Am Westrand des San Joaquin Valley in Kalifornien liegt die Moreno Formation, eine bedeutende marine Schichtfolge aus der jüngsten Kreidezeit und dem frühen Paläozän. Ihre Schiefer, Tonsteine und Sandsteine entstanden am damaligen Pazifikrand Nordamerikas. Neben Mikrofossilien, Muscheln, Fischen und Meeresreptilien bewahrt die Formation auch seltene Dinosaurierknochen, die vom nahen Festland ins Meer gelangten.

Entdeckungs- und Beschreibungsgeschichte
Die wissenschaftliche Geschichte der Moreno Formation begann mit der geologischen Kartierung des westlichen Randes des San Joaquin Valley. Robert van Vleck Anderson und Robert W. Pack trennten 1915 innerhalb der damaligen Chico Group eine untere Panoche Formation von einer oberen Moreno Formation. Der Name bezieht sich auf den Moreno Gulch an der Ostflanke der Panoche Hills, etwa 13 km nordwestlich des Panoche Creek. Dort beschrieben sie ein ungefähr 520 bis 610 m mächtiges Profil aus überwiegend dünnbankigen, bräunlichen bis lavendelfarbenen Schiefern. Die Grenze zur Panoche Formation legten sie dort fest, wo die sandsteinreiche Folge in vorwiegend feinkörnige Schichten übergeht.1Anderson, R. & Pack, R. W. (1915). Geology and oil resources of the west border of the San Joaquin Valley north of Coalinga, California. U.S. Geological Survey Bulletin 603, 220 S. doi:10.3133/b603 In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Einstufung zeitweise: Die Einheit wurde als Formation, Schiefer oder sogar als Gruppe behandelt. Die entscheidende Neubearbeitung veröffentlichte Max B. Payne 1951. Durch detaillierte Kartierung erkannte er, dass Anderson und Pack die Untergrenze am Ortigalita Creek ungefähr 550 m zu tief angesetzt hatten. Payne definierte die Abfolge in ihrem Typusgebiet neu, ermittelte dort eine Gesamtmächtigkeit von etwa 1.130 m und gliederte sie aufsteigend in das Dosados Sand and Shale Member, das Tierra Loma Shale Member, das Marca Shale Member und das Dos Palos Shale Member. Hinzu kommen örtliche Sandsteinlinsen wie die Mercy- und die Cima-Linse.2Payne, M. B. (1951). Type Moreno Formation and overlying Eocene strata on the west side of the San Joaquin Valley, Fresno and Merced Counties, California. California Division of Mines Special Report 9, 29 S.
Das Bild zeigt die Diablo Range im Verbreitungsgebiet der Moreno Formation. Während der jüngsten Kreidezeit lag hier der marine Kontinentalrand Nordamerikas. Bildquelle: Brian Eddy / Google Maps.
Geologie
Die Moreno Formation bildet in der klassischen Gliederung den oberen Teil der Chico Group. Sie folgt auf die sandsteinreichere Panoche Formation; der Übergang ist im Typusgebiet weitgehend konkordant und wurde ursprünglich anhand des deutlichen Wechsels zu schieferreichen Sedimenten gezogen. Ihre oberste Grenze ist regional verschieden ausgebildet. Über der Formation liegen mit einer Schichtlücke paläogene Einheiten, darunter regional die Martinez Formation, die Tejon Formation oder die Lodo Formation.3Anderson, R. & Pack, R. W. (1915). Geology and oil resources of the west border of the San Joaquin Valley north of Coalinga, California. U.S. Geological Survey Bulletin 603, 220 S. doi:10.3133/b603 Lithologisch dominieren dünnbankige, spröde Tonsteine und Schiefer in braunen, kastanienbraunen, schokoladenfarbenen und lavendelfarbenen Tönen. Eingeschaltet sind Sandsteine, kalkige Lagen, Kalkkonkretionen sowie kieselige und örtlich plattige, diatomeenreiche Schiefer. Mikrofossiluntersuchungen zeigen, dass die obersten Schichten bis in das Paläozän reichen. Der U.S. Geological Survey ordnet die Einheit dem Maastrichtium und Danium zu. Damit wurde aus der zunächst regional und uneinheitlich verwendeten Bezeichnung eine klar gegliederte lithostratigraphische Einheit.4Bartow, J. A. (1996). Geologic map of the west border of the San Joaquin Valley in the Panoche Creek–Cantua Creek area, Fresno and San Benito Counties, California. U.S. Geological Survey Miscellaneous Investigations Series Map I-2430, 1 Karte. doi:10.3133/i2430

Im Süden ist der Anteil organogener, foraminiferen- und kieselalgenreicher Sedimente besonders hoch; nach Norden nehmen gewöhnliche Tonsteine und Sandsteine zu. Paynes vier Schichtglieder lassen sich über mehrere Dutzend Kilometer verfolgen, verändern dabei jedoch ihre Mächtigkeit und Ausbildung.5Payne, M. B. (1951). Type Moreno Formation and overlying Eocene strata on the west side of the San Joaquin Valley, Fresno and Merced Counties, California. California Division of Mines Special Report 9, 29 S. Die feinkörnigen, teilweise organikreichen Sedimente wurden überwiegend unter marinen Schelf- bis Hangbedingungen abgelagert. Wiederkehrende Sandsteinlagen gehen auf sedimentäre Ströme zurück, die gröberes Material in tiefere Beckenbereiche transportierten. Schwankender Sauerstoffgehalt am Meeresboden beeinflusste sowohl die Erhaltung organischer Substanz als auch die Zusammensetzung der benthischen Fauna. Dinosaurierkadaver oder einzelne Knochen gelangten vom Festland durch Flüsse, Sturmereignisse oder treibende Kadaver in dieses Ablagerungsgebiet. Die organikreichen Schichten sind zudem als regionales Erdöl- und Erdgas-Muttergestein von Bedeutung.6Peters, K. E. et al. (2007). Source-rock geochemistry of the San Joaquin Basin Province, California. U.S. Geological Survey Professional Paper 1713-11, 102 S. doi:10.3133/pp171311

Heutige Lage der Moreno Formation
Lage: Kalifornien (USA)
Benannt: 1915 von Robert van Vleck Anderson & Robert W. Pack
Koordinaten heute: 36,2° N, 120,4° W
Paläo-Koordinaten: 42,4° N, 96,6° W
Alter: 72,1–61,6 Ma
Liegt unter: Martinez Formation, Tejon Formation
Liegt über: Panoche Formation
Wichtige Fundstellen: Moreno Gulch, Panoche Hills, Tumey Hills
Paläo-Lage der Moreno Formation
Fossilbericht
Die Moreno Formation besitzt einen vielfältigen, überwiegend marinen Fossilbericht. Foraminiferen, Kieselalgen, Muscheln, Schnecken und Fischreste dokumentieren Plankton, Meeresbodenfaunen und frei schwimmende Tiere des spätkreidezeitlichen Pazifikrandes. Besonders bekannt sind Mosasaurier wie Plotosaurus und Plesiotylosaurus crassidens sowie die Elasmosauriden Aphrosaurus furlongi, Fresnosaurus drescheri, Hydrotherosaurus alexandrae und Morenosaurus stocki. Schildkröten und weitere Knochenfische ergänzen diese Wirbeltierfauna.7Ford, K. W. (2006). Stratigraphic positions of marine reptile and dinosaur specimens in the Moreno Formation, in the Tumey Hills and Panoche Hills, Fresno County, California. New Mexico Museum of Natural History and Science Bulletin 35, 407–410 Auch Fossilien von Haien und dem großen filtrierenden Knochenfisch Bonnerichthys gladius zeigen, dass verschiedene trophische Ebenen vertreten sind. Die feinkörnigen Schiefer begünstigten dabei lokal die Erhaltung isolierter Knochen, Zähne und gelegentlich umfangreicherer Skelette unter günstigen Bedingungen.8Friedman, M. et al. (2013). Geographic and stratigraphic distribution of the Late Cretaceous suspension-feeding bony fish Bonnerichthys gladius. Journal of Vertebrate Paleontology 33, 35–47. doi:10.1080/02724634.2012.713059 Außergewöhnlich sind zwei unvollständige Hadrosaurier-Skelette, die 1939 und 1940 in den Panoche Hills geborgen wurden. Sie wurden zunächst Saurolophus zugerechnet, später jedoch als eigene Gattung Augustynolophus morrisi erkannt. Diese Knochen stammen aus marinen Sedimenten und wurden wahrscheinlich vom Festland eingetragen. Ihr Vorkommen belegt deshalb keinen Lebensraum im offenen Meer, sondern erweitert den spärlichen Fossilbericht landlebender Dinosaurier an der kreidezeitlichen Pazifikküste Nordamerikas.9Prieto-Márquez, A. et al. (2015). The late-surviving duck-billed dinosaur Augustynolophus from the upper Maastrichtian of western North America and crest evolution in Saurolophini. Geological Magazine 152, 225–241. doi:10.1017/S0016756814000284
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Die Artenvielfalt der Moreno Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen, also alle Pflanzen und Tiere, von den kleinen Wirbellosen über die Fische, Amphibien, Säugetiere und Reptilien bis hin zu den famosen Dinosauriern, die dort lebten, findest du hier!
Alle Lebewesen des Meeres, also von den Muscheln, Kopffüßern und Fischen, bis hin zu den mächtigen Meeresreptilien findest du hingegen hier! |
Weitere Lagerstätten aus dem Hochland im Westen Nordamerikas:
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North Horn Formation
Moreno Formation |
Weitere Lagerstätten der oberkreidezeitlichen Meere in und um Nordamerika:
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Nordpolarmeer:
Pazifik-Küste:
Golfregion:
Pierre Seaway:
Atlantikküste:
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Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Anderson, R. & Pack, R. W. (1915). Geology and oil resources of the west border of the San Joaquin Valley north of Coalinga, California. U.S. Geological Survey Bulletin 603, 220 S. doi:10.3133/b603 ↩︎
- 2Payne, M. B. (1951). Type Moreno Formation and overlying Eocene strata on the west side of the San Joaquin Valley, Fresno and Merced Counties, California. California Division of Mines Special Report 9, 29 S. ↩︎
- 3Anderson, R. & Pack, R. W. (1915). Geology and oil resources of the west border of the San Joaquin Valley north of Coalinga, California. U.S. Geological Survey Bulletin 603, 220 S. doi:10.3133/b603 ↩︎
- 4Bartow, J. A. (1996). Geologic map of the west border of the San Joaquin Valley in the Panoche Creek–Cantua Creek area, Fresno and San Benito Counties, California. U.S. Geological Survey Miscellaneous Investigations Series Map I-2430, 1 Karte. doi:10.3133/i2430 ↩︎
- 5Payne, M. B. (1951). Type Moreno Formation and overlying Eocene strata on the west side of the San Joaquin Valley, Fresno and Merced Counties, California. California Division of Mines Special Report 9, 29 S. ↩︎
- 6Peters, K. E. et al. (2007). Source-rock geochemistry of the San Joaquin Basin Province, California. U.S. Geological Survey Professional Paper 1713-11, 102 S. doi:10.3133/pp171311 ↩︎
- 7Ford, K. W. (2006). Stratigraphic positions of marine reptile and dinosaur specimens in the Moreno Formation, in the Tumey Hills and Panoche Hills, Fresno County, California. New Mexico Museum of Natural History and Science Bulletin 35, 407–410 ↩︎
- 8Friedman, M. et al. (2013). Geographic and stratigraphic distribution of the Late Cretaceous suspension-feeding bony fish Bonnerichthys gladius. Journal of Vertebrate Paleontology 33, 35–47. doi:10.1080/02724634.2012.713059 ↩︎
- 9Prieto-Márquez, A. et al. (2015). The late-surviving duck-billed dinosaur Augustynolophus from the upper Maastrichtian of western North America and crest evolution in Saurolophini. Geological Magazine 152, 225–241. doi:10.1017/S0016756814000284 ↩︎
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