Die Escondido Formation ist eine maastrichtische Gesteinsfolge im Süden von Texas und im Norden des mexikanischen Bundesstaates Coahuila. Ihre Tone, Schluffsteine, Sandsteine und dünnen Kalklagen entstanden am westlichen Rand des Golfs von Mexiko in einem wechselhaften Übergangsraum aus Buchten, Lagunen, Barrieren, Gezeitenmündungen und flachem Schelf. Die Formation dokumentiert den letzten großen Meeresvorstoß in dieser Region vor dem Ende der Kreidezeit.

![]() |
Der texanische Staatsgeologe Edwin T. Dumble führte 1892 die Bezeichnung „Escondido beds“ ein. Er benannte die Einheit nach ihren Aufschlüssen am Río Escondido, der direkt an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze rund drei Kilometer südlich von Piedras Negras in den Río Grande mündet. In Dumbles sehr weit gefasster Erstbeschreibung erreichte die Folge angeblich etwa 1.000 Meter. Spätere Arbeiten schränkten die Einheit ein und trennten unter anderem die ältere Olmos Formation deutlicher ab und untersuchten auch den Übergang zum Paläogen.1Dumble, E. T. (1892). Notes on the geology of the valley of the middle Rio Grande. Geological Society of America Bulletin 3, 219–230.2Cooper, J. D. (1973). Cretaceous–Tertiary transition: Rio Grande outcrop section. American Journal of Science 273-A, 431–443. |
Brücke über den Río Escondido im Süden von Pedras Nigras, noch auf der mexikanischen Seite. Direkt darunter befinden sich Aufschlüsse der Escondido Formation. Bildquelle: GoogleMaps.
Geologie
Die Escondido Formation gehört zur Navarro Group und entstand im Maastrichtium. Im Typusgebiet am Río Grande ist sie rund 250 bis 275 Meter mächtig. Ihre Mächtigkeit und Gesteinsausbildung verändern sich entlang des Aufschlussgürtels jedoch deutlich. Kartierungen in Südtexas nennen je nach Gebiet ungefähr 60 bis 265 Meter. Vorherrschend sind graue bis blaugraue Ton- und Schluffsteine sowie feinkörnige, häufig kalkige Sandsteine. Hinzu kommen dünne Kalkbänke, glaukonitische Horizonte und örtlich vulkanisches Material. Die meist weichen Gesteine verwittern leicht und sind deshalb vielerorts nur lückenhaft aufgeschlossen.3Barnes, V. E. (Hrsg.) (1976). Geologic Atlas of Texas, Crystal City–Eagle Pass Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin.4Barnes, V. E. (Hrsg.) (1977). Geologic Atlas of Texas, Del Rio Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin. Die unteren drei Viertel des klassischen Profils bestehen überwiegend aus kalkigem Tonstein und Schiefer, die von mehreren Sandsteinpaketen unterbrochen werden. Sedimentstrukturen und Fossilvergesellschaftungen sprechen für ein küstennahes System aus Buchten, Lagunen und vorgelagerten Sandbarrieren. Flüsse lieferten Schlamm und Sand aus dem Westen; Wellen, Gezeiten und Stürme verteilten das Material entlang der Küste. Damit war die Escondido kein gleichförmiger offener Schelf, sondern ein Mosaik eng benachbarter Ablagerungsräume.5Cooper, J. D. (1972). Stratigraphy and petrology of type Escondido Formation (Upper Cretaceous), Maverick County, Texas, and adjacent Coahuila, Mexico. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 56(3), 610. Im oberen Abschnitt des Typusprofils folgt das Cuevas Creek Member. Es besteht aus kalkigem Tonstein, Schluffstein, sehr feinem Sandstein und teilweise glaukonitischem Kalkstein.
Im Gebiet von Eagle Pass liegt die Escondido Formation über der kohleführenden Olmos Formation. Der Übergang spiegelt die Überflutung einer zuvor stärker kontinental geprägten Küstenebene wider. Nach Osten kann die Escondido dagegen unmittelbar auf der Anacacho Limestone oder anderen älteren Einheiten liegen. Oberhalb folgt im Typusgebiet die paläozäne Kincaid Formation der Midway Group; weiter östlich werden auch die Indio Formation oder die ungegliederte Midway Group genannt. Diese regionalen Unterschiede dürfen nicht als Widerspruch verstanden werden.6U.S. Geological Survey (2026). Geolex — Escondido Formation: unit description and publication summaries. National Geologic Map Database. ngmdb.usgs.gov Am Übergang zur Kincaid Formation endet die Kreide nicht in einer einzigen überall gleich ausgebildeten Grenzfläche. Glaukonit, umgelagerte Gesteinsbruchstücke und Bohrspuren in den basalen Kalksteinen zeigen eine Phase langsamer Sedimentation und Aufarbeitung. Cooper deutete deshalb einen dünnen Übergangsbereich anstelle einer großen, scharf ausgeprägten Schichtlücke. Gleichwohl bleibt die lithostratigraphische Grenze zwischen beiden Formationen klar benennbar.7Cooper, J. D. (1973). Cretaceous–Tertiary transition: Rio Grande outcrop section. American Journal of Science 273-A, 431–443.

Heutige Lage der Escondido Formation:
Lage: südwestliches Texas (USA) und nördliches Coahuila (Mexiko)
Benannt: 1892 von Edwin T. Dumble
Koordinaten heute: 28,4° N, 100,3° W
Paläo-Koordinaten: 39,16° N, 68,54° W
Alter: 72,2–66 Ma
Liegt unter: Kincaid Formation
Liegt über: Olmos Formation
Wichtige Fundstellen: Typusgebiet am Río Escondido und Río Grande, Indio Ranch, Fortress Bluff und Rancho Soledad
Paläo-Lage der Escondido Formation:
Fossilbericht
Die Escondido Formation enthält eine artenreiche flachmarine Fauna. Besonders häufig sind Muscheln und Schnecken; Austernbänke, Korallen, Krebse und Seeigel. Die Amminiten Sphenodiscus und Coahuilites ermöglichen die Korrelation zwischen Texas und Nordostmexiko.8Ifrim, C. et al. (2013). Ammonoids from the Maastrichtian (Late Cretaceous) at El Zancudo, Nuevo Laredo, Tamaulipas, Mexico. Revista Mexicana de Ciencias Geológicas 30(1), 187–200.9Cannon, R. L. (1922). The fauna of the Escondido Formation. Masterarbeit, University of Texas at Austin.10Snedden, J. W. (1991). Origin and sequence stratigraphic significance of large dwelling traces in the Escondido Formation (Cretaceous, Texas, USA). PALAIOS 6(6), 541–552. Fossilreiche Schichten wechseln mit stark durchwühlten Sandsteinen. Wiederkehrende Molluskenfaunen und zahlreiche Wohnbauten wirbelloser Tiere weisen hier auf einen flachen inneren Schelf hin. Besonders auffällig sind mehr als 30 große, verzweigte Wohnspuren mit durchschnittlich etwa 1,2 Meter Länge und 26 Zentimeter Durchmesser. Sie sitzen an einer Erosionsfläche zwischen Sandsteinen eines ebbdominierten Gezeitendeltas und darüberliegenden Schelfablagerungen. Wahrscheinlich gruben große Krebstiere diese Bauten in bereits verfestigten Meeresboden.11Snedden, J. W. (1991). Origin and sequence stratigraphic significance of large dwelling traces in the Escondido Formation (Cretaceous, Texas, USA). PALAIOS 6(6), 541–552. In Coahuila kommen außerdem Wirbeltierreste und Dinosaurierspuren vor.12Cooper, J. D. (1970). Stratigraphy and paleontology of Escondido Formation (Upper Cretaceous), Maverick County, Texas, and northern Mexico. Dissertation, University of Texas at Austin, 288 S.13Barnes, V. E. (Hrsg.) (1976). Geologic Atlas of Texas, Crystal City–Eagle Pass Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin. Sicher aus Escondido-Schichten kommen dagegen Schädel- und Kieferreste von Sabinosuchus coahuilensis. Dieses langschäuzige Reptil wurde zunächst als Dyrosauride beschrieben, 2020 jedoch als Pholidosauride neu eingeordnet.14Meyer, C. A. et al. (2005). Dinosaur tracks from the Late Cretaceous Sabinas Basin (Mexico). Kaupia 14, 41–45.15Shiller, T. A. II, Porras-Múzquiz, H. G. & Lehman, T. M. (2016). Sabinosuchus coahuilensis, a new dyrosaurid crocodyliform from the Escondido Formation (Maastrichtian) of Coahuila, Mexico. Journal of Vertebrate Paleontology 36(6), e1222586. doi:10.1080/02724634.2016.122258616Jouve, S. & Jalil, N.-E. (2020). Paleocene resurrection of a crocodylomorph taxon: Biotic crises, climatic and sea level fluctuations. Gondwana Research 85, 1–18. doi:10.1016/j.gr.2020.03.010
![]() |
Die Artenvielfalt der Escondido Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen der Meereswelt, also von den Muscheln, Kopffüßern und Fischen, bis hin zu den mächtigen Meeresreptilien, die dort lebten, findest du hier! |
Weitere Lagerstätten der oberkreidezeitlichen Meere in und um Nordamerika:
![]() |
Nordpolarmeer:
Pazifik-Küste:
Golfregion:
Pierre Seaway:
Atlantikküste:
|
Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Dumble, E. T. (1892). Notes on the geology of the valley of the middle Rio Grande. Geological Society of America Bulletin 3, 219–230. ↩︎
- 2Cooper, J. D. (1973). Cretaceous–Tertiary transition: Rio Grande outcrop section. American Journal of Science 273-A, 431–443. ↩︎
- 3Barnes, V. E. (Hrsg.) (1976). Geologic Atlas of Texas, Crystal City–Eagle Pass Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin. ↩︎
- 4Barnes, V. E. (Hrsg.) (1977). Geologic Atlas of Texas, Del Rio Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin. ↩︎
- 5Cooper, J. D. (1972). Stratigraphy and petrology of type Escondido Formation (Upper Cretaceous), Maverick County, Texas, and adjacent Coahuila, Mexico. American Association of Petroleum Geologists Bulletin 56(3), 610. ↩︎
- 6U.S. Geological Survey (2026). Geolex — Escondido Formation: unit description and publication summaries. National Geologic Map Database. ngmdb.usgs.gov ↩︎
- 7Cooper, J. D. (1973). Cretaceous–Tertiary transition: Rio Grande outcrop section. American Journal of Science 273-A, 431–443. ↩︎
- 8Ifrim, C. et al. (2013). Ammonoids from the Maastrichtian (Late Cretaceous) at El Zancudo, Nuevo Laredo, Tamaulipas, Mexico. Revista Mexicana de Ciencias Geológicas 30(1), 187–200. ↩︎
- 9Cannon, R. L. (1922). The fauna of the Escondido Formation. Masterarbeit, University of Texas at Austin. ↩︎
- 10Snedden, J. W. (1991). Origin and sequence stratigraphic significance of large dwelling traces in the Escondido Formation (Cretaceous, Texas, USA). PALAIOS 6(6), 541–552. ↩︎
- 11Snedden, J. W. (1991). Origin and sequence stratigraphic significance of large dwelling traces in the Escondido Formation (Cretaceous, Texas, USA). PALAIOS 6(6), 541–552. ↩︎
- 12Cooper, J. D. (1970). Stratigraphy and paleontology of Escondido Formation (Upper Cretaceous), Maverick County, Texas, and northern Mexico. Dissertation, University of Texas at Austin, 288 S. ↩︎
- 13Barnes, V. E. (Hrsg.) (1976). Geologic Atlas of Texas, Crystal City–Eagle Pass Sheet. Bureau of Economic Geology, University of Texas at Austin. ↩︎
- 14Meyer, C. A. et al. (2005). Dinosaur tracks from the Late Cretaceous Sabinas Basin (Mexico). Kaupia 14, 41–45. ↩︎
- 15Shiller, T. A. II, Porras-Múzquiz, H. G. & Lehman, T. M. (2016). Sabinosuchus coahuilensis, a new dyrosaurid crocodyliform from the Escondido Formation (Maastrichtian) of Coahuila, Mexico. Journal of Vertebrate Paleontology 36(6), e1222586. doi:10.1080/02724634.2016.1222586 ↩︎
- 16Jouve, S. & Jalil, N.-E. (2020). Paleocene resurrection of a crocodylomorph taxon: Biotic crises, climatic and sea level fluctuations. Gondwana Research 85, 1–18. doi:10.1016/j.gr.2020.03.010 ↩︎
Hat dir dieser Beitrag gefallen?
Für noch mehr Lesestoff schau gerne in die Kategorie Meine Bücher. Alle meine Werke findest du auch in der Sidebar rechts. Dort gibt es auch einen Direktlink zu Amazon, wo du sie gleich bestellen kannst. ➡️
Wie kannst du Die Weißen Steine sonst noch unterstützen?
Klar, in erster Linie natürlich, wenn du dir eines meiner Bücher kaufst. Aber du kannst mir auch auf anderen Wegen eine große Freude machen:
- Teile diesen Beitrag auf deinen Social-Media-Kanälen!
- Schreibe mir eine nette Rezension auf Amazon!
- Kaufe hier auf der Website über Affiliate-Links ein!
Ich kriege übrigens auch eine kleine Unterstützung, wenn du etwas völlig anderes kaufst. Es muss nicht unbedingt der hier beworbene Artikel sein! Jeder kleine Centbetrag hilft, diese Seite am Laufen zu erhalten.
![]() |
Zusammen mit meiner lieben Frau Sahar habe ich auch noch eine Menge mehr zu bieten! Sahar ist nämlich eine großartige Künstlerin und fertigt Gemälde, Lesezeichen, Stofftaschen und viele andere coole Artikel an. Auch mit tollen Urzeit-Motiven! Klick dich einfach mal durch die Beiträge in der Kategorie Produkte & Services. Bestimmt findest du da etwas nach deinem Geschmack. Oder auch ein schönes Geschenk für deine Lieben. |
Einen Grund, anderen eine Freude zu bereiten, findet man schließlich immer!



