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Königliches Museum der Naturwissenschaften

Posted on August 24, 2024Juni 29, 2026 by Markus Kretschmer
Lesedauer 6 Minuten

Das Königliche Museum der Naturwissenschaften (IRSNB; Institut royal des Sciences naturelles de Belgique)  gehört zu den größten Museen mit einer der umfangreichsten Sammlungen Europas. Nur einen Katzensprung von den Gebäuden des Europa-Parlaments entfernt, befindet es sich im Leopold-Park der belgischen Hauptstadt Brüssel. Die Sammlung des Museums umfasst heute schätzungsweise 38 Millionen Objekte. Das Institut beherbergt außerdem etwa 30.000 Holotypen.


Zur Geschichte

Die Wurzeln des heutigen Instituts reichen bis 1751 zurück, als Karl Alexander von Lothringen in seinem Brüsseler Palast ein Naturalienkabinett mit Mineralien, Tieren, Pflanzen und Kuriositäten einrichtete. Damit gehört der Kern der heutigen Sammlung auch zu den ältesten in ganz Europa. Nach seinem Tod wurde die Sammlung zerstreut; erhaltene Teile gelangten 1797 an eine öffentliche Bildungseinrichtung und wurden 1814 zugänglich. Der junge belgische Staat kaufte die Bestände 1846 und gründete auf königlichen Erlass von Leopold I. daraus das heutige Museum. Den entscheidenden Aufstieg brachte 1878 die Entdeckung von rund 30 außergewöhnlich vollständigen Iguanodon-Skeletten in 322 Metern Tiefe im Kohlebergwerk von Bernissart. Ihre Bergung und aufrechte Montage machten das Museum international berühmt.

Da die ursprünglichen Räume zu klein wurden, zog das Museum ab 1891 in den ehemaligen Konventbau im Brüsseler Leopoldpark, der sich unweit vom heutigen EU-Parlamentsgebäude befindet. Für die Dinosaurier ließ König Leopold II. eine neue Ausstellungshalle errichten, die 1905 vollendet wurde. 1948 erhielt die Einrichtung ihren heutigen Status als Königliches Belgisches Institut für Naturwissenschaften und verband fortan Museum, Sammlungen, Forschung und staatliche Aufgaben. Im Jahr 1950 wurden mehrere moderne Gebäude von Lucien De Vestel hinzugefügt, um neue Ausstellungs- und Lagerflächen sowie Räumlichkeiten für das Königliche Belgisches Institut für Naturwissenschaften (IRSNB) zu schaffen, das als internationales Forschungszentrum eng mit dem Museum verbunden ist. Zwischen 2003 und 2009 wurde der Museumskomplex grundlegend erneuert; 2007 eröffnete die vergrößerte Dinosauriergalerie. Heute verwaltet das Institut etwa 38 Millionen Objekte.


Die Ausstellung

Die neuen Ausstellungsräume wurden speziell entworfen, um die außergewöhnlichste paläontologische Entdeckung der damaligen Zeit zu präsentieren: die Iguanodon-Herde von Bernissart, die zur Hauptattraktion des Museums werden sollte. 1878 wurden in den Kohlebergwerken von Bernissart in Hennegau, in einer Tiefe von mehr als 300 Metern, etwa 30 fast vollständige Skelette dieses Dinosauriers entdeckt. Außerdem kamen damals zahlreiche fossile Pflanzen und Tiere derselben Zeitperiode ans Licht, darunter Krokodile, Schildkröten, Fische und Insekten. Die Überreste dieser prähistorischen Fauna können in der spektakulären Dinosaurierhalle bestaunt werden.

Das Museum beherbergt heute die größte Dinosauriergalerie Europas, in der sowohl Fossilien als auch Nachbildungen ausgestellt sind. Zu den Highlights der Ausstellung gehören ein Original-Skelett von Plateosaurus, die Schädel (Originale und Nachbildungen) von Protoceratops, sowie Abgüsse von Sinosauropteryx, Maiasaura, Stegosaurus, Olorotitan, Cryolophosaurus, Diplodocus, Triceratops, Eoraptor, Velociraptor und „Stan“, des wohl bekanntesten Tyrannosaurus-Exemplars. Im Evolutions-Saal findet sich außerdem ein Allosaurus-Skelett, das von einem französischen Sammler geliehen und „Arkhane“ genannt wird.

Mosasaurus-Saal

Ein wichtiger Teil der Ausstelung behandelt die prähistorischen Meerestiere der späten Kreidezeit, die in Belgien und den Niederlanden (Raum Maastricht) gefunden wurden. Die Lebenswelt unter Wasser wird hier sehr packend nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft aufgearbeitet. Kernstück der Ausstellung ist ein lebensgroßes Original-Skelett eines Mosasaurus.

Galerie des Menschen

Eine weitere umfang- wie lehrreiche Ausstellung nach den neuestem Stand der Forschung behandelt auch unsere eigene Herkunft. Künstlerische Skulpturen von verschiedenen Frühmenschen sowie archäologische Artefakte aus verschiedenen Epochen der Urgeschichte werden hier gezeigt.

Weitere Dauerausstellungen

  • Lebendige Planeten: Ausstellung zu Biodiversität und Natur.
  • Mineralien-Saal: Mit Kristallen, Edelsteinen, Meteoriten und Gesteinsproben vom Mond.
  • Saal „250 Jahre Naturwissenschaften“: Ein Blick auf die Geschichte des Museums.
  • BiodiverCity-Saal: Thematisiert die Biodiversität in städtischen Umgebungen.

Ein weiteres Highlight des Museums ist eines der wenigen ausgestopften Exemplare des Riesenalks, einer seit dem frühen 19. Jahrhundert ausgestorbenen Vogelart. Dieses Exemplar befindet sich allerdings in den nicht öffentlichen Reserven des Museums. Es gibt auch regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Das Museum stellt in seiner Bibliothek auch eine umfangreiche Sammlung von Büchern zur Verfügung.


Museumsinfos:

Dinosaurier, Naturgeschichte, Evolution, Geschichte der Naturwissenschaft.

Sehr groß! Etwa 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf mehreren Etagen, etwa 38 Millionen Objekte.

Angemessen! In Belgien ist es generell etwas teurer als bei uns in Deutschland, trotzdem sind die Preise für den Eintritt (die bei etwas mehr als 10,-€ pro Person liegen) durchaus angemessen, wenn man bedenkt, was man hier geboten bekommt. Stundenten, Menschen mit Beeinträchtigungen, Schüler und Senioren bekommen außerdem ermäßigten Eintritt. Eine Preisliste findest du hier.

Anspruchsvoll! 4 – 8 Stunden.

Im Museum gibt es mehrere Verpflegungsmöglichkeiten. Es gibt ein Museumscafé, in dem kalte und warme Speisen zu rationalen (aber belgischen!) Preisen angeboten werden. Dort sind auch ausreichend Sitzgelegenheiten verfügbar.

Ein Kinderparadies! Das Naturkundemuseum in Brüssel verfügt über mehrere Indoor-Spielbereiche, die sich speziell an Kinder richten. Diese Bereiche sind thematisch gestaltet und ermöglicht es den jüngeren Besuchern, spielerisch mehr über Naturwissenschaften zu lernen. Es handelt sich zwar nicht um einen Spielplatz im herkömmlichen Sinne mit Schaukeln und Rutschen, aber der Bereich bietet interaktive Aktivitäten und kreative Spielmöglichkeiten.

Gut! Das Museum ist über den Bahnhof Brüssel-Luxemburg und im Anschluss mit mehreren Bus- oder Tramlinien gut zu erreichen. Vor dem Eingang sind auch einige kostenfreie Parkmöglichkeiten vorhanden, die sind aber an belebten Tagen schnell besetzt. In einer Großstadt wie Brüssel sind natürlich mehrere (teure!) Parkhäuser verfügbar, dann muss man aber auch mit einem längeren Fußweg rechnen.

Hervorragend! Alle Bereiche des Museums sind mit einem Aufzug zu erreichen und barrierefrei eingerichtet.

Sehr gut! Die Erklärtafeln im Museum sind primär in französischer Sprache gehalten, bieten aber auch deutsche, niederländische und englische Übersetzungen an. Außerdem finden auch Führungen in mehreren Sprachen statt.

Ausgezeichnet! Das Museum bietet eine Ausstellung auf dem aktuellen Stand der Forschung, der auch regelmäßig aktualisiert wird. Die wechselnden Ausstellungen arbeiten auch aktuelle Forschungsthemen sehr gut auf.

Sehr gut! Das Königliche Museum für Naturwissenschaften schneidet klar mit der Bestnote ab. Es ist nicht nur eines der größten und fortschrittlichsten Museen Europas, sondern auch eines der schönsten, spannendsten und lehrreichsten. Wer in Belgien oder den Benelux-Staaten Urlaub macht oder dort auf Durchreise ist, sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Achtung: Bei allen Angaben, einschließlich der Sterne-Bewertung, handelt es sich um meine persönliche Einschätzung zum Zeitpunkt meines letzten Besuchs in dem jeweiligen Museum. Diese soll lediglich als Entscheidungshilfe dienen, aber ist keineswegs als Werbung oder Anti-Werbung zu verstehen!

Seit meinem letzten Besuch am 20.08.2024 kann sich im Museum natürlich eine Menge geändert haben. Verlasse dich also bitte nicht allein auf meine Eindrücke, die auch schon einige Jahre her sein können, wenn du deinen eigenen Ausflug planst. Besuche deshalb bitte immer vorher auch die verlinkten Homepages der Betreiber, um aktuelle Informationen zu erhalten!

Königliches Museum der Naturwissenschaften

Rue Vautier 29

1000 Brüssel

(Region Brüssel; Belgien)

Wie kommst du dorthin?

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