Die Paläontologie ist eine trockene Wissenschaft über uraltes Zeugs und komische Steine? Weit gefehlt! Tatsächlich gibt es im Bereich der Urzeitforschung viele Tatsachen, die verblüffend und komisch zugleich sind. Hier wollen wir die Urzeit mit Staunen, Humor und einem Augenzwinkern entdecken. Jede Woche gibt es hier einen neuen spannenden Fun-Fact über Erdgeschichte, Dinos und andere Urzeit-Tiere!

Fun-Fact #12
Es gibt mindestens 14 verschiedene Tiere, die einen Gattungsnamen mit dem Buchstaben T haben und den Artnamen „rex“ tragen. Sie alle können also mit der ikonischen Abkürzung T. rex abgekürzt werden. Tyrannosaurus rex hat also etliche weit weniger bekannte Namensvetter – die meisten davon dürften direkt durch ihn inspiriert worden sein, viele sind sogar unverkennbare Wortspiele. Mit Tylosaurus rex, einem großen Mosasaurier, der 2026 neu beschrieben wurde, existiert nun auch im wörtlichen wie übertragenen Sinne ein „T. rex der Meere“.
Fun-Fact #011
William Buckland, der 1824 mit Megalosaurus den ersten Dinosaurier beschrieb, war wahrscheinlich einer der exzentrischsten Wissenschaftler seiner Zeit, oder sogar aller Zeiten. Wenn er Fossilien sammelte, so tat er dies selbst bei schlechtestem Wetter und in den schlammigsten Bedingungen stets in seiner vornehmsten Kleidung. Was das Zeitmanagement anging, fiel er vor allem seinen Studenten als besonders pragmatisch auf, da er sich nicht damit aufhielt, sein Pferd vor dem Universitätsgebäude anzubinden, nein, er ritt des Öfteren schnurstracks direkt in den Hörsaal hinein und dozierte vom Rücken seines vierbeinigen Freundes aus.
In der heutigen Zeit würde es jedoch schwerfallen, in ihm einen großen Tierfreund zu sehen: Er hatte es sich nämlich zum Ziel gesetzt, sich in seinem Leben durch die komplette bekannte Zoologie zu speisen und führte mehrere Notizbücher, in denen er den Geschmack eines jeden Tieres detailliert festhielt, das er probiert hatte: von nicht ungewöhnlichen Schweinen, Rindern oder Geflügelsorten, aber auch über Ratten, Mäuse, Igel, Krokodile, Panther, verschiedene Arthropoden wie zum Beispiel Schmeißfliegen oder Spinnen, sogar die Welpen eines Hundes eines befreundeten Kollegen sowie eine mumifizierte Maus aus dem alten Ägypten und zahlreiche andere exotische Tiere aus zoologischen Sammlungen. Das Wort „Antiveganer“ bekommt durch Buckland tatsächlich eine völlig neue Bedeutung.
Fun-Fact #010
Hier eine Sonderausgabe der Paläo-Fun-Facts, nämlich am 4. Mai 2026, dem International Star Wars Day (May the Force be with you…). Passend dazu habe ich ein paar lustige Fakten präsentiert, die Star Wars und die Paläontologie miteinander verbinden. Tatsächlich gibt es da nämlich eine ganze Reihe an Referenzen!
Fun-Fact #009
Immer wieder hört oder liest man, dass die Dinosaurier ihren Erfolg und vor allem die langhalsigen Sauropoden ihren Gigantismus dem hohen Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre des Mesozoikums verdankten. Doch das ist ziemlicher Quatsch mit Soße! Erstens war der Sauerstoffgehalt in der Zeit, als die Dinos erstmals zu Riesen wurden, sogar niedriger als heute. Zweitens hat die Zusammensetzung der Atmosphäre keinen signifikanten Effekt auf die Größe von Wirbeltieren (und auch nicht auf Insekten, aber dazu mehr bei einem anderen Fun Fact!).
Tatsächlich war für den ersten großen Aufschwung der Dinos wohl eher ein massiver Klimawandel ausschlaggebend, die sogenannte Carnian Pluvial Episode (CPE). Vor etwa 233 Ma in der frühen Obertrias (Karnium) führten massiver Vulkanismus und tektonische Prozesse im Superkontinent Pangaea zu einem enormen Anstieg des CO₂-Gehalts. Es wurde dadurch zunächst heißer, dann aber auch feuchter. Für etwa ein bis zwei Millionen Jahre regnete es in vielen Gegenden so stark, dass sich ausgedehnte Wüsten in üppige Wälder verwandelten. Das kam den frühen Dinos sehr zugute, da sie gut an ein Leben unter solchen Bedingungen angepasst waren.
Der eigentliche Durchbruch kam jedoch erst noch viel später: Im Zuge des weiteren Zerfalls von Pangaea und des Massenaussterbens am Übergang von Trias zu Jura vor 201 Ma verschwanden viele konkurrierende Tiergruppen. Erst danach konnten sich die Dinosaurier endgültig durchsetzen und zur dominierenden Landtiergruppe auf der Erde werden.
Fun-Fact #008
Mehrere Studien (u.a. von Wiemann et al. 2015) zeigten, dass einige Dinosaurier, wie z.B. der Oviraptorier Heyuannia huangi, blau-grün gefärbte Eier legten. In den fossilen Eierschalen konnten Wissenschaftler die Pigmente Biliverdin und Protoporphyrin nachweisen, die auch heute bei Vogeleiern vorkommen. Damit kann als gesichert gelten, dass farbige Eier nicht erst bei modernen Vögeln entstanden, sondern bereits bei Dinosauriern existierten. Die Färbung könnte der Tarnung gedient haben.
Fun-Fact #007
Anders als in populären Medien häufig dargestellt, war Spinosaurus kein so guter Schwimmer, wie viele wahrscheinlich denken. Der Schwanz wurde zwar einst als Flosse interpretiert, besaß aber nicht die essentiellen Merkmale, um als Antrieb eine Rolle zu Spielen. Tauchen konnte Spinosaurus auch lange nicht so schnell wie ein Pinguin oder ein Krokodil, auch wenn er wahrscheinlich schon viel Zeit am und gelegentlich sicher auch im Wasser zubrachte. Seine Lebensweise entsprach aber nach Einschätzung der meisten Experten eher der eines Reihers, der geduldig auf seine Beute am Ufer wartete.
Tyrannosaurus hingegen lebte ebenfalls in einem sehr wasserreichen Lebensraum. Auf seiner Nahrungssuche musste er oft weite Stecken zurücklegen und besaß dafür sehr kräftige Beine, die ihm auch zugute kamen, wenn es mal fix einen Fluss, einen Sumpf oder einen See zu überqueren galt. Sein Schwanz war ebenfalls sehr kräftig und eine deutlich bessere Schwimmhilfe als der von Spinosaurus.
Beide Dinosaurier konnten sicherlich schwimmen, wahrscheinlich beide auch viel schneller und besser als ein Mensch. Aber bei einem direkten Schwimmwettkampf hätte – wie körperdynamische Studien nahelegen – tatsächlich T. rex die Nase vorn!
Da dieses Video eine kontroverse Diskussion nach sich zog, habe ich hier nochmal alle aktuellen Studie zur Schwimmfähigkeit beider Tiere zusammengestellt!
Fun-Fact #006
Wenn ein Junge zu seinem siebten Geburtstag einen „magischen“ Abakus geschenkt bekäme, mit dem er pro verschobener Perle ein volles Jahr in der Zeit zurückreisen könnte, würde es enorm lange dauern, eine Zeitreise zurück zu den letzten Dinosauriern wie Tyrannosaurus rex oder Triceratops zu machen! Angenommen, er schafft pro Sekunde zwei Perlen und zählt jeden Tag sechs volle Stunden lang, also seine gesamte Freizeit, die ihm neben Schule, Hausaufgaben und Schlafen noch bleibt, dann würde es über vier Jahre bis dahin dauern. Die Zeiträume innerhalb der Erdgeschichte sind wirklich gewaltig!
Fun-Fact #005
Manche Dinosaurier fraßen – entgegen der Darstellung in den populären Medien – tatsächlich DOCH ab und zu Gras. Auch wenn viele viral gehenden KI-Seiten gerade reihenweise das Gegenteil postulieren und behaupten, dass die meisten Dinosaurier niemals Gras gekannt hätten, ist das nur eine Halbwahrheit. Lange Zeit ging man zwar tatsächlich davon aus, dass diese Pflanzengruppe erst im Eozän und damit lange nach dem Aussterben der Nichtvogel-Dinosaurier auftrat. 2005 wurden dann aber Gras-Phytolithen in Dinosaurier-Koprolithen, also versteinertem Dung aus den Maastrichtium in Indien nachgewiesen, also noch aus der Zeit vor 66 Millionen Jahren. Als Urheber dieser „Häufchen“ werden Sauropoden angenommen. 2011 konnte an weiteren Funden aus dieser Region festgestellt werden, dass sich Süßgräser wie Reis damals bereits von anderen Grasfamilien abgespalten haben mussten, was eine viel frühere Evolution des Grases wahrscheinlich machte. 2018 konnten zwischen den Zähnen des chinesischen Ornithopoden Equijubus schließlich Grasfasern festgestellt werden, die aus dem Albium stammen und somit bis zu 113 Millionen Jahre alt sind.
Während Dinosaurier als Tiergruppe selbst zwar wohl deutlich älter sind als die Gräser und viele ikonische Dinosaurier aus dem Jura wie Stegosaurus oder Brontosaurus nie in den Genuss dieser kleinen Pflanze kommen konnten, so haben Gräser spätestens seit der Unterkreide zur Diät der Dinosaurier mit dazugehört. Die meisten bekannten Dinosauriergattungen stammen somit aus Zeiten, als Gräser auf der Welt bereits verbreitet waren. Offene Graslandschaften, wo kaum eine andere Pflanze als Gras wächst, gab es dagegen aber wohl erst im Känozoikum.
Fun-Fact #004
Anders als oft in populären Medien dargestellt war Velociraptor – wahrscheinlich einer der bekanntesten Dinosaurier überhaupt – eben kein gefürchteter Rudeljäger. Alle bekannten Exemplare wurden solitär – also einzeln – gefunden. Es gibt bislang überhaupt keinen Beleg für ein ausgeprägtes Sozialverhalten dieser Gattung, und das gilt sogar für die allermeisten Vertreter der Dromaosaurier.
Woher dann aber sein Ruf als intelligentes Tier mit Gemeinschaftssinn? Das hat wohl zwei Gründe:
Einerseits natürlich die Darstellung im Film „Jurassic Park“ – wo sich das Design des Tieres und auch seine literarische Vorlage aber auf einen ganz anderen Dinosaurier, nämlich Deinonychus stützen. Von Deinonychus gibt es tatsächlich mehrere Funde, bei denen mehrere Exemplare gemeinsam mit Tenontosaurus, einem wahrscheinlichen Beutetier, gefunden wurden, was zumindest für einen lockeren Sozialverband mit gelegentlichen Gemeinschaften spricht, wenigstens beim Jagen und Fressen.
Der zweite Grund: von etwas entfernter Verwandten Troodontiden wie Stenonychosaurus ist bekannt, dass diese wahrscheinlich gemeinsame Brutkolonien anlegten und mehrere Weibchen wenigstens in der Nistsaison gemeinsame Nester nutzten. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass Velociraptor ebenfalls so ein Verhalten zeigte, doch sollte man es doch eher anzweifeln: auch wenn die Vorstellung der im Rudel jagenden Intelligenzbestie natürlich fasziniert, ist sie sehr wahrscheinlich falsch und wird nicht durch handfeste Belege gestützt.
Fun-Fact #003
Vor rund 400 Millionen Jahren, während des frühen Devons, sah die Welt völlig anders aus als heute. Keine Wälder, kein Blätterdach, kein Rascheln in den Kronen, kein Vogelgezwitscher. Bäume gab es noch gar nicht! Stattdessen ragten bizarre, bis zu acht Meter hohe Säulen aus der Landschaft, genannt Prototaxites. Stell dir eine feuchte Flussniederung vor, in der niedrige Pflanzen wie Cooksonia, frühe Bärlappe und primitive Schachtelhalme kaum knöchelhoch wachsen. Dazwischen stehen diese gigantischen, merkwürdigen Türme. Vielleicht stößt einer von ihnen gerade eine Wolke aus Sporen aus, wobei es aber keineswegs gesichert ist, dass sich Prototaxites so fortgepflanzt haben.
Denn Fakt ist: Niemand weiß genau, was sie eigentlich waren! Sie wirkten wie Baumstämme, wurden einst auch dafür gehalten, sind aber ganz gewiss keine. Dann wurden sie bis vor einiger Zeit als gigantische Pilze interpretiert, doch auch das konnte kürzlich widerlegt werden. Was waren sie dann? Flechten? Algen? Eine völlig andere, heute komplett ausgestorbene Linie des Lebens? Die Forschung rätselt noch. Aber wenn man so weit in die Erdgeschichte – noch lange vor die Zeit der Dinosaurier! – zurückblickt, ist das auch kein Wunder, dass einem vieles völlig fremd vorkommt.
Fun-Fact #002
Cera und Scharfzahn aus „In einem Land vor unserer Zeit“ sind tatsächlich näher an mir im 21. Jahrhundert dran als an Littlefoot und Spike! Tatsächlich konnten sich Scharfzahn, unverkennbar ein Tyrannosaurus und Cera, die ein Triceratops-Baby ist, wirklich über den Weg laufen und befanden sich sogar wirklich in einer Räuber-Beute-Beziehung. Beide lebten vor 66 Millionen Jahren in der berühmten Hell Creek Formation in Nordamerika, während der späten Oberkreide. Damit gehörten sie auch zu den letzten Dinosauriern, denn sie erlebten das verheerende Chicxulub-Massenaussterben, ausgelöst durch einen Meteoriteneinschlag, direkt mit. Littlefoot, ein kleiner Apatosaurus, und Spike, ein Stegosaurus-Jungtier, lebten aber schon viel, viel früher. Tatsächlich waren aber auch sie Zeit- und Lebensraumgenossen. Beide lebten jedoch schon vor 155 Millionen Jahren in der Morrison Formation, ebenfalls in Nordamerika, während des oberen Jura.
Das bedeutet: die zeitliche Different zwischen Cera und Scharfzahn zu unserer Zeit ist deutlich geringer, als die zu Littlefoot und Spike. Dorthin blicken Cera und Scharfzahn über 80 Millionen Jahre weit zurück. Tatsächlich hätten also auch sie bereits Fosilien von Spike und Littlefoot finden können, auch für sie wären sie somit längst versteinerte Relikte aus längst vergangener Urzeit gewesen. Vielen Leuten ist aber nicht bewusst, was für gewaltige Zeiträume zwischen den einzelnen Erdzeitaltern liegen, und wie lange Dinosaurier eigentlich die Erde bewohnt haben.
Fun-Fact #001
Die Avocado wäre um ein Haar zusammen mit der Megafauna Südamerikas ausgestorben, da sie zur Fortpflanzung auf die großen Bodenfaultiere und Gomphotherien angewiesen war. Nur diese konnten die großen Samen schlucken und so verbreiten. Durch menschliche Kultivierung konnten die letzten Pflanzen überleben, als Menschen die Rolle der Großsäuger übernahmen.
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