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Wozu eigentlich Urzeitforschung?

Posted on September 7, 2024April 16, 2026 by Markus Kretschmer
Lesedauer 12 Minuten

Die Urzeitforschung beschäftigt sich mit der Erforschung vergangener Erdzeitalter und den Lebewesen, die einst unsere Welt bevölkerten. Doch warum ist es für uns heute so wichtig, mehr über längst vergangene Zeiten zu wissen? Was bringt uns das Wissen über Dinosaurier, ausgestorbene Pflanzen oder die Entstehung von Gebirgen? Ist das alles nur ein reines Nice-to-Know, ohne gesellschaftlichen Wert? Oder können Menschen, kann die Gesellschaft aus der Arbeit dieser Forscher doch einen wertvollen Nutzen aus der Urzeitforschung ziehen? Die Antwort lautet: Ja! Und warum, das möchte ich in diesem Artikel einmal etwas näher beleuchten.


Paläontologie: schmutzig, gefährlich, teuer!

Die Paläontologie ist im Vergleich zu anderen Wissenschaften, die heute unseren Alltag prägen, tatsächlich schon eine verhältnismäßig alte Disziplin. Schon vor mehr als 200 Jahren begann ihre Geschichte. In diesen ganzen beiden langen Jahrhunderten war sie die meiste Zeit sogar eine ausgesprochen anstrengende und aufreibende Arbeit. Im buchstäblichen Sinne ein Knochenjob, der besonders in der Anfangszeit der Paläontologie jedem, der sie betrieb, auch einen hohen körperlichen Tribut abverlangte.

Bone Wars – Die Knochenkriege

Und mitunter war dieser Job auch sehr gefährlich. In Zeiten, in denen viele Teile der Welt noch unerschlossen und wild waren, haben Forscher auch und vor allem dort nach Fossilien gesucht. Dabei haben sie nicht selten sogar ihr Leben riskiert. Ein besonders spannendes Kapitel dabei: die Bone Wars, die legendären Knochenkriege zwischen Edward D. Cope und Othniel C. Marsh. Dazu haben Hiltrud Cantauw, Michael Kubi und ich auch eine Videoreihe gemacht! Schau gerne mal rein!

Bis heute ist die Paläontologie vor allem eines geblieben: sie ist unglaublich teuer. Forschungsexpeditionen kosten eine Menge Geld. Auch die Ausrüstung ist damals wie heute sehr kostspielig. In der heutigen Zeit mit der modernen Technik stecken in vielen paläontologischen Forschungsprojekten sehr hohe Summen. Zumeist werden diese durch öffentliche Gelder gedeckt, aber auch sehr häufig finanzstarke Unterstützung von Privatinvestoren.

Irgendetwas muss die Paläontologie also doch für die Menschheit bringen, oder nicht? Geht es wirklich nur darum, die menschliche Neugier zu befriedigen? Die Welt, in der wir leben, und ihre lange sowie unsere kurze Geschichte besser zu verstehen? Ist es allein das, was die Forscher antreibt?


Wert des Wissens!

Zugegeben: Dieser Punkt ist wahrscheinlich tatsächlich einer der wichtigsten. Aber das ist längst nicht so ein lapidarer Punkt, wie es vielleicht den Anschein hat. Auch wenn die Befriedigung der Neugier zunächst einmal noch nichts Materielles hervorbringt, so darf man den Wert dessen, was hier produziert wird, nicht unterschätzen. Es geht schließlich um Informationen. Informationen sind eine Währung, die weit wertvoller sein kann als Öl, Diamanten oder Gold. Für Informationen, die zu Erkenntnissen führen, brennen die Leute seit eh und je.

Die großen Fragen „Wo kommen wir her?“ und „Wo gehen wir hin?“ sind wohl die Grundbausteine jeder Spiritualität. Jede Religion hat eine eigene Erklärung. Jede Philosophie baut auf dem Sinn unserer Existenz und der Ethik, mit der wir diese Existenz rechtfertigen, auf. Religionen und Philosophien bieten vor allem Deutungs- und Orientierungssysteme an, auf einer ethisch-moralischen Ebene. Sie liefern aber keine empirisch überprüfbaren Erklärungen im naturwissenschaftlichen Sinne. Das gehört auch gar nicht zu ihrem Anspruch. Und sie haben, wenn sie es gut und ehrlich meinen, und nicht auf fundamentalistischem Extremismus aufgebaut sind, noch nicht einmal den Anspruch, das zu tun. Religion basiert wesentlich auf Glaubensbasis, also das, was ihre Anhängerschaft für subjektiv wahr hält, aber nicht objektiv, auf empirisch überprüfbaren Aussagen über die Realität.

Daraus entwickelt sie Überzeugungen und das, was man je nach Religion auf moralischer Ebene als richtig und falsch ansieht. Doch das ist natürlich ambivalent, auch sehr von Kultur und Zeitgeist abhängig. Die zu glaubende „Wahrheit“ wird daher auch oft von den Religionen nachgeschärft und angepasst, wofür es zahllose Beispiele gibt.

Wissen statt Glauben!

Der Nobelpreisträger Max Planck hat das einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht:

„Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller seiner Überlegungen.“

Wer wirklich Wissen möchte, der muss alle Erklärungen, die ihm angeboten werden, aber immer wieder hinterfragen. Eine Religion tut das in der Regel nicht. Somit gehen Forscher den großen Fragen der Menschheit auf den Grund, aber auf empirischer Art und Weise, die Irrtum, Zweifel und Korrektur nicht nur erlaubt, sondern unbedingt voraussetzt. Sie haben nicht den Anspruch, zu überzeugen. Sie wollen lernen und verstehen. In der Paläontologie steht der Wunsch dahinter, dem tatsächlichen Ablauf der Erdgeschichte auf die Spur zu kommen. Es geht darum, sich methodisch möglichst wertfrei der immer weiter Realität anzunähern und herauszufinden, wie es der größten anzunehmenden Wahrscheinlichkeit nach wirklich gewesen ist.

Die Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens

Warum Wissenschaft ganz andere Antworten liefert als die Religion, und warum sie für die Erklärung der Natur wirklich die viel besseren hat, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt.

Wie Wissenschaftler arbeiten, und an welche Standards sie sich dabei halten müssen, erfährst du hier!

Statement gegen Kreationismus

Aus gegebenem Anlass habe ich zu einem wichtigen Teil dieses Themas, nämlich zum Kreationismus ein persönliches Statement geschrieben. Toleranz und Weltoffenheit sind für mich Werte, die ich ausdrücklich großschreibe. Allerdings muss ich für eine bestimmte Gruppe von Menschen dennoch Tür und Tor geschlossen halten. Kreationisten und anderen religiös motivierten Fanatikern sage ich ganz deutlich: Lasst mich gefälligst in Ruhe!

Warum ich da so allergisch reagiere, erkläre ich dir hier!

Wert der Demokratieverteidigung!

Fossilien sind dabei unsere Fenster in die Vergangenheit. Die Paläontologen sind gewissermaßen die „Fensterputzer“. Und das ist schon etwas wert! Schließlich war die Paläontologie schon immer ein Bestandteil der humanistischen Aufklärung. Sie hilft dabei, alte Dogmen und die Macht von religiösen Theokraten zu brechen, den Menschen die Augen für Tatsachen zu öffnen und Ideologien und Despotismus zu bekämpfen. Die Wissenschaften haben wesentlich zur Entwicklung unserer säkularen Gesellschaft, auch an den Grundrechten wie Meinungsfreiheit oder überhaupt so etwas wie einem Bildungssystem beigetragen. Dabei waren viele unterschiedliche Disziplinen beteiligt, und vielleicht nicht das größte, aber ein kleines Rädchen dabei war auch die Paläontologie.

Wie wichtig dieser Punkt auch heute noch ist, wurde uns auch schmerzlich in der Zeit der Krise deutlich. Diejenigen, die auf den oft gerügten Querdenker-Demos in einer Reihe mit Systemfeinden wie Neonazis und Reichsbürgern marschierten, waren größtenteils Menschen, die wissenschaftlichen Erkenntnissen kritisch oder ablehnend gegenüberstehen und einen gewissen Verschwörungsglauben teilen. Viele der „Mitläufer“ sehen sogar in der Gesamtheit aller Forscher eine große Verschwörung. Wir sehen hier also deutlich, wie wichtig Aufklärung auch in der heutigen Zeit noch ist! Die Paläontologie ist für viele Kinder die erste Wissenschaft, mit der sie sich erstmals in ihrem Leben interessiert befassen. Und damit schafft sie einen der wichtigsten und stabilsten Zugänge für diese Aufklärung. Vielleicht ist das der Grund, weshalb gerade die Erkenntnisse zur Evolution und dem uralten Alter der Erde von so vielen konservativen, anti-aufklärerischen Strömungen immer wieder verneint und abgelehnt werden.

Kampf gegen Extremismus!

Aus meinen Beiträgen kannst du sicher herauslesen, was mir neben dem Spaß an der Urzeitforschung ein weiteres wichtiges Anliegen ist, dass ich mit meiner Seite verfolgen möchte: Desinformation und Fake-News bekämpfen. Denn gerade in der heutigen Zeit ist das wichtiger als je zuvor! Eines der für mich größten Probleme unserer Gegenwart sind Tendenzen zum Extremismus. Deshalb habe ich eine Artikelreihe geschrieben, um meine Leser für dieses wichtige Problem zu sensibilisieren.

Wert der Bildung!

Die Erkenntnisse aus der Welt der Paläontologie erfüllen die Menschen natürlich auch seit jeher mit Begeisterung, mit Ehrfurcht sogar! Besonders empfänglich dafür sind Kinder. Für viele junge Menschen ist die Paläontologie eine der ersten Wissenschaften, mit der sie in Berührung kommen. Kinder, die sich für Dinosaurier und die Urzeit interessieren, entwickeln früh ein analytisches Denken. Indem sie spielerisch die Namen von Tieren, Erdzeitaltern und Fundorten lernen, schulen sie gleichermaßen zuerst ihre Sprach- und dann im Schulalter auch ihre Lesekompetenz.

Eine amerikanische Studie der Universitäten von Indiana und Wisconsin hat herausgefunden, dass Kinder mit einem ausgeprägten Interesse an Themen wie Dinosauriern ein höheres Intelligenzniveau haben können. Dieses Interesse kann sich zu einer ganzen Reihe von späteren Vorteilen entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel größere Ausdauer, verbesserte Aufmerksamkeit und die Zunahme der Fähigkeit, komplexer zu denken und Informationen zu verarbeiten.1Alexander, J. M., Johnson, K. E., Leibham, M. E. & Kelley, K. (2008). The development of conceptual interests in young children. Cognitive Development, 23, 324–334. doi:10.1016/j.cogdev.2007.11.004 Insofern hat die Paläontologie auch einen hohen pädagogischen Wert!


Wert der Zukunft!

Doch abgesehen von philosophischem Interesse, der Befriedigung der Neugier, und dem pädagogischen Anreiz, gibt es da noch mehr, weshalb man die Paläontologie als „systemrelevant“ betrachten müsste? Aber klar! Pascal Abel, einem mit mir befreundeten Paläontologen, habe ich genau diese Frage gestellt. Und natürlich konnte er sie beantworten. Ein brandaktuelles Thema, zu dem auch die Paläontologie entscheidend beiträgt, ist zum Beispiel die Klimaforschung. Auch da liefern uns Fossilien entscheidende Informationen, wodurch wir die komplexen Zusammenhänge bei Klimafragen besser verstehen können.

„Wir können dadurch nachvollziehen, wie Ökosysteme auf drastische Erwärmungen, pH-Änderungen und Meeresspiegelanstieg reagieren. Es gibt da mittlerweile auch eine eigene Subdisziplin namens Conservation Paleobiology. Die Forschung findet dabei auch gern im Quartär statt, Stichwort Korallenriffe.“ – Pascal Abel

Michael Buchwitz, seines Zeichens ebenfalls Paläontologe, ergänzte außerdem:

„Mit einer Bohrung kann ich pro durchteufter Schicht manchmal tausende von Mikrofossilien wie Pollen, Sporen, Foraminiferen, Kieselalgen, Muschelkrebse, Schnecken, Conodonten erbeuten, die mir u.a. Bildungsraum, Zeitalter, Metamorphose-Grad oder auch direkt oder indirekt (über geochemische Messungen) klimatische Bedingungen zu Lebzeiten anzeigen können. Im öffentlichen Diskurs findet dieser Teil der Paläontologie aber so gut wie gar nicht statt.“ – Michael Buchwitz

Durch die paläontologische Forschung können wir also rekonstruieren, wie sich komplexe Phänomene wie Klimawandel und Erderwärmung in der Vergangenheit konkret abgespielt haben, und dadurch Vorhersagemodelle für zukünftige Ereignisse erstellen.


Wert der Gesundheit!

Doch das ist noch längst nicht alles:

„Evolutionsforschung ist noch ein großes Thema. Ich kann ohne Fossilienalter zwar Stammbäume (gegenwärtiger Lebewesengruppen!) erstellen und z.B. mittels Phylogenomik Verwandtschaftsverhältnisse ermitteln, habe aber lediglich eine relative Abfolge von Artbildungsereignissen (wie sich aus dem Verzweigungsschema ergibt). Stratigraphische Alter, Bezüge zu Ereignissen der Erdgeschichte, Ökosystemwandel, oder auch evolutionäre Bezüge zwischen verschiedenen Gruppen wären ohne die Paläontologie dabei aber unmöglich zu erkennen. Eine Geschichte des Lebens gemäß unserem heutigen Verständnis gäbe es ohne Paläontologie kaum! Dann kommen wir auch schnell in den medizinischen Bereich, wenn wir wissen wollen, wie verschiedene Körperteile im Zusammenhang stehen“ – Pascal Abel

Dem kann auch Michael Buchwitz nur beipflichten:

„Ohne Paläontologie fehlt der Evolutionsbiologie inkl. Stammesgeschichtsforschung beinahe völlig die zeitliche Orientierung.“ – Michael Buchwitz

So liefert die Paläontologie auch viele Erkenntnisse, an denen Humanbiologen und Mediziner ansetzen können, um Krankheiten und ihre Behandlung besser zu erforschen. Vielleicht gerade nach der Corona-Zeit ein Thema, über das man unbedingt mal nachdenken sollte!

Evolutionsforschung als Schlüssel zur Humanbiologie und Medizin

Kristian J. Carlson, außerordentlicher Professor für klinische integrative anatomische Wissenschaften an der Keck School of Medicine der USC, untersucht zum Beispiel, wie Knochen durch die Aktivitäten ihrer Besitzer geformt werden. Dies ist nämlich bei lebenden Menschen genauso wie bei vor langer Zeit verstorbenen Tieren. Aus diesem Grund hält Carlson nicht nur Vorlesungen für Wirbeltierpaläontologen, sondern gleichermaßen sitzen auch Medizinstudenten in seinem Hörsaal. Die vielen spannenden Veröffentlichungen, an denen er in den letzten Jahren beteiligt war, machen den fließenden Übergang der Evolutionsforschung und der Paläontologie in die Medizin sehr deutlich!2Labra, N. et al. (2024). What do brain endocasts tell us? – a comparative analysis of the accuracy of sulcal identification by experts and perspectives in palaeoanthropology. Journal of Anatomy, 244, 274–296. doi:10.1111/joa.139663Sorrentino, R. et al. (2023). Morphological and evolutionary insights into the keystone element of the human foot’s medial longitudinal arch. Communications Biology, 6, 1061. doi:10.1038/s42003-023-05431-84Figus, C. et al. (2025). The ontogeny of the human calcaneus – insights from morphological and trabecular changes during postnatal growth. American Journal of Biological Anthropology, 186, e70007. doi:10.1002/ajpa.700075Sorrentino, R. et al. (2021). Unique foot posture in Neanderthals reflects their body mass and high mechanical stress. Journal of Human Evolution, 161, 103093. doi:10.1016/j.jhevol.2021.103093

Why a medical school professor studies fossils


Wert des Wohlstands!

Auch unser Wohlstand, die Innovation neuer Technologien und die Entwicklung von modernen Geräten hängen in vielleicht nicht sofort ersichtlicher, aber dennoch unverkennbarer Weise auch von der Urzeitforschung ab:

„Paläontologie war und ist immer noch wichtig für die Prospektion von Kohlenwasserstoffen, da über die Biostratigraphie die geeigneten Schichten erfasst werden. Biostratigraphie spielt dann auch in der angewandten Geologie eine Rolle um Schichten leichter einordnen zu können.“ – Pascal Abel

Das ist dann zum Beispiel auch sehr wichtig für die Wirtschaft und den Abbau von Rohstoffen. Fossilien dienen oft als Wegweiser, wo man bestimmte Rohstoffe überhaupt finden und abbauen kann. Und natürlich ist die Paläontologie auch die Schlüsseldisziplin, die Antworten über die Entstehung und das Auffinden von Kohle, Gas, Öl, aber auch für die Energiewende wichtige Rohstoffe wie Kobald, Kupfer und seltene Erden geben kann, und natürlich auch allen anderen Rohstoffen, die sich unter der Erde befinden. Viele Paläontologen, die ich persönlich kenne, haben im Laufe ihrer Karriere auch einmal für ein Bergbau-Unternehmen gearbeitet.


Wert der Innovation!

„Und dann natürlich noch das Bionik und Morphologie-Thema. Eine wichtige Arbeit zur Funktion der Ammoniten-Gehäuse wurde z.B. von Mathematikern durchgeführt.“- Pascal Abel

Komplexe Zahlenreihen wie die Fibonacci-Folge lassen sich zum Beispiel auch bei Fossilien finden und erforschen. Und so können auch wiederum Statiker, Architekten, Ingenieure und Künstler in der Arbeit der Paläontologen zahlreiche Inspirationsquellen finden. In mehreren biominetischen Studien nehmen sich Ingenieure den Bewegungsapparat von Tieren vor, um z.B. neue Ideen für Unterwasser- und Fluggeräte zu gewinnen.6Gordon, J. E. (1984). The new science of strong materials – or, why you don’t fall through the floor. Princeton University Press, Princeton, 287 pp.7Vincent, J. F. V., Bogatyreva, O. A., Bogatyrev, N. R., Bowyer, A. & Pahl, A.-K. (2006). Biomimetics – its practice and theory. Journal of the Royal Society Interface, 3, 471–482. doi:10.1098/rsif.2006.01278Bhushan, B. (2009). Biomimetics – lessons from nature – an overview. Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences, 367, 1445–1486. doi:10.1098/rsta.2009.00119Ajanic, E., Feroskhan, M., Mintchev, S., Noca, F. & Floreano, D. (2020). Bio-inspired synergistic wing and tail morphing extends flight capabilities of drones. arXiv. doi:10.48550/arXiv.2002.0242110Savastano, E., Perez-Sanchez, V., Arrue, B. C. & Ollero, A. (2022). High-performance morphing wing for large-scale bio-inspired unmanned aerial vehicles. IEEE Robotics and Automation Letters, 7, 8076–8083. doi:10.1109/LRA.2022.3185389 Schon Leonardo da Vinci griff bei der Konzeption seiner Fluggeräte auf aerodynamische Studien über Tiere zurück.11Romei, F. (2008). Leonardo da Vinci. The Oliver Press, 56. Und letzten Endes wurden auch die Gebrüder Wright beim Bau ihres Flugzeugs von den Flugeigenschaften von Tauben inspiriert.12Howard, F. (1998). Wilbur and Orville – a biography of the Wright brothers. Dover Publications, 33. Besonders für den Bau von Drohnen könnte das Studium der ausgestorbenen Flugsaurier einen unschätzbaren Schatz von neuen Daten und Informationen bereithalten.13Martin-Silverstone, E., Habib, M. & Hone, D. (2020). Volant fossil vertebrates – potential for bioinspired flight technology. Trends in Ecology & Evolution, 35. doi:10.1016/j.tree.2020.03.005

„Wenn wir nur moderne Tiere als Inspiration betrachten, fehlt uns wirklich ein großer Teil der Morphologie und wir ignorieren viele nützliche Optionen“ – Elisabeth Martin-Silverstone

Wir sehen also: Die Urzeitforschung spielt auch anderen Forschungen öfter als vielleicht gedacht die torentscheidenden Bälle zu!


Wert der Unterhaltung!

Vielleicht ist die Paläontologie also nicht in einer Weise systemrelevant, um das öffentliche Leben am Laufen zu halten. Aber ihren Mehrwert für die Gesellschaft, für Forschung und Pädagogik, ja sogar für Medizin und Wirtschaft sollte man nicht unterschätzen. Und ihn keineswegs ignorieren oder gar belächeln!

Denn gerade in müßigen Zeiten, die wir in den letzten Jahren der Pandemie leider oft genug erleben mussten, leistet uns die Urzeitforschung doch noch den letzten, für uns alle wichtigen Mehrwert: Als Inspiration für spannende Filme wie Jurassic Park oder guten Büchern wie Die Weißen Steine! Wer hat sich noch nicht mit Urzeit-Themen gerne seine Zeit vertrieben? Oder fasziniert vor einem riesigen Dinosaurierskelett in einem Museum gestanden? Wer hat noch nicht gesehen, wie Kinder begeistert mit ihren Figuren spielten? Für all das schulden wir auch wieder den Paläontologen reichlich Dank. Denn es würde ohne ihre unermüdliche Arbeit kaum möglich sein.


Quellenangaben:

  • 1
    Alexander, J. M., Johnson, K. E., Leibham, M. E. & Kelley, K. (2008). The development of conceptual interests in young children. Cognitive Development, 23, 324–334. doi:10.1016/j.cogdev.2007.11.004
  • 2
    Labra, N. et al. (2024). What do brain endocasts tell us? – a comparative analysis of the accuracy of sulcal identification by experts and perspectives in palaeoanthropology. Journal of Anatomy, 244, 274–296. doi:10.1111/joa.13966
  • 3
    Sorrentino, R. et al. (2023). Morphological and evolutionary insights into the keystone element of the human foot’s medial longitudinal arch. Communications Biology, 6, 1061. doi:10.1038/s42003-023-05431-8
  • 4
    Figus, C. et al. (2025). The ontogeny of the human calcaneus – insights from morphological and trabecular changes during postnatal growth. American Journal of Biological Anthropology, 186, e70007. doi:10.1002/ajpa.70007
  • 5
    Sorrentino, R. et al. (2021). Unique foot posture in Neanderthals reflects their body mass and high mechanical stress. Journal of Human Evolution, 161, 103093. doi:10.1016/j.jhevol.2021.103093
  • 6
    Gordon, J. E. (1984). The new science of strong materials – or, why you don’t fall through the floor. Princeton University Press, Princeton, 287 pp.
  • 7
    Vincent, J. F. V., Bogatyreva, O. A., Bogatyrev, N. R., Bowyer, A. & Pahl, A.-K. (2006). Biomimetics – its practice and theory. Journal of the Royal Society Interface, 3, 471–482. doi:10.1098/rsif.2006.0127
  • 8
    Bhushan, B. (2009). Biomimetics – lessons from nature – an overview. Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences, 367, 1445–1486. doi:10.1098/rsta.2009.0011
  • 9
    Ajanic, E., Feroskhan, M., Mintchev, S., Noca, F. & Floreano, D. (2020). Bio-inspired synergistic wing and tail morphing extends flight capabilities of drones. arXiv. doi:10.48550/arXiv.2002.02421
  • 10
    Savastano, E., Perez-Sanchez, V., Arrue, B. C. & Ollero, A. (2022). High-performance morphing wing for large-scale bio-inspired unmanned aerial vehicles. IEEE Robotics and Automation Letters, 7, 8076–8083. doi:10.1109/LRA.2022.3185389
  • 11
    Romei, F. (2008). Leonardo da Vinci. The Oliver Press, 56.
  • 12
    Howard, F. (1998). Wilbur and Orville – a biography of the Wright brothers. Dover Publications, 33.
  • 13
    Martin-Silverstone, E., Habib, M. & Hone, D. (2020). Volant fossil vertebrates – potential for bioinspired flight technology. Trends in Ecology & Evolution, 35. doi:10.1016/j.tree.2020.03.005

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