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Die Weißen Steine

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Dinosaurier aus Deutschland

Posted on Oktober 3, 2025September 9, 2026 by Markus Kretschmer
Lesedauer 24 Minuten

Dinosaurier lebten auf der ganzen Welt. Sie besiedelten alle Kontinente und Klimazonen während des Erdmittelalters. Auch bei uns in Deutschland kamen sie vor, obwohl Deutschland nicht gerade das ergiebigste Dinosaurierland ist. Die meisten Dino-Fossilien werden derzeit in Südamerika und China gefunden. Doch auch in unserer Heimat wurden einige aufsehenerregende Funde von Dinosauriern gemacht. Hier möchte ich sie dir einmal näher vorstellen!


Obertrias

Während der Trias bildeten alle Erdteile noch eine einzige große Landmasse, die von den Fachleuten Pangaea genannt wird. Zu Beginn dieser Periode gab es bei uns aber noch keine Dinosaurier. Sie traten als Tiergruppe erst vor etwa 235 Ma auf, allerdings entwickelten sie sich auf der kühleren und feuchteren Südhalbkugel, wahrscheinlich in Afrika oder Südamerika. Wann die Dinosaurier nordwärts zogen und sich auch die ariden Gebiete des heutigen Nordamerikas, Asiens und Europas erschlossen, ist derzeit noch unklar. Es gibt zwar einige Hinweise auf eine frühe Migration der Dinosaurier nordwärts, jedoch scheinen sie dort, wo heute Deutschland liegt, erst deutlich später angekommen zu sein.1Kent, D. V. & Clemmensen, L. B. (2021). Northward dispersal of dinosaurs from Gondwana to Greenland at the mid-Norian (215–212 Ma, Late Triassic) dip in atmospheric pCO₂. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 118(8), e2020778118. doi:10.1073/pnas.20207781182Griffin, C. T. et al. (2022). Africa’s oldest dinosaurs reveal early suppression of dinosaur distribution. Nature, 609, 313–319. doi:10.1038/s41586-022-05133-x

Erst in der späten Trias, vor etwa 215 Ma, waren sie auch bei uns in Deutschland bereits etabliert und mit mehreren Arten vertreten. Unsere Heimat war also schon früh ein wahres Dinosaurierparadies! Allerdings mussten sich die frühen Dinos zu jener Zeit ihren Lebensraum noch mit anderen großen Reptilien teilen. Dazu gehörten zum Beispiel die furchterregenden Rauisuchier, wie Teratosaurus,3Meyer, C. E. H. von (1861). Reptilien aus dem Stubensandstein des oberen Keupers. Palaeontographica, 7, 253–346.4Benton, M. J. (1986). The late Triassic reptile Teratosaurus – a rauisuchian, not a dinosaur. Palaeontology, 29, 293–301. oder der riesige Lurch Mastodonsaurus,5Jaeger, G. F. von (1828). Über die fossile Reptilien, welche in Württemberg aufgefunden worden sind. J. B. Metzler, Stuttgart, 1–48.6Schoch, R. R. (1999). Comparative osteology of Mastodonsaurus giganteus (Jaeger, 1828) from the Middle Triassic (Lettenkeuper: Longobardian) of Germany (Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie B, 278, 1–175. der die Größe eines heutigen Krokodils erreichte. Auch die frühe Schildkröte Proganochelys lebte in diesem Lebensraum.7Baur, G. (1887). Über den Ursprung der Extremitäten der Ichthyopterygia. Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen geologischen Vereines, 20, 17–20.8Schoch, R. R. & Sues, H. D. (2015). A Middle Triassic stem-turtle and the evolution of the turtle body plan. Nature. doi:10.1038/nature14472

Der Rauisuchier Teratosaurus, die Schildkröte Proganochelys und der Temnospondyl Mastodonsaurus lebten im gleichen Lebensraum wie die ältesten Dinosaurier aus Deutschland.

Die Trossingen- und Löwenstein Formation

Doch der bevorstehende Erfolg der Dinosaurier zeichnete sich schon in der späten Trias ab.9Meyer, H. von (1837). Mitteilung an Prof. Bronn (Plateosaurus engelhardti). Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 316.10Schaeffer, J. (2024). Osteological redescription of the holotype of Plateosaurus trossingensis (Dinosauria: Sauropodomorpha) from the Upper Triassic of SW Germany and its phylogenetic implications. Journal of Systematic Palaeontology, 22(1), 2335387. doi:10.1080/14772019.2024.2335387 Plateosaurus war zum Beispiel ein bis zu 10 m langer und 4 Tonnen schwerer Pflanzenfresser, beinahe so groß also wie ein heutiger Elefant. Mehr als 100 zum Teil hervorragend erhaltene Skelette dieses großen Tieres wurden allein entlang des Neckars und der Pegnitz gefunden.

Die meisten davon stammen aus dem schwäbischen Trossingen. In diesem beschaulichen Städtchen, das unter anderem auch berühmt ist für seine Musikinstrumente, befindet sich der größte „Dinosaurierfriedhof“ Europas. Nach ihm ist auch die Trossingen Formation benannt, eine der reichhaltigsten Fossillagerstätten der späten Trias. Unter ihr liegt die etwas ältere Löwenstein Formation. Beide Formationen lagerten sich im südlichen und mittleren Deutschland während der Zeit von vor 216 bis 201 Ma ab.11Beutler, G., Hauschke, N. & Nitsch, E. (1999). Faziesentwicklung des Keupers im Germanischen Becken. In Hauschke, N. & Wilde, V. (Hgg.), Trias – Eine ganze andere Welt. Mitteleuropa im frühen Erdmittelalter. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 129–174.
Deutsche Dinosaurier aus der Obertrias, von links nach rechts: Plateosaurus, Procompsognathus, Liliensternus, Ruehleia, Tuebingosaurus und Efraasia.

Von Sachsen-Anhalt über Thüringen bis nach Bayern wurden in ihren Aufschlüssen viele unterschiedliche Dinosaurier entdeckt. Darunter waren auch die etwas kleineren Prosauropoden Ruehleia12Galton, P. M. (2001). Prosauropod dinosaurs from the Upper Triassic of Germany. In Colectivo Arqueológico-Paleontológico de Salas (Hrsg.), Actas de las I Jornadas Internacionales sobre Paleontología de Dinosaurios y su Entorno, 25–92.13Beeston, S. L. et al. (2026). New information on Late Triassic sauropodomorph dinosaurs provides support for the independent acquisition of postcranial skeletal pneumaticity in avemetatarsalian lineages. Journal of Anatomy. doi:10.1111/joa.70045 und Efraasia14Huene, F. von (1908). Die Dinosaurier der Europäischen Triasformation mit Berücksichtigung der Aussereuropäischen Vorkommnisse. Geologische und Palaeontologische Abhandlungen, Suppl. 1(1), 1–419.15Yates, A. M. (2003). The species taxonomy of the sauropodomorph dinosaurs from the Löwenstein Formation (Norian, Late Triassic) of Germany. Palaeontology, 46(2), 317–337. doi:10.1111/j.0031-0239.2003.00301.x, der kleine Theropode Procompsognathus16Fraas, E. (1913). Die neuesten Dinosaurierfunde in der schwäbischen Trias. Naturwissenschaften, 1(45), 1097–1100.17Allen, D. (2004). The phylogenetic status of Procompsognathus revisited. Journal of Vertebrate Paleontology, 24(Suppl. 3), 34A. und der mittelgroße Jäger Liliensternus.18Huene, F. von (1934). Ein neuer Coelurosaurier in der thüringischen Trias. Paläontologische Zeitschrift, 16(3/4), 145–170.19Welles, S. P. (1984). Dilophosaurus wetherilli (Dinosauria, Theropoda): osteology and comparisons. Palaeontographica Abteilung A, 185, 85–180. Liliensternus und Ruehleia wurden beide nach dem Arzt und Paläontologen Hugo Rühle von Lilienstern benannt. Aus  Trossingen stammt außerdem der Tuebingosaurus.20Regalado Fernández, O. R. & Werneburg, I. (2022). A new massopodan sauropodomorph from Trossingen Formation (Germany) hidden as ‘Plateosaurus’ for 100 years in the historical Tübingen collection. Vertebrate Zoology, 72, 771–822. doi:10.3897/vz.72.e86348 Dieser ist insofern bemerkenswert, als er offenbar zu den Massopoda, einer fortschrittlicheren Gruppe von Sauropodomorphen gehört. Er war also mit den „echten“ Langhals-Sauriern deutlich näher verwandt als Plateosaurus. Allerdings wird sein Status als gültige Art von einigen Forschern auch angezweifelt.

Die Trossingen Formation in meinen Büchern:

Das prähistorische Trossingen ist einer der Handlungsorte in Mein zauberhaftes Dinosaurierbuch. In der neunten Geschichte reist du in die Trias, wobei du dem Plateosaurus Paul dabei hilfst, das zweibeinige Laufen zu lernen. Später kannst du ihn bei einem Wettrennen gegen seine Geschwister anfeuern.


Unterer Jura

Am Ende der Trias brach der Superkontinent Pangaea allmählich auseinander. Neue Seestraßen öffneten sich und der Meeresspiegel stieg stark an. Das Land, auf welchem zuvor noch Dinosaurier umherstapften, wurde größtenteils überflutet. Wo es zuvor noch Buschland, Halbwüsten und Nadel- und Zykadeenwälder gab, fand man nun Flachmeere, Korallenriffe, Inseln und Lagunen. An Land hatten sich nun großflächig dichte Wälder ausgebreitet, in denen auch Dinosaurier lebten. 21Golonka, J. (2007). Late Triassic and Early Jurassic palaeogeography of the world. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 244(1–4), 297–307. doi:10.1016/j.palaeo.2006.06.04122Barth, G. et al. (2018). Marine and terrestrial sedimentation across the T–J transition in the North German Basin. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 489, 74–94. doi:10.1016/j.palaeo.2017.09.02923Rübsam, W., Franz, M. & Schwark, L. (2025). A 25-million year record of organo-facies evolution in latest Triassic–early Jurassic coastal-deltaic to offshore environments in NE-Germany. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 676, 113166. doi:10.1016/j.palaeo.2025.113166

Aus dieser Zeit des Übergangs sind bislang kaum Fossilien von Dinosauriern bekannt. Nach einem Hangrutsch in der rheinland-pfälzischen Eifel im Herbst 2024 entdeckten Forscher am Steilufer der Prüm eine lokal begrenzte Gesteinsschicht, die vollgepackt mit Knochen und Zähnen von ausgestorbenen Tieren gewesen sei. Darunter waren demnach auch die Fossilien eines theropoden Raubdinosauriers, der wahrscheinlich eng mit dem etwas älteren Liliensternus verwandt oder sogar sein direkter Nachfahre gewesen sein könnte. In einer Pressemitteilung wurde das Tier 2026 vorerst der zuvor schon aus Frankreich bekannten Gattung Lophostropheus zugeordnet. Er ist der bislang einzige Dinosaurier aus Rheinland-Pfalz und auch der einzige, der direkt in der Zeit des Übergangs von der Trias zum Jura vor etwa 201 Millionen Jahren lebte.24Numberger-Thuy, L. D. et al. (2026). An unusual tetrapod assemblage from the latest Triassic of the South Eifel region (Rhineland-Palatinate, Germany). Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen, 317, 86. doi:10.1127/njgpa/1307

Nach dem Massenaussterben am Ende zerbrach Pangaea allmählich in zwei große Kontinente, zwischen denen allerdings auch im Jura noch immer wieder Landverbindungen bestanden. Im Süden lag nun die riesige Landmasse Gondwana, die aus dem heutigen Südamerika, Afrika, Indien, der Antarktis und Australien bestand. Im Norden hingegen befand sich Laurasia, welches das heutige Nordamerika, Europa und den größten Teil Asiens umfasste. Deutschland befand sich damals am Südrand dieses großen Nordkontinents. Allerdings lag es nun hauptsächlich unter Wasser! Im Unterjura setzte sich der Klimawandel fort. Neue Seestraßen öffneten sich und der Meeresspiegel stieg stark an. Das Land, auf welchem zuvor noch Dinosaurier umherstapften, wurde größtenteils überflutet.25Golonka, J. (2007). Late Triassic and Early Jurassic palaeogeography of the world. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 244, 297–307. doi:10.1016/j.palaeo.2006.06.04126Zimmermann, J. et al. (2015). Sequence stratigraphic framework of the Lower and Middle Jurassic in the North German Basin: epicontinental sequences controlled by Boreal cycles. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 440, 395–416. doi:10.1016/j.palaeo.2015.08.045

Besonders während der Zeit des Toarciums, vor rund 180 Ma, lagerte sich in weiten Teilen Mittel- bis Nordwesteuropas der sogenannte Posidonienschiefer ab. Nahe der schwäbischen Stadt Holzmaden wurden darin nicht nur zahlreiche Fische und Wirbellose, sondern auch viele beeindruckende Fossilien von Meereskrokodilen und Ichthyosauriern entdeckt. Beide waren an das Leben im Meer perfekt angepasst.27Riegraf, W., Werner, G. & Lörcher, F. (1984). Der Posidonienschiefer – Biostratigraphie, Fauna und Fazies des südwestdeutschen Untertoarciums (Lias epsilon). Enke-Verlag, Stuttgart, 1–123.28Seilacher, A. (1990). Die Holzmadener Posidonienschiefer. Entstehung der Fossillagerstätte und eines Erdölmuttergesteines. In Weidert, W. K. (Hg.), Klassische Fundstellen der Paläontologie. Band 2: 23 Fundgebiete und Aufschlüsse in Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Österreich, Schweiz und Tschechoslowakei. Goldschneck-Verlag, Korb, 107–131.29Maisenbacher, P. (1993). Saurier, SS und Schwermetalle. Posidonienschiefer: eine Herausforderung zum Entwurf fächerübergreifender Unterrichtsmodelle. Lehren und Lernen, 19(5), 1–26.30Selden, P. A. & Nudds, J. R. (2007). Fenster zur Evolution. Berühmte Fossilfundstellen der Welt. Elsevier/Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 79–87.

In den Korallenriffen unserer Heimat hatten sie wahrscheinlich ihre Kinderstuben. Einige der Fossilien der Ichthyosaurier waren so gut erhalten, dass man in ihnen sogar die Exemplare von Jungtieren entdecken konnte, was belegt, dass Ichthyosaurier lebendgebärend waren.31Pearce, J. C. (1846). Notice of what appears to be the embryo of an Ichthyosaurus in the pelvic cavity of Ichthyosaurus (communis?). Annals and Magazine of Natural History, 17, 44–46.32Böttcher, R. (1990). Neue Erkenntnisse über die Fortpflanzungsbiologie der Ichthyosaurier (Reptilia). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie B (Geologie und Paläontologie), 164, 1–51.33Gu, S. et al. (2026). High fecundity in an early-diverging ichthyosaur with over ten fetuses. PeerJ, 14, e21620. doi:10.7717/peerj.21620

Einige Ichthyosaurier aus dem Posidonienschiefer Deutschlands: Stenopterygius, der schwertfischartige Eurhinosaurus und darüber der riesige Temnodontosaurus.

Der Posidonienschiefer in meinen Büchern:

Das Jurameer des Posidonienschiefers ist einer der Handlungsorte in Mein zauberhaftes Dinosaurierbuch. In der achten Geschichte tauchst du hinab in ein bezauberndes Korallenriff, um der Stenopterygius-Dame Stella dabei zu helfen, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Die Dinosaurier des deutschen Unterjura

Auch ein Dinosaurier ist aus dem Posidonienschiefer bekannt. Der kleine Sauropode Ohmdenosaurus34Wild, R. (1978). Ein Sauropoden-Rest (Reptilia, Saurischia) aus dem Posidonienschiefer (Lias, Toarcium) von Holzmaden. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie B, 41, 1–15.35Probst, E. & Windolf, R. (2019). Ohmdenosaurus. Die Echse aus Ohmden. Leipzig, 1–66. wurde nach seinem Fundort bei Ohmden in Baden-Württemberg benannt. Er ist durch einige fragmentarische Beinknochen überliefert. Wahrscheinlich wurde der Kadaver dieses frühen Sauropoden durch die Flut ins Meer geschwemmt und gelangte so in den marinen Schiefer. Etwa gleichalt ist der kleine gepanzerte Emausaurus, der aber nicht in Süddeutschland, sondern bei Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde. Er stammt wohl aus einem südlichen Ausläufer der eigentlich dänischen Sorthat Formation.36Haubold, H. (1991). Der Greifswalder Dinosaurier Emausaurus. Fundgrube, 27(2), 51–60.37Stumpf, S. & Meng, S. (2013). Dinosaurier aus Nordostdeutschland. Biologie in unserer Zeit, 43(6), 362–368. doi:10.1002/biuz.201310521

Unweit seiner Fundstelle wurden außerdem die Überreste eines Sauropoden gefunden, der sich von Ohmdenosaurus aber deutlich unterscheidet und mit dem marokkanischen Tazoudosaurus verwandt sein könnte.38Stumpf, S., Ansorge, J. & Krempien, W. (2015). Gravisaurian sauropod remains from the marine late Early Jurassic (Lower Toarcian) of North-Eastern Germany. Geobios, 48(3), 271–279. doi:10.1016/j.geobios.2015.04.001


Mittlerer Jura

Die größten fleischfressenden Dinosaurier, die jemals in Deutschland lebten, trieben allerdings erst im Mitteljura ihr Unwesen, im Zeitalter des Calloviums vor etwa 164 Ma. Im Wiehengebirge, im Kalksteinbruch Pott nahe der Stadt Minden in Nordrhein-Westfalen, entdeckte man im Jahre 1999 die Überreste eines gewaltigen Raubdinosauriers. Eine Rippe dieses imposanten Tieres war um 50 % größer als die des Allosaurus, des wohl bekanntesten Theropoden des Jura. Ausgehend davon wurde die Gesamtlänge des Tieres damals auf mindestens 12 m beziffert. Dies wurde heute jedoch inzwischen etwas nach unten korrigiert. Neuere Untersuchungen lassen auf ein Tier von 7 bis 9 m Körperlänge schließen. Allerdings wurde festgestellt, dass es sich wohl um ein noch nicht ausgewachsenes Jungtier handelte. Wiehenvenator39Rauhut, O. W. M., Hübner, T. R. & Lanser, K.-P. (2016). A new megalosaurid theropod dinosaur from the late Middle Jurassic (Callovian) of north-western Germany: implications for theropod evolution and faunal turnover in the Jurassic. Palaeontologia Electronica, 19.2.29A. doi:10.26879/654, wie ihn die Wissenschaftler tauften, könnte als ausgewachsenes Tier also deutlich größer geworden sein. Ausgewachsen dürfte er Allosaurus also wohl deutlich übertroffen haben.

In der sogenannten Ornatenton Formation, wie man die Fundgegend nennt, wurden außerdem die Überreste von Meereskrokodilen und Pliosauriern, wie Metriorhynchus40Meyer, H. von (1832). Palaeologica zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe. Siegmund Schmerber, Frankfurt am Main, 560.41Young, M. T. et al. (2009). The evolution of Metriorhynchoidea (Mesoeucrocodylia, Thalattosuchia): an integrated approach using geometrics morphometrics, analysis of disparity and biomechanics. Zoological Journal of the Linnean Society, 158(4), 801–859. doi:10.1111/j.1096-3642.2009.00571.x und Liopleurodon42Meyer, H. von (1841). Thaumatosaurus oolithicus der fossile Wunder-Saurus aus dem Oolith. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 176–184.43Wagner, J. A. (1852). Neu-aufgefundene Saurier-Überreste aus den lithographischen Schiefern und dem obern Jurakalke. Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, 6, 663–710.44Huene, F. von (1934). Ein großer Pliosaurus aus dem schwäbischen Ornatenton. Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg, 90, 31–46.45Sachs, S. & Nyhuis, C. (2015). Belege für riesige Pliosaurier aus dem Jura Deutschlands. Der Steinkern, 21, 74–82. gefunden. Aber mindestens ein weiterer riesiger Fleischfresser lebte dort, auf den Inseln, die sich aus einem flachen Meer emporhoben. Ein enger Verwandter des Wiehenvenator war nämlich Torvosaurus, der ebenfalls bei uns in Deutschland gelebt haben könnte. Fußspuren und auch einige fragmentarische Schädelfossilien, die an der Lutternschen Egge zwischen Minden und Bad Oeynhausen entdeckt wurden, zeugen jedenfalls von der Anwesenheit eines großen Fleischfressers, der den nordamerikanischen und portugiesischen Funden sehr ähnlich war.46Rauhut, O. W. M. et al. (2020). The oldest record of the genus Torvosaurus (Theropoda: Megalosauridae) from the Callovian Ornatenton Formation of north-western Germany. Geologie und Paläontologie in Westfalen, 93, 1–13.

Perfekt ans Leben im Meer angepasste Krokodile wie Metriorhynchus (links) und riesige Pliosaurier wie Liopleurodon trieben in den Flachmeeren des deutschen Jurameeres ihr Unwesen.

Deutschland – frühe Hochburg der Megalosaurier

Wenn es sich hierbei wirklich um einen Torvosaurus handelt, so wären das die ältesten bekannten Überreste dieses Fleischfressers, der ansonsten nur aus dem Oberjura bekannt ist. Wir haben es also wohl eher doch mit einer eigenen, urtümlicheren Gattung zu tun. Deutschland könnte somit ein wichtiger Angelpunkt in der Entwicklungsgeschichte großer Megalosauriden gewesen sein. Von hier aus könnten sie auf dem Westweg nach Portugal und über eine Landbrücke von dort auch nach Nordamerika, sowie über den Südweg bis nach Ostafrika gelangt sein. Auch Torvosaurus konnte, wie Funde aus Portugal belegen, 11 m Körperlänge erreichen – sein möglicher deutscher Vorfahre vielleicht ebenfalls!

Ein weiterer Wirbel eines Megalosauriden, der durch die Gletscher der Eiszeit zu uns nach Deutschland transportiert worden ist, wurde bei Ahrensburg in der Nähe von Hamburg entdeckt und befindet sich heute im Eiszeitmuseum Lütjenburg. Sein ehemaliger Besitzer könnte vielleicht im prähistorischen Dänemark oder Schweden gelebt haben.47Huene, F. von (1966). Ein Megalosauriden-Wirbel des Lias aus norddeutschem Geschiebe. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Monatshefte, 318–319.48Lehmann, U. (1971). Faziesanalyse der Ahrensburger Liasknollen auf Grund ihrer Wirbeltierreste. Mitteilungen aus dem Geologischen Institut der Technischen Universität Hannover, 10, 21–42.49Lierl, H.-J. (1990). Die Ahrensburger Geschiebesippe. Fossilien, 7, 256–267.

Wiehenvenator (links) und Torvosaurus waren vielleicht die größten fleischfressenden Dinosaurier, die jemals in Deutschland lebten.

Oberjura

Je weiter sich die Tethys öffnete und je höher sich der Meeresspiegel hob, umso mehr prägte das Meer das Landschaftsbild unserer prähistorischen Heimat. Abseits der Korallenriffe sah es bei uns im Oberjura nun etwa so aus wie heute auf den Bahamas. Im tropisch warmen Tethysmeer lagen einige größere, aber vor allem viele kleinere Inseln. Diese waren aber auch die Heimat von mehreren verschiedenen Dinosauriern!50Gerschermann, S., Ballhaus, C. & Gäb, F. (2021). Rheological properties of calcite oozes: Implications for the fossilisation in the plattenkalks of the Solnhofen-Eichstätt lagoons in the Franconian Alb, Germany. PLoS ONE, 16(6), e0252469. doi:10.1371/journal.pone.025246951Ebert, M., Kölbl-Ebert, M. & Lane, J. A. (2015). Fauna and predator-prey relationships of Ettling, an actinopterygian fish-dominated Konservat-Lagerstätte from the Late Jurassic of southern Germany. PLoS ONE, 10(1), e0116140. doi:10.1371/journal.pone.011614052Fernandes, A. E. et al. (2025). A new species and the earliest occurrence of the Gnathosaurinae (Pterosauria) from the Late Kimmeridgian of Brunn, Germany. PalZ, 99, 339–353. doi:10.1007/s12542-025-00725-0

Urvögel

Das bekannteste Dinosaurier-Fossil aus Deutschland ist ohne Zweifel der Archaeopteryx, auch als Urvogel bekannt.53Meyer, H. von (1861). Archaeopteryx lithographica. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 1861, 678–679.54O’Connor, J. & Marugán-Lobón, J. (2026). Evaluating variation in Solnhofen avialans. Biology Letters, 22, 20250601. doi:10.1098/rsbl.2025.0601 Dieses kaum krähengroße Tier lebte vor 150 Millionen Jahren im oberen Jura, wurde im Steinbruch von Solnhofen in der bayerischen Altmühltal Formation entdeckt. Anhand einer einzigen gefundenen Feder wurde 1861 die Art beschrieben. Doch in den Jahren danach wurden auch vollständige, ebenfalls gefiederte Skelette dieses Tiers entdeckt. Inzwischen gibt es 14 Exemplare dieses Tiers.

Eines davon könnte jedoch auch eine eigene Gattung repräsentieren, da es deutlich größer ist: Wellnhoferia.55Elżanowski, A. (2001). A new genus and species for the largest specimen of Archaeopteryx. Acta Palaeontologica Polonica, 46(4), 519–532. Und noch ein weiterer Urvogel ist inzwischen als eigene Gattung beschrieben worden: Alcmonavis.56Rauhut, O. W. M., Tischlinger, H. & Foth, C. (2019). A non-archaeopterygid avialan theropod from the Late Jurassic of southern Germany. eLife, 8, e43789. doi:10.7554/eLife.43789 Deutschland könnte also offenbar nicht nur einen einzigen Urvogel, sondern eine wahre Vielfalt an frühen Verwandten der Vögel beheimatet haben. Die Eigenständigkeit von Wellnhoferia und Alcmonavis ist allerdings umstritten. Die 2026 veröffentlichte Gesamtanalyse der Solnhofen-Avialen spricht dafür, dass die bekannten Exemplare doch zu einem einzigen Taxon, Archaeopteryx, gehören könnten.57O’Connor, J. & Marugán-Lobón, J. (2026). Evaluating variation in Solnhofen avialans. Biology Letters, 22, 20250601. doi:10.1098/rsbl.2025.0601

 

Die Urvögel Deutschlands, von links nach rechts: Wellnhoferia, Archaeopteryx und Alcmonavis. Möglicherweise gehören sie aber doch alle zu einer gemeinsamen Gattung, Archaeopteryx.

Hier haben wir es also mit einem weiteren Beispiel der Lumper- und Splitter-Kontroverse zu tun: die Paläontologie kennt seit Jahrzehnten zwei gegensätzliche Herangehensweisen an die Benennung fossiler Arten. Die sogenannten „Splitter“ spalten Taxa bevorzugt in neue Arten oder Gattungen auf, wenn die einzelnen ihnen zugeschriebenen Exemplare schon kleinste (oder auch größere) erkennbare Unterschiede zeigen. Die „Lumper“ sehen solche Unterschiede eher als normale Variationsbreite in nur einer einzigen Art an, die etwa durch Alter, Geschlecht, Krankheiten oder individuelle Unterschiede zu erklären sind. Gerade bei Dinosauriern führt das immer wieder zu kontroversen Diskussionen. Manche vermeintlich neuen Arten verschwinden später wieder als Synonyme bereits bekannter Tiere. Umgekehrt werden lange bekannte Arten manchmal in mehrere eigenständige Taxa aufgeteilt, wenn neue Fossilien oder CT-Untersuchungen zusätzliche Unterschiede sichtbar machen. Das ist aber kein Zeichen dafür, dass Paläontologen ständig ihre Meinung ändern, und es beweist auch nicht, ob es bestimmte Dinosaurier nun „wirklich“ gegeben hat oder nicht. Taxonomische Namen sind in erster Linie allesamt nur wissenschaftliche Hypothesen über die evolutionären Beziehungen ausgestorbener Tiere. Mit jedem neuen Fossil können diese Hypothesen bestätigt, verfeinert oder auch verworfen werden.58Simpson, G. G. (1945). The Principles of Classification and a Classification of Mammals. Bulletin of the American Museum of Natural History, 85, 1–350.59Mayr, E. (1950). Taxonomic Categories in Fossil Hominids. Cold Spring Harbor Symposia on Quantitative Biology, 15, 109–118. doi:10.1101/SQB.1950.015.01.01360van Holstein, L. A. & Foley, R. (2022). A process-based approach to hominin taxonomy provides new perspectives on hominin speciation. Evolutionary Anthropology, 31, 348–361. doi:10.1002/evan.21946

Zurück zu den Urvögeln: Sie erregten jedenfalls schon bald nach ihrer Entdeckung auch außerhalb Deutschlands großes Aufsehen. Ihr Auftauchen stützte nämlich die damals noch junge Evolutionstheorie. Archaeopteryx ist eine Mosaikform, wie sie Charles Darwin in seinen Schriften vorausgesagt hatte. Eine Mosaikform ist ein Tier, das sowohl die Merkmale einer urtümlicheren als auch einer fortschrittlicheren Tiergruppe in sich vereint. Archaeopteryx hat die hohlen Knochen und die Federn eines Vogels. Aber er hat auch einen langen, knöchernen Schwanz, bekrallte Finger und Zähne im Schnabel, so wie ein Dinosaurier. Allerdings konnte er wahrscheinlich bereits aktiv fliegen. Es steht allerdings immer noch zur Debatte, wie gut er das konnte.61Nudds, R. L. & Dyke, G. J. (2010). Narrow primary feather rachises in Confuciusornis and Archaeopteryx suggest poor flight ability. Science, 328(5980), 887–889. doi:10.1126/science.118889562Voeten, D. F. A. E. et al. (2018). Wing bone geometry reveals active flight in Archaeopteryx. Nature Communications, 9, 923. doi:10.1038/s41467-018-03296-863O’Connor, J. K. & Clark, A. D. (2026). The ecology of Archaeopteryx. Discover Ecology, 2, 12. doi:10.1007/s44396-026-00026-z

Weitere Dinosaurier aus dem Altmühltal

Aus Bayern ist außerdem der Compsognathus bekannt, ein kaum hühnergroßer Theropode und Zeitgenosse des Archaeopteryx.64Wagner, J. A. (1859). Über einige im lithographischen Schiefer neu aufgefundene Schildkröten und Saurier. Gelehrte Anzeigen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 49, 553. Compsognathus hielt lange Zeit den Rekord als der kleinste Dinosaurier der Welt. Er wurde aber in der jüngeren Vergangenheit von einigen Theropoden aus China, die noch kleiner waren als er, vom Zwergen-Thron gestoßen. Trotzdem ist Compsognathus vielen Dino-Freunden noch immer ein Begriff. Nicht zuletzt, weil er als „Compy“ auch einige Auftritte in der Jurassic Park-Reihe hatte.

Sowohl Compsognathus als auch Archaeopteryx mussten jedoch auch vor Räubern auf der Hut sein. Aus der Luft drohte ihnen möglicherweise von Pterosauriern wie Germanodactylus Gefahr. An Land stellten ihnen auch noch größere Jäger wie Juravenator65Göhlich, U. B. & Chiappe, L. M. (2006). A new carnivorous dinosaur from the Late Jurassic Solnhofen archipelago. Nature, 440, 329–332. doi:10.1038/nature04579 oder der mit buschigen Federn bedeckte Sciurumimus66Rauhut, O. W. M. et al. (2012). Exceptionally preserved juvenile megalosauroid theropod dinosaur with filamentous integument from the Late Jurassic of Germany. Proceedings of the National Academy of Sciences, 109(29), 11746–11751. doi:10.1073/pnas.1203238109 nach. Von beiden sind bislang zwar bloß recht kleine Individuen als Fossil bekannt, doch der außergewöhnlich gute Zustand ihrer Körper verrät, dass die beiden noch längst nicht ausgewachsen waren: als Erwachsene erreichten diese Theropoden vielleicht eine Größe von mehreren Metern und könnten gefährliche Killer gewesen sein. Wie groß sie aber letzten Endes werden konnten, lässt sich aus Betrachtung der Fossilien nicht ableiten.67Foth, C. et al. (2020). Two of a Feather: A Comparison of the Preserved Integument in the Juvenile Theropod Dinosaurs Sciurumimus and Juravenator from the Kimmeridgian Torleite Formation of Southern Germany. In Foth, C. & Rauhut, O. W. M. (Hrsg.), The Evolution of Feathers, 79–101. doi:10.1007/978-3-030-27223-4_668Cau, A. (2024). A Unified Framework for Predatory Dinosaur Macroevolution. Bollettino della Società Paleontologica Italiana, 63(1), 1–19

Die Raubdinosaurier aus dem Altmühltal, von links nach rechts: Compsognathus, Juravenator und Sciurumimus. Die beiden letzteren sind allerdings nur als Jungtiere überliefert. Ausgewachsen könnten sie deutlich größere Beutegreifer von mehreren Metern Länge gewesen sein!

Die Altmühltal Formation in meinen Büchern:

Die Altmühltal Formation ist einer der Handlungsorte in Mein zauberhaftes Dinosaurierbuch. In der siebten Geschichte kommst du in den Oberjura Bayerns, wo du dem verzweifelten Urvogel Archie dabei hilfst, von der Insel zu fliehen, auf der er gestrandet ist.

Zwergsauropoden

Ein weiterer Bewohner der spätjurassischen Inselwelt war der kleine Sauropode Europasaurus69Sander, P. M. et al. (2006). Bone histology indicates insular dwarfism in a new Late Jurassic sauropod dinosaur. Nature, 441, 739–741. doi:10.1038/nature04633, der allerdings nicht in Bayern, sondern im Kalksteinbruch Langenberg am südlichen Rand des niedersächsischen Beckens entdeckt wurde. Europasaurus ist einer der kleinsten bekannten Sauropoden und ein gutes Beispiel für sogenannte Inselverzwergung: Aufgrund seines begrenzten Lebensraumes haben sich seine Vorfahren angepasst und sind immer kleiner geworden. Europasaurus wog wohl kaum mehr als eine Tonne. Wohlgemerkt: Seine Verwandten auf dem Festland konnten damals das mehr als siebzigfache Gewicht erreichen!70Carballido, J. L. et al. (2020). The appendicular skeleton of the dwarf macronarian sauropod Europasaurus holgeri from the Late Jurassic of Germany and a re-evaluation of its systematic affinities. Journal of Systematic Palaeontology, 18(9), 739–781. doi:10.1080/14772019.2019.1683770


Untere Kreidezeit

Auch die Kreidezeit kann mit mehreren verschiedenen deutschen Dinosauriern aufwarten. Im niedersächsischen Obernkirchen wurden zum Beispiel die fragmentarischen Überreste des Stenopelix71Butler, R. J. & Sullivan, R. M. (2009). The phylogenetic position of the ornithischian dinosaur Stenopelix valdensis from the Lower Cretaceous of Germany: implications for the early fossil record of Pachycephalosauria. Acta Palaeontologica Polonica, 54(1), 21–34. doi:10.4202/app.2009.0104 gefunden, die entweder zu einem kleinen Horndinosaurier oder Pachycephalosaurier gehören. In Nehden im Sauerland fand man außerdem mehrere recht gut erhaltene Exemplare von Iguanodonten, die historisch zunächst Iguanodon zugeordnet wurden. Heute gilt, dass wenigstens ein Teil davon wahrscheinlich zur Gattung Mantellisaurus gehört.72Norman, D. B. (1987). A mass-accumulation of vertebrates from the Lower Cretaceous of Nehden (Sauerland), West Germany. Proceedings of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences, 230(1259), 215–255. doi:10.1098/rspb.1987.001773Norman, D. B. (2013). On the taxonomy and diversity of Wealden iguanodontian dinosaurs (Ornithischia: Ornithopoda). Revue de Paléobiologie, 32(2), 385–404. Unweit davon fand man im nordrhein-westfälischen Gronau außerdem noch die Überreste eines gepanzerten Dinosauriers, der Hylaeosaurus aus England ähnelt. Ob es sich wirklich um diese Gattung handelt, muss aber noch geklärt werden.74Sachs, S. & Hornung, J. J. (2013). Ankylosaur remains from the Early Cretaceous (Valanginian) of Westphalia (northwestern Germany). PLoS ONE, 8(4), e60571. doi:10.1371/journal.pone.0060571 Die Tierwelt Deutschlands vor etwa 140-125 Ma ähnelte aber durchaus der deutlich besser erforschten Wessex- und Wealden-Formationen von England. Es ist somit also durchaus möglich, dass hier auch große Fleischfresser lebten, wie der Spinosauride Baryonyx oder der Carcharodontosaurier Neovenator.

Deutsche Dinosaurier aus der Unterkreide, wieder von links nach rechts: Stenopelix, Mantellisaurus und Hylaeosaurus.

Etwa aus der Mitte der Kreidezeit, aus dem Übergang vom Aptium zum Albium vor etwa 113 Ma, stammen die Überreste eines frühen Ornithomimosauriers, die sonst vor allem aus der Oberkreide Asiens und Nordamerikas bekannt sind. Bislang war Pelecanimimus aus der Unterkreide Spaniens der einzige eindeutige Vertreter dieser Theropoden in Europa. In einer karstigen Spaltenfüllung bei Balve entdeckten Forscher aber eine typische Handkralle und den Mittelfußknochen. Wahrscheinlich war der deutsche Ornithomimosaurier eng mit Pelecanimimus verwandt.75Theda, D. et al. (2025). The first ornithomimosaur remains from Germany. Acta Palaeontologica Polonica, 70(3), 543–555. doi:10.4202/app.01262.2025

Die Dinosaurier aus Münchehagen

Deutlich älter, nämlich etwa 139 Ma, sind die Fossilien aus Münchehagen bei Hannover. Dort sind zwar keine Skelette gefunden worden, allerdings viele sogenannte Ichnofossilien. Über 300 Fußabdrücke wurden dort entdeckt, die Dinosaurier auf feuchtem Untergrund in einer küstennahen Lagunen- und Flussmündungslandschaft hinterlassen haben. Diese Fußabdrücke bezeugen, dass es bei uns vor etwa 139 Millionen Jahren eine reichhaltige Dinosaurierfauna gab. Kleine Ornithopoden, ähnlich dem kleinen Hypsilophodon und dem größeren Iguanodon, gefürchteten Fleischfressern im Format des Neovenator und sogar gewaltigen Sauropoden von der Größe des berühmten Brontosaurus oder Apatosaurus aus Nordamerika durchstreiften unsere Heimat in der frühen Kreidezeit.76Hendricks, A. (1981). Die Saurierfährte von Münchehagen bei Rehburg-Loccum (NW-Deutschland). Abh. L.-Museum Naturkde. Münster, 43(2), 22.77Staesche, U. (1981). Die Saurierfährten von Münchehagen. In Becher, H. et al. (Hgg.), Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, 49, 146–149, Mainz.78Lockley, M. G., Wright, J. L. & Thies, D. (2004). Some Observations on the Dinosaur Tracks at Münchehagen (Lower Cretaceous), Germany. Ichnos, 11(3–4), 261–274. doi:10.1080/10420940490428805 Die Skelette dieser imposanten Tiere warten allerdings noch auf ihre Entdeckung. Dort, wo sie einst lebten, zeigt aber der Dinosaurierpark Münchehagen eine beeindruckende Ausstellung mit Modellen in Lebensgröße!

Silhouetten der Dinosaurier, die vor 139 Ma im heutigen Niedersachsen lebten. Allerdings sind bislang lediglich ihre Fußspuren bekannt.

Weitere Dino-Fährten aus Deutschland

Auch im niedersächsischen Obernkirchen, in einem Steinbruch auf dem Bückeberg, nach dem die Bückeberg Formation auch benannt worden ist, wurden etwa 2.700 Dinosaurier-Fußabdrücke ähnlichen Alters wie die aus Münchehagen entdeckt. Die untersten Fundhorizonte sind sogar noch etwas älter als jene aus Münchehagen und stammen aus der frühesten Kreidezeit. Darin finden sich auch die typischen, zweizehigen Fußabdrücke, die Deinonychosauriern zugeschrieben wurden, also jenen gefürchteten Raubsauriern, die umgangssprachlich „Raptoren“ genannt werden. In den oberen Schichten fanden sich dagegen die Spuren von großen Ornithopoden, wahrscheinlich Iguanodontiden. Von einer anderen Fundstelle, aber ebenfalls aus der Bückeburg Formation, sind auch die Spuren eines mutmaßlichen Ankylosauriers sowie auch eines sehr großen Theropoden bekannt.79Hornung, J. et al. (2012). Vertebrate tracksites in the Obernkirchen Sandstone (late Berriasian, Early Cretaceous) of northwest Germany— their stratigraphical, palaeogeographical, palaeoecological, and historical context. Paläontologische Zeitschrift, 86(3), 231–267. doi:10.1007/s12542-012-0131-780Sachs, S. & Hornung, J. J. (2013). Ankylosaur Remains from the Early Cretaceous (Valanginian) of Northwestern Germany. PLoS ONE, 8(4), e60571. doi:10.1371/journal.pone.0060571

Ebenfalls in Niedersachsen, in Barkhausen, wurde zudem eine prähistorische Fährtenreihe gefunden, die von mindestens 11 Dinosauriern verursacht wurde. Sie stammen von neun Sauropoden und zwei Theropoden. Allerdings sind diese Funde älter als die aus Münchehagen und vom Bückeberg. Vielleicht haben hier bereits vor etwa 150 Ma, während des späten Jura, zwei mächtige Jäger ihre potenzielle Beute verfolgt. Jedenfalls ist das eine interessante Verhaltenshypothese.81Diedrich, C. (2011). Upper Jurassic tidal flat megatracksites of Germany — coastal dinosaur migration highways between European islands, and a review of the dinosaur footprints. Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, 91(2), 129–155. doi:10.1007/s12549-010-0044-y82Schnabel, A. (2021). Als Heinrich Vehring vor 100 Jahren Dinosaurierspuren in Barkhausen entdeckte. noz.de, 05. Oktober 2021.

Noch ältere Fußspuren von Dinosauriern aus der Trias finden sich besonders in der Region Franken, wo vor allem die Spuren vieler kleiner Theropoden gefunden wurden.83Haubold, H. & Klein, H. (2002). Chirotherien und Grallatoriden aus der Unteren bis Oberen Trias Mitteleuropas und die Entstehung der Dinosauria. Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften, B 24, 1–22. Ein weiteres Gebiet mit ähnlich alten Spurenfunden liegt in Baden-Württemberg. Im Jahr 1912 wurde dort eine einzigartige, sechs Quadratmeter messende Platte mit über 100 Fußabdrücken entdeckt. Diese wurden jedoch während eines Bombenangriffs im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute existieren von diesem beeindruckenden Fund lediglich Bruchstücke und eine Skizze.84Haderer, F.-O. (2012). 100 Jahre Saurierfährten aus Stuttgart-Gablenberg und der Erstnachweis der Fährtengattung Atreipus Olsen & Baird 1986 im Kieselsandstein (Obere Trias, Karn, Hassberge-Formation) von Baden-Württemberg. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, 168, 29–51. doi:10.26251/jhgfn.168.2012.029-051


Oberkreide

Fossilien von Dinosauriern aus der Oberkreide, also der Zeit, in welcher meine Buchreihe Die Weißen Steine spielt, sind bei uns in Deutschland eher selten. Gesteinsschichten aus dieser Zeit sind meistens marinen Ursprungs, bildeten sich also im Meer. Aus meiner Heimat in Schleswig-Holstein sind aus der Oberkreide allerdings wieder zahlreiche Meeresfossilien bekannt. Und auch die Überreste von Mosasauriern und eines Plesiosauriers wurden in Norddeutschland bereits entdeckt, zum Beispiel in Lägerdorf bei Itzehoe.85Sachs, S., Hornung, J. J. & Reich, M. (2015). Mosasaurs from Germany – a brief history of the first 100 years of research. Netherlands Journal of Geosciences, 94(1), 5–18. doi:10.1017/njg.2014.1686Germann, H.-H. (2015). Zahnkrone eines Mosasauriers der Gattung Tylosaurus aus dem untersten Obercampan der Grube „Alsen“ in Lägerdorf (Schleswig-Holstein). Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 43, 67–69.87Sachs, S. & Ladwig, J. (2017). Reste eines Elasmosauriers aus der Oberkreide von Schleswig-Holstein in der Sammlung des Naturkunde-Museums Bielefeld. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend, 55, 28–36.88Germann, H.-H. (2018). Erstfund eines Clidastes cf. propython Cope, 1869 (Squamata: Mosasauridae) aus der pelagialen Schreibkreide des oberen Untercampaniums von Lägerdorf (Schleswig-Holstein). Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 46(2), 40–47.
Einer der wenigen Aufschlüsse der späten Kreidezeit in Lägerdorf, wo ich im September 2023 auf Fossiliensuche war.

Die Fossillagerstätten, die aber auf dem Land entstanden, wurden bei uns aber bereits weitestgehend durch Erosion abgetragen oder von jüngeren Schichten überlagert. Besonders die pleistozänen Vergletscherungen der Eiszeiten haben in Norddeutschland und im südlichen Ostseeraum massiv erodiert, teils hunderte Meter tief in den Untergrund eingeschnitten und dabei auch mesozoische Gesteine, einschließlich Oberkreide-Kreide, abgetragen und umgelagert.89Grube, F. (1979). Übertiefte Rinnen im Hamburger Raum. E&G Quaternary Science Journal, 29(1), 157–172. doi:10.3285/eg.29.1.1390Hübscher, C. P. et al. (2010). Structure and evolution of the Northeastern German Basin and its transition onto the Baltic Shield. Marine and Petroleum Geology, 27(4), 923–938. doi:10.1016/j.marpetgeo.2009.10.01791Hall, A. M. & van Boeckel, M. (2020). Origin of the Baltic Sea basin by Pleistocene glacial erosion. GFF, 142(3), 237–252. doi:10.1080/11035897.2020.1781246 In Adelholzen bei Siegsdorf in Oberbayern fand man allerdings die fragmentarischen Reste eines kleinen, etwa 2 Meter langen Hadrosauriers.92Wellnhofer, P. (1994). Ein Dinosaurier (Hadrosauridae) aus der Oberkreide (Maastricht, Helvetikum-Zone) des bayerischen Alpenvorlandes. Mitteilungen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, 34, 221–238. Dieser lebte dort genau zu der Zeit, in welcher Moritz, John und Heinrich in meiner Geschichte auftreten und ihre Abenteuer in Nordamerika an der Seite von T. rex und Co. erleben. Einen Namen hat dieser Dino allerdings noch nicht.

Deutschland war also in der Urzeit tatsächlich auch ein richtiges Dino-Land, und wer weiß, was in Zukunft noch für aufsehenerregende Entdeckungen bei uns gemacht werden. Schau dich gerne einmal auf dieser interaktiven Karte um! Hier habe ich die wichtigsten Urzeit-Orte, sowohl die Dino-Fundstellen als auch Museen, welche die Dinosaurier aus unserer Heimat zeigen, verzeichnet! 

Liste der bislang bekannten deutschen Dinosaurier:

ANMERKUNG: Mehrere Listeneinträge sind keine sicher bis zur Art oder Gattung bestimmten Funde. Besonders Hylaeosaurus, Mantellisaurus und Torvosaurus beruhen auf vorsichtigen Zuordnungen fragmentarischen Materials. Alcmonavis und Wellnhoferia sind aktuell umstritten; eine Studie von 2026 spricht dafür, die Solnhofen-Avialen insgesamt Archaeopteryx zuzuordnen.

Bild: Dinosaurier: Fundort: Alter:
Archaeopteryx lithographica Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Alcmonavis poeschli Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Compsognathus longipes Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Efraasia minor Baden-Württemberg

(Löwenstein Formation)

ca. 212 Ma

(Obertrias)

Emausaurus ernsti Mecklenburg-Vorpommern

(Sorthat Formation)

ca. 183 Ma

(Unterjura)

Europasaurus holgeri Niedersachsen

(Süntel Formation)

ca. 152 Ma

(Oberjura)

Hylaeosaurus sp. Nordrhein-Westfalen

(Bückeberg Formation)

ca. 142 Ma

(Unterkreide)

Juravenator starki Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Liliensternus liliensterni Thüringen

(Löwenstein Formation)

ca. 210 Ma

(Obertrias)

Lophostropheus sp. Rheinland-Pfalz

(Exter Formation?)

ca. 201 Ma

(Obertrias)

cf. Mantellisaurus atherfieldensis Nordrhein-Westfalen

(Wealden Formation?)

ca. 125 Ma

(Unterkreide)

Ohmdenosaurus liasicus Baden-Württemberg

(Posidonienschiefer)

ca. 182 Ma

(Unterjura)

Plateosaurus trossingensis Baden-Württemberg

(Trossingen Formation)

ca. 210 Ma

(Obertrias)

Procompsognathus triassicus Baden-Württemberg

(Löwenstein Formation)

ca. 212 Ma

(Obertrias)

Ruehleia bedheimensis Thüringen

(Trossingen Formation)

ca. 210 Ma

(Obertrias)

Sciurumimus albersdoerferi Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Stenopelix valdensis Niedersachsen

(Wealden Formation)

ca. 140 Ma

(Unterkreide)

Torvosaurus sp. (?) Nordrhein-Westfalen

(Ornatenton Formation)

ca. 164 Ma

(Mitteljura)

Tuebingosaurus maierfritzorum Baden-Württemberg

(Trossingen Formation)

ca. 210 Ma

(Obertrias)

Wellnhoferia grandis Bayern

(Altmühltal Formation)

ca. 150 Ma

(Oberjura)

Wiehenvenator albati Nordrhein-Westfalen

(Ornatenton Formation)

ca. 164 Ma

(Mitteljura)

Quellenangaben:

  • 1
    Kent, D. V. & Clemmensen, L. B. (2021). Northward dispersal of dinosaurs from Gondwana to Greenland at the mid-Norian (215–212 Ma, Late Triassic) dip in atmospheric pCO₂. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 118(8), e2020778118. doi:10.1073/pnas.2020778118 ↩︎
  • 2
    Griffin, C. T. et al. (2022). Africa’s oldest dinosaurs reveal early suppression of dinosaur distribution. Nature, 609, 313–319. doi:10.1038/s41586-022-05133-x ↩︎
  • 3
    Meyer, C. E. H. von (1861). Reptilien aus dem Stubensandstein des oberen Keupers. Palaeontographica, 7, 253–346. ↩︎
  • 4
    Benton, M. J. (1986). The late Triassic reptile Teratosaurus – a rauisuchian, not a dinosaur. Palaeontology, 29, 293–301. ↩︎
  • 5
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  • 6
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  • 7
    Baur, G. (1887). Über den Ursprung der Extremitäten der Ichthyopterygia. Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen geologischen Vereines, 20, 17–20. ↩︎
  • 8
    Schoch, R. R. & Sues, H. D. (2015). A Middle Triassic stem-turtle and the evolution of the turtle body plan. Nature. doi:10.1038/nature14472 ↩︎
  • 9
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  • 10
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  • 11
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  • 12
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  • 13
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  • 14
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  • 15
    Yates, A. M. (2003). The species taxonomy of the sauropodomorph dinosaurs from the Löwenstein Formation (Norian, Late Triassic) of Germany. Palaeontology, 46(2), 317–337. doi:10.1111/j.0031-0239.2003.00301.x ↩︎
  • 16
    Fraas, E. (1913). Die neuesten Dinosaurierfunde in der schwäbischen Trias. Naturwissenschaften, 1(45), 1097–1100. ↩︎
  • 17
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  • 18
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  • 19
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  • 20
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  • 21
    Golonka, J. (2007). Late Triassic and Early Jurassic palaeogeography of the world. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 244(1–4), 297–307. doi:10.1016/j.palaeo.2006.06.041 ↩︎
  • 22
    Barth, G. et al. (2018). Marine and terrestrial sedimentation across the T–J transition in the North German Basin. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 489, 74–94. doi:10.1016/j.palaeo.2017.09.029 ↩︎
  • 23
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  • 24
    Numberger-Thuy, L. D. et al. (2026). An unusual tetrapod assemblage from the latest Triassic of the South Eifel region (Rhineland-Palatinate, Germany). Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen, 317, 86. doi:10.1127/njgpa/1307 ↩︎
  • 25
    Golonka, J. (2007). Late Triassic and Early Jurassic palaeogeography of the world. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 244, 297–307. doi:10.1016/j.palaeo.2006.06.041 ↩︎
  • 26
    Zimmermann, J. et al. (2015). Sequence stratigraphic framework of the Lower and Middle Jurassic in the North German Basin: epicontinental sequences controlled by Boreal cycles. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 440, 395–416. doi:10.1016/j.palaeo.2015.08.045 ↩︎
  • 27
    Riegraf, W., Werner, G. & Lörcher, F. (1984). Der Posidonienschiefer – Biostratigraphie, Fauna und Fazies des südwestdeutschen Untertoarciums (Lias epsilon). Enke-Verlag, Stuttgart, 1–123. ↩︎
  • 28
    Seilacher, A. (1990). Die Holzmadener Posidonienschiefer. Entstehung der Fossillagerstätte und eines Erdölmuttergesteines. In Weidert, W. K. (Hg.), Klassische Fundstellen der Paläontologie. Band 2: 23 Fundgebiete und Aufschlüsse in Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Österreich, Schweiz und Tschechoslowakei. Goldschneck-Verlag, Korb, 107–131. ↩︎
  • 29
    Maisenbacher, P. (1993). Saurier, SS und Schwermetalle. Posidonienschiefer: eine Herausforderung zum Entwurf fächerübergreifender Unterrichtsmodelle. Lehren und Lernen, 19(5), 1–26. ↩︎
  • 30
    Selden, P. A. & Nudds, J. R. (2007). Fenster zur Evolution. Berühmte Fossilfundstellen der Welt. Elsevier/Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 79–87. ↩︎
  • 31
    Pearce, J. C. (1846). Notice of what appears to be the embryo of an Ichthyosaurus in the pelvic cavity of Ichthyosaurus (communis?). Annals and Magazine of Natural History, 17, 44–46. ↩︎
  • 32
    Böttcher, R. (1990). Neue Erkenntnisse über die Fortpflanzungsbiologie der Ichthyosaurier (Reptilia). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie B (Geologie und Paläontologie), 164, 1–51. ↩︎
  • 33
    Gu, S. et al. (2026). High fecundity in an early-diverging ichthyosaur with over ten fetuses. PeerJ, 14, e21620. doi:10.7717/peerj.21620 ↩︎
  • 34
    Wild, R. (1978). Ein Sauropoden-Rest (Reptilia, Saurischia) aus dem Posidonienschiefer (Lias, Toarcium) von Holzmaden. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie B, 41, 1–15. ↩︎
  • 35
    Probst, E. & Windolf, R. (2019). Ohmdenosaurus. Die Echse aus Ohmden. Leipzig, 1–66. ↩︎
  • 36
    Haubold, H. (1991). Der Greifswalder Dinosaurier Emausaurus. Fundgrube, 27(2), 51–60. ↩︎
  • 37
    Stumpf, S. & Meng, S. (2013). Dinosaurier aus Nordostdeutschland. Biologie in unserer Zeit, 43(6), 362–368. doi:10.1002/biuz.201310521 ↩︎
  • 38
    Stumpf, S., Ansorge, J. & Krempien, W. (2015). Gravisaurian sauropod remains from the marine late Early Jurassic (Lower Toarcian) of North-Eastern Germany. Geobios, 48(3), 271–279. doi:10.1016/j.geobios.2015.04.001 ↩︎
  • 39
    Rauhut, O. W. M., Hübner, T. R. & Lanser, K.-P. (2016). A new megalosaurid theropod dinosaur from the late Middle Jurassic (Callovian) of north-western Germany: implications for theropod evolution and faunal turnover in the Jurassic. Palaeontologia Electronica, 19.2.29A. doi:10.26879/654 ↩︎
  • 40
    Meyer, H. von (1832). Palaeologica zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe. Siegmund Schmerber, Frankfurt am Main, 560. ↩︎
  • 41
    Young, M. T. et al. (2009). The evolution of Metriorhynchoidea (Mesoeucrocodylia, Thalattosuchia): an integrated approach using geometrics morphometrics, analysis of disparity and biomechanics. Zoological Journal of the Linnean Society, 158(4), 801–859. doi:10.1111/j.1096-3642.2009.00571.x ↩︎
  • 42
    Meyer, H. von (1841). Thaumatosaurus oolithicus der fossile Wunder-Saurus aus dem Oolith. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 176–184. ↩︎
  • 43
    Wagner, J. A. (1852). Neu-aufgefundene Saurier-Überreste aus den lithographischen Schiefern und dem obern Jurakalke. Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, 6, 663–710. ↩︎
  • 44
    Huene, F. von (1934). Ein großer Pliosaurus aus dem schwäbischen Ornatenton. Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg, 90, 31–46. ↩︎
  • 45
    Sachs, S. & Nyhuis, C. (2015). Belege für riesige Pliosaurier aus dem Jura Deutschlands. Der Steinkern, 21, 74–82. ↩︎
  • 46
    Rauhut, O. W. M. et al. (2020). The oldest record of the genus Torvosaurus (Theropoda: Megalosauridae) from the Callovian Ornatenton Formation of north-western Germany. Geologie und Paläontologie in Westfalen, 93, 1–13. ↩︎
  • 47
    Huene, F. von (1966). Ein Megalosauriden-Wirbel des Lias aus norddeutschem Geschiebe. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Monatshefte, 318–319. ↩︎
  • 48
    Lehmann, U. (1971). Faziesanalyse der Ahrensburger Liasknollen auf Grund ihrer Wirbeltierreste. Mitteilungen aus dem Geologischen Institut der Technischen Universität Hannover, 10, 21–42. ↩︎
  • 49
    Lierl, H.-J. (1990). Die Ahrensburger Geschiebesippe. Fossilien, 7, 256–267. ↩︎
  • 50
    Gerschermann, S., Ballhaus, C. & Gäb, F. (2021). Rheological properties of calcite oozes: Implications for the fossilisation in the plattenkalks of the Solnhofen-Eichstätt lagoons in the Franconian Alb, Germany. PLoS ONE, 16(6), e0252469. doi:10.1371/journal.pone.0252469 ↩︎
  • 51
    Ebert, M., Kölbl-Ebert, M. & Lane, J. A. (2015). Fauna and predator-prey relationships of Ettling, an actinopterygian fish-dominated Konservat-Lagerstätte from the Late Jurassic of southern Germany. PLoS ONE, 10(1), e0116140. doi:10.1371/journal.pone.0116140 ↩︎
  • 52
    Fernandes, A. E. et al. (2025). A new species and the earliest occurrence of the Gnathosaurinae (Pterosauria) from the Late Kimmeridgian of Brunn, Germany. PalZ, 99, 339–353. doi:10.1007/s12542-025-00725-0 ↩︎
  • 53
    Meyer, H. von (1861). Archaeopteryx lithographica. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 1861, 678–679. ↩︎
  • 54
    O’Connor, J. & Marugán-Lobón, J. (2026). Evaluating variation in Solnhofen avialans. Biology Letters, 22, 20250601. doi:10.1098/rsbl.2025.0601 ↩︎
  • 55
    Elżanowski, A. (2001). A new genus and species for the largest specimen of Archaeopteryx. Acta Palaeontologica Polonica, 46(4), 519–532. ↩︎
  • 56
    Rauhut, O. W. M., Tischlinger, H. & Foth, C. (2019). A non-archaeopterygid avialan theropod from the Late Jurassic of southern Germany. eLife, 8, e43789. doi:10.7554/eLife.43789 ↩︎
  • 57
    O’Connor, J. & Marugán-Lobón, J. (2026). Evaluating variation in Solnhofen avialans. Biology Letters, 22, 20250601. doi:10.1098/rsbl.2025.0601 ↩︎
  • 58
    Simpson, G. G. (1945). The Principles of Classification and a Classification of Mammals. Bulletin of the American Museum of Natural History, 85, 1–350. ↩︎
  • 59
    Mayr, E. (1950). Taxonomic Categories in Fossil Hominids. Cold Spring Harbor Symposia on Quantitative Biology, 15, 109–118. doi:10.1101/SQB.1950.015.01.013 ↩︎
  • 60
    van Holstein, L. A. & Foley, R. (2022). A process-based approach to hominin taxonomy provides new perspectives on hominin speciation. Evolutionary Anthropology, 31, 348–361. doi:10.1002/evan.21946 ↩︎
  • 61
    Nudds, R. L. & Dyke, G. J. (2010). Narrow primary feather rachises in Confuciusornis and Archaeopteryx suggest poor flight ability. Science, 328(5980), 887–889. doi:10.1126/science.1188895 ↩︎
  • 62
    Voeten, D. F. A. E. et al. (2018). Wing bone geometry reveals active flight in Archaeopteryx. Nature Communications, 9, 923. doi:10.1038/s41467-018-03296-8 ↩︎
  • 63
    O’Connor, J. K. & Clark, A. D. (2026). The ecology of Archaeopteryx. Discover Ecology, 2, 12. doi:10.1007/s44396-026-00026-z ↩︎
  • 64
    Wagner, J. A. (1859). Über einige im lithographischen Schiefer neu aufgefundene Schildkröten und Saurier. Gelehrte Anzeigen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 49, 553. ↩︎
  • 65
    Göhlich, U. B. & Chiappe, L. M. (2006). A new carnivorous dinosaur from the Late Jurassic Solnhofen archipelago. Nature, 440, 329–332. doi:10.1038/nature04579 ↩︎
  • 66
    Rauhut, O. W. M. et al. (2012). Exceptionally preserved juvenile megalosauroid theropod dinosaur with filamentous integument from the Late Jurassic of Germany. Proceedings of the National Academy of Sciences, 109(29), 11746–11751. doi:10.1073/pnas.1203238109 ↩︎
  • 67
    Foth, C. et al. (2020). Two of a Feather: A Comparison of the Preserved Integument in the Juvenile Theropod Dinosaurs Sciurumimus and Juravenator from the Kimmeridgian Torleite Formation of Southern Germany. In Foth, C. & Rauhut, O. W. M. (Hrsg.), The Evolution of Feathers, 79–101. doi:10.1007/978-3-030-27223-4_6 ↩︎
  • 68
    Cau, A. (2024). A Unified Framework for Predatory Dinosaur Macroevolution. Bollettino della Società Paleontologica Italiana, 63(1), 1–19 ↩︎
  • 69
    Sander, P. M. et al. (2006). Bone histology indicates insular dwarfism in a new Late Jurassic sauropod dinosaur. Nature, 441, 739–741. doi:10.1038/nature04633 ↩︎
  • 70
    Carballido, J. L. et al. (2020). The appendicular skeleton of the dwarf macronarian sauropod Europasaurus holgeri from the Late Jurassic of Germany and a re-evaluation of its systematic affinities. Journal of Systematic Palaeontology, 18(9), 739–781. doi:10.1080/14772019.2019.1683770 ↩︎
  • 71
    Butler, R. J. & Sullivan, R. M. (2009). The phylogenetic position of the ornithischian dinosaur Stenopelix valdensis from the Lower Cretaceous of Germany: implications for the early fossil record of Pachycephalosauria. Acta Palaeontologica Polonica, 54(1), 21–34. doi:10.4202/app.2009.0104 ↩︎
  • 72
    Norman, D. B. (1987). A mass-accumulation of vertebrates from the Lower Cretaceous of Nehden (Sauerland), West Germany. Proceedings of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences, 230(1259), 215–255. doi:10.1098/rspb.1987.0017 ↩︎
  • 73
    Norman, D. B. (2013). On the taxonomy and diversity of Wealden iguanodontian dinosaurs (Ornithischia: Ornithopoda). Revue de Paléobiologie, 32(2), 385–404. ↩︎
  • 74
    Sachs, S. & Hornung, J. J. (2013). Ankylosaur remains from the Early Cretaceous (Valanginian) of Westphalia (northwestern Germany). PLoS ONE, 8(4), e60571. doi:10.1371/journal.pone.0060571 ↩︎
  • 75
    Theda, D. et al. (2025). The first ornithomimosaur remains from Germany. Acta Palaeontologica Polonica, 70(3), 543–555. doi:10.4202/app.01262.2025 ↩︎
  • 76
    Hendricks, A. (1981). Die Saurierfährte von Münchehagen bei Rehburg-Loccum (NW-Deutschland). Abh. L.-Museum Naturkde. Münster, 43(2), 22. ↩︎
  • 77
    Staesche, U. (1981). Die Saurierfährten von Münchehagen. In Becher, H. et al. (Hgg.), Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, 49, 146–149, Mainz. ↩︎
  • 78
    Lockley, M. G., Wright, J. L. & Thies, D. (2004). Some Observations on the Dinosaur Tracks at Münchehagen (Lower Cretaceous), Germany. Ichnos, 11(3–4), 261–274. doi:10.1080/10420940490428805 ↩︎
  • 79
    Hornung, J. et al. (2012). Vertebrate tracksites in the Obernkirchen Sandstone (late Berriasian, Early Cretaceous) of northwest Germany— their stratigraphical, palaeogeographical, palaeoecological, and historical context. Paläontologische Zeitschrift, 86(3), 231–267. doi:10.1007/s12542-012-0131-7 ↩︎
  • 80
    Sachs, S. & Hornung, J. J. (2013). Ankylosaur Remains from the Early Cretaceous (Valanginian) of Northwestern Germany. PLoS ONE, 8(4), e60571. doi:10.1371/journal.pone.0060571 ↩︎
  • 81
    Diedrich, C. (2011). Upper Jurassic tidal flat megatracksites of Germany — coastal dinosaur migration highways between European islands, and a review of the dinosaur footprints. Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, 91(2), 129–155. doi:10.1007/s12549-010-0044-y ↩︎
  • 82
    Schnabel, A. (2021). Als Heinrich Vehring vor 100 Jahren Dinosaurierspuren in Barkhausen entdeckte. noz.de, 05. Oktober 2021. ↩︎
  • 83
    Haubold, H. & Klein, H. (2002). Chirotherien und Grallatoriden aus der Unteren bis Oberen Trias Mitteleuropas und die Entstehung der Dinosauria. Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften, B 24, 1–22. ↩︎
  • 84
    Haderer, F.-O. (2012). 100 Jahre Saurierfährten aus Stuttgart-Gablenberg und der Erstnachweis der Fährtengattung Atreipus Olsen & Baird 1986 im Kieselsandstein (Obere Trias, Karn, Hassberge-Formation) von Baden-Württemberg. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, 168, 29–51. doi:10.26251/jhgfn.168.2012.029-051 ↩︎
  • 85
    Sachs, S., Hornung, J. J. & Reich, M. (2015). Mosasaurs from Germany – a brief history of the first 100 years of research. Netherlands Journal of Geosciences, 94(1), 5–18. doi:10.1017/njg.2014.16 ↩︎
  • 86
    Germann, H.-H. (2015). Zahnkrone eines Mosasauriers der Gattung Tylosaurus aus dem untersten Obercampan der Grube „Alsen“ in Lägerdorf (Schleswig-Holstein). Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 43, 67–69. ↩︎
  • 87
    Sachs, S. & Ladwig, J. (2017). Reste eines Elasmosauriers aus der Oberkreide von Schleswig-Holstein in der Sammlung des Naturkunde-Museums Bielefeld. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend, 55, 28–36. ↩︎
  • 88
    Germann, H.-H. (2018). Erstfund eines Clidastes cf. propython Cope, 1869 (Squamata: Mosasauridae) aus der pelagialen Schreibkreide des oberen Untercampaniums von Lägerdorf (Schleswig-Holstein). Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 46(2), 40–47. ↩︎
  • 89
    Grube, F. (1979). Übertiefte Rinnen im Hamburger Raum. E&G Quaternary Science Journal, 29(1), 157–172. doi:10.3285/eg.29.1.13 ↩︎
  • 90
    Hübscher, C. P. et al. (2010). Structure and evolution of the Northeastern German Basin and its transition onto the Baltic Shield. Marine and Petroleum Geology, 27(4), 923–938. doi:10.1016/j.marpetgeo.2009.10.017 ↩︎
  • 91
    Hall, A. M. & van Boeckel, M. (2020). Origin of the Baltic Sea basin by Pleistocene glacial erosion. GFF, 142(3), 237–252. doi:10.1080/11035897.2020.1781246 ↩︎
  • 92
    Wellnhofer, P. (1994). Ein Dinosaurier (Hadrosauridae) aus der Oberkreide (Maastricht, Helvetikum-Zone) des bayerischen Alpenvorlandes. Mitteilungen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, 34, 221–238. ↩︎

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