Name: Palaeolibuella wyomingensis („Alte Libelle aus Wyoming“)
Beschrieben: fiktionales Tier!
Ordnung: Odonata (Libellen); Familie: Aeshnidae (Edellibellen)
Körperlänge: ♂ und ♀ 0,22m
Flügelspannweite: ♂ und ♀ bis zu 0,26m
Ernährung: insectivor
Beschreibung:
Libellen gehören zu den ältesten Fluginsekten der Erde. Es gibt sie schon beinahe 100 Millionen Jahre länger als die ersten Dinosaurier, und sie haben sich bis heute in ihrem Körperbau kaum verändert. Schon im Karbonzeitalter vor über 300 Millionen Jahren beherrschten ihre riesigen Vorfahren, wie Meganeura, die Lüfte und erreichten Flügelspannweiten von bis zu 70 cm. Die Libellen des Maastrichtiums sind zwar deutlich kleiner, doch sie gehören nach wie vor zu den geschicktesten Jägern im Insektenreich. Als präzise Luftjäger halten sie sich bevorzugt in Gewässernähe auf und fangen dort andere Insekten. Ihre außergewöhnlichen Augen, die aus Tausenden einzelner Facetten bestehen, ermöglichen ihnen eine beinahe vollständige Rundumsicht, sodass sie Beutetiere oder Fressfeinde aus großer Entfernung erkennen können.

Palaeolibuella ist mit mehreren Arten in der Hell Creek Formation vertreten. Die häufigste und größte Art ist P. wyomingensis, die bevorzugt an den zahlreichen Flussläufen auf die Jagd geht. Zu ihrer Beute zählen vor allem Moskitos, Fliegen und auch andere, kleinere Libellen, die sie aus der Luft greift und mit ihren starken Mundwerkzeugen zerknackt. Dank ihrer erstaunlichen Größe ist sie hin und wieder auch hinter größerer Beute her und greift sich auch mal einen unvorsichtigen großen Käfer oder Tausendfüßer. Sogar frisch geschlüpfte, flugunfähige Insekten, die noch auf einem Halm trocknen, fallen ihr gelegentlich zum Opfer. P. wyomingensis ist eine besonders farbenprächtige Libelle, deren Flügel einen irisierenden Glanz haben und in allen Regenbogenfarben schillern, wenn sie nicht gerade fliegt. Ihr Körper ist von einem jadefarbenen Grünblau, das von gelbfunkelnden Streifen unterbrochen wird. Wie bei den meisten Libellen gibt es zwischen Männchen und Weibchen äußerlich kaum erkennbare Unterschiede.
Lebensweise:
Libellen gehören zu den wenigen Insekten, die ihre vier Flügel unabhängig voneinander bewegen können. Dadurch sind sie extrem wendig, können abrupt in der Luft stehen bleiben, blitzschnell die Richtung ändern und sogar rückwärts fliegen. Diese außergewöhnliche Manövrierfähigkeit macht sie zu nahezu perfekten Jägern, die eine Erfolgsquote von bis zu 95 % bei der Jagd haben. Diese Quote wird von keinem anderen Beutegreifer, nicht einmal den gefährlichsten Dinosauriern auch nur ansatzweise erreicht. Als ausgewachsene, flugfähige Exemplare haben diese Libellen eine eher kurze Lebenserwartung von nur wenigen Monaten bis zu höchstens einem Jahr.

Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie im Larvenstadium, wo sie noch reine Wassertiere sind und mit Kiemen atmen. Die Larven schlüpfen aus Eiern, die das Libellenweibchen gleich nach der Paarung in den Stiel einer Wasserpflanze sticht. Innerhalb von etwa vier Jahren entwickeln sie eine für Wasserinsekten beachtliche Größe von oft mehr als 10 cm Körperlänge, die sie in die Lage versetzt, Krebse, kleine Fische und auch Amphibien zu überwältigen. Ihre Larven gehören in der Unterwasserwelt zu den gefürchtetsten Räubern und jagen mithilfe eines speziellen Fangapparates, einer blitzschnell vorschnellenden Fangmaske, die ihre Beute mit messerscharfen Greifzangen packt. Danach klettern sie einen Schachtelhalm oder einen im Wasser stehenden Baum hinauf, verpuppen sich, streifen ihren Jugendpanzer ab und fliegen als „fertige“ Libellen davon, sobald ihre Flügel getrocknet sind. In ihren ersten Flugstunden bleiben sie meist in der Nähe des Wassers, bis sie kräftig genug sind, um größere Strecken zu fliegen. Schon bald darauf sind sie geschickte Jäger der Lüfte, die mit unglaublicher Präzision blitzschnell zuschlagen.
Palaeolibuella in Die Weißen Steine:
Band I:
Libellen sind in der Hell Creek Formation häufig und treten daher mehrmals im Buch in Erscheinung. Eine von ihnen Bringt Moritz im Kapitel „Aliens und Zeitreisen“ zur Überzeugung, in der Kreidezeit gestrandet zu sein.
Band II:
Fluginsekten schwirren eigentlich in jedem Kapitel irgendwo durch die Luft. Eine Begegnung zwischen John und der großen Libelle Palaeolibuella wyomingensis wird im Kapitel „Rettung“ beschrieben.
Band III:
Libellen, oft in den Morgenstunden aktiv, werden in „Monster im Sumpf“ von Alicia entdeckt.
Band IV:
Eine riesige Palaeolibuella landet in „Mea culpa“ auf Maries Hand und begibt sich dann wieder auf die Jagd nach anderen Fluginsekten. Auch in „Freundschaft“ schwirren Libellen durch die Luft, während sich Alicia und ihre Freundinnen durch den Sumpf kämpfen.

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Wissenschaftliches über Palaeolibuella:
Bei Palaeolibuella wyomingensis handelt es sich um ein fiktives Tier, das noch auf seine Entdeckung wartet. Die außergewöhnliche Größe von Palaeolibuella wyomingensis, die an die eines heutigen Singvogels heranreicht, ist rein spekulativ. Ich ging dabei noch von der irrigen Annahme aus, dass ein hoher atmosphärischer Sauerstoffgehalt, wie er nachweislich in der Kreidezeit vorherrschte,1Berner, R. A. (2006). GEOCARBSULF – a combined model for Phanerozoic atmospheric O₂ and CO₂. Geochimica et Cosmochimica Acta, 70(23), 5653–5664. doi:10.1016/j.gca.2005.11.0322Glasspool, I. & Scott, A. (2010). Phanerozoic atmospheric oxygen concentrations reconstructed from sedimentary charcoal. Nature Geoscience. doi:10.1038/ngeo9233Wade, D. C. et al. (2019). Simulating the climate response to atmospheric oxygen variability in the Phanerozoic – a focus on the Holocene, Cretaceous and Permian. Climatic Past, 15, 1463–1483. doi:10.5194/cp-15-1463-20194Berner, R. A. (1999). Atmospheric oxygen over Phanerozoic time. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 96(20), 10955–10957. doi:10.1073/pnas.96.20.10955 einen Gigantismus bei Insekten begünstigen würde. Tatsächlich kann dies aber inzwischen aber als widerlegt gelten: der Sauerstoffanteil in der Luft korreliert nur zufällig mit dem Riesenwuchs der Insekten im Karbon. Damals, schon lange vor den Dinosauriern, gab es Libellen wie Meganeura, die eine Flügelspannweite von 70cm erreichten.5Manzanera, R. A. J. & Smith, H. (2015). Flight in nature I – Take-off in animal flyers. The Aeronautical Journal, 119(1213), 257–280. doi:10.1017/S0001924000010472 Im darauffolgenden Perm wurden einige Gattungen wie Meganeuropsis sogar noch größer!6Zessin, W. (2008). Überblick über die paläozoischen Libellen (Insecta, Odonatoptera). Virgo, 11(1), 5–32 Da im Perm aber der Sauerstoffgehalt nicht höher war als heute, sind für den Riesenwuchs der Insekten im Paläozoikum wohl andere Faktoren entscheidend gewesen. In allen anderen Erdzeitalter mit hohem Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre waren die Insekten zudem auch nicht größer, als sie es heute sind.7Snelling, E. P. et al. (2026). Oxygen supply through the tracheolar–muscle system does not constrain insect gigantism. Nature. doi:10.1038/s41586-026-10291-3 Somit hat es derart große Insekten, wie sie in meinem Roman auftreten, wohl wahrscheinlich nicht in Wirklichkeit gegeben.

Die Anwesenheit von Libellen in der Hell Creek Formation ist allerdings sehr wohl belegt.8Nel, A. (2021). Maastrichtian representatives of the dragonfly family Aeschnidiidae question the entomofaunal turnover of the early Late Cretaceous. Palaeoentomology, 4. doi: 10.11646/palaeoentomology.4.3.5 Ein Bernsteinfossil wurde der Familie der Aeschnidiidae zugeordnet, eine ausgestorbene Familie der Großlibellen (Anisoptera). Die Aeschnidiiden waren weit verbreitet und kamen schon in der Kreidezeit auf nahezu allen Kontinenten der Erde vor. Ihre größte Vielfalt erreichten sie in der frühen Kreidezeit, bevor sie am Ende des Maastrichtiums vollständig ausstarben. Viele Vertreter dieser Familie waren relativ große Libellen mit Flügellängen von etwa 35 bis 45 Millimetern, was allerdings nicht an die Größe der im Roman beschriebenen Exemplare heranreicht. Die fiktionale Palaeolibuella wyomingensis habe ich 2015, als ich für mein Buch recherchiert habe, auch der Familie der Aeshnidae (Edellibellen) zugeordnet, die tatsächlich und auch noch heute existiert. Die Ähnlichkeit des Namens zu den heute ausgestorbenen, aber wirklich in der Hell Creek Formation belegten Aeschnidiidae, ist rein zufällig.
Quellenangaben:
- 1Berner, R. A. (2006). GEOCARBSULF – a combined model for Phanerozoic atmospheric O₂ and CO₂. Geochimica et Cosmochimica Acta, 70(23), 5653–5664. doi:10.1016/j.gca.2005.11.032
- 2Glasspool, I. & Scott, A. (2010). Phanerozoic atmospheric oxygen concentrations reconstructed from sedimentary charcoal. Nature Geoscience. doi:10.1038/ngeo923
- 3Wade, D. C. et al. (2019). Simulating the climate response to atmospheric oxygen variability in the Phanerozoic – a focus on the Holocene, Cretaceous and Permian. Climatic Past, 15, 1463–1483. doi:10.5194/cp-15-1463-2019
- 4Berner, R. A. (1999). Atmospheric oxygen over Phanerozoic time. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 96(20), 10955–10957. doi:10.1073/pnas.96.20.10955
- 5Manzanera, R. A. J. & Smith, H. (2015). Flight in nature I – Take-off in animal flyers. The Aeronautical Journal, 119(1213), 257–280. doi:10.1017/S0001924000010472
- 6Zessin, W. (2008). Überblick über die paläozoischen Libellen (Insecta, Odonatoptera). Virgo, 11(1), 5–32
- 7Snelling, E. P. et al. (2026). Oxygen supply through the tracheolar–muscle system does not constrain insect gigantism. Nature. doi:10.1038/s41586-026-10291-3
- 8Nel, A. (2021). Maastrichtian representatives of the dragonfly family Aeschnidiidae question the entomofaunal turnover of the early Late Cretaceous. Palaeoentomology, 4. doi: 10.11646/palaeoentomology.4.3.5
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