger als die Vorderbeine und trugen den Großteil des Körpergewichts. Außerdem waren sie offenbar darauf spezialisiert, große Kräfte auf die Vorderfüße zu übertragen, möglicherweise beim Sammeln oder Erreichen von Nahrung. Darüber hinaus könnten Ankylosaurier zumindest begrenzt dazu imstande gewesen sein, mit den Vorderbeinen im Boden zu graben oder wenigstens zu wühlen. Die hufartige Struktur der Vorderfüße schränkte ein ausgeprägtes Grabverhalten allerdings stark ein. Insgesamt war Ankylosaurus wohl ein eher gemächlicher Läufer. Allerdings konnte er sich bei Bedarf wohl durchaus überraschend rasch bewegen, wenn auch wahrscheinlich nicht besonders lange und ausdauernd. 34Coombs, W. P. (1978). Theoretical aspects of cursorial adaptations in dinosaurs. The Quarterly Review of Biology, 53(4), 393–418. doi:10.1086/41079035Coombs, W. P. Jr. (1978). Forelimb muscles of the Ankylosauria (Reptilia: Ornithischia). Journal of Paleontology 52, 642–657.36Coombs, W. P. Jr. (1979). Osteology and myology of the hindlimb in the Ankylosauria (Reptilia: Ornithischia). Journal of Paleontology 53, 666–684.
Die Halswirbel trugen breite Neuraldornen, die in Richtung des Körpers höher wurden. Der vordere Bereich dieser Neuraldornen besaß stark entwickelte Enthesen, was bei ausgewachsenen Dinosauriern häufig vorkommt und auf kräftige Bänder hinweist, die vermutlich den massiven Schädel stützten. Die Rückenwirbel lagen dicht beieinander, wodurch die Beweglichkeit des Rückens nach unten eingeschränkt wurde. Sie besaßen kurze Wirbelkörper (Centra) im Verhältnis zu ihrer Breite. Ihre Neuraldornen waren kurz und schmal. Daran befanden sich verknöcherte Sehnen, die teilweise mehrere Wirbel überlappten. Die Rippen der letzten vier Rückenwirbel waren mit den Diapophysen und Parapophysen verwachsen – also jenen Knochenfortsätzen, an denen die Rippen mit den Wirbeln verbunden waren. Dadurch war der Brustkorb im hinteren Bereich des Körpers besonders breit gebaut. Die Schwanzwirbel besaßen leicht amphicoele Wirbelkörper, das heißt, sie waren auf beiden Seiten konkav eingedellt.37Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-043

Die Panzerung
Ein auffälliges Merkmal von Ankylosaurus war sein massiver Panzer aus Knochenplatten und Knochenhöckern, sogenannten Osteodermen oder Scutes, die in die Haut eingebettet waren. Diese wurden bislang noch nicht in natürlicher anatomischer Verbindung gefunden, weshalb ihre genaue Position am Körper unbekannt ist. Mithilfe verwandter Ankylosaurier lassen sich jedoch Rückschlüsse ziehen. Die Osteoderme unterscheiden sich teils deutlich von ihrer Form und Größe. Manche haben einen Durchmesser von nur etwa einem Zentimeter, die größten jedoch messen bis zu 35,5 Zentimetern Länge. Sie alle waren jedoch relativ dünnwandig und auf der Unterseite ausgehöhlt. Zwischen den größeren Panzerplatten befanden sich vermutlich zahlreiche kleinere Osteoderme und Ossikel, wie es auch bei anderen Ankylosauriden bekannt ist. Dieses Geflecht sorgte für einen effizienten Körperschutz.38Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-04339Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063
Die Osteoderme der Ankylosauriden waren im Vergleich zu denen anderer Ankylosaurier, wie z.B. bei Nodosauriden wie Denversaurus, relativ dünn, aber durch zufällig verteilte Polster aus Kollagenfasern verstärkt. Diese Fasern ähnelten strukturell den sogenannten Sharpey-Fasern und waren direkt im Knochengewebe verankert. Das ist in dieser Weise bislang nur bei Ankylosauriden bekannt. Die so entstehende Panzerung ist somit gleichzeitig leicht, aber dennoch äußerst Widerstandsfähig und schützte das Tier sowohl gegen schwere Druckbelastungen als auch punktuell auftretenden Kräften, also wenn das Tier von einem Beutegreifer gebissen wurden.40Scheyer, T. M. & Sander, P. M. (2004). Histology of ankylosaur osteoderms. Implications for systematics and function. Journal of Vertebrate Paleontology, 24(4), 874–893. doi:10.1671/0272-4634(2004)024[0874:hoaoif]2.0.co;2 Paradoxerweise war der Panzer dennoch gut durchblutet. Möglicherweise könnte er eine Rolle bei der Thermoregulation gespielt haben, ähnlich wie bei heutigen Krokodilen.41Carpenter, K. (1982). Skeletal and dermal armor reconstruction of Euoplocephalus tutus (Ornithischia: Ankylosauridae) from the Late Cretaceous Oldman Formation of Alberta. Canadian Journal of Earth Sciences, 19(4), 689–697. doi:10.1139/e82-058
Wie andere Ankylosauriden besaß auch Ankylosaurus sogenannte Hals-Halbringe – gepanzerte Strukturen am Hals. Diese sind jedoch nur fragmentarisch bekannt, weshalb ihre genaue Anordnung unsicher bleibt. Möglicherweise waren die Platten von oben betrachtet paarweise angeordnet und bildeten dadurch eine umgekehrte V-Form über dem Hals, wie Kenneth Carpenter vorschlug. Die Lücke entlang der Mittellinie könnte so vermutlich durch kleine Ossikel (runde Knochenplättchen) gefüllt worden, um Beweglichkeit zu ermöglichen. Wahrscheinlich war dieser Panzerbereich zu breit, um ausschließlich den Hals zu bedecken, und schützte auch den Halsansatz und die Schulterregion.42Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-043
Die merkwürdigen Halbringe
Philip J. Currie |
Moderne Betrachtungen jedoch widersprechen dieser These. Victoria M. Arbour und der kanadische Paläontologe Philip J. Currie wiesen darauf hin, dass die Fragmente der Hals-Halbringe des Holotyps nicht zusammenpassten, wobei sie einräumten, dass dies auch auf Beschädigungen zurückgehen könnte. Bei den verwandten Gattungen Anodontosaurus und Euoplocephalus bildeten die Halbringe jedoch zwei halbkreisförmige Panzerplatten um den oberen Halsbereich, was auch sehr wahrscheinlich für Ankylosaurus ist.43Arbour, V. M. & Currie, P. J. (2015). Systematics, phylogeny and palaeobiogeography of the ankylosaurid dinosaurs. Journal of Systematic Palaeontology, 14(5), 1–60. doi:10.1080/14772019.2015.1059985 |
Arbour und Jordan C. Mallon führten diese Idee später weiter aus und beschrieben die Halbringe als „durchgehende U-förmige Joche“ über dem oberen Hals. Ihrer Ansicht nach besaß jeder Halbring sechs gekielte Osteoderme mit ovalen Basen. Die ersten Osteoderme hinter dem zweiten Hals-Halbring ähnelten vermutlich in ihrer Form jenen des ersten Halbrings. Sie äußerten auch konkrete Vermutungen über die Anordnung der übrigen Körperpanzerung. Weiter hinten auf dem Rücken nahmen die Osteoderme wahrscheinlich allmählich an Größe ab. Die größten Osteoderme waren vermutlich in quer verlaufenden und längs verlaufenden Reihen über weite Teile des Körpers angeordnet. Wahrscheinlich gab es vier oder fünf Querreihen, die jeweils durch Hautfalten voneinander getrennt waren. Die Osteoderme an den Körperseiten besaßen vermutlich eine eher quadratische Form, während jene auf dem Rücken stärker gerundet waren. Möglicherweise verliefen auch an den Flanken vier Längsreihen von Osteodermen. Im Gegensatz zu einigen ursprünglicheren Ankylosauriern und vielen Nodosauriern scheinen Ankylosauriden keinen vollständig verwachsenen Beckenschild über den Hüften besessen zu haben. Einige ungekielte Osteoderme könnten jedoch oberhalb der Hüftregion gelegen haben, so ist es z.B. Euoplocephalus belegt, oder dort saßen möglicherweise drei oder vier Querreihen kleiner, runder Osteoderme, die kleiner waren als jene auf dem übrigen Körper, ähnlich wie bei Scolosaurus. Einige abgeflachte, spitz zulaufende Platten ähneln jenen an den Schwanzseiten von Saichania und waren möglicherweise ähnlich bei Ankylosaurus verteilt. Osteoderme mit ovalen Kielen könnten sich auf der Oberseite des Schwanzes oder an den Seiten der Gliedmaßen befunden haben. Zusammengedrückte dreieckige Osteoderme, die zusammen mit Ankylosaurus-Fossilien gefunden wurden, könnten an den Seiten des Beckens oder am Schwanz gelegen haben. Außerdem sind eiförmige, gekielte und tropfenförmige Osteoderme bekannt. Diese könnten an den Vorderbeinen gelegen haben, ähnlich wie bei Pinacosaurus. Ob auch die Hinterbeine Osteoderme trugen, kann dagegen nicht gesagt werden.44Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063
Teile der Hals-Halbringe von Ankylosaurus (AMNH 5895) im Vergleich mit dem ersten Hals-Halbring von Euoplocephalus (AMNH 5406) sowie postzervikale Osteoderme von Ankylosaurus. Bildquelle: Victoria M. Arbour, Jordan C. Mallon, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.
Wie Ankylosaurus zu einer lebenden Festung wurde
Bei einem besonders gut erhaltenen Exemplar von Antarctopelta oliveroi konnte inzwischen auch die Bidung kleiner Knochenplatten (Ossikel) durch verschiedene Mikroskopietechniken untersucht werden. Diese bestehen aus einer dünnen äußeren und einer dicken inneren Schicht mit faserigen Kollagenbündeln. Die Analyse legt nahe, dass die Ossikel durch Metaplasie, also Verknöcherung einer faserigen Grundstruktur, entstanden, ergänzt durch eine zellinduzierte Faserbildung, ähnlich der Neoplasie. Der Panzer eines Ankylosaurus war also nicht von Beginn an ein unurchdringlicher Schutz, sondern musste im Laufe des Wachstums erst immer weiter aushärten.45Sanchez, S. et al. (2025). Microstructure and development of the dermal ossicles of Antarctopelta oliveroi (Dinosauria, Ankylosauria). A complex morphogenetic system deciphered through three-dimensional X-ray microtomography. Journal of Anatomy, 247, 665–681. doi:10.1111/joa.14159 Die Squamosalhörner, die beim größten bekannten Ankylosaurus stumpfer sind als beim kleinsten Exemplar, bieten ebenfalls einblicke ins Wachstum junger Ankylosaurier. Dasselbe Muster zeigt sich auch bei Euoplocephalus.46Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063 Untersuchungen an unterschiedlich alten Exemplaren von Pinacosaurus zeigen zudem, dass sich während der Jugend die Rippen mit den Wirbeln verwuchsen. Außerdem wurden die Vorderbeine im Verlauf des Wachstums deutlich robuster, während die Hinterbeine im Verhältnis zum restlichen Skelett kaum größer wurden. Bei den Hals-Halbringen entwickelten die darunterliegenden Knochenbänder Fortsätze, die sie mit den darüberliegenden Osteodermen verbanden. Gleichzeitig verwuchsen auch die Osteoderme zunehmend miteinander.47Burns, M., Tumanova, T. & Currie, P. (2015). Postcrania of juvenile Pinacosaurus grangeri (Ornithischia: Ankylosauria) from the Upper Cretaceous Alagteeg Formation, Alag Teeg, Mongolia. Implications for ontogenetic allometry in ankylosaurs. Journal of Paleontology, 89(1), 168–182. doi:10.1017/jpa.2014.14 Am Schädel verknöcherten zuerst die mittleren Knochenplatten im Bereich der Schnauze und am hinteren Schädelrand. Von dort aus breitete sich die Verknöcherung schrittweise in Richtung der mittleren Schädelregionen aus. Am restlichen Körper verlief die Verknöcherung von vorne nach hinten, also vom Hals in Richtung Schwanz.48Currie, P. J. et al. (2011). Hands, feet, and behaviour in Pinacosaurus (Dinosauria: Ankylosauridae). Acta Palaeontologica Polonica, 56(3), 489–504. doi:10.4202/app.2010.0055

Der Schädel
Der Schädel von Ankylosaurus war niedrig und dreieckig geformt sowie deutlich breiter als lang. Die hintere Schädelregion war breit und flach. An der Schnauzenspitze befand sich ein breiter Schnabel. Die Hirnschale war kurz und robust gebaut, ähnlich wie bei anderen Ankylosaurinen. Die Knochenkämme über den Augenhöhlen gingen in die oberen, pyramidenförmigen Squamosalhörner über. Diese Hörner ragten schräg nach hinten und zu den Seiten aus dem hinteren Schädelbereich heraus. Der Knochenkamm und die Hörner waren ursprünglich vermutlich getrennte Elemente, wie man es auch bei verwandten Gattungen wie Pinacosaurus und Euoplocephalus beobachten kann. Unterhalb der oberen Hörner befanden sich auch sogenannte Jugalhörner, die nach hinten und unten zeigten. Wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um Osteoderme, die später mit dem Schädel verwuchsen. Die schuppenartige Schädelornamentierung auf der Oberfläche von Ankylosaurier-Schädeln wird als Caputegulae bezeichnet. Sie entstand durch Umbildung des Schädels selbst. Dadurch wurden die Schädelnähte zwischen den einzelnen Knochen verwischt oder vollständig überdeckt, was typisch für ausgewachsene Ankylosaurier ist. Das Muster dieser Caputegulae variiert zwischen den einzelnen Exemplaren, auch wenn bestimmte Merkmale sich doch sehr ähneln. Die Augenhöhlen waren nahezu rund bis leicht oval und blickten nicht direkt zur Seite, da sich der Schädel nach vorne hin verjüngte. Ihre Position deutet darauf hin, dass das Tier über ein gewisses stereoskopisches Sehen verfügte.49Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-04350Arbour, V. M. & Currie, P. J. (2015). Systematics, phylogeny and palaeobiogeography of the ankylosaurid dinosaurs. Journal of Systematic Palaeontology, 14(5), 1–60. doi:10.1080/14772019.2015.105998551Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-0063 Beim eng Verwandten Euoplocephalus wurden die Augen durch gepanzerte Augenlider geschützt.52Coombs, W. (1972). The Bony Eyelid of Euoplocephalus (Reptilia, Ornithischia). Journal of Paleontology, 46(5), 637–650.53Vickaryous, M. K. & Russell, A. P. (2003). A redescription of the skull of Euoplocephalus tutus (Archosauria: Ornithischia). A foundation for comparative and systematic studies of ankylosaurian dinosaurs. Zoological Journal of the Linnean Society, 137(1), 157–186. doi:10.1046/j.1096-3642.2003.00045.x Es ist somit wahrscheinlich, wenn auch nicht direkt durch Fossilien belegt, dass dies auch bei Ankylosaurus der Fall war.
Sozialverhalten – auch mit anderen Dinosauriern?
Fossilien von Ankylosaurus sind in den Fossillagerstätten vergleichsweise selten. Das deutet könnte darauf hindeuten, dass die Gattung entweder tatsächlich ökologisch selten war, oder aber bevorzugt Landschaftsbereiche bewohnte, die sich nicht gut für die Fossilisation eignen. Hochland- oder Waldgebiete bieten allegemein schlechtere Bedingungen für die Fossilerhaltung als die tiefer gelegenen Küstenebenen und Flussniederungen. Ein weiterer Ankylosaurier derselben Zeit, der Nodosaurier Denversaurus, kam im gleichen Lebensraum wie Ankylosaurus vor. Nach Kenneth Carpenter scheinen sich die Verbreitungsgebiete beider Gattungen jedoch nicht überschritten zu haben. Bislang wurden ihre Fossilien noch nie gemeinsam an derselben Fundstelle entdeckt. Denversaurus scheint vor allem die Tieflandgebiete bewohnt zu haben. Die schmalere Schnauze von Edmontonia deutet außerdem auf eine stärker spezialisierte Nahrung hin als bei Ankylosaurus. Dies spricht für eine ökologische Trennung der beiden Tiere, unabhängig davon, ob sich ihre Verbreitungsgebiete teilweise überschnitten oder nicht.89Arbour, V. M. & Mallon, J. C. (2017). Unusual cranial and postcranial anatomy in the archetypal ankylosaur Ankylosaurus magniventris. FACETS, 2(2), 764–794. doi:10.1139/facets-2017-006390Carpenter, K. (2004). Redescription of Ankylosaurus magniventris Brown 1908 (Ankylosauridae) from the Upper Cretaceous of the Western Interior of North America. Canadian Journal of Earth Sciences, 41(8), 961–986. doi:10.1139/e04-043
Erwachsene Ankylosaurus scheinen auch keine größeren Gruppen gebildet zu haben, obwohl dies bei manchen anderen Ankylosauriern im Jugendalter durchaus nachweislich vorkam.91Botfalvai, G., Prondvai, E. & Ősi, A. (2021). Living alone or moving in herds? A holistic approach highlights complexity in the social lifestyle of Cretaceous ankylosaurs. Cretaceous Research, 118, 104633. doi:10.1016/j.cretres.2020.104633 Da uns aber bislang keine Jungtiere von Ankylosaurus bekannt sind, kann über ein geselliges Verhalten im Jugendalter lediglich spekuliert werden. Einen Hinweis auf mögliches Gruppenleben gibt auch eine Untersuchung des fossi erhaltenen Kehlkopfs von Pinacosaurus grangeri. Dieser zeigt, dass dieser enge Verwandte von Ankylosaurus imstande war, komplexe Laute zu erzeugen. Zwar besaß Pinacosaurus keine bei Vögeln typische Syrinx als eigentliche Stimmquelle, doch sein großer, beweglicher Kehlkopf ähnelt in mehreren Merkmalen einem Lautverstärker oder Klangformer. Zwitschern konnte Anyklosaurus somit wohl nicht, aber er konnte sehr wohl unterschiedliche, auch sehr laute Töne von sich geben.92Yoshida, J., Kobayashi, Y. & Norell, M. A. (2023). An ankylosaur larynx provides insights for bird-like vocalization in non-avian dinosaurs. Communications Biology, 6, 152. doi:10.1038/s42003-023-04513-x
Phil R. Bell |
Möglicherweise bevorzugte Ankylosaurus aber zumindest zeitweilig gern die Gesellschaft anderer Pflanzenfresser als die seiner Artgenossen. Phil R. Bell und Kollegen konnten jedenfalls an sich überlagernden, aber parallel in die gleiche Richtung verlaufenden Fußspuren Hinweiese auf eine artgemischte Dinosaurierherde in der etwas älteren Dinosaur Park Formation nachweisen. Die meisten Spuren stammen von (verschiedenen!) Ceratopsiern. Allerdings wurden sie auch von einem Ankylosaurier begleitet.93Bell, P. R. et al. (2025). A ceratopsid-dominated tracksite from the Dinosaur Park Formation (Campanian) at Dinosaur Provincial Park, Alberta, Canada. PLOS ONE, 20(7), e0324913. doi:10.1371/journal.pone.0324913 Ob nun aber auch Ankylosaurus irgendeine Form von Gemeinschaftssinn hatte, ist allerdings nicht mit Sicherheit zu sagen. |

Quellenangaben:
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Paul Sereno
Sergio Soto-Acuña







