Extremismus ist wohl eines der größten Probleme unserer Zeit. Das Gute ist aber: Jeder einzelne von uns kann mithelfen, es zu lösen und dazu beitragen, dass eine Regierung unter Extremisten niemals zustande kommt! Ich schreibe jetzt nicht einfach nur salopp, dass du den Extremisten bei der nächsten Wahl bitte bloß nicht deine Stimme geben sollst. Dass jeder, der bis hier gelesen hat, das sicher nicht tun wird, sollte auf der Hand liegen. Aber du kannst noch so viel mehr tun! Was und wie, das erfährst du in diesem Artikel!
Der schwere Kampf gegen Extremismus
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Im vorausgehenden Artikel haben wir uns schon damit befasst, wie Extremisten überhaupt zu ihren Anhängern kommen, wie Radikalisierung eigentlich funktioniert und was die Anhänger dann eigentlich bei den Extremisten hält. Es sollte daraus klar geworden sein, dass Deradikalisierung keine einfache Aufgabe ist. Es ist aber eine notwendige. Und hier wollen wir uns nun damit befassen, wie wir sie lösen können. |
Wenn du eine Frau bist, eine Behinderung oder Migrationsgeschichte hast, schwarz bist oder queer, dann erlebst du es wahrscheinlich jeden Tag: Dieses Gefühl von Ohnmacht beim Erstarken von Extremisten, die deine mühsam erkämpften Rechte einschränken und dich diskriminieren wollen. Und auch wenn du selbst gar nicht betroffen bist und sicher jemanden kennst, den es betrifft, spürst du wahrscheinlich eine große Verunsicherung, Angst oder sogar massive Wut. Das entsteht wohl aus dem Bewusstsein, dass du weißt, dass jetzt dringend gehandelt werden muss, damit wir nicht in einer Welt voller Diktaturen leben müssen.
Nicht nur am Beispiel der USA können wir sehen, wie schnell Demokratien ausgehöhlt und Freiheitsrechte eingeschränkt werden können. Und wenn du jeden Tag auf Instagram, Facebook und anderen Social-Media-Plattformen, aber auch bei den aktuellen Wahlumfragen siehst, wie viele Menschen genau das für unser Deutschland wollen, kann man in der Tat verzweifeln. Wahrscheinlich kennen die meisten, die das hier lesen, genau dieses Gefühl. Aber: Aufgeben können wir uns nicht leisten! Wie du diesen Widerstand nun konkret leisten kannst und was für ein Rüstzeug du dir dafür zulegen solltest, das möchte ich dir in den folgenden Abschnitten näher erläutern!
Teil I: Was du selbst gegen Extremismus tun kannst
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Wieso rufe ich hier überhaupt zum Widerstand auf? Ist das nicht total intolerant von mir? Wieso kann Markus Peter Kretschmer die Meinung von so vielen Leuten nicht akzeptieren? Er redet doch selber dauernd von Toleranz! Hat sogar schon Artikel darüber geschrieben! Ist das nicht heuchlerisch und die reinste Doppelmoral? Nein, absolut nicht. Lass mich dir bitte erklären, weshalb. |
Übe dich in korrekter Toleranz!
Toleranz und Meinungsfreiheit sind natürlich etwas Wunderbares und eine unverzichtbare Grundlage einer demokratischen Gesellschaft. Doch was heißt eigentlich „Toleranz?“ Das Wort leitet sich vom lateinischen Verb tolerare ab, was „aushalten, erdulden“ bedeutet. Es geht also darum, ob und wie weit du die Positionen oder auch nur die schiere Gegenwart und Existenz anderer Menschen bereit bist zu ertragen. Nicht etwa, ihnen zuzustimmen, sondern einfach nur, sie zu akzeptieren und zu respektieren. Mehr nicht!
In einer toleranten Gesellschaft hast du also zunächst einmal Anspruch darauf, sagen und sein zu dürfen, was und wie du möchtest, ohne dafür angegriffen, verfolgt oder bestraft zu werden. Allerdings, und das solltest du auf keinen Fall verwechseln, hast du keinen Anspruch darauf, von anderen dafür nicht auch kritisiert zu werden. Nein, ein Recht auf Widerspruchslosigkeit gibt es in keinem Land der Welt, besonders nicht in den toleranten! Gerade Widerspruch und Kritik machen Meinungsfreiheit und -pluralität aus, was viele Populisten gerne übersehen und darüber jammern, dass man heute ja gar nichts mehr sagen dürfe. Sie dürfen aber! Sie tun es ja auch. Oft und laut, teilweise sogar vor einem Millionenpublikum!
Nur sagen inzwischen viele stabile Menschen da draußen nicht mehr einfach nur Ja und Amen dazu. Besonders bei extremistischen, wissenschafts- oder sogar menschenfeindlichen Positionen gilt es, deutlichen Widerspruch zu äußern. Und je mehr Widerspruch du zu deiner eigenen Meinung hörst, umso stärker sollte dir bewusst sein, wie frei das Recht auf deine eigene Meinung in deinem Land eigentlich ist. Denn wenn du keinen Widerspruch mehr hörst und jeder dir bedingungslos zu allem, was du sagst, zustimmt, solltest du anfangen, dir Sorgen zu machen.
Das Toleranz-Paradoxon
Karl Popper |
Karl Popper hat das sehr deutlich gemacht und insbesondere mit Blick auf den nationalsozialistischen Faschismus darauf hingewiesen, dass eine tolerante Gesellschaft bereit sein muss, sich gegen jene zu verteidigen, die ihre Freiheit dazu nutzen wollen, die Toleranz selbst abzuschaffen: |
„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden, und die Toleranz mit ihnen.“1Popper, K. R. (1945). The Open Society and Its Enemies. Volume 1, Chapter 7, Note 4.
Das ist auch vollkommen logisch: Denn Toleranz ist keine Einbahnstraße. Du hast nicht die Verpflichtung, jemanden auch dann noch zu tolerieren, wenn er dir deutlich macht, dass er dich nicht toleriert. Und das gilt auch im Großen für intolerante Organisationen und Parteien. Wenn wir nun anfangen würden, extremistische Positionen, die gegen die Menschenrechte oder gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gehen, was würde dann passieren? Genau. Diese Toleranz würde uns schmerzhaft auf die Füße fallen, weil Antidemokraten dann aktiv versuchen würden, die Demokratie von innen heraus auszuhöhlen und sie mit ihren eigenen Spielregeln zu Fall zu bringen.
Vitale Mitte und extreme Ränder
Arthur Schlesinger Jr. |
Arthur Schlesinger Jr. vertritt in seinem Buch The Vital Center die Auffassung, dass der legitime demokratische Meinungsstreit innerhalb eines gemeinsamen Rahmens von Freiheit, Pluralismus und demokratischen Verfahren stattfinde. Mit der „vitalen Mitte“ meinte er dabei keinen Mittelweg zwischen politisch linken und rechten Parteien, sondern die liberale Demokratie als Ganzes im Gegensatz zu ihren totalitären Gegnern, die auf ihre Abschaffung drängen. |
Diese demokratische Mitte muss nach Schlesinger reformfähig und wehrhaft sein: Sie darf gesellschaftliche Missstände nicht ignorieren, muss auf der anderen Seite aber auch politische Bewegungen entschieden zurückweisen, die Freiheit, Pluralismus und demokratische Institutionen zugunsten totalitärer Systeme abschaffen wollen. Das ist bei Parteien und Organisationen der Fall, die:
- Gewissens-, Meinungs- und Oppositionsfreiheit bekämpfen
- politische Gegner als legitime Konkurrenten nicht anerkennen
- einen friedlichen Regierungswechsel nicht akzeptieren
- sich nicht an Verfassung, Recht und demokratische Verfahren binden
- individuelle Rechte gegenüber dem Staat nicht respektieren
- gesellschaftliche Diskurse und unterschiedliche Interessen als Bestandteil einer freien Gesellschaft nicht akzeptieren2Schlesinger, A. M. Jr. (1949). The vital center. The politics of freedom. Boston, MA u. a.: Houghton Mifflin.
Nun darfst du gern selbst darüber nachdenken, auf welche Staatsführer und Parteien, die du kennst, diese Punkte besonders zutreffen.
Lerne, gut zu diskutieren!
Toleranz ist wie gesagt keine Einbahnstraße. Ich verstehe sie vielmehr als so etwas wie einen gegenseitigen Vertrag. Und selbstverständlich gilt ein Vertrag als ungültig und aufgekündigt, wenn sich eine Seite nicht an die Vertragsbedingungen hält. Aber solange eine Seite gegen diesen „Vertrag“ nicht direkt verstoßen hat, wäre es wiederum deinerseits unredlich, ihn nur allein aufgrund der Tatsache aufzukündigen, dass da jemand ein anderes Wertesystem hat als du.
Denn ein sofortiges Dichtmachen ist überhaupt nicht zielführend. Parolen wie „Man spricht nicht mit Nazis, außer vor Gericht!“ klingen konsequent und einfach und mögen vielleicht sogar ihre Berechtigung haben, wenn Rechtspopulisten kaum Macht und Einfluss ausüben. Denn jedes Mal, wenn ein Populist eine öffentliche Bühne bekommt, in einer Talkshow oder den Nachrichten interviewt wird, bekommt und nutzt er die Gelegenheit, beides auszubauen und den öffentlichen Diskurs mit seiner Propaganda zu vergiften. Allein schon die Tatsache, dass er dort einen Auftritt bekommt, erweckt den Anschein, dass seine Positionen legitim seien und gleichberechtigt neben den anderen stehen dürfen. Deshalb bin ich bis vor wenigen Jahren noch absolut dagegen und bitter enttäuscht von unseren öffentlichen Medien gewesen.
Heute ist die Situation leider anders. Deshalb muss auch unsere Strategie grundlegend eine andere sein und sie darf den offenen Dialog nicht scheuen. Argumente, Aufklärung und die öffentliche Widerlegung falscher Behauptungen sollten dabei im Vordergrund stehen. Eine wirklich wunderbare Arbeit in dieser Richtung leistet der YouTuber Marcant:
Debattenkultur ist wichtig!
Eine geduldige, unermüdliche Aufklärungsarbeit mit einer soliden und sachlichen Debattenkultur kann durchaus etwas bewirken. Untersuchungen zeigen, dass falsche Informationen schon durch klare und sachlich erklärte Richtigstellungen oder auch durch Nachhaken und sokratisches Fragen abgeschwächt werden können, wobei wir dem Gegenüber die Möglichkeit geben, selbst die Widersprüche in seinen eigenen Aussagen zu reflektieren. So bringt es wenig, einfach nur zu sagen, dass eine Behauptung falsch ist, selbst wenn du auch erklärst, warum sie falsch ist und sogar Belege lieferst. Es ist viel wirksamer, die rhetorischen Tricks und Widersprüchlichkeiten hinter einer Behauptung beim Sprecher selbst sichtbar zu machen, sodass er am Ende seine eigenen Positionen als widersinnig erkennt und beginnt, sie zu hinterfragen.3Chan, M.-P. S., Jones, C. R., Jamieson, K. H. & Albarracín, D. (2017): Debunking: A Meta-Analysis of the Psychological Efficacy of Messages Countering Misinformation. Psychological Science 28(11), 1531–1546. doi:10.1177/09567976177145794Cook, J., Lewandowsky, S. & Ecker, U. K. H. (2017): Neutralizing misinformation through inoculation: Exposing misleading argumentation techniques reduces their influence. PLoS ONE 12(5), e0175799. doi:10.1371/journal.pone.0175799
In öffentlichen Online-Debatten klappt das oft weniger gut als in einem Vieraugengespräch. Hier kann die Situation schnell entgleisen und rau werden. Oft zieht sich das Gegenüber auch einfach zurück und antwortet nicht mehr, wenn es ihm „zu doof“ wird. Aufgeben solltest du dann trotzdem nicht. Gerade weil ja auch andere Menschen dort oft mitlesen, diskutierst du nämlich nicht nur mit der Person, die eine falsche Behauptung verbreitet. Du sprichst zugleich zu allen, die das Gespräch beobachten und sich noch keine feste Meinung gebildet haben. Nachweislich falsche Behauptungen sollten nicht unwidersprochen stehen bleiben, sondern sachlich und mit klaren, leicht verständlichen Aussagen und gezieltem Nachfragen widerlegt werden.5Schmid, P. & Betsch, C. (2019): Effective strategies for rebutting science denialism in public discussions. Nature Human Behaviour 3, 931–939. doi:10.1038/s41562-019-0632-4
Sowohl die Widerlegung der falschen Sachbehauptung als auch die Erklärung der dabei verwendeten Täuschungstechnik können deren Einfluss auf das Publikum verringern. Das sind sich Extremisten natürlich oft bewusst und reagieren dann auch mal mit schwarzer Rhetorik, mit Provokationen oder Ad-hominem-Angriffen. Wichtig ist dann umso mehr, dass du dabei stets sachlich bleibst. Formuliere deine Gegenposition klar, nenne überprüfbare Quellen und erkläre, wie du zu deiner Schlussfolgerung gelangst. Versuche außerdem, die Position deines Gegenübers korrekt wiederzugeben, statt sie absichtlich zu verzerren. Wer durch seine Sprache erkennen lässt, dass er die andere Seite zumindest verstanden hat und ihre Argumente ernsthaft prüft, wird eher als gesprächsbereit wahrgenommen. Eine solche kommunikative Offenheit bedeutet nicht, dass du der anderen Position zustimmst. Sie zeigt nur, dass du an einem tatsächlichen Austausch interessiert bist. Und so erkennen wenigstens die Mitleser schnell, wer integer und zuverlässig argumentiert, und wer nicht.6Yeomans, M., Minson, J., Collins, H., Chen, F. & Gino, F. (2020): Conversational receptiveness: Improving engagement with opposing views. Organizational Behavior and Human Decision Processes 160, 131–148. doi:10.1016/j.obhdp.2020.03.011
Wann lohnt eine Debatte aber nicht mehr?
Du solltest allerdings auch erkennen lernen, wann ein Gespräch kein wirklicher Austausch mehr ist. Dafür gibt es mehrere Warnsignale, die darauf hindeuten, dass dein Gegenüber nicht an einem ehrlichen Austausch mit dir, sondern lediglich am „Gewinnen“ der Diskussion interessiert ist und dabei nur seine eigene, feststehende Überzeugung durchdrücken möchte.
Wenn dein Gegenüber mehrmals so ein Verhalten zeigt, solltest du rechtzeitig die Reißleine ziehen.
- Er beantwortet deine Fragen nicht, verlangt von dir aber immer neue und immer detailliertere Belege.
- Es werden immer wieder dieselben Behauptungen wiederholt, obwohl du sie bereits beantwortet und mit Belegen widerlegt hast.
- Eine beantwortete Frage wird sofort durch eine neue ersetzt, ohne dass die vorherige Antwort anerkannt oder geprüft wird.
- Die Anforderungen an einen Beleg werden ständig verändert, sobald du sie erfüllt hast.
- Einzelne Fehler oder Wissenslücken werden benutzt, um sämtliche Forschungsergebnisse und alle beteiligten Fachleute pauschal abzulehnen.
- Nur solche Quellen gelten als vertrauenswürdig, die die eigene Überzeugung bestätigen; alle widersprechenden Quellen werden ohne nachvollziehbare Prüfung als gekauft, manipuliert oder Teil einer Verschwörung abgetan.
- Dein Gegenüber kann nicht erklären, unter welchen Bedingungen es seine Meinung ändern würde.
- Das Gespräch wechselt von der Sachebene zu persönlichen Angriffen, Unterstellungen oder abwertenden Bemerkungen.
Solche Verhaltensweisen können Ausdruck eines stark motivierten Denkens sein: Informationen werden dann nicht mehr danach beurteilt, wie gut sie belegt sind, sondern danach, ob sie zur eigenen Identität oder zum bereits bestehenden Weltbild passen. Besonders problematisch wird eine Diskussion, wenn jedes Gegenargument in das Weltbild eingebaut und sogar als weiterer Beweis für eine angebliche Täuschung gedeutet wird. Dadurch kann eine Überzeugung nahezu immun gegen Widerlegung werden. 7Lewandowsky, S., Oberauer, K. & Gignac, G. E. (2013): NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. Psychological Science 24(5), 622–633. doi:10.1177/09567976124576868Ecker, U. K. H. et al. (2022): The psychological drivers of misinformation belief and its resistance to correction. Nature Reviews Psychology 1, 13–29. doi:10.1038/s44159-021-00006-y
In einer solchen Situation solltest du das Gespräch dann auch beenden. Du bist niemandem verpflichtet, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten oder unbegrenzt Zeit und Kraft in eine Diskussion zu investieren, deren Bedingungen nur eine Seite bestimmt. Ein sachlicher Rückzug könnte schon ganz einfach so aussehen:
„Ich glaube nicht, dass dieses Gespräch uns noch weiterbringt. Einen schönen Tag noch.“
Der Rückzug aus einer fruchtlosen Diskussion bedeutet nicht, dass du keine Argumente mehr hättest oder der anderen Seite recht gibst. Er bedeutet lediglich, dass du deine Zeit, Aufmerksamkeit und seelische Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung stellst. Lass dich dann auch besser nicht weiter provozieren, besonders dann nicht, wenn das Gegenüber persönlich wird. Besonders in sozialen Medien kann eine erzwungene oder dauerhafte Konfrontation mit gegnerischen Positionen die Fronten sogar weiter verhärten, statt Menschen einander näherzubringen.9Bail, C. A. et al. (2018): Exposure to opposing views on social media can increase political polarization. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 115(37), 9216–9221. doi:10.1073/pnas.1804840115 Glaub mir, ich habe solche fruchtlosen Debatten auch oft und lange genug geführt. Und kam mir am Ende vor, als hätte ich mit einer Taube Schach gespielt. Nur um dann zu merken, dass sie sich an keine Regel hält, dauernd die Figuren umwirft, mir aufs Brett scheißt und dann davonfliegt, als hätte sie gewonnen. Tatsächlich lag der Fehler aber komplett bei mir: Ich hätte mich auf dieses unsaubere „Schachspiel“ mit jemandem, dem die Regeln der gesunden Debattenkultur völlig egal sind, gar nicht erst einlassen dürfen.

Deshalb: Kläre auf, widersprich falschen Behauptungen sachlich und liefere nachvollziehbare Belege. Beobachte aber auch, ob dein Gegenüber tatsächlich zuhört, auf Antworten eingeht und grundsätzlich bereit wäre, seine Position zu überdenken. Wenn diese Bereitschaft erkennbar fehlt und sich das Gespräch nur noch im Kreis dreht, darfst du eine klare Grenze ziehen und dich zurückziehen.
Lerne das „Kung Fu“ der Argumentation!
Um selbst mit klarer Struktur in die Debatte zu gehen, ist es wichtig, dass du verstehst, wie eine gute Argumentation funktioniert. Und auch, was eine schlechte ist. Bei vielen Themen gibt es natürlich immer mehrere Meinungen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen dürfen und über die man selbstverständlich auch diskutieren kann. Bei anderen aber nicht: Viele Positionen sind tatsächlich entweder objektiv richtig oder falsch.
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Wenn uns Kreationisten z. B. einreden wollen, dass die Evolution „nur“ eine Theorie sei und sie die Schöpfungsgeschichte als gleichberechtigte Gegenthese diskutieren wollen, so ist das eben schlichtweg falsch und unsinnig. Die Evolution ist ein evidenzbasierter Fakt und nachprüfbar nicht nur definitiv abgelaufen, sondern findet immer noch direkt vor unseren Augen statt. Sie ist sogar eine der am besten belegten Theorien der gesamten Wissenschaftsgeschichte! |
Wenn du das den Kreationisten entgegenhältst, dann sagst du eben nicht mehr bloß deine Meinung, die dann gleichberechtigt neben ihrer steht, nein. Sie steht darüber! Und sie ist auch keine bloße Meinung mehr, wenn du klare Beweise – in der Wissenschaft sagen wir Belege – anführen kannst. Kreationisten oder Flacherdler haben aber außer ihren ungegründeten Zweifeleien noch nichts geliefert, was einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten könnte. 10National Academy of Sciences & Institute of Medicine (2008). Science, Evolution, and Creationism.11Diethelm, P. & McKee, M. (2009). Denialism: What is it and how should scientists respond? European Journal of Public Health, 19(1), 2–4. doi:10.1093/eurpub/ckn139
Die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens
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Wie Wissenschaftler eigentlich arbeiten und warum alles, was „nur“ eine Theorie ist, eigentlich ungeheuer gut und nah an der „Wahrheit“ ist, habe ich in einem anderen Artikel ausführlich erklärt. Du musst zwar nicht unbedingt selbst ein Forscher sein, um es mit Extremisten aufzunehmen. Aber du solltest wenigstens wissen und ihnen erklären können, wie ein Forscher arbeitet! |
Schon allein, wenn du ein Verständnis dafür entwickelst, wie empirische Forschung funktioniert, verstehst du auch sofort, warum wissenschaftliche Aussagen einen so hohen Wahrheitswert haben, und hast dich dann selbst schon ein Stück weit dagegen immunisiert, auf Pseudowissenschaft hereinzufallen.
Auf Experten hören!
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Eine goldene Regel ist dabei die gleiche wie beim Sammeln von Fossilien: Höre auf die Experten! Es gibt reichlich engagierte Menschen, die sich mit dem Phänomen des Extremismus eingehend befasst haben, genau Bescheid wissen, wie Propaganda und Massenmanipulation wirken und warum sich Leute überhaupt radikalisieren, ihr ganzes Leben diesem Thema gewidmet haben, die meisten Aufsätze und Bücher darüber gelesen und sogar selbst mehrere davon geschrieben haben. Damit haben sie die höchste Expertise, an der du dich orientieren solltest. |
Genauso wie du dir dein Dach nicht von einem Zahnarzt decken lassen würdest oder deinen Dachdecker nicht deine Wurzelbehandlung machen lässt, sind Extremismusforscher eben für dieses Feld die Fachleute. Und wenn sie vor jemandem warnen, solltest du das genauso wenig in den Wind schlagen wie die Warnung des Zahnarzts vor Karies oder die des Dachdeckers vor Termiten im Dachstuhl. Sobald du hörst, dass eine bestimmte Gruppierung, insbesondere eine politische Partei, als gesichert extremistisch eingestuft wird, dann nimm das also bitte genauso ernst!
Du kannst dir natürlich immer selbst eine eigene Meinung bilden. Aber tu das bitte nicht auf Basis deiner eigenen Emotionen oder beim Schauen von YouTube-Videos oder Telegram-Nachrichten, sondern nach Prüfung evidenzbasierter Fakten. Die Literaturliste unter meinen Beiträgen ist zum Beispiel enorm lang. Und daran kannst du erkennen, wie viel wertvolle wissenschaftliche Vorarbeit hier bereits geleistet wurde.
Scheinargumente erkennen!
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Und du solltest auch wissen, wie Extremisten arbeiten. Denn die haben leider auch ihre Tricks. Bei vielen „Meinungen“ gibt es zwar absolut ein objektives Richtig oder Falsch, Extremisten sind aber oft echte Meister darin, ihre falschen Positionen wie plausible Wahrheiten aussehen zu lassen. Um zu reflektieren, wer bei kontroversen Themen nun (objektiv!) recht hat, ist es wichtig, dass du plausible Argumente von Scheinargumenten unterscheiden kannst. Dazu habe ich einen eigenen Artikel verfasst, der dir das „Kung Fu“ der Argumentation beibringen soll. |
Stell dich also niemals unvorbereitet einer Diskussion. Lerne einerseits, wie Forscher arbeiten und was gute wissenschaftliche Arbeit eigentlich ausmacht. Und mache dich auf der anderen Seite damit vertraut, wie Extremisten vorgehen, um ihren unsauberen Maschen zu widerstehen!
Zivilcourage zeigen!
Zur Prävention von Populismus und Extremismus gehört es, sich deutlich zu positionieren und denen, die ihre widerlichen Phrasen dreschen, mit Zivilcourage und aller Deutlichkeit über den Mund zu fahren. Untersuchungen zeigen, dass öffentlich geäußerter Widerspruch rassistisches Verhalten tatsächlich verringern und deutlich machen kann, welche gesellschaftlichen Normen gelten. 12Munger, K. (2017). Tweetment effects on the tweeted: Experimentally reducing racist harassment. Political Behavior, 39(3), 629–649. doi:10.1007/s11109-016-9373-5 Alles, was du dafür brauchst, ist ein kleines bisschen Mut: Setz dem Kollegen eine Grenze, wenn er über den ausländischen Mitarbeiter nur aufgrund seiner Herkunft oder Hautfarbe herzieht oder rassistische Witze macht. Steh auf und weise deinem Onkel die Tür, wenn er anfängt, beim Weihnachtsessen zu schwurbeln und abzuhitlern. Fahr auch deinem besten Kumpel über den Mund, wenn er sexistisch und unangemessen über eine Frau spricht.
Extremismus fängt mit kleinen Worten an, die aber wie Unkraut wachsen, wenn man schweigt und sie einfach gedeihen lässt. Mit einem deutlichen „Nein!“ kann das aber schon aufhören und das Unkraut an der Wurzel gepackt werden. Persönliche Konfrontation kann dazu führen, dass Menschen ihre stereotypen und vorurteilsbehafteten Reaktionen anschließend zumindest stärker hinterfragen und reduzieren. Dabei muss der Widerspruch nicht beleidigend oder aggressiv sein: Eine ruhige, klare und unmissverständliche Reaktion kann ebenfalls wirksam sein. 13Czopp, A. M., Monteith, M. J. & Mark, A. Y. (2006). Standing up for a change: Reducing bias through interpersonal confrontation. Journal of Personality and Social Psychology, 90(5), 784–803. doi:10.1037/0022-3514.90.5.784 Und das kann man sogar musikalisch tun. Denn besser als hier kann man, finde ich, nicht Nein sagen:
Warum dein Widerspruch so wichtig ist
Wenn eine menschenfeindliche Äußerung unwidersprochen bleibt, können der Täter und die übrigen Anwesenden den falschen Eindruck gewinnen, dass die Aussage von allen akzeptiert wird. Und so erweitern sie immer weiter die Grenzen des Sagbaren. Ein klarer Widerspruch macht dagegen sichtbar, dass Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit eben keinen Platz in unserer Mitte haben und eben keine berechtigten „Meinungen“ sind, sondern einer sozialen Ächtung unterliegen müssen.
Studien zeigen, dass die Konfrontation mit Vorurteilen solche antidemokratischen und diskriminierenden Normverletzungen sehr gut korrigieren kann. Sie vermittelt einerseits den betroffenen Menschen das Gefühl, in ihrem Umfeld sicherer und nicht vollkommen allein zu sein. Umgekehrt baut sie dringend nötige Hemmungen bei potenziellen Tätern auf.14Li, A. H., Noland, E. S. & Monteith, M. J. (2025). Following prejudiced behavior, confrontation restores local anti-bias social norms. Personality and Social Psychology Bulletin, 51(12), 2389–2404. doi:10.1177/01461672241229006 Selbst wenn du dich nicht traust, der Erste zu sein, der widerspricht: Spring dann doch bitte demjenigen zur Seite, der es tut! Schon ein kurzes „Das sehe ich genauso“ ist stahlharte Hilfe. Und es erfordert deutlich weniger Überwindung, weil man dann ja schon sicher sein kann, dass man nicht allein ist.15Tirion, A. S. C. et al. (2024). The sound of silence: The importance of bystander support for confronters in the prevention of norm erosion. British Journal of Social Psychology, 63(2), 909–935. doi:10.1111/bjso.12709
So kannst du konkret Zivilcourage zeigen:
- Sieh hin und nimm die Situation ernst. Achte darauf, ob jemand beleidigt, ausgegrenzt, bedroht oder bedrängt wird. Reagiere auch auf nonverbale Signale: Wirkt die betroffene Person verängstigt, sucht sie Blickkontakt oder versucht sie, sich aus der Situation zurückzuziehen?
- Sprich die betroffene Person an. Biete Hilfe an. Frage zum Beispiel: „Ist alles in Ordnung?“ oder „Soll ich bei dir bleiben?“ Dadurch zeigst du ihr, dass sie nicht allein ist. Stelle dich nach Möglichkeit räumlich zu ihr und nicht zum Angreifer.
- Benenne das Verhalten klar. Ein kurzer Satz reicht oft bereits: „Das war unangemessen“, „So sprechen wir hier nicht miteinander“ oder „Lass ihn oder sie doch bitte in Ruhe“. Benenne dabei möglichst klar das konkrete Verhalten und werde nicht persönlich. Lass dich auch nicht in Relativierungen verwickeln und lass keine Ausflüchte zu. Mach klar: „Darüber werden wir jetzt nicht diskutieren!“
- Der wichtigste Tipp: Bitte andere gezielt um Unterstützung. Rufe nicht allgemein: „Kann mal jemand helfen?“, sondern sprich einzelne Menschen direkt an: „Sie mit der blauen Jacke, rufen Sie bitte die Polizei!“ Du musst die Verantwortung nicht alleine tragen, sondern solltest sie besser klar mit anderen teilen.
- Lenke ab, wenn eine direkte Konfrontation zu gefährlich erscheint. Du kannst die betroffene Person nach dem Weg fragen, so tun, als würdest du sie kennen, sie in ein Gespräch verwickeln oder sie unter einem Vorwand aus der Situation führen. Entscheidend ist nicht, den Angreifer rhetorisch zu besiegen, sondern die Situation sicher zu unterbrechen.
- Ganz wichtig ist aber: Bring dich nicht selbst in Gefahr! Zivilcourage bedeutet nicht, den Helden zu spielen. Halte Abstand, vermeide körperliche Auseinandersetzungen und hole Hilfe, wenn die Situation aggressiv wird. Bei konkreten Drohungen, Gewalt oder einer unmittelbar gefährlichen Situation rufst du die Polizei unter 110. Das kannst du auch ganz still und leise aus dem Hintergrund tun, ohne dich einzumischen.
- Bleib bei der betroffenen Person. Frage, was sie jetzt benötigt. Biete an, gemeinsam die Polizei anzurufen, eine Vertrauensperson zu verständigen oder als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Häufig ist diese Unterstützung nach dem eigentlichen Vorfall genauso wichtig wie das unmittelbare Eingreifen.
- Präge dir wichtige Einzelheiten ein! Merke dir das Aussehen der beteiligten Personen, Kleidung, Fluchtrichtung, Fahrzeugkennzeichen, Ort und Uhrzeit. Fertige Aufnahmen nur an, wenn dies gefahrlos möglich ist. Veröffentliche Bilder der betroffenen Person nicht ungefragt im Internet, aber du darfst sie selbstverständlich an die Ermittler weitergeben. Wenn eine Straftat begangen wurde, stelle dich als Zeuge zur Verfügung. Deine Beobachtungen können für die betroffene Person und eine spätere Strafverfolgung entscheidend sein.
- Bei konkreten Verdachtsfällen bevorstehender Straftaten solltest du dich auch direkt unter der 112 an die Polizei wenden. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz bietet einen Service an, wo du Hilfe in solchen Fällen findest und dich auch persönlich zum weiteren Vorgehen beraten lassen kannst.16Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. (o. J.). Zivilcourage zeigen: Mit sechs einfachen Regeln helfen. Aktion-tu-was.
Extremismus lebt von der Annahme, die schweigende Mehrheit werde schon nichts unternehmen. Deshalb: Tu selbst das Gegenteil! Und glaub mir: Es fühlt sich unglaublich gut an, das Richtige zu tun. Jedenfalls sehr viel besser, als hinterher wieder sicher zu Hause zu sitzen, sich darüber klar zu werden, dass man hätte helfen können, aber leider wieder einmal zu feige war. Anzeigen wirken. Und Petitionen auch! Selbst wenn Verfahren oft aufgrund der extremen Belastung der Verfolgungsbehörden eingestellt werden könnten, bekommen die angezeigten Täter Bei konkreten Gewaltandrohungen, einer gegenwärtigen Gefahr oder einem unmittelbar bevorstehenden Angriff darf natürlich nicht auf die Bearbeitung eines Online-Formulars gewartet werden. In diesem Fall ist sofort die Polizei unter 110 zu verständigen.
Eine Liste mit allen relevanten Meldestellen findest du hier.

Medienkompetenz schärfen!
Die Förderung von Medienkompetenz und kritischen Denkfähigkeiten trägt ebenfalls gut dazu bei, dass Menschen Propaganda und Fehlinformationen besser erkennen und widerstehen können. 17Guess, A. M. et al. (2020). A digital media literacy intervention increases discernment between mainstream and false news in the United States and India. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(27), 15536–15545. doi:10.1073/pnas.1920498117 Damit kannst du heute schon direkt anfangen! Medienkompetenz beginnt schon ganz einfach mit einer gewissen Gelassenheit: Reagiere nicht sofort. Gerade Inhalte, die starke Wut, Angst oder Empörung auslösen, solltest du zunächst als Warnsignal betrachten. Lies mehr als nur die Überschrift, prüfe das Veröffentlichungsdatum, suche nach dem ursprünglichen Zusammenhang und frage dich vor dem Teilen ausdrücklich, und nicht emotional: „Kann das wirklich wahr sein?“
Schon kurze Hinweise auf die Genauigkeit einer Meldung können die Bereitschaft verringern, Falschinformationen weiterzuverbreiten.18Pennycook, G. et al. (2021). Shifting attention to accuracy can reduce misinformation online. Nature, 592, 590–595. doi:10.1038/s41586-021-03344-2 Verlasse dich außerdem nie allein auf die Selbstdarstellung einer Webseite. Öffne weitere Tabs und recherchiere, wer hinter dem Angebot steht, wie andere seriöse Quellen darüber berichten und ob Fachleute oder Faktenprüfer die Behauptung bestätigen. Dieses sogenannte „laterale Lesen“ gehört zu den wirksamsten Strategien professioneller Quellenprüfung. Bilder lassen sich zusätzlich mit einer Rückwärtssuche kontrollieren, Zitate sollte man im Original suchen und Statistiken möglichst bis zur zugrunde liegenden Studie oder Behörde zurückverfolgen.19Wineburg, S. & McGrew, S. (2019). Lateral reading and the nature of expertise: Reading less and learning more when evaluating digital information. Teachers College Record, 121(11), 1–40. doi:10.1177/016146811912101102 Das Bundesamt für Verfassungsschutz aktualisiert auch regelmäßig seine Aufklärungsseite, wie du irreführende KI-generierte Inhalte besser erkennen kannst. Einen besonderen Augenmerk solltest du dabei auf die Details legen: sind Licht und Schatten realistisch? Verschwinden bestimmte Details und tauchen danach auf „magische“ Weise wieder auf? Schau dir zum Beispiel mal den Deckenstuck und die Gegenstände im Hintergrund an. Wenn Locher und Stiftehalter in der Küche auf der Arbeitsplatte stehen, sich auf Postern an der Wand Rechtschreibfehler befinden oder dir sonst etwas direkt komisch vorkommt, ist der Inhalt sehr wahrscheinlich KI-generiert. Versuche, dafür selbst ein Gespür zu entwickeln! Einige Plattformen bieten auch kostenlose Tools zum Überprüfen von Webinhalten an.20A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria. (2024). Täuschend echt: So erkennen Sie KI-Content. Onlinesicherheit, 29. März 2024.21Sauder, D. (2025). KI-Fakes erkennen. WDR, 9. September 2025.
Gute Medienkompetenz bedeutet jedoch nicht, grundsätzlich allem direkt zu misstrauen. Das würde ja auch wiederum der seriösen Berichterstattung schaden – und ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum es überhaupt so eine Flut aus Desinformationen gibt. Um dem vorzubeugen, solltest du dir dir Mühe machen, mehrere voneinander unabhängige Quellen miteinander zu vergleichen. Abonniere auch sachliche Medien (am besten auch außerhalb deiner eigenen politischen Komfortzone!) und korrigiere dich, wenn neue Belege gegen deine bisherige Meinung sprechen. Es gibt auch von vielen Organisationen kostenlose Schulungen zur Medienkompetenz. Und wenn du Schüler bist: sprich doch gerne auch mal deinen Klassenlehrer an, ob er euch nicht an den Projekttagen mal einen Experten dazu einladen könnte! Auch im Weltkunde, Geschichts- und Politikunterricht wäre dies sicher ein wichtiges Thema, das du z.B. für „tote Tage“ kurz vor den Ferien vorschlagen könntest. Studien zeigen, dass selbst kurze Schulungen die Unterscheidung zwischen glaubwürdigen und falschen Nachrichten verbessern können.22Guess, A. M. et al. (2020). A digital media literacy intervention increases discernment between mainstream and false news in the United States and India. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(27), 15536–15545. doi:10.1073/pnas.1920498117
Nicht nur auf Headlines reagieren!
Eine wichtige Sache möchte ich dir hier noch direkt mit auf den Weg geben. Beim Scrollen durch die sozialen Medien neigen viele, auch ich selber, manchmal dazu, nur noch die Headlines von bestimmten Beiträgen zu lesen. Und lesen wir sie dann häufig genug, glauben wir, wir hätten die Wahrheit gelesen, weil doch viele andere Medien auch über das gleiche Thema schreiben. Doch ist das genaue Gegenteil der Fall:
„Das Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht die Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.“ ― Theodor W. Adorno
Titelüberschriften bilden ein Thema nämlich immer nur ungenügend ab. Wie könnten sie auch mehrere Aspekte mit nur einem einzigen prägnanten Satz beleuchten? Und immer sollen die Überschriften ja auch Klicks generieren, weshalb sie oft reißerisch formuliert sind. Deshalb reicht es nicht aus, sich zu „informieren“, wenn man immer bloß die Überschrift liest!
So kannst du unsaubere, polemische Artikel sofort erkennen (und meiden):
- Die Überschrift arbeitet mit Schockbegriffen, Superlativen oder dramatischen Behauptungen
- Starke Gefühle (Wut, Angst, Empörung, Abscheu …) und dramatische Untergangsszenarien
- Suggestivfragen: „Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?“
- Pauschale Verurteilungen und Verallgemeinerungen: Signalwörter wie „immer“, „nie“, „alle“, „niemand“…
- Keine oder kaum überprüfbare Quellen (meine erkennst du übrigens an den vielen Fußnoten!)
- Unklare oder manipulative Zahlenangaben; Statistiken ohne Vergleichswerte
- Der Inhalt hält nicht, was die Überschrift verspricht: Es geht im Artikel um etwas ganz anderes
Und oft erkennst du direkt an einer Headline, dass sie nur Clickbait ist:
- Dieser Dinosaurier war noch grausamer als der T. rex / … hätte selbst einen T. rex besiegt!
- Forscher entdecken das tödlichste Raubtier aller Zeiten
- Schockfund: Dieser Dinosaurier stellt alles infrage, was wir bisher wussten
- Beeindruckende neue Dino-Fossilien – und niemand spricht darüber
- Unglaublich! Dieser Fund schreibt die Geschichte der Dinosaurier komplett neu
- Forscher sind fassungslos: Dinosaurier waren ganz anders, als wir dachten
- Die Wahrheit über […] wurde uns jahrelang verschwiegen
Du verstehst, was ich meine…

Netzetikette beachten und sinnvoll kommentieren!
Zur Deeskalation der Vorrohung im Internet gehört es auch, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich selbst gewisse „Benimm-Regeln“ draufzuschaffen, wenn du mit Menschen im Netz kommunizierst. Ich bin seit Jahren schon Fan und riesiger Unterstützer eines Online-Knigge! Dazu könnte ich hier direkt ein ganzes Kapitel… ach was, ein ganzes Buch schreiben. Belassen wir es aber mal beim Wesentlichen. Zum Beispiel möchte ich dich dringen bitten, keine irrelevanten Kommentare zu schreiben. Wenn du einen Beitrag kommentierst, lies den ganzen Beitrag vollständig und nicht nur die Überschrift. Schreib auch nicht, dass du irgendwann keinen Bock mehr hattest, weiterzulesen. Aus welchem Grund sollte irgendwer so eine Zurschaustellung der eigenen Lesefaulheit in irgendeiner Weise wertschätzen? Wer nur auf eine Schlagzeile reagiert, sich über einen vermeintlichen Inhalt empört oder am eigentlichen Thema vorbeikommentiert, trägt wenig zu einer sachlichen Debatte bei. Solche emotionalen Reaktionen können sogar gezielt von Bots und organisierten Trollnetzwerken ausgenutzt werden, um Diskussionen zu stören, Desinformation zu verbreiten und gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen.23Bradshaw, S. & Howard, P. N. (2019). The Global Disinformation Order: 2019 Global Inventory of Organised Social Media Manipulation. Deshalb möchte ich dich bitten, da nicht auch noch mitzumachen.
Achte auch auf eine respektvolle und angemessene Wortwahl. Die Distanz und vermeintliche Anonymität des Internets senken, und das ist sogar gut erforscht, die Hemmschwelle für Beleidigungen, Hassrede und aggressives Verhalten.24Suler, J. (2004). The online disinhibition effect. CyberPsychology & Behavior, 7(3), 321–326. doi:10.1089/1094931041291295 Lass dich nicht provozieren und verschwende deine Zeit nicht mit öffentlichem Online-Gepöbel. In solchen Fällen gilt: Ignorieren, melden, blockieren. Lass außerdem jeden eigenen Kommentar vor dem Abschicken durch drei Tore gehen:
- Ist er wahr?
- Ist er freundlich?
- Ist er relevant?
Passt er durch eines dieser Tore nicht, lass ihn besser ungeschrieben.
Teil II: Was Politik und Gesellschaft tun müssen
Warum ich diese Artikel hier überhaupt schreibe? Weil ich finde, dass vonseiten des Staates leider viel zu wenig in Sachen Extremismusprävention getan wird. Deshalb möchte ich einen eigenen Beitrag dazu leisten. Und klare Forderungen formulieren, was ich mir von der Politik erwarte! Und was auch sie selbst aus purem Eigeninteresse von sich selbst erwarten müsste, damit sie von ihren Feinden nicht selbst abgeschafft wird. Tatsächlich hat unser Staat einige scharfe Schwerter in seinem vielleicht etwas eingestaubten Lager liegen. Holen wir sie gemeinsam mal hervor und schauen wir uns an, was damit anzufangen ist!
Prävention und Aufklärung leisten!
Eine frühzeitige Bildung und Aufklärung über die Risiken und Gefahren von Extremismus kann dazu beitragen, dass Menschen resistenter gegen extremistische Propaganda und Ideologien werden. 25Feddes, A. R. & Gallucci, M. (2015). A literature review on methodology used in evaluating effects of preventive and de-radicalisation interventions. Journal for Deradicalization, 5, 1–27. Und dazu möchte ich wenigstens einen klitzekleinen Beitrag leisten. Ich finde: Das sollte aber schon in der Schule anfangen. Auf den Lehrplänen ist die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem Dritten Reich zwingend vorgeschrieben. Ich vermisse dabei aber deutlich auch eine Unterrichtseinheit über das Thema Extremismus im Allgemeinen, wie er entsteht, warum er entsteht, wie Extremisten (besonders heute!) mit Propaganda und Fake News arbeiten und wie man gegen all das ankämpft. Und auch über Netzetikette und die Gefahren im Online-Raum wird viel zu wenig aufgeklärt. Hier sollte sich die Politik endlich einmal stark machen, denn sonst könnten die Worte „wehrhafte Demokratie“ bald sehr, sehr leer sein. Extremisten versuchen nämlich, sie immer weiter auszuhöhlen und besonders die Jugend für ihre Ideologien zu begeistern. Das erfolgt heute vor allem über soziale Medien.
Ich plädiere schon seit längerem für einen „Internet-Führerschein“. Im Straßenverkehr gab es zu Anfang auch noch keine Regeln. 1909 wurde zwar bereits schon das „Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen“ erlassen, ein Vorläufer des heutigen Straßenverkehrsgesetzes, der auf einer einzigen Druckseite Platz fand. Erst 1934 folgte die erste umfassende Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung und in der Bundesrepublik Deutschland dann erst 1953 (!) die heute noch gebräuchliche, wenn auch seither immer wieder erweiterte StVO. Sie regelte Zulassung, Verkehrsverhalten, Vorfahrt, Geschwindigkeiten und Verkehrszeichen. Und es wird sich finde ich nicht umgehen lassen, dass wir ein ähnliches System – auch mit vorheriger Kompetenzprüfung und einem „Bußgeldkatalog“ für all die Verrohungen, die tagtäglich im Netz stattfinden, endlich einführen. Das Internet ist nicht weniger gefährlich als die Straße, auf der Autos fahren. Die Forschung dokumentiert entsprechend erhebliche Gefahren durch Cybermobbing, sexuelle Ausbeutung und extremistische Radikalisierung im Internet. Alles korelliert auch mit Angststörungen, Depressionen, Einsamkeit, Selbstverletzungen und suizidalem Verhalten. Zugleich erleichtern digitale Kommunikationsräume die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen sowie die Verbreitung extremistischer Inhalte, mit denen Extremisten ihren Nachwuchs radikalisieren wollen.26Kasturiratna, K. T. A. S. et al. (2025). Umbrella review of meta-analyses on the risk factors, protective factors, consequences and interventions of cyberbullying victimization. Nature Human Behaviour, 9, 101–132. doi:10.1038/s41562-024-02011-627Fry, D. et al. (2025). Prevalence estimates and nature of online child sexual exploitation and abuse: A systematic review and meta-analysis. The Lancet Child & Adolescent Health, 9(3), 184–193. doi:10.1016/S2352-4642(24)00329-828Hassan, G. et al. (2018). Exposure to extremist online content could lead to violent radicalization: A systematic review of empirical evidence. International Journal of Developmental Science, 12(1–2), 71–88. doi:10.3233/DEV-170233

Bildung als Schutzschild gegen Extremismus
Bildung ist wohl der wirksamste Schild gegen extremistische Ideologien.29UNESCO. (2018). Preventing violent extremism through education works: Policy brief on effective activities and impact released. UNESCO, 21. November 2018. Die UNESCO betont ausdrücklich, dass Bildung die Widerstandsfähigkeit junger Menschen gegen gewaltextremistische Ideologien stärkt, weil sie unter anderem kritisches Denken, Menschenrechtsbewusstsein, Dialogfähigkeit und die Auseinandersetzung mit Hassbotschaften fördert.30UNESCO. (2026). Preventing violent extremism. UNESCO. Dabei genügt es nicht, Schüler lediglich mit möglichst vielen Fakten zu versorgen. Kompetenz bedeutet nicht bloß Wissen, sondern eigene Handlungsfähigkeit. Sie müssen lernen, Quellen zu prüfen, Manipulation zu erkennen, Widersprüche auszuhalten und zwischen Tatsachen, Meinungen und gezielter Propaganda zu unterscheiden.
Besonders wirksam sind Unterrichtsformen, bei denen junge Menschen selbst diskutieren, Perspektiven wechseln, Konflikte gewaltfrei lösen und konkrete Erfahrungen sammeln. Eine UNESCO-Auswertung von 32 Bildungsprojekten nennt unter anderem Rollenspiele, gemeinsames Lernen, persönliche Erfahrungsberichte und Übungen zur kritischen Reflexion als erfolgversprechende Ansätze.31UNESCO. (2016). A teacher’s guide on the prevention of violent extremism. Paris 2016. Wichtig ist natürlich auch eine vom Lehrer geschaffene Lernatmosphäre, in der kontroverse Fragen offen angesprochen werden dürfen, ohne dass Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder politischen Haltung pauschal abgewertet werden.
Nicht nur Nationalsozialismus und Kolonialismus, sondern auch die Funktionalität von Diktaturen, Terrorismus und anderen gewaltsamen Kapiteln der Geschichte sollte im Geschichts- und Weltkundeunterricht einen deutlich größeren Umfang bekommen, und zwar unter der Prämisse, dass diese Themen eben nicht nur als abgeschlossene Vergangenheit behandelt werden, sondern in die Gegenwart hineinwirken und die Zukunft bestimmen können. Jeder junge Mensch sollte spätestens beim Berufseintritt imstande sein, die Entstehung von Ausgrenzung, Verschwörungserzählungen, Entmenschlichung und autoritärem Denken zu begreifen.32UNESCO. (2025). Addressing violent pasts through education: A policy guide. Paris 2025. Bildung verhindert Extremismus aber natürlich nicht automatisch. Sie kann jungen Menschen aber das Wissen, die Urteilskraft und das Selbstvertrauen geben, einfache Feindbilder zurückzuweisen und demokratische Lösungen auszuhalten, auch wenn diese kompliziert und mühsam sind und es immer Menschen geben wird, die dafür empfänglich sind.

Energischer Kampf gegen Bildungseinrichtungen
Kein Wunder, dass Extremisten also zuerst gegen Bildungseinrichtungen wie Universitäten, Bibliotheken und Schulen vorgehen. So wurden etwa unter der Herrschaft des sogenannten Islamischen Staates in Mossul Schulen zur Verbreitung extremistischer Ideologie benutzt, während Lehrkräfte und Kinder über Jahre hinweg einem entsprechend ideologisierten Unterricht ausgesetzt waren.33UNESCO. (2024). Revive the Spirit of Mosul: Education. UNESCO. Die UNESCO weist außerdem darauf hin, dass gewalttätige Extremisten weltweit Schulen zerstören, Lehrkräfte und Kinder bedrohen sowie kulturelles Erbe plündern und vernichten, um Bildung, kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Erinnerung anzugreifen.34UNESCO. (2017). What works to prevent violent extremism. UNESCO, 6. November 2017.
Dies ist traurigerweise besonders deutlich auch seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump in den USA zu beobachten. Seither sehen sich Museen, Bibliotheken, Institute und Universitäten, aber auch viele Akademiker und Studierende, besonders jene aus dem Ausland, harten Repressalien und einer zunehmenden Ideologisierung ausgesetzt.35The White House. (2025). Restoring Truth and Sanity to American History. Executive Order 14253. The White House, 27. März 2025.36The White House. (2026). Restoring Trust in the Smithsonian Institution. Executive Order. The White House, 24. Juli 2026.37The White House. (2025). Continuing the Reduction of the Federal Bureaucracy. Executive Order. The White House, 14. März 2025.38U.S. Department of Justice, U.S. Department of Health and Human Services, U.S. Department of Education & U.S. General Services Administration. (2025). Initial cancellation of grants and contracts to Columbia University worth $400 million. HHS, 7. März 2025.39U.S. Department of Health and Human Services, U.S. Department of Education & U.S. General Services Administration. (2025). Columbia University’s actions to comply with Joint Task Force pre-conditions. HHS, 24. März 2025.40U.S. Department of Education. (2025). Joint Task Force to Combat Anti-Semitism statement regarding Harvard University. U.S. Department of Education, 14. April 2025.41The White House. (2025). Enhancing National Security by Addressing Risks at Harvard University. Presidential Proclamation. The White House, 4. Juni 2025.

… auch bei uns?
Aber sowas kann auch hier bei uns passieren! Tatsächlich steht es sogar im Parteiprogramm von mehreren Landesverbänden der AfD, dass sie gravierende „Bildungsreformen“ (ein zynischer Euphemismus!) anstreben, die sogar die Schulpflicht zugunsten von Hausbeschulung (bzw. privater Indoktrination) abschaffen wollen.42Alternative für Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg. (2026). Wahlprogramm zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg. S. 52–53. AfD Baden-Württemberg.43Landtag von Sachsen-Anhalt. (2022). Bildungspflicht statt Schulzwang – Heimunterricht möglich machen! Antrag der Fraktion der AfD, Drucksache 8/440. Landtag von Sachsen-Anhalt. Und auch die Inklusion von Menschen mit Einschränkungen ist ihnen ein Dorn im Auge. Das Recht auf inklusive Bildung ist zwar in Art. 24 der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben. Danach müssen Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und kostenlosen Bildungssystem erhalten und dürfen wegen ihrer Behinderung nicht aus dem allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.44United Nations. (2006). Convention on the Rights of Persons with Disabilities: Article 24 – Education. United Nations. Die Europäische Union ist selbst Vertragspartei dieser rechtsverbindlichen Konvention. Außerdem erkennt Art. 26 der EU-Grundrechtecharta den Anspruch von Menschen mit Behinderungen auf Maßnahmen zur gesellschaftlichen Eingliederung und gleichberechtigten Teilhabe an.45European Union. (2010). Council Decision 2010/48/EC concerning the conclusion of the United Nations Convention on the Rights of Persons with Disabilities. Article 24. EUR-Lex.46European Union. (2016). Charter of Fundamental Rights of the European Union: Article 26 – Integration of persons with disabilities. EUR-Lex. Die AfD möchte sich über all das hinwegsetzen.
Ich finde, dem gehört dringend ein Riegel vorgeschoben. Und dazu ist es wichtig, so vielen Menschen wie möglich zu zeigen, welche enormen Nachteile sie selbst und vor allem ihre Kinder durch solche politischen Bildungsbeschneidungen eigentlich hätten. Hilf doch bitte dabei mit! Und das geht nicht nur an der Wahlurne: Blockiere extremistische Hass-Seiten, melde Desinformationen und auch wertlosen KI-Müll sofort, wenn du sie siehst. Bitte nicht dort kommentieren, damit bescherst du ihnen nur mehr Sichtbarkeit und Reichweite. Stattdessen: Kommentiere und teile besser sachliche Beiträge, die fundiert und gut recherchiert sind. Hilf mit bei der Aufklärungsarbeit von antiextremistischen Portalen, teile ihre Videos und Beiträge und lass auch für die Algorithmen immer einen Kommentar da. Das kann auch ein ganz kurzer sein: Cooler Beitrag! etwa, oder auch nur ein paar positive Emojis! ❤️🙏

Förderung von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung!
Die Beseitigung von Armut, Ungleichheit und sozialer Ausgrenzung kann dazu beitragen, die Anfälligkeit für extremistische Ideologien zu verringern und stabilere und widerstandsfähigere Gemeinschaften zu schaffen. 47Gidron, N. & Hall, P. A. (2017). The politics of social status: Economic and cultural roots of the populist right. British Journal of Sociology, 68(S1), S57–S84. doi:10.1111/1468-4446.12319 Hierbei ist natürlich vor allem die Politik gefragt, gegen soziale Ungerechtigkeit vorzugehen. Eine Vermögensumverteilung von oben nach unten durch eine faire Besteuerung könnte zum Beispiel dabei helfen, besonders die ärmeren und oft auch bildungsferneren Schichten der Bevölkerung zu entlasten, ihnen bessere Perspektiven zu verschaffen und damit die Gründe zu beseitigen, weshalb sie sich radikalisieren könnten.48Wolfowicz, M. et al. (2021). Cognitive and behavioral radicalization: A systematic review of the putative risk and protective factors. Campbell Systematic Reviews, 17(3), e1174. doi:10.1002/cl2.1174
Auch das funktioniert aber wieder nicht nur an der Wahlurne. Du hast jederzeit, an jedem Tag selbst Möglichkeiten, aktiv Demokratie bzw. Widerstand gegen Extremismus zu betreiben! Gemeinsam geht da eine ganze Menge: du kannst zum Beispiel in demokratischen Vereinen, Gewerkschaften, Elternvertretungen, Jugendverbänden, Parteien, Bürgerinitiativen oder kommunalen Gremien mitwirken. Besonders konkret wäre auch die Tätigkeit als Wahlhelfer. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass antidemokratische Kräfte gerade dort leichter Raum gewinnen, wo sich demokratische zivilgesellschaftliche Organisationen zurückziehen. Wahlhelfende wiederum bilden nach Angaben der Bundeswahlleiterin das Fundament der praktischen Durchführung demokratischer Wahlen. Du kannst auch selbst in der Aufklärungsarbeit mitwirken. Blogs und Artikel schreiben. Gemeinsam mit anderen auf Demos gehen. An Initiativen teilnehmen. Petitionen unterschreiben. In der Kommunalpolitik mitwirken. Und wir können uns auch jederzeit an unsere politischen Abgeordneten wenden, um aktiv am Demokratisierungsprozess mitzuwirken.

Schulen, Vereine und Betriebe institutionell vorbereiten!
Zusätzlich könnten Organisationen verbindliche Strukturen gegen Extremismus schaffen. Und daran kannst auch du wieder aktiv mitwirken. Selbst, wenn du noch Schüler bist, kannst du dich zum Beispiel in der Schülervertretung. Und als Eltern könnt ihr gemeinsam mit anderen von der Schulleitung entsprechende Maßnahmen fordern. Selbiges gilt natürlich auch in Vereinen. Und auch auf der Arbeit, in Betriebsräten und bei Gewerkschaften. Auch hier habt ihr in der Masse wieder sehr viel Macht, die ihr wirkungsvoll einsetzen könnt. Wirkungsvolle Maßnahmen wären zum Beispiel:
- klare demokratische Leitbilder
- Verhaltensregeln bei Bedrohungen und menschenfeindlichen Vorfälle
- benannte Ansprechpersonen bei Rassismus, Mobbing und anderen Auffälligkeiten
- vertrauliche Meldewege
- Extremismus-Schulungen für Beschäftigte, Lehrkräfte und Ehrenamtliche
- Kooperationen mit professionellen Beratungsstellen
Zeit für Gemeinschaft!
Extremistische Narrative leben häufig von Zugehörigkeit, Identität, einfachen Erklärungen und dem Versprechen, dass ihre Angänger „Teil von etwas Bedeutendem“ seien. Deshalb reicht es nicht immer, diese falschen Behauptungen bloß zu widerlegen. Ebenso wichtig ist der Entwurf von positiven, demokratischen Gegenerzählungen. Geschichten über gelungene Vielfalt, den Wert von Solidarität, gemeinsame Erfolge und konkrete Möglichkeiten, gesellschaftliche Missstände demokratisch zu verändern.
Wir brauchen dafür sichere Räume für kontroverse Gespräche, legitime Möglichkeiten zur Äußerung von Frustration und konstruktive Alternativen zu extremistischen Narrativen. Keine Abschottung und Blockaden! Wenn sogar eine Fußballweltmeisterschaft uns alle zusammenschweißen und trotz aller Differenzen gemeinsam wieder feiern lassen kann, dann geht das auch mit anderen freudigen Botschaften, die uns ein echtes „wir“ fühlen lassen. So eine gemeinsame Freude ist Gift für den Extremismus!

Rechtsstaatlichkeit und konsequente Strafverfolgung!
Ebenfalls wichtige Aufgabe des Staates ist es, eine effektive Durchsetzung bestehender Gesetze und die Strafverfolgung von extremistischen Aktivitäten und Hassverbrechen zu gewährleisten. Das gilt besonders fürs Internet, der von vielen als rechtsfreier Raum wahrgenommen wird. Was er aber nicht ist!49Bundeskriminalamt (6. Juni 2024). Bundesweites Vorgehen gegen Hasspostings. . Extremistische Vereinigungen müssen außerdem, wenn sie klar als solche identifiziert sind, verboten werden; auch ihre Organisation im Untergrund muss unterbunden werden. Beides gestaltet sich politisch wie juristisch allerdings oft schwierig. Ein konsequentes Vorgehen gegen extremistische Gefährder wurde in Deutschland ebenfalls viel zu lange versäumt. Dies ermöglichte es, dass auch der Attentäter von Berlin selbst nach mehreren erheblichen Vorstrafen und auch dem Versuch, dem IS im Ausland beizutreten, aufgrund einer zur Bewährung ausgesetzen Jugendstrafe wieder auf freien Fuß kam.50Vorgeschichte des mutmaßlichen CSD-Attentäters wirft Fragen auf. rbb24, 27. Juli 2026.
Auch wenn es natürlich grundsätzlich richtig ist, bei jugendlichen Straftätern eher den Erziehungs- als den Sanktionsgedanken zu hegen, mit einem Fokus auf die Resozialisierung (siehe weiter unten), müssen wir beim Thema Extremismus einer hässlichen Sache endlich ins Auge sehen: Es gibt Menschen, die sind nicht mit den aktuellen Möglichkeiten unseres Rechtsstaats resozialisierbar. Die sind auch nicht psychisch krank und könnten durch eine Therapie rehabilitiert werden. Die aus tiefster Überzeugung anderen Menschen aus ihrem Hass heraus schaden wollen. Und diese Menschen müssen – wenn sie keine deutschen Staatsbürger sind – konsequent abgeschoben, und wenn sie Deutsche sind, in Gewahrsam genommen oder unter permanente Überwachung gestellt werden. Die Menschenrechte eines solchen Gefährders dürfen nicht gleichwertig zu denen von Unschuldigen juristisch gewertet werden, denn sonst müssen Unschuldige sterben.
Robert Habeck hat dafür einen, wie ich finde, rationalen 10-Punkte-Plan vorgelegt:51Habeck, R. (2025). Sicherheitsoffensive für Deutschland: Ein 10-Punkte-Plan, wie Deutschland wieder sicherer wird. Table.Briefings, 3. Februar 2025.52dts Nachrichtenagentur. (2025). Habeck legt eigenen Zehn-Punkte-Plan zu Migration vor. Berliner Morgenpost, 3. Februar 2025.
- Offene Haftbefehle (mehrere Zehntausend!) müssen vorrangig vollstreckt werden, besonders gegen Gewalttäter, Islamisten und andere Extremisten.
- Bundespolizei und Bundeskriminalamt müssen automatisierte Datenanalyse und Gesichtserkennung nutzen dürfen, um Gefährder schneller zu erkennen.
- Die Bundespolizei muss personell, technisch und rechtlich deutlich gestärkt werden.
- Asylsuchende müssen bei der medizinischen Erstuntersuchung auch auf psychische Erkrankungen untersucht werden, damit Behandlungen früh beginnen können.
- Bundes- und Landesbehörden müssen enger zusammenarbeiten und alle relevanten Informationen über Gefährder gemeinsam auswerten.
- Nichtdeutsche Gefährder und Schwerkriminelle müssen abgeschoben, gegebenenfalls auch präventiv in Haft genommen und besonders gefährliche Personen eng überwacht werden. Hier sehe ich auch eine gute Einsatzmöglichkeit der elektronischen Fußfessel.
- Irreguläre Migration muss durch eine schnelle Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems an den EU-Außengrenzen begrenzt werden.
- EU-Staaten müssen zur Einhaltung der Dublin-Regeln verpflichtet und Verstöße notfalls durch Vertragsverletzungsverfahren verfolgt werden.
- Asylverfahren müssen vereinfacht, digitalisiert und deutlich beschleunigt werden, damit schneller über Bleiberecht oder Ausreise entschieden wird.
- Migrationsabkommen müssen auf höchster politischer Ebene vorangetrieben werden, um Rückführungen zu erleichtern und zugleich legale Arbeitsmigration zu ermöglichen.
Die Wehrhafte Demokratie
Blicken wir zurück auf Karl Popper und sein Toleranzparadoxon, müssen wir uns zwangsläufig mit der Frage auseinandersetzen, wo die Grenzen des „Aushaltens“ auch auf der Verfassungsebene liegen. Es ist im Grunde aber dasselbe wie bei zwischenmenschlichen Kontakten. Wenn ich nun tolerant bin, und die Meinung jedes anderen akzeptiere, so gelingt das nur unter der Prämisse, dass jeder andere meiner Meinung gegenüber auch tolerant ist. Natürlich muss niemand deshalb komplett alles gut finden, was ich sage und schreibe, aber man muss noch respektvoll und ohne Feindseligkeit auseinandergehen können, ohne sich zu wünschen, die Meinung des anderen müsse unterdrückt oder verboten werden. Wenn dies aber nicht mehr der Fall ist und jemand verhält sich mir entsprechend intolerant, ist dieser gegenseitige „Vertrag“ des Miteinanders aufgekündigt und ich brauche diese intolerante Person dann auch nicht länger tolerieren. Was logisch ist: denn wenn ich immer mehr und mehr intolerante Leute in meinen Kreis lasse und sie toleriere, dann wird meine Meinung an irgendeinem Punkt schließlich zum Schweigen gebracht werden.
Und so verhält es sich auch mit der Demokratie in Deutschland. Diese, mit der wir es heute zu tun haben, ist schließlich auch schon der zweite Versuch. Der erste, mit der Weimarer Verfassung, bot zu viele Angriffspunkte, sodass die Nationalsozialisten sie legal und innerhalb der in ihr geltenden Gesetze infiltrieren, aushöhlen und schließlich gegen sich selbst richten konnten, um sie abzuschaffen und in eine Diktatur zu verwandeln. Damit das nicht noch ein weiteres Mal geschehen kann, ist unsere jetzige Verfassung deutlich strenger und verfügt über deutlich mehr Verteidigungskraft als die der Weimarer Republik:
- Art. 9 Abs. 2 GG – Verbot verfassungsfeindlicher Vereinigungen:
Vereine und Organisationen können verboten werden, wenn sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richten. - Art. 18 GG – Verwirkung von Grundrechten:
Wer bestimmte Grundrechte gezielt zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, kann diese Grundrechte durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verlieren. - Art. 21 Abs. 2 GG – Verbot verfassungswidriger Parteien:
Parteien können verboten werden, wenn sie darauf abzielen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand Deutschlands zu gefährden. - Art. 21 Abs. 3 GG – Ausschluss von der Parteienfinanzierung:
Verfassungsfeindliche Parteien können von der staatlichen Finanzierung und von steuerlichen Vergünstigungen ausgeschlossen werden, auch wenn sie nicht verboten werden. - Art. 79 Abs. 3 GG – Ewigkeitsklausel:
Die Menschenwürde sowie die grundlegenden Prinzipien von Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und Bundesstaat dürfen selbst durch eine verfassungsändernde Mehrheit nicht abgeschafft werden. - Art. 20 Abs. 4 GG – Widerstandsrecht:
Alle Deutschen dürfen gegen den Versuch Widerstand leisten, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen, wenn keine andere Abhilfe mehr möglich ist.
Auch viele andere Gesetze, wie z. B. § 4 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 BWahlG sind Teil der wehrhaften Demokratie. Parteien werden bei der Verteilung der Bundestagssitze grundsätzlich nur dann berücksichtigt, wenn sie bundesweit mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten. Dadurch soll verhindert werden, dass sich der Bundestag in zahlreiche sehr kleine Gruppen zersplittert und dadurch seine Arbeits- und Funktionsfähigkeit verliert. Daneben existieren noch mehrere weitere Artikel im Grundgesetz und Paragraphen in den sonstigen Gesetzbüchern, die eigens dafür da sind, ein „Nie wieder!“, also die Übernahme unseres Staates durch extremistische bzw. antidemokratische Kräfte zu verhindern.
Verbot von verfassungsfeindlichen Organisationen und Parteien
Allerdings funktionieren diese Maßnahmen natürlich nur dann, wenn sie auch konsequent genutzt werden. Um sie überhaupt zu nutzen, liegen die Hürden für jede dieser Maßnahmen sehr hoch und sie sind in Deutschland bislang auch sehr sparsam eingesetzt worden. Das ist auch wichtig, damit mit den scharfen Schwertern der Demokratie kein Missbrauch betrieben werden kann. Ein Verbot kann deshalb nicht dazu verwendet werden, unerwünschte Meinungen beseitigen, weil es in dem Fall sofort wieder von der Justiz kassiert werden würde. Dies ist z.B. beim von Innenministerin Nancy Faeser erwirkten Verbot des rechtsextremen Compact-Magazins geschehen, und das obwohl das Bundesverwaltungsgericht die verfassungsfeindlichen Äußerungen und Aktivitäten zwar überwiegend bestätigte, sie aber in der Gesamtwürdigung noch nicht als derart prägend für die gesamte Organisation ansah, dass das besonders einschneidende Vereinsverbot verhältnismäßig gewesen wäre.53Bundesverwaltungsgericht hebt COMPACT-Verbot auf. Bundesverwaltungsgericht, 24. Juni 2025. So ungeheuer hoch liegen die Hürden und wird das hohe Gut der Meinungsfreiheit geschätzt – obwohl es so viele Leutchen da draußen anders und die Meinungsfreiheit in Gefahr sehen. Ein Vereinsverbot ist nur dann zulässig, wenn Zweck oder Tätigkeit der Vereinigung wesentlich auf Straftaten ausgerichtet sind, sie gegenüber den elementaren Verfassungsgrundsätzen eine kämpferisch-aggressive Haltung einnimmt oder Gewalt und Terrorismus fördert. Dabei müssen die Voraussetzungen eng ausgelegt und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet werden.54Gesetz zur Regelung des öffentlichen Vereinsrechts, § 3. gesetze-im-internet.de55Bundesverfassungsgericht (21. August 2018). Verfassungsbeschwerden gegen Vereinsverbote erfolglos. bundesverfassungsgericht.de
Für politische Parteien gelten sogar noch höhere Hürden. Über ihre Verfassungswidrigkeit entscheidet ausschließlich das Bundesverfassungsgericht. Einen Antrag können Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung stellen, oder auch eine Landesregierung, wenn eine Partei nur auf das jeweilige Bundesland beschränkt ist. Um so ein Verbot zu erwirken, müssen folgende Vorraussetzungen erfüllt sein:
- Die Partei muss nachweislich verfassungsfeindlich sein und sich gegen das Demokratieprinzip mit Gewaltenteilung und mehreren Parteien, gegen das Rechtsstaatsprinzip oder gegen die Menschenwürde positionieren.
- Sie muss aktiv und planvoll darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen beziehungsweise den Fortbestand der Bundesrepublik aktiv gefährden.
- Außerdem müssen konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie ihre Ziele tatsächlich in die Tat umsetzen kann.
Genau daran, an der sogenannten Potentialität, scheiterte 2017 das zweite NPD-Verbotsverfahren.56Bundesverfassungsgericht. (2017). Urteil des Zweiten Senats vom 17. Januar 2017 – 2 BvB 1/13: NPD-Verbotsverfahren.57mho, dpa & AFP. (2017). Bundesverfassungsgericht verbietet NPD nicht. SPIEGEL ONLINE, 17. Januar 2017. Statt eines Verbots kann das Gericht aber auch mildere Maßnahmen ansetzen und eine verfassungsfeindliche Partei für sechs Jahre von der staatlichen Finanzierung und steuerlichen Begünstigung ausschließen. Hierfür müssen nicht alle drei Punkte erfüllt sein.
Ein Vereins- wie auch ein Parteienverbot verbot führen zur unmittelbaren Auflösung der Organisation. Ihr Vermögen kann beschlagnahmt und eingezogen werden. Kennzeichen, Fahnen, Parolen und Symbole dürfen grundsätzlich nicht mehr öffentlich verwendet werden. Auch die Fortführung als Ersatzorganisation ist verboten und kann strafrechtlich verfolgt werden. 58Gesetz zur Regelung des öffentlichen Vereinsrechts, §§ 3, 8, 9 und 20. gesetze-im-internet.de59Gesetz über die politischen Parteien, §§ 32–33. gesetze-im-internet.de Solche Verbote können extremistische Szenen empfindlich treffen. Zugleich sind sie aber kein Allheilmittel. Anhänger können in den Untergrund gehen und dort weiterhin informelle Netzwerke, Ersatzorganisationen oder digitale Räume für sich einnehmen, sich als verfolgte Märtyrer inszenieren und ihre Ideologie unter neuem Namen weiterverbreiten. Zu frühe, schlecht vorbereitete oder gerichtlich aufgehobene Verbote können Extremisten sogar propagandistisch stärken. Wirksam sind sie deshalb vor allem dann, wenn sie sorgfältig belegt, konsequent vollzogen und durch Strafverfolgung, politische Bildung, Prävention sowie eine dauerhafte Beobachtung möglicher Nachfolgestrukturen ergänzt werden.60Bundesamt für Verfassungsschutz. Verbotene Organisationen und Kennzeichen im Rechtsextremismus. verfassungsschutz.de61Bundeszentrale für politische Bildung (2025). Vereinigungsverbote zur Bekämpfung von Islamismus: Wirksamkeit und Grenzen. bpb.de62Hanschmann, F. W. (1. Juni 2026). Wehrhafte Demokratie: Wie der Staat gegen rechtsextreme Vereinigungen vorgehen kann. Bundeszentrale für politische Bildung. bpb.de
Sollte die AfD verboten werden?
Diese Frage kann ich als Autor und Urzeit-Fan natürlich nicht beantworten. Dafür sind wie gesagt die Gerichte zuständig. Schreibe ich das aber nun bloß, um mich aus der Affäre zu ziehen und mich nicht positionieren zu müssen? Nein. Bleiben wir bei den Fakten. Es existiert schließlich immer noch ein 1.108 Seiten umfassendes Gutachten, das mehr als 1.000 Äußerungen, Veröffentlichungen und sonstige Belege aus unterschiedlichen Gliederungen der AfD aufführt und sie daher als gesichter Rechtsextrem einstufen möchte.63Kornmeier, C. (2025). Bundesamt für Verfassungsschutz stuft AfD als „gesichert rechtsextrem“ ein. tagesschau, 2. Mai 2025. Auch wenn diese Einstufung vorerst zurückgestellt wurde und noch juristisch geprüft wird,64Verwaltungsgericht Köln (26. Februar 2026). Beschluss zur Einstufung der Alternative für Deutschland als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. ist sie ein deutliches Alarmsignal. Auch der Verfassungsschutz kann solche Einstufungen schließlich nicht „einfach so“ vornehmen, sondern muss eine dichte, solide Beweiskette vorlegen. Und auf Landesebene fällt die rechtliche Bewertung anders, noch deutlich schärfer aus. Die AfD-Landesverbände in Thüringen,65am Orde, S. (2021). AfD Thüringen erwiesen rechtsextrem: „Das ist eine neue Qualität“. taz, 12. Mai 2021.66Freistaat Thüringen. (2024). Verfassungsschutzbericht 2024: Pressefassung.67Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales. (2024). Blaupause für künftige Widerrufe der Waffenerlaubnis: Entscheidung des OVG bewertet Thüringer AfD klar als verfassungsfeindlich. Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales, 21. Februar 2024. Sachsen,68Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. (2023). Sächsischer AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, 8. Dezember 2023.69Sächsisches Oberverwaltungsgericht. (2025). Beschwerde der Landesverbands Sachsen der Partei Alternative für Deutschland in Sachen Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung erfolglos. Sächsischer Medienservice, 21. Januar 2025.70Verwaltungsgericht Dresden. (2024). Eilantrag des Landesverbands Sachsen der AfD gegen seine Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung erfolglos. Sächsischer Medienservice, 16. Juli 2024. Sachsen-Anhalt,71MDR Sachsen-Anhalt. (2023). AfD Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. MDR, 7. November 2023.72Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Sachsen-Anhalt. (2024). Innenministerin stellt Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2023 vor. Landesportal Sachsen-Anhalt, 2. Juli 2024. Niedersachsen73Jürgens, O. (2026). Verfassungsschutz: AfD in Niedersachsen „gesichert rechtsextremistisch“. NDR, 18. Februar 2026.74Verwaltungsgericht Hannover. (2026). Niedersächsischer Verfassungsschutz darf den AfD-Landesverband Niedersachsen vorläufig zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung hochstufen. Verwaltungsgericht Hannover, 1. Juni 2026. und Brandenburg75dpa/bb (2025). Rechtsextremismus: Landesverfassungsschutz setzt AfD-Hochstufung vorerst aus. taz, 23. Mai 2025.76Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg. (2025). Einstufungsvermerk AfD Brandenburg. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, 14. August 2025. werden von den jeweils zuständigen Verfassungsschutzbehörden als gesichert rechtsextremistische Bestrebungen bewertet.
Und es kommt noch dicker: ein achtköpfiges interdisziplinäres Team aus Verfassungsrechtlern, Juristen, Rechtsextremismusforschern sowie Experten für Recherche und Datenanalyse hat im Auftrag der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) über ein Jahr lang mehr als 30.000 öffentlich dokumentierten Belege ausgewertet, um auch juristisch eine Einschätzung zu geben, ob und in wie weit die AfD verfassungsfeindlich sei. Auch dieses Rechtsgutachten ist sehr umfangreich und umfastt rund 1.500 Seiten. Es kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die AfD gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes verstößt und daher verfassungswidrig sei. Nach Einschätzung der Autoren hätte ein Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht sehr wahrscheinlich Erfolg.77Gesellschaft für Freiheitsrechte. (2026). Nach einem Jahr Prüfung ist unser Gutachten fertig: Die AfD ist nachweislich verfassungswidrig. GFG 16.06.2026.78DIE ZEIT, AFP & Reuters. (2026). Gesellschaft für Freiheitsrechte: Gutachten hält Erfolg von AfD-Verbotsverfahren für realistisch. DIE ZEIT, 25. Juni 2026.
Das aufgrund dieser vielfältigen Einschätzungen unserer wichtigsten Verfassungsschutzbehörde noch keine Maßnahmen eingeleitet wurden, die Verfassungsmäßigkeit der AfD vor dem Bundesverfassungsgericht wenigstens zu prüfen, empfinde ich persönlich als fürchterlich fahrlässig. Jeden Tag, an dem so ein Prüfverfahren nicht läuft, fühlen sich die Anhänger der Partei in ihrem Empfinden bestätigt, dass sie doch vollkommen harmlos sei. Denn sonst wäre sie doch schon verboten! Ich halte es deshalb für dringend erforderlich, dass ein sorgfältig vorbereitetes Prüfverfahren angestoßen wird. Das Bundesverfassungsgericht muss dann die vorhandenen Erkenntnisse unabhängig bewerten.
Und so kann ich gar nicht sagen, ob ich für oder gegen ein Verbot wäre: denn ein solcher Antrag wäre noch kein vorweggenommenes Verbot und auch kein politischer Willkürakt, sondern genau der rechtsstaatliche Weg, um die entscheidende Frage zu klären. Überschreitet die Partei tatsächlich die verfassungsrechtlichen Grenzen, oder tut sie es nicht? Solange diese Frage offen gelassen wird, legitimiert sie die AfD jeden Tag aber aufs neue. Und wenn die anderen Parteien nichts unternehmen, und stattdessen lieber selbst immer mehr nach rechts rücken, indem sie, rechtsextreme Begriffe, Feindbilder und Forderungen aus taktischem Kalkül normalisieren, sehe ich leider schwarz für unsere Demokrate. Die verteidigt sich nicht nämlich nicht automatisch, wenn alle nur Schweigen und Abwarten. Irgendwann ist es leider zu spät. Denk wieder an Karl Popper!

Stärkung der sozialen Kohäsion!
Bei jugendlichen Straftätern und jungen Erwachsenen sehe ich aber einen anderen, deutlich fruchtbareren Weg. Hier könnte vielmehr die Förderung von Toleranz, Inklusion und interkulturellem Dialog eine geeignete Maßnahme sein, um die jungen Elemente aus dem radikalen Umfeld herauszuholen. Verhängte Sozialstunden bei einer Organisation, bei der die jungen Menschen das „Feindbild“ direkt kennenlernen, könnten dabei helfen, Vorurteile abzubauen, Spannungen zu reduzieren und das Zusammenleben in diversen Gesellschaften zu stärken. 79Pettigrew, T. F. & Tropp, L. R. (2006). A meta-analytic test of intergroup contact theory. Journal of Personality and Social Psychology, 90(5), 751–783. doi:10.1037/0022-3514.90.5.751
Solche Begegnungen dürfen allerdings nicht unvorbereitet stattfinden oder sich selbst überlassen bleiben. Besonders wirksam ist der Kontakt zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen dann, wenn sich die Beteiligten auf Augenhöhe begegnen, gemeinsam an einem konkreten Ziel arbeiten, miteinander kooperieren und dabei professionell begleitet werden. Negative oder konfliktreiche Begegnungen können bestehende Vorurteile dagegen sogar noch verstärken. Die Sozialstunden müssten deshalb sorgfältig vorbereitet, fachlich betreut und anschließend gemeinsam ausgewertet werden. Selbstverständlich dürften auch die beteiligte Organisation und die dort betreuten Menschen nicht gegen ihren Willen als bloße „Anschauungsobjekte“ für die Deradikalisierung anderer benutzt werden. 80Pettigrew, T. F., Tropp, L. R., Wagner, U. & Christ, O. (2011). Recent advances in intergroup contact theory. International Journal of Intercultural Relations, 35(3), 271–280. doi:10.1016/j.ijintrel.2011.03.00181Barlow, F. K. et al. (2012). The contact caveat: Negative contact predicts increased prejudice more than positive contact predicts reduced prejudice. Personality and Social Psychology Bulletin, 38(12), 1629–1643. doi:10.1177/0146167212457953

Aussteiger einbinden!
Dabei könnten auch ehemalige Extremisten, also Aussteiger, fruchtbar mitwirken. 82Koehler, D. (2017). Understanding Deradicalization: Methods, Tools and Programs for Countering Violent Extremism. Sie haben aufgrund ihrer Erlebnisse oft eine besonders große Motivation dazu, bei der Bekämpfung von Unrechtsideologien mitzuwirken. Und sie verfügen über nützliches Insiderwissen und auch die Erfahrung, wie es für sie selbst war, dem Extremismus den Rücken zu kehren. Unsere Gesellschaft sollte von diesem Wissen Gebrauch machen, was gleichzeitig auch bei der Rehabilitation und Wiedereingliederung wirkungsvoll wäre. Der Einsatz ehemaliger Extremisten ist jedoch kein Selbstläufer. Nicht jeder ist automatisch dazu geeignet, andere Menschen bei ihrem Ausstieg zu begleiten. Aussteiger sollten auch nicht allein arbeiten, sondern in ein professionelles Team aus Sozialarbeit, Psychologie, Pädagogik, Bewährungshilfe und gegebenenfalls Sicherheitsbehörden eingebunden sein. Nur so lässt sich verhindern, dass alte Ideologien unbeabsichtigt verherrlicht, persönliche Grenzen überschritten oder die Aussteiger selbst überfordert werden. 83Radicalisation Awareness Network. (2022). Involving formers in exit work. European Commission, 19. Januar 2022. European Commission.84Budge, S. W. (2024). Former extremists as peer mentors in preventing and countering violent extremism. In: Former Extremists: Preventing and Countering Violence, hg. von Gordon Clubb, Ryan Scrivens & Md. Didarul Islam, 277–289. Oxford University Press. doi:10.1093/oso/9780197765067.003.0015
Für einen dauerhaften Ausstieg reicht es außerdem nicht aus, nur die extremistischen Überzeugungen eines Menschen zu bearbeiten. Wer sein bisheriges Umfeld verlässt, verliert häufig zugleich Freundschaften, Anerkennung, Zugehörigkeit und einen wesentlichen Teil seiner bisherigen Identität. Erfolgreiche Ausstiegsarbeit muss deshalb auch neue soziale Bindungen und konkrete Zukunftsperspektiven schaffen. Dazu gehören insbesondere der Zugang zu Bildung und Ausbildung, berufliche Möglichkeiten, psychologische Unterstützung, stabile Wohnverhältnisse, die Einbeziehung der Familie sowie neue, demokratisch geprägte soziale Netzwerke. Deradikalisierung und gesellschaftliche Wiedereingliederung müssen daher immer gemeinsam gedacht werden. 85Radicalisation Awareness Network. (2024). Spotlight on rehabilitation and reintegration. European Commission, 22. April 2024. European Commission.86Council of Europe. (2024). Fostering effective rehabilitation and reintegration support for violent extremist prisoners and prisoners at risk of radicalisation in the Western Balkans region. Council of Europe, 25. April 2024.

Gemeinsam sind wir stark!
Tatsächlich haben wir aber noch ein weiteres scharfes Schwert, mit dem wir all denjenigen entgegentreten können, die unsere Freiheit bedrohen: Geld. Und auch wenn du vielleicht nicht viel davon hast, hast du welches. Und du hast immer noch die Macht zu entscheiden, wofür du es ausgibst. Am Fall von Disney bzw. Jimmy Kimmel, dessen Sendung Mitte September 2025 vom Disney-Konzern vorübergehend ausgesetzt wurde, konnten wir sehen, was wir, die unsere Werte noch nicht aufgegeben haben, bewirken können.87ABC News (2025). Jimmy Kimmel to return to air on Tuesday. ABC News, 22.09.2025. Weil so viele von uns als weltweite Reaktion darauf ihr Disney-Plus-Abo gekündigt haben, hat der Konzern innerhalb weniger Tage vier Milliarden Dollar an Wert verloren. Dazu muss er nun wenigstens fünf neue Marvel-Filme drehen, um diesen Verlust wieder einzuspielen.88Associated Press (2025). Disney+ and Hulu cancellations rose after ABC briefly pulled Jimmy Kimmel Live! AP online, 20.10.2025. Und wahrscheinlich werden diese nach dem deutlich gezeigten Kniefall vor Diktator Trump nicht mehr so gut Kasse machen wie bisher. Hier kannst du aber sehen: Wir können tatsächlich etwas bewirken, wenn wir gezielt Firmen boykottieren, die sich auf Kooperation mit Extremisten einlassen oder vor ihnen kuschen.
Wir sind diejenigen, auf die es auch im Alltag ankommt. Und auch wenn Rechtspopulisten schon von über einem Viertel der Gesellschaft unterstützt werden: Wir sind immer noch mehr. Und wir müssen jetzt laut sein und dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Die Feinde der Demokratie sind im Vergleich mit uns jämmerliche Zwerge! Deshalb: Mach mit, wenn es darum geht, unser Miteinander zu verteidigen! Und hab dabei keine Scheu: Wir arbeiten in Klassenzimmern, Kindergärten, Kultureinrichtungen, Krankenhäusern und so viel mehr. Wir sind diejenigen, die Menschen Werte mitgeben können. Und wir sind es, die den Unterschied machen können. Demokratie heißt nicht, nur alle paar Jahre ein Kreuz zu machen. Demokratie heißt, jeden Tag für die Werte einzustehen, die du dir für unsere Gesellschaft wünschst. Das mag derzeit wirklich Kraft kosten. Das mag sich angesichts der derzeitigen Entwicklungen wie ein Kampf gegen Windmühlen anfühlen. Aber was ist die Alternative?

Teil III: Was du für radikalisierte Menschen in deinem Umfeld tun kannst
Ganz besonders schwer haben es Menschen, die zu der Erkenntnis gelangen, dass eine Person, die ihnen sehr wichtig ist, sich zunehmend radikalisiert. Vielleicht ist es ein langjähriger Freund, der immer häufiger Verschwörungserzählungen verbreitet. Vielleicht der eigene Partner, ein Geschwisterteil oder sogar die eigenen Eltern. Es ist unfassbar schmerzhaft und bricht einem das Herz, wenn man beobachten muss, wie ein Mensch, den man liebt, sich Schritt für Schritt verändert und sich immer weiter von den gemeinsamen Werten entfernt. So weit, dass man es auch nicht mehr totschweigen und aushalten kann.
Der schwierige Umgang mit Extremisten im engsten Kreis
Genau dieses Totschweigen und Aushalten ist aber oft der erste Fehler. Denn diese Vermeidungsstrategien führen oft sehr schnell zu einer immer größeren Distanz zwischen euch. Solange dein Gegenüber noch grundsätzlich bereit ist, mit dir zu sprechen, lohnt es sich fast immer, zunächst alles zu versuchen, um diesen Menschen nicht aufzugeben. Und tu das bitte so bald wie möglich! Viele ehemalige Extremisten berichten rückblickend, dass es nicht einzelne schlagende Argumente waren, die sie zum Umdenken gebracht haben, sondern Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten den Kontakt hielten, ihnen Grenzen setzten und sie dennoch als Menschen nicht aufgaben. 89Koehler, D. (2021): Understanding Deradicalization: Methods, Tools and Programs for Countering Violent Extremism. Routledge.90Windisch, S. et al. (2016). Disengagement from ideologically-based and violent organizations: A systematic review of the literature. Journal for Deradicalization, 9, 1–38.
Versuche deshalb zunächst, die Beziehung zu erhalten. Höre zu, ohne jede Behauptung unkritisch zu übernehmen. Stelle Fragen, statt sofort zu urteilen. Versuche zu verstehen, warum sich dein Gegenüber diesen Gruppen oder Ideologien überhaupt zugewandt hat. Häufig spielen dabei persönliche Krisen, Einsamkeit, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder das Gefühl, von der Gesellschaft nicht mehr gesehen zu werden, eine größere Rolle als die Ideologie selbst. 91Kruglanski, A. W. et al. (2019): The Three Pillars of Radicalization: Needs, Narratives and Networks. Oxford University Press. Bleibe dabei ruhig, geduldig und respektvoll. Widersprich falschen Behauptungen sachlich, aber vermeide Demütigungen oder Spott. Niemand ändert seine Überzeugungen gern, wenn er dabei das Gefühl hat, sein Gesicht zu verlieren. Zeige deinem Gegenüber, dass deine Kritik nur seiner Ideologie gilt, nicht aber seinem Wert als Mensch.
Ebenso wichtig ist es, gemeinsame positive Erlebnisse nicht völlig verschwinden zu lassen. Ruf sie immer wieder in Erinnerung! Mach den Wert eurer gemeinsamen Vergangenheit wichtig und zum Ankerpunkt. Sprecht auch einmal über andere Themen, unternehmt etwas miteinander, das euch Spaß macht und knüpft eure Beziehung wieder enger. Menschen lassen sich selten allein durch Fakten aus extremistischen Weltbildern herauslösen. Oft brauchen sie zunächst wieder das Gefühl, außerhalb dieser Szene angenommen und gebraucht zu werden.
Hilfsangebote
Hole dir dafür auch unbedingt Unterstützung. Du musst das nicht allein schaffen! Wenn sich ein geliebter Mensch radikalisiert, geraten Angehörige schnell in eine Situation, die sie emotional und fachlich überfordert. Es ist schwer einzuschätzen, welche Äußerungen nur Provokation sind, wie weit die Radikalisierung bereits fortgeschritten ist und welche Reaktion noch helfen kann. Deshalb solltest du dir möglichst früh professionelle Unterstützung holen. Spezialisierte Beratungsstellen können dir helfen, Warnsignale richtig einzuordnen, Gespräche vorzubereiten, die Beziehung nach Möglichkeit zu erhalten und zugleich deine eigenen Grenzen zu schützen.
Je nach Form der Radikalisierung gibt es unterschiedliche Angebote. Bei Rechtsextremismus helfen insbesondere die Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus sowie regionale Ausstiegs- und Distanzierungsberatungen. Bei einer möglichen islamistischen Radikalisierung ist die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge eine bundesweite erste Anlaufstelle. Sie berät Angehörige, Freunde, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen und vermittelt bei Bedarf eine spezialisierte Beratung vor Ort. Warte mit der Kontaktaufnahme nicht erst, bis die Situation vollständig eskaliert ist. Eine Beratung verpflichtet dich zu nichts. Sie kann dir aber helfen, besonnen zu handeln und Fehler zu vermeiden, die aus Angst, Hilflosigkeit oder Überforderung entstehen.
Ich kann dir nur raten: hilf, wo du helfen kannst. Und suche dir Hilfe, wenn du allein nicht mehr weiterkommst. Je nach Stufe der Radikalisierung, auf der sich dein geliebter Mensch befindet, wirst du aber eine Engelsgeduld und sehr viel Kraft mitbringen müssen, um ihn aus diesem Sumpf zu ziehen.
Eine Liste mit Beratungsstellen, bei denen du professionelle Hilfe finden kannst, findest du hier.

Der letzte Ausweg: Kontaktabbruch
Allerdings gibt es, so traurig es auch sein mag, Grenzen. Punkte, an denen du merkst, dass du nichts mehr ausrichten kannst. Dass die Ideologie nun deutlich wichtiger ist, als du es bist. Und nun kann es sogar für dich persönlich gefährlich werden. Selbst wenn es ungeheuer wehtut, einen geliebten Menschen aufzugeben, ist das manchmal leider doch das Beste – für dich selbst. Es ist dann reiner Selbstschutz.
Klare Warnsignale:
- Man versucht dauerhaft, dich politisch oder weltanschaulich zu missionieren, dich zu manipulieren, dich zu Dingen zu zwingen, die du nicht möchtest, und akzeptiert kein „Nein“.
- Du hast mehrfach versucht, ruhig und sachlich zu reden, Grenzen zu setzen, Hilfe anzubieten und zuzuhören, ohne jede erkennbare Veränderung.
- Du hast nach jedem Kontakt das Gefühl von Angst, Schuld, Erschöpfung oder emotionaler Belastung.
- Deine Partnerschaft, deine Familie oder dein Freundeskreis leiden zunehmend unter diesem Verhalten.
- Gespräche bestehen fast nur noch aus Provokationen, Drohungen oder persönlichen Angriffen.
- Du wirst beleidigt, abgewertet oder sogar tätlich angegriffen.
Wenn mehrere dieser Punkte dauerhaft zusammentreffen oder auch nur einer in besonders schmerzhafter Weise und keine Bereitschaft mehr besteht, das eigene Verhalten zu hinterfragen, hast du jedes Recht, dich selbst zu schützen. Niemand ist verpflichtet, dauerhaft Menschen Zugang zum eigenen Leben zu gewähren, die ihn verletzen, manipulieren oder seine Würde missachten. Das gilt auch dann, und leider besonders dann, wenn diese Menschen zu deinem engsten Umfeld gehören. Gesunde Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Intoleranz, sondern von Selbstfürsorge.92Stringer, H. (2025). The benefits of better boundaries in clinical practice. American Psychological Association, 2. Juli 2025.
Ein Kontaktabbruch bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass der andere Mensch für immer verloren ist. Manche Menschen ändern sich später wieder. Andere nicht. Darauf hast du jedoch keinen Einfluss. Aber du hast die Wahl, wie viel Leid, Stress oder Respektlosigkeit du dauerhaft in deinem eigenen Leben zulassen möchtest.

Fazit
Egal in welcher Situation: Du kannst immer etwas bewirken! Vielleicht fühlst du dich angesichts des Erstarkens extremistischer Bewegungen manchmal machtlos. Vielleicht hast du den Eindruck, dass deine einzelne Stimme, ein Gespräch, ein geteilter Beitrag oder ein deutliches „Nein!“ ohnehin nichts verändern können. Aber genau das stimmt nicht. Dieser Artikel hat hoffentlich gezeigt, wie viele Möglichkeiten du hast, dich gegen Extremismus zu stellen. Du kannst lernen, Propaganda und Scheinargumente zu erkennen. Du kannst falschen Behauptungen sachlich widersprechen, statt sie unwidersprochen stehen zu lassen. Du kannst sorgfältig prüfen, was du liest und weiterverbreitest. Du kannst dich schützend vor Menschen stellen, die diskriminiert oder bedroht werden. Du kannst strafbare Inhalte melden, demokratische Initiativen unterstützen, demonstrieren, Petitionen unterschreiben und dich an deine politischen Vertreter wenden.
Du kannst so auch im Kleinen viel bewirken: im Klassenzimmer, am Arbeitsplatz, beim Familienessen, im Freundeskreis oder in den sozialen Medien. Der Kampf gegen Extremismus beginnt nicht erst dort, wo Parteien verboten, Anschläge vereitelt oder Kriege gegen autoritäre Staaten geführt werden müssen. Er beginnt, indem wir Abwertung, Ausgrenzung, Lügen und Falschinformationen entgegentreten. Indem wir laut gegen das Schweigen derjenigen sind, die es eigentlich besser wissen müssten. Genau deshalb zählt auch jeder frühe Widerspruch.
Und selbst wenn ein Mensch in deinem Umfeld bereits tief in einem extremistischen Weltbild steckt, bist du nicht völlig machtlos. Du kannst zuhören, Fragen stellen, aufklären, Grenzen setzen und professionelle Hilfe suchen. Du kannst versuchen, einen geliebten Menschen zurückzuholen, ohne dich selbst dabei zu verlieren. Und wenn wirklich alle Bemühungen gescheitert sind, darfst du dich schützen und loslassen.
Fakt ist zwar: Du wirst Extremismus nicht allein besiegen. Das musst du aber auch gar nicht. Du bist nicht allein! Die Demokratie wurde noch nie von einem einzelnen Menschen verteidigt, sondern immer von vielen, die an unterschiedlichen Orten das Richtige getan haben. Von Menschen, die widersprochen haben. Die geholfen haben. Die hingesehen haben, statt wegzuschauen. Die trotz Angst den Mund aufgemacht und anderen Mut gemacht haben.
Deshalb: Lass dich nicht entmutigen. Deine Stimme zählt. Deine Haltung zählt. Dein Handeln zählt. Du kannst vielleicht nicht alles verändern – aber du kannst immer etwas verändern. Und wenn viele von uns das tun, sind wir stärker als diejenigen, die unsere Demokratie, unsere Freiheit und unser friedliches Zusammenleben zerstören wollen.
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Und damit du nicht „unbewaffnet“ in den Kampf gegen Extremismus gehen musst, habe ich einen eigenen Artikel verfasst, der dir das „Kung Fu“ der Argumentation beibringen und auch die vielen Scheinargumente demaskieren soll, mit denen Populisten nur allzu gern arbeiten. Wenn du diese Tricks durchschauen willst, lies unbedingt weiter! |
Hier kommst du zu den weiteren Extremismus-Artikeln:
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Was ist Extremismus?
Welche Formen von Extremismus gibt es? Wer sind die gefährlichsten Extremisten? Wieso sind Extremisten so erfolgreich? Was können wir gegen Extremismus tun? |
Noch eine letzte Bitte
Wer Artikel wie diese hier veröffentlicht, muss damit rechnen, zu polarisieren. Was traurig genug ist: Ich bemühe mich hier grundsätzlich um einen sachlichen Stil, um ein gemeinsames Auskommen miteinander und trete für nichts Geringeres ein als für elementare Grund- und Menschenrechte, von denen wir am Ende alle profitieren und die niemandem einen Nachteil bereiten. Das scheint für einige da draußen aber trotzdem ein Grund für Empörung zu sein.
Für mich als Autor bleibt das leider nicht ohne Folgen. In der Vergangenheit habe ich mehrfach erlebt, dass Beiträge über Toleranz, Diskriminierung und meine klare Ablehnung von Extremismus von gezielten persönlichen Angriffen begleitet wurden. Besonders auffällig war, dass die Bewertungen meiner Bücher auf Amazon häufig unmittelbar nach solchen Veröffentlichungen deutlich schlechter ausfielen. Ich habe sogar einige besonders treue „Fans“, die schon gleich am ersten Tag nach der Neuerscheinung eines meiner Bücher direkt einen 1-Sterne-Verriss schreiben. Auch auf Facebook und Instagram wurde ich wiederholt ohne nachvollziehbaren Grund gemeldet, und meine Seite wurde vorübergehend gesperrt. Dennoch zeigen solche Vorfälle, mit welchen Methoden manche Menschen versuchen, mich einzuschüchtern, mundtot zu machen und mir wirtschaftlich zu schaden.
Ich würde diese Zeilen hier nicht schreiben, wenn es nicht wirklich ernst wäre. Normalerweise würde ich ja über den Anfeindungen stehen. Da es aber tatsächlich Konsequenzen für meine Sichtbarkeit hat und ich es schlichtweg übelst feige und gemein finde, jemandem mit falschen Bewertungen eins auszuwischen, möchte ich alle meine Leser dringend darum bitten, mir zu helfen. Nimm auch du dir doch bitte ein paar Minuten Zeit und gib meinen Büchern, sofern du sie kennst und sie dir gefallen haben, eine ehrliche Bewertung auf Amazon. Darüber würde ich mich nicht nur sehr freuen; du unterstützt dabei auch meinen eigenen Kampf gegen Extremismus.
Alle meine Werke findest du in der Sidebar rechts. Dort gibt es auch einen Direktlink zu Amazon. ➡️
Vielen Dank! ❤️🙏
Meldestellen und Onlinewachen der Polizei
- Onlinewachen der Polizeien der Länder – Strafanzeige direkt bei der Polizei
Über das gemeinsame Portal der deutschen Polizeien kann man Hasspostings, Volksverhetzung, Bedrohungen, Beleidigungen, verfassungsfeindliche Kennzeichen und andere mutmaßliche Straftaten online anzeigen. Das Portal leitet zur zuständigen Onlinewache des jeweiligen Bundeslandes weiter. Bei Taten im Internet oder bei unbekanntem Tatort ist grundsätzlich das Bundesland des eigenen Wohnsitzes auszuwählen. Screenshots und andere Beweismittel können hochgeladen werden. - Meldestelle REspect! – Hass und Hetze im Netz melden
Bei REspect! können rassistische, antisemitische, menschenfeindliche, extremistische und möglicherweise strafbare Inhalte unkompliziert gemeldet werden. Die Meldestelle prüft die Beiträge. Besteht der Verdacht auf eine Straftat, kann sie den Fall an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben. REspect! ist außerdem als vertrauenswürdiger Hinweisgeber, als sogenannter „Trusted Flagger“, nach dem europäischen Digital Services Act anerkannt. Die Plattformbetreiber müssen ihre Meldungen deshalb vorrangig behandeln. - Internet-Beschwerdestelle von eco und FSM
Hier können rechtswidrige oder jugendgefährdende Internetinhalte gemeldet werden, darunter Hassbotschaften, extremistische Propaganda, Volksverhetzung, Gewaltinhalte und andere illegale Angebote. Die Meldungen werden juristisch geprüft. Bei einem Rechtsverstoß können die Betreiber oder Hosting-Anbieter zur Entfernung aufgefordert und gravierende Fälle an staatliche Stellen weitergeleitet werden. Auch Inhalte auf ausländischen Servern können über internationale Partner bearbeitet werden. - jugendschutz.net – Verstöße gegen den Jugendmedienschutz melden
Diese Meldestelle eignet sich besonders für extremistische, volksverhetzende, rassistische, antisemitische, frauenfeindliche oder anderweitig jugendgefährdende Inhalte, die Kinder und Jugendliche erreichen können. Auch Propaganda extremistischer Organisationen, verbotene Kennzeichen und gewaltverherrlichende Beiträge können gemeldet werden. jugendschutz.net wirkt auf die Entfernung oder Sperrung solcher Inhalte hin und schaltet bei strafbaren Angeboten gegebenenfalls die zuständigen Behörden ein. - HateAid-Buddy – passende Hilfe bei Hass im Netz finden
Der kostenlose Hilfe-Finder von HateAid fragt die wichtigsten Angaben zum Vorfall ab und zeigt anschließend, welche Meldestelle, Beratungsstelle oder Möglichkeit zur Strafanzeige für den jeweiligen Fall geeignet ist. Das Angebot ist besonders hilfreich, wenn unklar ist, ob man sich an die Polizei, eine spezialisierte Meldestelle oder eine Beratungsorganisation wenden sollte. - HateAid – Beratung für Betroffene digitaler Gewalt
Wer selbst beleidigt, bedroht, verleumdet, gestalkt oder durch eine organisierte Hasskampagne angegriffen wird, kann sich vertraulich und kostenlos an HateAid wenden. Die Organisation unterstützt bei der Beweissicherung, bei Sicherheitsfragen und bei der Auswahl rechtlicher Schritte. In geeigneten Fällen kann HateAid auch bei zivilrechtlichen Verfahren und deren Finanzierung helfen. - MeldeHelden – App gegen digitale Gewalt
Mit der kostenlosen App können Hassrede und extremistische Inhalte per Smartphone dokumentiert und gemeldet werden. Außerdem bietet die App Hinweise zur Beweissicherung, Informationen über Beratungsangebote und eine Übersicht über den Bearbeitungsstand der eigenen Meldungen. - Meldestelle HessenGegenHetze
Über dieses Portal können Hate Speech, extremistische Aktivitäten und menschenfeindliche Inhalte online gemeldet und Screenshots, Videos oder Audiodateien hochgeladen werden. Die Meldestelle bearbeitet inzwischen grundsätzlich Fälle mit einem Bezug zum Bundesland Hessen. Bei strafrechtlich relevanten Inhalten kann eine Weiterleitung an die zuständigen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden erfolgen.
Wenn Facebook, Instagram oder eine andere Plattform nicht angemessen reagiert
- Digital Services Coordinator der Bundesnetzagentur
Reagiert eine Plattform nicht auf die Meldung eines möglicherweise rechtswidrigen Inhalts, bietet sie kein funktionierendes Meldeverfahren an oder begründet ihre Entscheidung nicht nachvollziehbar, kann man sich beim Digital Services Coordinator der Bundesnetzagentur beschweren. Die Bundesnetzagentur entscheidet nicht selbst, ob ein einzelner Beitrag strafbar ist, und kann ihn auch nicht unmittelbar löschen. Sie überprüft jedoch, ob die Plattform ihre gesetzlichen Pflichten nach dem Digital Services Act erfüllt. - Internes Beschwerdeverfahren der Plattform
Nach einer abgelehnten Meldung sollte zusätzlich das interne Beschwerde- oder Einspruchsverfahren der jeweiligen Plattform genutzt werden. Online-Plattformen müssen nach dem Digital Services Act ein kostenloses elektronisches Beschwerdeverfahren anbieten. Dabei sollte ausdrücklich erklärt werden, weshalb der Beitrag möglicherweise rechtswidrig ist und weshalb die erste Entscheidung der Plattform überprüft werden soll.
Spezialisierte Meldestellen für bestimmte Formen von Hass und Diskriminierung
- Bundesverband RIAS – antisemitische Vorfälle melden
Bei RIAS können antisemitische Äußerungen, Drohungen, Beleidigungen, Schmierereien, Angriffe und Online-Inhalte gemeldet werden. Erfasst werden auch Vorfälle, die möglicherweise keinen Straftatbestand erfüllen oder noch nicht bei der Polizei angezeigt wurden. Die Meldestellen dokumentieren die Fälle vertraulich, vermitteln bei Bedarf Beratung und erstellen anonymisierte Lagebilder. - I Report – antimuslimischen Rassismus melden
Betroffene und Zeugen können hier antimuslimische Beleidigungen, Hassbotschaften, Diskriminierungen, Bedrohungen und Übergriffe melden. Die Vorfälle werden vertraulich geprüft, anonymisiert dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet. Auf Wunsch werden Betroffene an geeignete Beratungsstellen vermittelt. - Melde- und Informationsstelle Antiziganismus – MIA
MIA nimmt Meldungen über antiziganistische und gegen Sinti und Roma gerichtete Vorfälle entgegen. Dazu gehören auch Hassrede, diskriminierende Darstellungen, Bedrohungen und Online-Angriffe. Meldungen sind vertraulich und auf Wunsch anonym möglich. Die meldende Person entscheidet selbst, wie mit den Angaben weiter verfahren werden soll. - Meldestelle Antifeminismus
Hier können antifeministische, frauenfeindliche, sexistische und gegen gleichstellungspolitisch engagierte Personen oder Einrichtungen gerichtete Angriffe gemeldet werden. Dazu gehören auch digitale Hasskampagnen, Drohungen, organisierte Einschüchterungsversuche und die Veröffentlichung privater Daten. Die Vorfälle werden anonymisiert dokumentiert. Auf Wunsch erhalten Betroffene Hinweise auf weitere Unterstützungsangebote. - Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Bei Diskriminierungen aufgrund ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität kann über das Kontaktformular eine rechtliche Erstberatung angefordert oder ein Vorfall zu statistischen Zwecken gemeldet werden. Die Antidiskriminierungsstelle erstattet jedoch nicht automatisch eine Strafanzeige.
Wichtig: Meldung und Strafanzeige sind nicht dasselbe!
Viele zivilgesellschaftliche Meldestellen dokumentieren Vorfälle, beraten Betroffene, prüfen Inhalte oder versuchen, deren Löschung zu erreichen. Eine solche Meldung ersetzt jedoch nicht immer eine förmliche Strafanzeige. Wenn ein Inhalt möglicherweise strafbar ist, sollte deshalb zusätzlich die Onlinewache der Polizei genutzt werden.
Vor der Meldung sollten möglichst folgende Beweise gesichert werden:
- ein vollständiger Screenshot des Beitrags einschließlich Benutzername, Datum und Uhrzeit,
- die genaue Internetadresse des Beitrags,
- der Name der Plattform und des betreffenden Profils,
- der Zusammenhang, in dem die Äußerung veröffentlicht wurde,
- gegebenenfalls weitere Kommentare, Nachrichten oder frühere Angriffe derselben Person.
Professionelle Unterstützung für Angehörige von Radikalisierten
Hinweis: Kontaktdaten und Zuständigkeiten können sich ändern. Zwar aktualisiere ich diesen Beitrag regelmäßig, doch sind alle wichtigen Hilfsangebote auch leicht im Internet selbst zu recherchieren.
Bundesweite Anlaufstelle: |
BAMF – Beratungsstelle Radikalisierung Für Angehörige, Freunde, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen bei vermuteter islamistischer Radikalisierung; vermittelt auf Wunsch eine Beratungsstelle vor Ort. Telefon: 0911 943 43 43 Bei einer akuten Gefahr, konkreten Gewaltandrohungen oder unmittelbar bevorstehenden Straftaten gilt dagegen: |
Beratungsstellen nach Bundesland:
Baden-Württemberg |
FEX – Fachstelle Extremismusdistanzierung Telefon: 0800 2016112 |
Bayern |
F.U.E.R. – Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus Telefon: 089 244109390 |
Berlin |
Crossroads – Ausstiegs- und Distanzierungsberatung Telefon: 030 28852750 entschwört. Telefon: 0178 5728103 |
Brandenburg |
ADA – Ausstiegs-, Distanzierungs- und Angehörigenberatung Der Name macht den Schwerpunkt bereits deutlich: Die Stelle berät ausdrücklich auch Angehörige. Telefon: 0331 7406248 |
Bremen |
Sichtwechsel – Distanzierungs- und Ausstiegsberatung Rechtsextremismus
Telefon: 0160 95559182 ADERO – Fach- und Beratungsstelle bei religiös begründetem Extremismus Telefon: 0421 69606190 Nordverbund Ausstieg Rechts Telefon: 0800 565780056 |
Hamburg |
Kurswechsel – Ausstiegsarbeit Rechts / Nordverbund Ausstieg Rechts
Telefon: 0800 565780056 Legato – Beratung bei religiös begründeter Radikalisierung Telefon: 040 38902952 |
Hessen |
Rote Linie – Pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus Berät Eltern, Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte bei rechtsextremer Orientierung oder Radikalisierung. Telefon: 06421 8890998 |
Mecklenburg-Vorpommern |
JUMP – Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit Rechtsextremismus
Telefon: 0175 8524776 BIDAYA – religiös begründeter Extremismus Telefon: 0160 8045287 Nordverbund Ausstieg Rechts Telefon: 0800 565780056 |
Niedersachsen |
Distance – Ausstieg rechts
Telefon: 0157 37219524 Nordverbund Ausstieg Rechts Telefon: 0800 565780056 |
Nordrhein-Westfalen |
NinA NRW – Neue Wege in der Ausstiegsberatung Für rechtsextreme Jugendliche und Erwachsene sowie deren persönliches Umfeld. Telefon: 0176 93119765 Bei islamistischer Radikalisierung kann außerdem die bundesweite BAMF-Beratungsstelle an eine regionale Wegweiser-Beratungsstelle in Nordrhein-Westfalen vermitteln. |
Rheinland-Pfalz |
Angehörigenberatung bei demokratiefeindlichen Einstellungen / Elterninitiative gegen Rechts Berät ausdrücklich Menschen, die im familiären Umfeld mit Extremismus, Demokratiefeindlichkeit oder Verschwörungsglauben konfrontiert sind. Telefon: 06131 967-373 (R)AUSwege und Rückwege – Rechtsextremismus Telefon: 0800 4546000 SALAM – islamistische Radikalisierung Telefon: 0800 7252610 |
Saarland |
Koordinierungsstelle Distanzierungsberatung Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Telefon: 06851 8082798 Check in – Einchecken in Demokratie und Vielfalt E-Mail: check-in@lvsaarland.awo.org Yallah! – Islamismusprävention Telefon: 0176 73556199 |
Sachsen |
pro:dis – Distanzierungsberatung Rechtsextremismus
Telefon: 0371 5336436 oder 0371 5336437 Beratungsstelle Sachsen – Distanzierungsberatung Islamismus Telefon: 0341 97854780 |
Sachsen-Anhalt |
Kompetenzstelle Eltern und Rechtsextremismus Besonders passend für Angehörige und Eltern rechtsextrem orientierter oder radikalisierter Menschen. Telefon: 0345 2267098 DERAD – Anlaufstelle Distanzierung E-Mail: distanz@hal-jw.de SALAM Sachsen-Anhalt – Radikalisierungsprävention Telefon: 01520 2002393 |
Schleswig-Holstein |
Ausstiegs- und Distanzierungsberatung Rechtsextremismus / Ausstieg SH
Telefon: 04321 3901777 PROvention – religiös begründeter Extremismus Telefon: 0431 7394926 Videre – Verschwörungserzählungen, Desinformation und Reichsbürgertum Telefon: 04321 3901777 |
Thüringen |
Thüringer Beratungsdienst – Ausstieg aus Rechtsextremismus und Gewalt
Telefon: 03641 299074 Zentrum für Distanzierungsarbeit Telefon: 03643 8788187 |
Quellenangaben:
- 1Popper, K. R. (1945). The Open Society and Its Enemies. Volume 1, Chapter 7, Note 4. ↩︎
- 2Schlesinger, A. M. Jr. (1949). The vital center. The politics of freedom. Boston, MA u. a.: Houghton Mifflin. ↩︎
- 3Chan, M.-P. S., Jones, C. R., Jamieson, K. H. & Albarracín, D. (2017): Debunking: A Meta-Analysis of the Psychological Efficacy of Messages Countering Misinformation. Psychological Science 28(11), 1531–1546. doi:10.1177/0956797617714579 ↩︎
- 4Cook, J., Lewandowsky, S. & Ecker, U. K. H. (2017): Neutralizing misinformation through inoculation: Exposing misleading argumentation techniques reduces their influence. PLoS ONE 12(5), e0175799. doi:10.1371/journal.pone.0175799 ↩︎
- 5Schmid, P. & Betsch, C. (2019): Effective strategies for rebutting science denialism in public discussions. Nature Human Behaviour 3, 931–939. doi:10.1038/s41562-019-0632-4 ↩︎
- 6Yeomans, M., Minson, J., Collins, H., Chen, F. & Gino, F. (2020): Conversational receptiveness: Improving engagement with opposing views. Organizational Behavior and Human Decision Processes 160, 131–148. doi:10.1016/j.obhdp.2020.03.011 ↩︎
- 7Lewandowsky, S., Oberauer, K. & Gignac, G. E. (2013): NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. Psychological Science 24(5), 622–633. doi:10.1177/0956797612457686 ↩︎
- 8Ecker, U. K. H. et al. (2022): The psychological drivers of misinformation belief and its resistance to correction. Nature Reviews Psychology 1, 13–29. doi:10.1038/s44159-021-00006-y ↩︎
- 9Bail, C. A. et al. (2018): Exposure to opposing views on social media can increase political polarization. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 115(37), 9216–9221. doi:10.1073/pnas.1804840115 ↩︎
- 10National Academy of Sciences & Institute of Medicine (2008). Science, Evolution, and Creationism. ↩︎
- 11Diethelm, P. & McKee, M. (2009). Denialism: What is it and how should scientists respond? European Journal of Public Health, 19(1), 2–4. doi:10.1093/eurpub/ckn139 ↩︎
- 12Munger, K. (2017). Tweetment effects on the tweeted: Experimentally reducing racist harassment. Political Behavior, 39(3), 629–649. doi:10.1007/s11109-016-9373-5 ↩︎
- 13Czopp, A. M., Monteith, M. J. & Mark, A. Y. (2006). Standing up for a change: Reducing bias through interpersonal confrontation. Journal of Personality and Social Psychology, 90(5), 784–803. doi:10.1037/0022-3514.90.5.784 ↩︎
- 14Li, A. H., Noland, E. S. & Monteith, M. J. (2025). Following prejudiced behavior, confrontation restores local anti-bias social norms. Personality and Social Psychology Bulletin, 51(12), 2389–2404. doi:10.1177/01461672241229006 ↩︎
- 15Tirion, A. S. C. et al. (2024). The sound of silence: The importance of bystander support for confronters in the prevention of norm erosion. British Journal of Social Psychology, 63(2), 909–935. doi:10.1111/bjso.12709 ↩︎
- 16Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. (o. J.). Zivilcourage zeigen: Mit sechs einfachen Regeln helfen. Aktion-tu-was. ↩︎
- 17Guess, A. M. et al. (2020). A digital media literacy intervention increases discernment between mainstream and false news in the United States and India. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(27), 15536–15545. doi:10.1073/pnas.1920498117 ↩︎
- 18Pennycook, G. et al. (2021). Shifting attention to accuracy can reduce misinformation online. Nature, 592, 590–595. doi:10.1038/s41586-021-03344-2 ↩︎
- 19Wineburg, S. & McGrew, S. (2019). Lateral reading and the nature of expertise: Reading less and learning more when evaluating digital information. Teachers College Record, 121(11), 1–40. doi:10.1177/016146811912101102 ↩︎
- 20A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria. (2024). Täuschend echt: So erkennen Sie KI-Content. Onlinesicherheit, 29. März 2024. ↩︎
- 21Sauder, D. (2025). KI-Fakes erkennen. WDR, 9. September 2025. ↩︎
- 22Guess, A. M. et al. (2020). A digital media literacy intervention increases discernment between mainstream and false news in the United States and India. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(27), 15536–15545. doi:10.1073/pnas.1920498117 ↩︎
- 23Bradshaw, S. & Howard, P. N. (2019). The Global Disinformation Order: 2019 Global Inventory of Organised Social Media Manipulation. ↩︎
- 24Suler, J. (2004). The online disinhibition effect. CyberPsychology & Behavior, 7(3), 321–326. doi:10.1089/1094931041291295 ↩︎
- 25Feddes, A. R. & Gallucci, M. (2015). A literature review on methodology used in evaluating effects of preventive and de-radicalisation interventions. Journal for Deradicalization, 5, 1–27. ↩︎
- 26Kasturiratna, K. T. A. S. et al. (2025). Umbrella review of meta-analyses on the risk factors, protective factors, consequences and interventions of cyberbullying victimization. Nature Human Behaviour, 9, 101–132. doi:10.1038/s41562-024-02011-6 ↩︎
- 27Fry, D. et al. (2025). Prevalence estimates and nature of online child sexual exploitation and abuse: A systematic review and meta-analysis. The Lancet Child & Adolescent Health, 9(3), 184–193. doi:10.1016/S2352-4642(24)00329-8 ↩︎
- 28Hassan, G. et al. (2018). Exposure to extremist online content could lead to violent radicalization: A systematic review of empirical evidence. International Journal of Developmental Science, 12(1–2), 71–88. doi:10.3233/DEV-170233 ↩︎
- 29UNESCO. (2018). Preventing violent extremism through education works: Policy brief on effective activities and impact released. UNESCO, 21. November 2018. ↩︎
- 30
- 31UNESCO. (2016). A teacher’s guide on the prevention of violent extremism. Paris 2016. ↩︎
- 32UNESCO. (2025). Addressing violent pasts through education: A policy guide. Paris 2025. ↩︎
- 33
- 34UNESCO. (2017). What works to prevent violent extremism. UNESCO, 6. November 2017. ↩︎
- 35The White House. (2025). Restoring Truth and Sanity to American History. Executive Order 14253. The White House, 27. März 2025. ↩︎
- 36The White House. (2026). Restoring Trust in the Smithsonian Institution. Executive Order. The White House, 24. Juli 2026. ↩︎
- 37The White House. (2025). Continuing the Reduction of the Federal Bureaucracy. Executive Order. The White House, 14. März 2025. ↩︎
- 38U.S. Department of Justice, U.S. Department of Health and Human Services, U.S. Department of Education & U.S. General Services Administration. (2025). Initial cancellation of grants and contracts to Columbia University worth $400 million. HHS, 7. März 2025. ↩︎
- 39U.S. Department of Health and Human Services, U.S. Department of Education & U.S. General Services Administration. (2025). Columbia University’s actions to comply with Joint Task Force pre-conditions. HHS, 24. März 2025. ↩︎
- 40U.S. Department of Education. (2025). Joint Task Force to Combat Anti-Semitism statement regarding Harvard University. U.S. Department of Education, 14. April 2025. ↩︎
- 41The White House. (2025). Enhancing National Security by Addressing Risks at Harvard University. Presidential Proclamation. The White House, 4. Juni 2025. ↩︎
- 42Alternative für Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg. (2026). Wahlprogramm zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg. S. 52–53. AfD Baden-Württemberg. ↩︎
- 43Landtag von Sachsen-Anhalt. (2022). Bildungspflicht statt Schulzwang – Heimunterricht möglich machen! Antrag der Fraktion der AfD, Drucksache 8/440. Landtag von Sachsen-Anhalt. ↩︎
- 44United Nations. (2006). Convention on the Rights of Persons with Disabilities: Article 24 – Education. United Nations. ↩︎
- 45
- 46
- 47Gidron, N. & Hall, P. A. (2017). The politics of social status: Economic and cultural roots of the populist right. British Journal of Sociology, 68(S1), S57–S84. doi:10.1111/1468-4446.12319 ↩︎
- 48Wolfowicz, M. et al. (2021). Cognitive and behavioral radicalization: A systematic review of the putative risk and protective factors. Campbell Systematic Reviews, 17(3), e1174. doi:10.1002/cl2.1174 ↩︎
- 49Bundeskriminalamt (6. Juni 2024). Bundesweites Vorgehen gegen Hasspostings. . ↩︎
- 50Vorgeschichte des mutmaßlichen CSD-Attentäters wirft Fragen auf. rbb24, 27. Juli 2026. ↩︎
- 51Habeck, R. (2025). Sicherheitsoffensive für Deutschland: Ein 10-Punkte-Plan, wie Deutschland wieder sicherer wird. Table.Briefings, 3. Februar 2025. ↩︎
- 52dts Nachrichtenagentur. (2025). Habeck legt eigenen Zehn-Punkte-Plan zu Migration vor. Berliner Morgenpost, 3. Februar 2025. ↩︎
- 53Bundesverwaltungsgericht hebt COMPACT-Verbot auf. Bundesverwaltungsgericht, 24. Juni 2025. ↩︎
- 54Gesetz zur Regelung des öffentlichen Vereinsrechts, § 3. gesetze-im-internet.de ↩︎
- 55Bundesverfassungsgericht (21. August 2018). Verfassungsbeschwerden gegen Vereinsverbote erfolglos. bundesverfassungsgericht.de ↩︎
- 56Bundesverfassungsgericht. (2017). Urteil des Zweiten Senats vom 17. Januar 2017 – 2 BvB 1/13: NPD-Verbotsverfahren. ↩︎
- 57mho, dpa & AFP. (2017). Bundesverfassungsgericht verbietet NPD nicht. SPIEGEL ONLINE, 17. Januar 2017. ↩︎
- 58Gesetz zur Regelung des öffentlichen Vereinsrechts, §§ 3, 8, 9 und 20. gesetze-im-internet.de ↩︎
- 59Gesetz über die politischen Parteien, §§ 32–33. gesetze-im-internet.de ↩︎
- 60Bundesamt für Verfassungsschutz. Verbotene Organisationen und Kennzeichen im Rechtsextremismus. verfassungsschutz.de ↩︎
- 61
- 62
- 63Kornmeier, C. (2025). Bundesamt für Verfassungsschutz stuft AfD als „gesichert rechtsextrem“ ein. tagesschau, 2. Mai 2025. ↩︎
- 64Verwaltungsgericht Köln (26. Februar 2026). Beschluss zur Einstufung der Alternative für Deutschland als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. ↩︎
- 65am Orde, S. (2021). AfD Thüringen erwiesen rechtsextrem: „Das ist eine neue Qualität“. taz, 12. Mai 2021. ↩︎
- 66Freistaat Thüringen. (2024). Verfassungsschutzbericht 2024: Pressefassung. ↩︎
- 67Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales. (2024). Blaupause für künftige Widerrufe der Waffenerlaubnis: Entscheidung des OVG bewertet Thüringer AfD klar als verfassungsfeindlich. Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales, 21. Februar 2024. ↩︎
- 68Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. (2023). Sächsischer AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, 8. Dezember 2023. ↩︎
- 69Sächsisches Oberverwaltungsgericht. (2025). Beschwerde der Landesverbands Sachsen der Partei Alternative für Deutschland in Sachen Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung erfolglos. Sächsischer Medienservice, 21. Januar 2025. ↩︎
- 70Verwaltungsgericht Dresden. (2024). Eilantrag des Landesverbands Sachsen der AfD gegen seine Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung erfolglos. Sächsischer Medienservice, 16. Juli 2024. ↩︎
- 71MDR Sachsen-Anhalt. (2023). AfD Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. MDR, 7. November 2023. ↩︎
- 72Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Sachsen-Anhalt. (2024). Innenministerin stellt Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2023 vor. Landesportal Sachsen-Anhalt, 2. Juli 2024. ↩︎
- 73Jürgens, O. (2026). Verfassungsschutz: AfD in Niedersachsen „gesichert rechtsextremistisch“. NDR, 18. Februar 2026. ↩︎
- 74Verwaltungsgericht Hannover. (2026). Niedersächsischer Verfassungsschutz darf den AfD-Landesverband Niedersachsen vorläufig zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung hochstufen. Verwaltungsgericht Hannover, 1. Juni 2026. ↩︎
- 75dpa/bb (2025). Rechtsextremismus: Landesverfassungsschutz setzt AfD-Hochstufung vorerst aus. taz, 23. Mai 2025. ↩︎
- 76Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg. (2025). Einstufungsvermerk AfD Brandenburg. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, 14. August 2025. ↩︎
- 77Gesellschaft für Freiheitsrechte. (2026). Nach einem Jahr Prüfung ist unser Gutachten fertig: Die AfD ist nachweislich verfassungswidrig. GFG 16.06.2026. ↩︎
- 78DIE ZEIT, AFP & Reuters. (2026). Gesellschaft für Freiheitsrechte: Gutachten hält Erfolg von AfD-Verbotsverfahren für realistisch. DIE ZEIT, 25. Juni 2026. ↩︎
- 79Pettigrew, T. F. & Tropp, L. R. (2006). A meta-analytic test of intergroup contact theory. Journal of Personality and Social Psychology, 90(5), 751–783. doi:10.1037/0022-3514.90.5.751 ↩︎
- 80Pettigrew, T. F., Tropp, L. R., Wagner, U. & Christ, O. (2011). Recent advances in intergroup contact theory. International Journal of Intercultural Relations, 35(3), 271–280. doi:10.1016/j.ijintrel.2011.03.001 ↩︎
- 81Barlow, F. K. et al. (2012). The contact caveat: Negative contact predicts increased prejudice more than positive contact predicts reduced prejudice. Personality and Social Psychology Bulletin, 38(12), 1629–1643. doi:10.1177/0146167212457953 ↩︎
- 82Koehler, D. (2017). Understanding Deradicalization: Methods, Tools and Programs for Countering Violent Extremism. ↩︎
- 83Radicalisation Awareness Network. (2022). Involving formers in exit work. European Commission, 19. Januar 2022. European Commission. ↩︎
- 84Budge, S. W. (2024). Former extremists as peer mentors in preventing and countering violent extremism. In: Former Extremists: Preventing and Countering Violence, hg. von Gordon Clubb, Ryan Scrivens & Md. Didarul Islam, 277–289. Oxford University Press. doi:10.1093/oso/9780197765067.003.0015 ↩︎
- 85Radicalisation Awareness Network. (2024). Spotlight on rehabilitation and reintegration. European Commission, 22. April 2024. European Commission. ↩︎
- 86Council of Europe. (2024). Fostering effective rehabilitation and reintegration support for violent extremist prisoners and prisoners at risk of radicalisation in the Western Balkans region. Council of Europe, 25. April 2024. ↩︎
- 87ABC News (2025). Jimmy Kimmel to return to air on Tuesday. ABC News, 22.09.2025. ↩︎
- 88Associated Press (2025). Disney+ and Hulu cancellations rose after ABC briefly pulled Jimmy Kimmel Live! AP online, 20.10.2025. ↩︎
- 89Koehler, D. (2021): Understanding Deradicalization: Methods, Tools and Programs for Countering Violent Extremism. Routledge. ↩︎
- 90Windisch, S. et al. (2016). Disengagement from ideologically-based and violent organizations: A systematic review of the literature. Journal for Deradicalization, 9, 1–38. ↩︎
- 91Kruglanski, A. W. et al. (2019): The Three Pillars of Radicalization: Needs, Narratives and Networks. Oxford University Press. ↩︎
- 92Stringer, H. (2025). The benefits of better boundaries in clinical practice. American Psychological Association, 2. Juli 2025. ↩︎









Danke für deinen Beitrag. Ich kann mir gut vorstellen das es für dich ein ordentliches, wirtschaftliches Risiko birgt. Ich selbst bin langsam müde. Der Wahlkampf tobt und es wird mit heftigen Bandagen gekämpft. Wenn Putin schon Millionen bereit gestellt hat um Wahlen in Georgien und Modlawien zu beeinflussen, muss es für Deutschland vielleicht sogar in die Mrd. gehen. Populismus und Rechtsextremismus hat es so leicht wie niemals zuvor. Es reicht mit möglichst viel um sich zu werfen, irgendeine Lüge oder Halbwahrheit wird schon kleben bleiben. All das zu widerlegen kostet Zeit, Nerven, Geld und ist viel schwieriger. Deswegen funktioniert das ja auch so gut.
Deshalb danke das du es noch nicht aufgegeben hast. Ich beschränke mich derzeit auf das Nötigste (in den Kommentarspalten) und natürlich mache ich mein Kreuzchen bei einer demokratischen Partei.
magnificent put up, very informative. I ponder why the opposite specialists of this sector do not notice this. You must continue your writing. I’m confident, you’ve a huge readers‘ base already!
Thank you so much!
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Yes, in the category „Über mich“ you’ll find several statements, about racism, tolerance and against extremism.