Aus der Javelina Formation im südwestlichen Texas (USA) und nordöstlichen Chihuahua (Mexiko) sind überwiegend Flussablagerungen mit fossilen Böden, Baumstämmen und Wirbeltieren, darunter viele Dino- und Flugsaurier aus dem Maastrichtium überliefert. Einige davon sind wirklich rieisg und nur im Südwesten Nordamerikas zu finden.

Ross A. Maxwell |
Maxwell et al. beschrieben die Javelina Formation 1967 ausführlich in einem Werk über die Geologie des Big Bend National Park. Namengebend ist der Javelina Creek im Gebiet von Tornillo Flat.1Maxwell, R. A. et al. (1967). Geology of Big Bend National Park, Brewster County, Texas. University of Texas Publication 6711, 1–320; Beschreibung der Javelina Formation im Stratigraphiekapitel von Maxwell und Hazzard. doi:10.26153/tsw/5062 Der Name war bereits 1965 erstmals von Maxwell und John W. Dietrich verwendet worden.2Maxwell, R. A. & Dietrich, J. W. (1965). Geologic summary of the Big Bend region. In: Geology of the Big Bend area, Texas, with road log and papers on natural history of the area. West Texas Geological Society Special Publication 65-51, 11–33. Bibliografischer Nachweis und Zusammenfassung in Geolex. https://ngmdb.usgs.gov/Geolex/UnitRefs/JavelinaRefs_8976.html Bereits Johan August Udden hatte 1907 kontinentale Ablagerungen der Region unter dem Namen Tornillo Clay zusammengefasst. Heute wird dieser Name als Tornillo Group für die gesamte geologische Gruppe verwendet. |
Schwierigkeiten bleiben bei den Typusprofilen: Die ursprüngliche Veröffentlichung nennt sowohl Dawson Creek als auch einen Abschnitt bei Tule Mountain. Außerdem enthielten die damals abgegrenzten Profile teilweise Schichten, die anderswo benachbarten Formationen zugerechnet wurden. Neuere Kartierungen orientieren die Grenzen deshalb stärker an nachvollziehbaren Gesteinswechseln statt an einer vermeintlich überall erkennbaren zeitlichen Grenze.
Das Foto zeigt einen Abschnitt am Burro Spring Trail im Big Bend National Park, wo auch Ablagerungen aus der Javelina Formation aufgeschlossen sind. Bildquelle: Eugene Mazz / Google Maps.
Geologie
Die Javelina Formation bildet den untersten Teil der Tornillo Group im südwestlichen Texas. Im Big Bend National Park umziehen ihre Aufschlüsse die Chisos Mountains; wichtige Untersuchungsgebiete liegen bei Dawson Creek, den Grapevine Hills und Tornillo Flat. Verfestigte Sandsteinbänke bilden langgezogene Schichtrippen, während weichere Tonsteine zu flacheren Hängen verwittern. Am revidierten Referenzprofil bei Dawson Creek wurden rund 123 Meter gemessen.3Lehman, T. M. et al. (2018). Stratigraphy and depositional history of the Tornillo Group (Upper Cretaceous–Eocene) of West Texas. Geosphere 14(5), 2206–2244; einschließlich ergänzender Profilbeschreibungen. doi:10.1130/GES01641.1 Regional werden häufig etwa 120 bis 200 Meter erreicht; östliche Profile sind meist mächtiger und enthalten zusätzliche Seeablagerungen. Westliche Profile zeigen ausgeprägtere bunte Bodenhorizonte. Die Folge besteht aus linsenförmigen, teilweise konglomeratischen Sandsteinen, Siltsteinen und verschiedenfarbigen Tonsteinen. Formell benannte Member werden in der hier verwendeten Gliederung nicht unterschieden. Südlich der Staatsgrenze wird die Einheit auch im nordöstlichen Chihuahua geführt, unter anderem bei Manuel Benavides und östlich der Sierra Santa Elena. Dort sind etwa 60 Meter bentonitischer Tonsteine und schräggeschichteter Sandsteine beschrieben. Die texanischen Mächtigkeitswerte gelten deshalb nicht pauschal für alle mexikanischen Vorkommen.4Rivera-Sylva, H. E., Nava-Rodríguez, R. L. & Sánchez-Uribe, I. E. (2021). Dinosaurs from the Late Cretaceous of the Ojinaga Basin in Northeastern Chihuahua, Mexico. Paleontología Mexicana 10(2), 105–111. doi:10.22201/igl.05437652e.2021.10.2.304
Die Javelina Formation überlagert die Aguja Formation und wird normalerweise von der Black Peaks Formation überlagert. Diese lithologischen Grenzen sind keine überall gleich alten Zeitflächen. Für einen Tuff innerhalb der Javelina Formation ergab die Uran-Blei-Datierung von Monazit ein Alter von 69,0 ± 0,9 Millionen Jahren, doch dieser Wert datiert eine einzelne Lage, keineswegs die gesamte Formation.5Lehman, T. M., McDowell, F. W. & Connelly, J. N. (2006). First isotopic (U-Pb) age for the Late Cretaceous Alamosaurus vertebrate fauna of west Texas, and its significance as a link between two faunal provinces. Journal of Vertebrate Paleontology 26(4), 922–928. doi:10.1671/0272-4634(2006)26[922:FIUAFT]2.0.CO;2 Magnetostratigraphische Untersuchungen bei Dawson Creek ordneten auch deutlich jüngere Dinosaurierhorizonte der Javelina Formation zu und datierten sie ins späteste Maastrichtium.6Leslie, C. E. et al. (2018). Revised age constraints for Late Cretaceous to early Paleocene terrestrial strata from the Dawson Creek section, Big Bend National Park, west Texas. Geological Society of America Bulletin 130(7–8), 1143–1163. doi:10.1130/B31785.1 Neuere Zirkondaten zeigen sogar, dass Teile des lithologisch abgegrenzten obersten Sandsteinpakets örtlich bereits paläozänen Ursprungs sind. Zwischen kreidezeitlichen und jüngeren Ablagerungen liegt dort eine Schichtlücke von mindestens drei Millionen Jahren. Ein ungewöhnliches Konglomerat mit umgelagerten Kreidefossilien besitzt ein maximales Ablagerungsalter um 63 Millionen Jahre, ist somit also nicht durch den Chicxulub-Einschlag entstanden. Der eigentliche Einschlagshorizont fehlt in den untersuchten Profilen sogar ganz. Die pauschale Gleichsetzung der Formationsgrenze mit dem Massenaussterben wäre hier also stratigraphisch irreführend und unzureichend.7Lehman, T. M. et al. (2022). The Cretaceous-Paleogene contact in the Tornillo Group of Big Bend National Park, West Texas, USA. Geosphere 18(6), 1851–1884. doi:10.1130/GES02519.1
Die Sedimente entstanden in einer breiten, überwiegend nach Südosten entwässernden Flusslandschaft des Tornillo-Beckens. Dessen Absenkung und die Ausbildung benachbarter tektonischer Schwellen beeinflussten, wo sich Sediment sammelte und welche Abschnitte später wieder abgetragen wurden. Flüsse schnitten dort tiefe Rinnen ein, verlagerten ihre Läufe und hinterließen Sandbänke; Hochwasser verteilte Schlamm über die angrenzenden Ebenen. Nach abgeschnittenen Flussschlingen blieben stellenweise flache, teils alkalische Seen zurück. Ihre Ablagerungen sind besonders in östlichen Aufschlüssen erhalten. Die Landschaft lag während der kreidezeitlichen Ablagerung mehrere hundert Kilometer landeinwärts: Marine oder brackische Schichten gehören nicht zu diesen untersuchten Lebensräumen.8Lehman, T. M. (1991). Sedimentation and tectonism in the Laramide Tornillo Basin of West Texas. Sedimentary Geology 75, 9–28. doi:10.1016/0037-0738(91)90047-H Zwischen Überflutungen entwickelten sich Böden, deren Wurzelspuren, Kalkknollen, Tonanreicherung und Gleitflächen wechselnde Durchfeuchtung dokumentieren. Geochemische Untersuchungen dieser Paläoböden weisen auf Veränderungen von Niederschlag und Verwitterung während maastrichtischer Klimaschwankungen hin.9Lesko, A. K., Dworkin, S. I. & Atchley, S. C. (2025). Terrestrial Response to Maastrichtian Climate Change Determined from Paleosols of the Dawson Creek Section, Big Bend National Park, Texas. Geosciences 15(4), 119. doi:10.3390/geosciences15040119 Die Folge bewahrt somit verschiedene Zustände einer Flusslandschaft, keine unveränderte Umwelt. Nach oben verändern sich Sandsteinanteil, Bodenbildung und Erhaltung regional unterschiedlich; die spätere Erosion unterbrach schließlich die Überlieferung über die Kreide-Paläogen-Grenze hinweg.
Heutige Lage der Javelina Formation
Heutige Lage der Javelina Formation:
Lage: Texas (USA)
Benannt: 1967 von Maxwell et al.
Koordinaten heute: 29.3°N 103.4°W
Paläo-Koordinaten: 36.0°N 82.5°W
Alter: 70 – 66,5 Ma
Liegt unter: Black Peaks Formation, teilweise Canoe Formation oder jüngere Vulkanite, etwa Alamo Creek Basalt
Liegt über: Aguja Formation
Gruppe: Tornillo Group
Paläo-Lage der Javelina Formation:
Fossilbericht
Die großen Pflanzenfresser der Javelina Formation umfassen Titanosaurier, Hadrosaurier und Ceratopsiden. Viele Titanosaurierreste wurden traditionell Alamosaurus sanjuanensis zugerechnet. Seit der Beschreibung von Utetitan 2025 wird die Zuordnung texanischen Materials jedoch neu diskutiert.10Paul, G. S. (2025). Stratigraphic and anatomical evidence for multiple titanosaurid dinosaur taxa in the Late Cretaceous (Campanian-Maastrichtian) of southwestern North America. Geology of the Intermountain West 12, 201–220. doi:10.31711/giw.v12.pp201-220 Bravoceratops polyphemus stammt aus tiefen Formationsabschnitten und ist durch einen unvollständigen Schädel belegt.11Wick, S. L. & Lehman, T. M. (2013). A new ceratopsian dinosaur from the Javelina Formation (Maastrichtian) of West Texas and implications for chasmosaurine phylogeny. Naturwissenschaften 100(7), 667–682. doi:10.1007/s00114-013-1063-0 Aus jüngeren Schichten wurde auch Gryposaurus alsatei beschrieben. Beim Holotypus fanden sich neben Knochen kleine Hautabdrücke, die eine beschuppte Körperoberfläche dokumentieren. Die Gattungszuordnung bleibt allerdings unsicher.12Lehman, T. M., Wick, S. L. & Wagner, J. R. (2016). Hadrosaurian dinosaurs from the Maastrichtian Javelina Formation, Big Bend National Park, Texas. Journal of Paleontology 90(2), 333–356. doi:10.1017/jpa.2016.48 Ein umstrittener Tyrannosauriden-Oberkiefer wurde 2026 morphometrisch untersucht. Die Ergebnisse stützen seine Zugehörigkeit zu Tyrannosaurus rex. Auch weitere fragmentarischen Tyrannosauridenreste stammen wahrscheinlich von T. rex, können aber nicht sicher zugeordnet werden.13Yun, C.-G. (2026). Geometric and linear morphometric approaches to establish taxonomic identity of a controversial tyrannosaurid maxilla specimen. Lethaia 60(2), 1–10; online veröffentlicht 2026. doi:10.18261/let.60.2.2 Besonders bedeutend auch sind die Flugsaurier Quetzalcoatlus northropi und Quetzalcoatlus lawsoni. 14Andres, B. & Langston, W., Jr. (2021). Morphology and taxonomy of Quetzalcoatlus Lawson 1975 (Pterodactyloidea: Azhdarchoidea). Journal of Vertebrate Paleontology 41(Supplement 1), 46–202. doi:10.1080/02724634.2021.1907587 Sedimente, die wahrscheinlich auf dem Grund eines großen Sees entstanden, enthalten außerdem Schnecken, Muscheln und Spuren wirbelloser Bodenbewohner.Fische, Schildkröten, Krokodilverwandte und kleine Säugetiere ergänzen die Großtiere.15National Park Service (2020). Fossils of the 2018 National Fossil Day Artwork. Abschnitte zu den Fossilien der Javelina Formation. https://www.nps.gov/articles/fossils-of-the-2018-national-fossil-day-artwork.htm
Diese Fossilien verteilen sich allerdings auf unterschiedliche Schichthöhen und Ablagerungsräume. Sie bilden somit keine einzelne Momentaufnahme einer Lebensgemeinschaft. Besonders bei seltenen Arten müssen deshalb Bestimmung, tatsächliche Fundschicht und Erhaltungszustand gemeinsam bewertet werden, bevor daraus weitreichende ökologische Vergleiche erfolgen.16Lehman, T. M. (2021). Habitat of the giant pterosaur Quetzalcoatlus Lawson 1975 (Pterodactyloidea: Azhdarchoidea): a paleoenvironmental reconstruction of the Javelina Formation (Upper Cretaceous), Big Bend National Park, Texas. Journal of Vertebrate Paleontology 41(Supplement 1), 21–45. doi:10.1080/02724634.2019.1593184 Verkieselte Hölzer, besonders Javelinoxylon, dokumentieren dennoch über den gesamten Zeitraum eine baumreiche Vegetation. Zur älteren Aguja Formation bestehen allerdings doch einige Unterschiede.17Wheeler, E. A. & Lehman, T. M. (2000). Late Cretaceous woody dicots from the Aguja and Javelina Formations, Big Bend National Park, Texas, USA. IAWA Journal 21(1), 83–120. doi:10.1163/22941932-90000239
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Die Artenvielfalt der Javelina Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen, also alle Pflanzen und Tiere, von den kleinen Wirbellosen über die Fische, Amphibien, Säugetiere und Reptilien bis hin zu den famosen Dinosauriern, die dort lebten, findest du hier! |
Weitere Lagerstätten an den Küsten des Südwesens:
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Ojo Alamo Formation
Javelina Formation |
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Ross A. Maxwell


