Künstliche Intelligenz – kurz KI – hat in den letzten Jahren einen rasanten Einzug in nahezu alle Bereiche unseres Alltags gehalten. Auch bei der Darstellung von Dinosauriern und anderen Urzeittieren spielt sie inzwischen eine immer größere Rolle. Mit wenigen Eingaben lassen sich in Sekundenschnelle fotorealistische Bilder erzeugen, die auf den ersten Blick beeindruckend wirken und sich in sozialen Medien rasant verbreiten. Doch diese Entwicklung wirft auch grundlegende Fragen auf: Wie zuverlässig sind solche Darstellungen? Welche Auswirkungen hat KI auf wissenschaftliche Inhalte, auf Künstlerinnen und Künstler und auf den Umgang mit Wissen im Internet? Und kann ich als Urzeit-Blogger KI sinnvoll nutzen, ohne dabei die Qualität und Glaubwürdigkeit von wissenschaftlich orientierten Projekten zu gefährden? Und wenn ja, wie?

Risiken der KI-Nutzung
In diesem Beitrag möchte ich meine persönliche Perspektive auf Chancen und Risiken der KI-Nutzung auf dieser Website darlegen. Und Risiken gibt es eine ganze Menge. Anlass zum Schreiben dieses Artikels gab eine Diskussion unter meiner Bitte nach Rezensionen, die ich nach einer fiesen Sabotage-Aktion eines Haters, der alle meine Bücher mit nur einem Stern rezensiert hat, auf Facebook gestellt habe. Eigentlich war diese Bitte nur an meine eigenen Follower gerichtet, die meine Bücher kennen, aber noch nicht bewertet haben. Ich hatte mir davon erhofft, dass die ungerechtfertigten Negativ-Rezensionen so in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, was zum Glück auch der Fall war.
Doch interessanterweise ging dieser Beitrag viral und erreichte innerhalb von wenigen Stunden fast 80.000 Menschen. Die meisten davon kannten meine Bücher nicht, doch einige konnten trotzdem nicht weiterscrollen, ohne mir einen Kommentar dazulassen. Einer davon lautete so:
Inhaltlich sind deine Bücher vielleicht nicht mit KI geschrieben (kann ich nicht beurteilen), aber ein kurzer Blick auf dein Profil: du verwendest ziemlich viel gen. KI für Bilder. INKLUSIVE Cover. Das ist ebenso enttäuschend und ganz ehrlich.. widerlich. Als Creator/ Künstler andere Creatoren/ Künstler auszubeuten geht gar nicht. (Von den anderen Sachen die gen. KI mit sich bringt und weitaus schlimmer sind, wollen wir erst gar nicht sprechen..)
Als Reaktion darauf möchte ich hier nun offen Stellung zum Thema KI beziehen. Dabei möchte ich auch transparent darlegen, inwieweit und mit welcher Motivation und Intention ich KI selbst nutze. Die Gestaltung der Buchcover liegt zum Beispiel gar nicht in meiner Hand! Der angesprochenen Problematiken bin ich mir außerdem absolut bewusst. Ich setze jedoch alles daran, sie soweit es in meiner Macht steht zu umschiffen, sodass ich keinen Schaden mit meiner Arbeit anrichte. Und wenn ich das doch tue, ihn wieder zu kompensieren.
Verschwimmen von Fakten und Fiktion
Eine der gravierendsten Gefahren ist die zunehmende Nichtunterscheidbarkeit zwischen faktenbasierten Darstellungen und reiner Fiktion. Für jemanden, der sich mit Dinosauriern und Urzeittieren etwas auskennt, sind KI-generierte Dino-Darstellungen zwar leicht zu erkennen. Doch für weniger affine Nutzer nicht: wenn ein KI-generiertes Urzeitbild optisch überzeugend aussieht, wird es von den meisten Leuten automatisch als „realistisch“ und wissenschaftlich korrekt wahrgenommen und kaum hinterfragt. Die meisten Menschen haben weder die Zeit noch das Fachwissen, um zu prüfen, ob die Proportionen, die Anatomie, die Umweltrekonstruktion oder die Farbgebung überhaupt plausibel sind.
Selbst wenn fast alle sofort erkennen, dass es KI-generiert ist, sind unter solchen Beiträgen immer wieder Kommentare zu lesen wie „Das sieht aber echt aus!“, oder „Genau dafür ist KI gemacht!“ Das macht mich persönlich wirklich rasend, denn genau hier entsteht die Gefahr: KI-Bilder können auf Laien oft sogar glaubwürdiger als echte paläontologische Handzeichnungen, traditionelle Rekonstruktionen und authentische Paläo-Kunst wirken, weil sie glatt, detailreich und fotorealistisch daherkommen. Dadurch gibt es oft gar keine Hemmschwelle, die KI-Bilder anzunehmen und weiterzuverbreiten, und sie auch in Präsentationen und Schulreferaten zu verwenden. Ich möchte an jeden hier in aller Form daran appellieren, das also bitte nicht zu tun. Insbesondere auch nicht diesen Unfug hier:

Dieses Bild habe ich mit dem schlichten Prompt „Erstelle eine prähistorische Landschaft mit Dinosauriern.“ erstellt. Du denkst: Sieht doch gar nicht so schlecht aus? Dann guck mal genauer hin. Weiter unten werde ich mal aufzählen, welche wirklich dummen Fehler die KI eingebaut hat.
Verbreitung von dummen Klischees und gefährlichen Desinformationen
KI reproduziert, wie bis hierhin ja schon deutlich wurde, ungehemmt Falschinformationen. Generative Dinos haben z.B. nach wie vor oft typische Züge des Tyrannosaurus rex, egal ob es sich wirklich um einen Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt. Ceratopsier haben die Hörner oft an der falschen Stelle, oder scharfe Reißzähne und Elefantenfüße. Bei generierten Sauropoden passen Körperhaltung und Proportionen oft überhaupt nicht zu den realen Vorbildern. Das Problem liegt in den Trainingsdaten: Die meisten öffentlichen Bilddatenbanken enthalten sehr viel spekulative, künstlerische Paläo-Art aus den letzten 30 Jahren, also genau jene übertriebenen, „cool“ und monströs wirkenden Rekonstruktionen, die in der Zeit des großen Dino-Booms populär waren. Die KI lernt also vor allem aus diesen überzeichneten Darstellungen und reproduziert sie. Wissenschaftlich korrekte, konservative Rekonstruktionen sind in den Trainingsdaten aber deutlich unterrepräsentiert.
Auch wenn typische KI-Artefakte wie verzerrte oder zu viele Finger, asymmetrische Köpfe, zu viele Gliedmaßen oder unmögliche Perspektiven inzwischen immer seltener werden, ist das nicht etwa ein Grund zur Hoffnung, dass generative KI-Prompts mit besserem Training irgendwann mal produktiv etwas zur Urzeitdarstellung beitragen werden, im Gegenteil. Auch KI-generierte Texte tun das nicht. Hier liegt für mich der eigentliche Ärger: Fehlinformationen. Laien erkennen diese oft nicht. So werden durch KI erstens jede Menge falscher Narrative reproduziert. Wer nur ein bisschen auf Social Media scrollt, stößt früher oder später auf allen möglichen, längst widerlegten Unsinn: dass Raptoren effiziente Rudeljäger waren, dass 99,9% der Dinosaurier kein Gras gekannt hätten, dass T. rex nur schlecht sehen konnte und eher ein Aasfresser als ein Jäger war… Was, du hast das alles für korrekte Informationen gehalten? Na siehste mal.
Das spiegelt sich dann auch in meinem Bild von eben wieder:
- Der Tyrannosaurus hat an der einen Hand drei, an der anderen nur zwei Finger.
- Stegosaurus hat ein Rückensegel, keine Knochenplatten. Sein Kopf erscheint ebenfalls sehr unrealistisch. Es sieht beinahe so aus, als hätte er gar keinen.
- Der vordere Sauropode hat dagegen einen viel zu großen Theropodenkopf.
- Den beiden Sauropoden im Hintergrund fehlen einige Beine.
- Der Pterosaurier im Vordergrund hat einen Kopf in Form weiterer Flügel.
- Mehrere andere Pterosaurier haben vier Flügel und nicht nur zwei.
- Das Triceratops-Baby sieht aus, als hätte ihm jemand den Schädel eingeschlagen.
- Links neben dem Triceratops steht eine völlig undefinierbare Kreatur.
- Das Krokodil hat eine extrem merkwürdige Kopfform.
- Der Vulkan auf einem Dinobild ist wirklich das größte nur denkbare Klischee.
- Nicht zuletzt konnten sich Tyrannosaurus und Triceratops zwar wirklich begegnen, doch zwischen ihnen und dem Stegosaurus klafft eine zeitliche Lücke, die größer ist als zwischen uns und dem Tyrannosaurus. Völlig anachronistisch ist das Bild also obendrein.
- Und sogar mich selbst hat die KI nicht wirklich gut getroffen, obwohl mein Gesichtsausdruck schon sehr gut zur Situation passt.
Vertrauensverlust und Destabiliserung seriöser Medien
Zweitens, und das ist sogar noch viel gravierender, wie ich finde, trägt jede Darstellung wie der „Tyrannoceratops“ dazu bei, dass die Leute das Vertrauen in Medien verlieren. Tatsächlich sehe ich hier eine der größten Gefahren, und auch der Motivationen hinter all diesen Fake-Seiten. Klar, es wird bei meisten wohl so sein, dass sie sich einfach nur zum schnellen Geldverdienen durch pure Reichweite an Paläo-Themen versuchen. Bei manchen besonders aggressiv auftretenden Seiten stecken, da bin ich mir sicher, aber auch gefährliche Desinformationskampagnen dahinter. Es geht dabei gar nicht darum, dass Leute die Fehlinformationen wirklich glauben oder den KI-Quatsch für echt halten. Es geht vielmehr darum, ein Gefühl zu erzeugen, dass man im Internet gar nichts mehr glauben kann. Auch den seriösen Seiten nicht! Das öffnet dem Populismus und weiteren Desinformationen Tor und Tür. Bei Paläo-Themen mag das marginal wirken, doch auch sie können Teil eines echten Desinformationskrieges werden.

Umweltschäden und CO2-Ausstoß
Auch die ökologische Bilanz generativer KI ist tatsächlich erschreckend schlecht. Das wird in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt: jede einzelne Bildgenerierung verbraucht Strom, Kühlung und Rechenleistung in Rechenzentren, die leider immer noch größtenteils mit fossilen Energieträgern betrieben werden. Der weltweite Strombedarf von KI-Rechenzentren wächst laut Internationaler Energieagentur derzeit viermal schneller als der aller anderen Sektoren und könnte bis 2030 den gesamten Stromverbrauch Japans übersteigen. Eine Studie schätzt den globalen CO₂-Ausstoß der KI für das Jahr 2025 auf etwa 32,6 bis 79,7 Millionen Tonnen CO₂, während der Wasserverbrauch bei 312,5 bis 764,6 Milliarden Litern liegen könnte.1de Vries-Gao, A. (2026). The carbon and water footprints of data centers and what this could mean for artificial intelligence. Patterns, 7(1), 101430. doi:10.1016/j.patter.2025.101430 Insofern kommt KI-Nutzung natürlich nicht „gratis“ und bleibt auch nicht folgenlos für Mensch, Klima und Umwelt.

Gefahr für echte Paläo-Kunst
Einer der stärksten ethischen und rechtlichen Kritikpunkte an generativer KI ist die Frage des Trainingsmaterials. Viele Modelle – insbesondere die großen öffentlichen wie Stable Diffusion, Midjourney, Grok oder DALL·E, wurden auf gigantischen Datensätzen trainiert, die Milliarden von Bildern aus dem Internet enthalten, darunter sehr viele urheberrechtlich geschützte Werke von lebenden Künstlern. Diese Werke wurden ohne Zustimmung, ohne Vergütung und sogar fast immer auch ohne jegliches Wissen der Urheber verwendet.2Ferrara, E. (2024). Fairness and bias in artificial intelligence – a brief survey of sources, impacts, and mitigation strategies. Sci, 6(1), 3. doi:10.3390/sci6010003 Das ist für viele bildenden Künstler nun ein ernstes, sogar existenzbedrohendes Problem. In Branchen wie Werbung, Concept Art, Buchillustration, Spiele-Entwicklung und Stock-Grafik sehen wir bereits, dass Aufträge für menschengemachte Kunst wegbrechen, weil Kunden für schnelle, billige Ergebnisse zur KI greifen.
Besonders hart trifft das Einsteiger und Mid-Level-Künstler, die früher durch kleine Aufträge Fuß fassen konnten. Diese werden jetzt von KI übernommen. Doch auch etablierte und bereits bekannte Künstler kann es hart treffen: wer jahrelang einen individuellen Stil entwickelt hat und dann feststellt, dass genau dieser Stil von einer KI in Sekunden imitiert und millionenfach reproduziert werden kann, ist auch hier schnell seine Existenzgrundlage los. Ethisch ist das auch meiner Meinung nach nichts anderes als Plagiat und Diebstahl geistigen Eigentums. Doch rechtlich ist es in vielen Ländern eine Grauzone. Aktuelle Gerichtsverfahren (u. a. in den USA und der EU) prüfen das zum Glück bereits. Doch da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, wird in der Zwischenzeit jeden Tag aufs Neue „Kunst“ produziert, die echte Kunst existenziell bedroht.
Gefahr für Kultur, gesellschaftliche Stabilität und Demokratie
Zu kritisieren ist aber hierbei nicht nur, dass authentische kreative Arbeit von Künstlern zu wenig gewürdigt wird, sondern sogar noch mehr, dass Verlage und Redaktionen ihr Geld nun lieber den KI-Konzernen geben. Klar: es ist weniger Geld im Einzelnen. Selbst Premium-Zugänge zu CHatGPT oder Grok kosten natürlich deutlich weniger als die Honorare von Künstlern oder gar, einen von ihnen in einem festangestellten Verhältnis zu beschäftigen. Doch die Masse machts: diese Konzerne verdienen nun Milliarden. Das Problem dabei ist aber, dass sie sich nur ungern an EU-Recht halten und politisch zutiefst fragwürdige Agenden verfolgen. Viele, wie z.B. Elon Musk mit seiner Plattform X und der KI Grok, stehen weitab rechts des demokratischen Spektrums und fördern auch in Europa rechtsextreme Parteien. Um Geld zu sparen, sägen die Verlage und Redaktionen aber trotzdem am eigenen Ast.
Erstens kann es ja nun nicht gerade in ihrem eigenen Verkaufsinteresse sein, wenn der Buchmarkt durch billige KI-Produktionen überschwemmt wird und authentische Kultur darin untergeht. Und zweitens sie auch Verlage und Redaktionen letztlich genauso durch KI ersetzbar wie Künstler und Autoren. Wenn nun in einer unschönen Zukunft „Kultur“, aber vor allem Gedankengut immer mehr aus dem Schlund der KI ausgespiehen wird, wessen Gedanken werden denn dann wohl zum Mainstream? Wenn ich mich in der politischen Landschaft so umschaue, welche Parteien vor allem und beinahe schon ausschließlich Propaganda mit KI betreiben, wird mir dabei Angst und Bange. Ich sehe unsere gesellschaftliche Stabilität wie auch unsere Demokratie in größter Gefahr, nicht zuletzt auch wegen KI.
(Leider oft noch nicht) strafbarer Missbrauch
Wenn wir dann auch an Deepfakes, Massenmanipulation oder auch gezielte Demütigung von Menschen (insbesondere Frauen, wie im Fall Collien Fernandes) denken, schafft die KI eine enorme Bedrohungslage. Und sie wird hier sehr oft dann wirklich widerlich und menschenverachtend.3Birhane, A. & Prabhu, V. & Kahembwe, E. (2021). Multimodal datasets – misogyny, pornography, and malignant stereotypes. arXiv. doi:10.48550/arXiv.2110.01963 Erschreckenderweise sind von sexualisierten Deepfakes auch vermehrt Jugendliche und Kinder betroffen. Für „Nacktscanner“, mit denen von jedem und jeder in Sekundenschnelle falsche, aber realistisch wirkende Bilder in den intimsten Situationen erstellt werden können, laufen sogar Werbespots. Ein einziges Foto einer realen Person reicht aus, um sie mithilfe von KI in einem gefälschten Video wirklich alles erdenkliche tun zu lassen. Die Gesetzeslage ist dazu zumindest in Deutschland leider oft noch viel zu offen. Die Täter, die hier aktiv Leben zerstören, kommen oft noch viel zu leicht davon.
Ebenso gefährlich: nicht nur Gesichter und Körper, sondern auch die Stimme eines Menschen kann mit einer einzigen Tonaufnahme kopiert und imitiert werden. Das reicht von harmlosen Scherzen über vollständig gefakete Interviews prominenter Personen bis hin zu gefälschten Schuldeingeständnissen für scheinbar empörende Taten, mit denen diese Leute dann diskreditiert werden sollen. Aber man muss nicht einmal berühmt sein, um Opfer zu werden: auch gefälschte Anrufe lassen sich mit KI erstellen, um die (finanzielle) Notlage eines geliebten Menschen vorzutäuschen und mit so einer miesen Betrugsmasche dann Geld von den Angehörigen zu erbetteln. Enkeltrick? Schnee von gestern. Heute kann ein Betrüger sogar mit der echten Stimme des „Enkels“ die Oma anrufen, um sie um ihre Rente zu erleichtern. Und auch die Kleinsten können leicht mit einer vertraut klingenden Stimme in die Falle eines Kinderschänders gelockt werden.
Wir brauchen hier sehr schnell eine solide Gesetzeslage, um nicht nur Täter, sondern auch die Anbieter solcher Funktionen zur Rechenschaft zu ziehen. Und solange die Politik diese Schritte versäumt, ist es ungemein wichtig, potenzielle Opfer über die Betrugsmaschen aufzuklären. Verabredet zum Beispiel mit euren Kindern, Großeltern oder allen Menschen im engsten Kreise bitte ein Passwort, dass nur ihr kennt und einander sagen könnt, wenn mal eine unbekannte Telefonnummer anruft!
Blockade von seriösen Websites
Zurück zum Thema KI und Wissenschaftskommunikation: Insbesondere bei sehr reichweitenstarken Plattformen entwickelt sich die KI hierbei nämlich zu einem immer größer werdenden Ärgernis. Heute ist es wirklich leicht, eine „Wissenschaftsseite“ oder einen Kanal bei Facebook, Instagram, TikTok oder YouTube zu bedienen und diesen einfach nur mit KI-Bildern oder KI-Videos mit KI-geschriebenen Texten zu bespielen. Mit mehreren Tausend gekauften Bots, die bereits für unter Hundert Euro zu haben sind, starten solche Seiten bereits mit einer „Reichweite“, von der ich selbst nach jahrelanger Arbeit nur träumen kann, wenn ich versuche, sie organisch zu erreichen. Es bedarf nur einer geringen Mühe, den Algorithmus der sozialen Netzwerkplattform so zu manipulieren, dass die generative Seite in kurzer Zeit wächst und dann auch echte Follower ihr folgen. In dieser Flut von generativ erzeugten Inhalten gehen seriöse Seiten, aber auch ehrgeizige Projekte von Laien, wie ich einer bin, gnadenlos unter.
Das brutale: Ich erwische mich selbst immer wieder dabei, wie ich darüber nachdenke, mir auch einfach ein paar tausend Follower zu kaufen, KI entsprechend einzusetzen und mich auf unredliche Weise zu „vergrößern“. Alternativ bleibt mir wohl nur, das Handtuch zu werfen. Gewachsen sind meine Accounts in den sozialen Medien seit der Einführung von ChatGPT und Grok jedenfalls nicht mehr, im Gegenteil. Wahrscheinlich ist es nur meiner Sturheit und Hartnäckigkeit zu verdanken, dass ich noch nicht aufgegeben habe. Und meiner Leidenschaft, euch hier echte und hochwertige Urzeit-Inhalte zu liefern. Und zwar ohne gekauften Traffic.
Ein negatives Beispiel
Eine der Seiten, die ich ausdrücklich damit meine, nennt sich Primeval Planet. Ich bin auf Facebook auf sie gestoßen und fand die Videos, die dort zu sehen sind, auf den ersten Blick noch faszinierend. So wie dieses Hier, über die frühe Trias, wo eine „lebensechte“ Landschaft aus dieser Zeit generiert wurde. Doch bei näherem Hinsehen finden sich auch hier etliche Falschinformationen, beinahe in jedem einzelnen Frame. Es tauchen Pflanzen wie Gras oder Palmen auf, oder auch Insekten, die sich in der Trias noch gar nicht entwickelt hatten. Zudem wird von „früher Trias“ und kurz nach dem permischen Massenaussterben gesprochen aber gleichzeitig die Zeit vor 240 Millionen Jahren eingeblendet.
Tatsächlich befinden wir uns während der angegebenen Zeit aber schon im Ladinium, der letzten Stufe der Mitteltrias. Das besagte Massenaussterben liegt da bereits 12 Millionen Jahre weit zurück. In dieser Zeit hatte sich die Natur längst wieder erholt und die Tier- und Pflanzenwelt zu einer neuen Fülle diversifiziert. Auch der Aufstieg der ersten Dinosaurier stand kurz bevor. Du siehst hier also ein gutes Beispiel, wie realistisch und authentisch KI wirken kann, wie es auch in den Kommentaren von den Betrachtern als super gefeiert wird. Aber in den meisten Fällen wird hier eben doch kein wissenschaftliches Know How gezeigt, sondern meist nur Laienwissen, gepaart mit schlechter Recherche und etwas Geduld am PC dahinter. Ich empfehle daher ausdrücklich, solchen Seiten keinen weiteren Traffic zu schenken.
Meine Blacklist
Aktuell arbeite ich an einer sogenannten Blacklist, also einer Sammlung von Urzeit-Portalen, die ich persönlich aufgrund ihrer Inhalte als höchst problematisch einstufe. Wenn eine Website mindestens zwei folgender Kriterien erfüllt, oder auch nur eines in besonders extremer Weise, kann sie darauf landen:
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Ziel dieser Blacklist ist es nicht, die Betreiber selbst anzugreifen, sondern Transparenz zu schaffen und die Qualität der Wissensvermittlung zu fördern. Dabei sei gesagt: Eine Seite, die ich auf die Blacklist nehme, muss nicht direkt alle der genannten Kriterien erfüllen. Und auch nicht jede Seite, die KI nutzt, ist automatisch schlecht und verdient es, auf dieser Blacklist zu landen. Tatsächlich nutze ich ja auch KI, beachte dabei aber einen gewissen Codex. Wann und in welcher Form KI objektiv betrachtet einen Mehrwert bietet und auch in sowohl ethisch unproblematischer als auch bereichernder Weise eingesetzt werden kann, möchte ich nun weiter erläutern.
Mein persönlicher Umgang mit KI
Alle Vorbehalte gegen die Nutzung von KI sind keineswegs aus der Luft gegriffen und sollten von jedem, der selbst KI nutzt und verbreitet, ernst genommen werden. Doch gleichzeitig leben wir in einer Welt, aus der KI nicht mehr wegzudenken ist. Sie dringt allmählich in alle Bereiche vor und hat sich längst als Schlüsseltechnologie etabliert. Wer sich komplett gegen sie versperrt, sie grundsätzlich verdammt und boykottiert, wird mit dieser Haltung langfristig nicht bestehen können. KI-Assistenten begleiten uns jetzt schon täglich, und auch große Agenturen und Verlage nutzen zunehmend generierte Bilder. Auch mein eigener Verlag EK-2 Publishing setzt bei der Erstellung der Buch-Cover inzwischen komplett auf KI.
Manchem Leser wird nun vielleicht der Gedanke kommen: „Dann wechsle doch einfach den Verlag.“ Das kommt für mich aber nicht infrage. Erstens, und das möchte ich ausdrücklich betonen, besteht trotz der Meinungsverschiedenheit in Bezug auf KI zwischen mir und meinem Verlag ein sehr gutes Verhältnis. Mit meinem Verleger Jill verbindet mich zudem auch eine gute Freundschaft. Er kennt meine Haltung, er kennt auch dieses Statement und wir akzeptieren beide die konträre Meinung des anderen. Wir werden auch in Zukunft fruchtbar zusammenarbeiten.
Doch auch wenn ich seine KI-Politik als Autor nicht gutheiße, habe ich zweitens auch keine realistische Alternative. Ich habe ja schließlich einen Vertrag über meine Publikationsrechte unterschrieben, die auch nach einem Wechsel beim Verlag bleiben würden. Den Verlag aufzugeben würde bedeuten, im schlimmsten Fall auch meine Buchreihen für sehr lange Zeit aufzugeben. Und dittens ist es für einen Autor ohne wirklich große Bekanntheit extrem schwer, überhaupt an einen neuen Vertrag zu kommen. Und wie gesagt habe ich das auch überhaupt nicht vor, da ich mit der Zusammenarbeit mit EK-2 Publishing sehr zufrieden bin.
Wie KI fruchtbar eingesetzt werden kann
Die Wut und die Angst von allen Kunstschaffen über und vor KI kann ich trotzdem sehr gut verstehen. Wer jahrelang Zeichnen, Anatomie, Farblehre, Komposition und Storytelling gelernt hat, muss nun machtlos dabei zusehen, wie jemand ohne diese Ausbildung in Sekunden ähnlich wirkende Ergebnisse produziert. Oft genug sogar auf Basis seiner eigenen Werke, mit denen die KI entweder ohne ihr Einverständnis trainiert wurde, oder die ein sogenannter „Content Creator“ selbst durch die KI geschickt hat, um ein „eigenes“ Bild zu produzieren. Schauspieler und Synchronsprecher müssen zudem darum fürchten, dass ihr Schaffen nicht nur immer mehr ersetzt, sondern ihre Körper und Stimmen kopiert und ohne ihr Einverständnis missbraucht werden. Das ist unfair und entwürdigend, Punkt. Wir brauchen, und dafür trete auch ich ausdrücklich ein, eine schärfere, internationale Gesetzgebung zur Regulierung von KI und ihrer Nutzung.
Gleichzeitig glaube ich aber nicht an das komplette Verschwinden echter künstlerischer Arbeit. Historisch hat jede neue Technologie, sei es Photoshop, Digitalmalerei, 3D-Software oder selbst die Fotographie ganz ähnliche Debatten angestoßen, wie wir sie heute bei der KI führen. Dass diese Technologien aber massenhaft Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben hätten, ist aber eher nicht zu beobachten gewesen. Selbst wenn bestimmte Handwerksbereiche verdrängt wurden und heute praktisch nicht mehr existieren, haben die Menschen mit entsprechender künstlerischer Begabung dennoch einen Weg gefunden, ihre Kreativität weiterhin gewinnbringend einzusetzen. Auch jetzt sind wieder ganz neue Berufsbilder im Entstehen begriffen. Und wer heute wirklich originelle, emotionale, konzeptionell starke Kunst schafft, wird auch in Zukunft immer noch gefragt sein.
KI – Imitation menschlichen Könnens wirklich ohne jeden Eigenwert?
Denn KI kann vielleicht uns Menschen sehr gut imitieren, aber sie kann keine tiefen persönlichen Geschichten erzählen, keine echte künstlerische Handschrift entwickeln, keine Intention transportieren, die über bloße Ästhetik hinausgeht und sie kann vor allem nicht kreativ „denken“. Selbst wenn KI für „künstliche Intelligenz“ steht, ist sie im Grunde nur eine Form der Auswertung und Rekombination dessen, was bereits vorhanden ist. Dazu, wirklich neugeschaffene Mehrwerte zu liefern, ist sie nicht imstande. Was sie aber kann: Künstlern als wertschöpfende Hilfe dienen. Wenn sie nur als Werkzeug am kreativ gestalteten Material zum Einsatz kommt, ist das weniger bis gar nicht problematisch, im Gegensatz dazu, sie ganz und gar generativ und Prompts zu verwenden, sodass sie die ganze „kreative“ Arbeit allein macht.
Tatsächlich tun das aber auch die meisten Künstler nicht. Selbst Picasso meinte nach seinem Besuch in der berühmten Höhle von Lascaux, dass der Mensch in 40.000 Jahren nichts dazugelernt hätte, alles sei schon damals dagewesen, in der prähistorischen Höhlenkunst. Tatsächlich findet jeder, ausnahmslos jeder Künstler seine Inspiration vor allem in bereits bestehenden Werken. Insofern kann man denjenigen, die KI grundsätzlich verdammen, argumentativ doch etwas entgegenhalten.
Ich habe selbst mal auf einer Literaturkonferenz einen Spruch zu hören bekommen, der mich damals noch sehr empört hat: „Originalität hat nur derjenige nötig, der selbst nicht belesen genug ist.“ Tatsächlich ist da aber etwas Wahres dran. Auch mein Schreibstil hat sich verbessert, seit ich im Rahmen meines Studiums mit mehr Literatur in Berührung gekommen bin. Da sind wir Menschen also selbst nicht anders als die KI, denn auch wir imitieren eigentlich nur das bereits Bestehende, wenn wir „kreativ“ sind. Und ob wir wirklich besser darin sind – darüber lässt sich sicherlich streiten.
Trotzdem: Die jetzige Phase ist brutal. Und so möchte ich hier keineswegs versuchen, all die Argumente der KI-Gegner wegzuddiskurieren. Sie ziehen nämlich! Das ungefragte Verwenden von Kunst und Literatur zur mechanischen Erzeugung von Texten und Bildern ohne menschliche Mühe in Sekundenschnelle lässt Menschen leiden, echte Menschen, auch existenziell. Das zu ignorieren oder schönzureden wäre zynisch. Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir als Nutzer von KI bewusst darauf achten, wo wir sie einsetzen, und wo eben auch nicht, wo wir bewusst auf sie verzichten und weiterhin strikt und exklusiv auf menschliche Arbeit setzen sollten.
Ich versuche, genau das in meiner eigenen Arbeit zu balancieren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Arbeit von Aimee van Wynsberghe sehr lesenswert, die sich intensiv mit der Frage von KI, Ethik und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat.4van Wynsberghe, A. (2021). Sustainable AI – AI for sustainability and the sustainability of AI. AI Ethics, 1, 213–218. doi:10.1007/s43681-021-00043-6 Auch die ethischen Überlegungen von Emre Kazim & Adriano Soares Koshiyama waren mir hier eine wichtige Grundlage.5Kazim, E. & Koshiyama, A. S. (2021). A high-level overview of AI ethics. Patterns, 2, 100314. doi:10.1016/j.patter.2021.100314
Wie und wo nutze ich KI?
Im Folgenden möchte ich ausführlich darlegen, wo und wie ich auf meiner Seite und bei meinen Büchern KI nutze. Dies soll einerseits meine Arbeit transparent machen. Andererseits möchte ich aber trotz der eben genannten Vorbehalte Möglichkeiten aufzeigen, wo sich KI auch auf wissenschaftlich orientierten Kanälen fruchtbar einsetzen lässt. Hierbei folge ich aber einem fein kalibrierten moralischen Kompass und strengen Regeln, mit denen ich bewusst um die Gefahren und Risiken bei der KI-Nutzung herum navigieren möchte.
Keine KI-Generation bei Urzeit-Tieren
Zur Illustration meiner Website verwende ich seit Bestehen ausnahmslos mein eigenes Material. Alle Tiere, die du hier findest, habe ich auf Basis authentischer Fossilrekonstruktionen erstellt. Als Vorlage dazu dienten mir die Werke von renommierten Künstlern wie Scott Hartman, Gregory S. Paul, Jaime A. Headden, Emily Willoughby, Mark Witton und Dean Schnabel. Ich ergänze dann selbst am Computer die Details, wie Muskeln, Organe, Augen, Schuppen, Federn und andere Körperdetails, so gut ich eben kann. Teilweise auch, indem ich Kollagen erstelle, wobei ich mir dann z.B. den Schwanz von der einen Rekonstruktion, die Gliedmaßen von einer anderen und den Kopf und Rumpf von noch einer anderen schnappe, die Sättigung auf Schwarzweiß stelle und dann über der Skelettvorlage neu zusammensetze.
Bei diesen „Chimären“ nehme ich dann selbst dann zwar nicht den Stift, aber sehr wohl die Computermaus in die Hand, um jede Linie exakt nachzuzeichnen, dem Tier eine eigene Musterung zu geben, und es an meine eigenen Vorstellung anzupassen. So steckt in jeder meiner Kreationen stundenlange Eigenarbeit.

Nutzung von KI nur bei der Koloration
In meine Bücher kommen ausschließlich meine eigenen ohne jede KI erstellten Bilder von Urzeittieren. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Doch auf meiner Website kamen mir diese Schwarzweiß-Zeichnungen immer etwas leblos vor. Leider kann ich – als Opfer von schwarzer Pädagogik und umerzogener Linkshänder – weder einen Buntstift noch Pinsel so halten, dass ich der mein Werk danach nicht komplett verschmiert. Und digital bringe ich bei der Koloration auch nichts zustand, mit dem ich am Ende zufrieden bin. Um trotzdem möglichst realistische Abbilder meiner Dinosaurier und der anderen Bewohner von Hell Creek zu schaffen, habe ich auch KI eingesetzt.
Ich bin dabei zu zwei Erkenntnissen gekommen: Wenn ich der KI meine selbsterstellten schwarzweiß-Dino-Zeichnungen gebe und um eine fotorealistische Koloration bitte, kommt da schon sehr gutes Material bei raus. Dieses kann ich auch ohne schlechtes Gewissen verwenden, weil es ja auf meiner eigenen Kunst basiert und die Farbgebung aus der Natur übernommen und von mir per Prompt vorgegeben wird. Darauf basierend aber auch Animationen und Videos zu erstellen, ist dagegen ein widerlicher Griff ins Klo. Doch dazu gleich.

Zur Nutzung von KI bei den Landschaftsbildern und Grafiken
Auch alle anderen Bilder auf meiner Seite komponiere ich auf ähnliche Weise. Für die Landschaften suche ich mir ein realistisches Foto einer echten Landschaft aus dem Internet, die heute noch so aussieht, wie ich mir die Natur in der darzustellenden Szene aus der Kreidezeit vorstelle. Alles, was nicht mit reinpasst, also Anachronismen wie Gebäude, Straßen, Landwirtschaftsflächen oder nicht zeit- und ortstypische Pflanzen, radiere ich weg. Ergänzt werden dann Details wie Pflanzen, Felsen und manchmal auch Tiere – die dann natürlich auf Basis der von mir gezeichneten Vorlage.
Ich habe mir bereits ein breites Bilderportfolio von Pflanzen angelegt, die wirklich in der Hell Creek- und Lance Formation gewachsen sind, alle ebenfalls basierend auf Abbildung von echten Fossilien aus dieser Formation. Die KI habe ich hier nur unterstützend eingesetzt, aber nicht bloß generativ. Bei den Landschaften ebenfalls nicht: hier hat die KI jedes Mal eine von mir komponierte Vorlage bekommen, mit dem Prompt:
Erstelle auf Basis dieser Vorlage eine fotorealistische Nachbildung der Landschaft aus der späten Kreidezeit. Behalte die dargestellten Details wie Pflanzen, Felsen und Hintergrundstruktur pixelgenau bei. Glätte Kanten und Übergänge. Füge realistische Lichteffekte und Schatten hinzu.
Dann Folgen noch Angaben für die gewünschte Tageszeit, das Wetter und so weiter. Oft muss ich auch mehrfach am erhaltenen Ergebnis noch sehr viel feilen. Hierfür wandert das KI-Bild dann meistens nochmals für mindestens eine Stunde zu Inkscape, bis ich dann wirklich zufrieden damit bin. So tragen auch die Landschaften und alle übrigen Grafiken meine eigene Handschrift. Sie alle beinhalten also erstens viele Stunden eigener Arbeit. Und dabei wird zweitens auch keinem anderen Künstler etwas weggenommen. Beides war mir bei der Erstellung auch sehr wichtig, nämlich dass meine eigene Schöpfungshöhe immer über dem Wert dessen liegen muss, was die KI generiert.

Keine (weiteren) Videos
Anfang 2026 habe ich einmal ein bisschen mit dem Video-Generator von Grok herumgespielt. Da ich ja nun auch einen YouTube-Kanal pflege, wollte ich hiermit einige Shorts mit den von mir erstellten Urzeit-Tieren kreieren. Doch schon nach dem zweiten Video überkamen mich große Zweifel. Wie mir nun klar ist, produziert die KI selbst auf Basis von korrekten Modellen immer noch ziemlichen Bullshit. Schon nach wenigen Frames interpretiert die KI absoluten Firlefanz mit rein und machte meinen Avisaurus zu einem Viech, das mehr Phönix aus Harry Potter war, als ein wirklicher Urzeitvogel. Was aus meinem armen Triceratops wurde, möchte ich hier gar nicht laut sagen. Also werde ich die Tier-Videos nun einstellen. Ich würde sonst nur falsche Informationen über meine Urzeit-Tiere verbreiten. Und dazu liegen sie mir dann doch zu sehr am Herzen.

Der Klima-Aspekt
Und was ist mit der Umwelt und dem Klima? Da bleibe ich eigentlich aufgrund der empirischen Datenlage zwar durchaus reflektiert und achtsam, doch insgesamt auch recht entspannt. Wie groß der CO₂-Abdruck bei einzelnen Bildgenerationen nämlich wirklich ist, hängt erstens stark vom benutzten Modell ab. Die von KI-Gegnern oft gebrachte Aussage, dass schon die Erstellung eines einzelnen Bildes mehr CO₂ produzieren würde als eine halbstündige Autofahrt, lässt sich wissenschaftlich jedenfalls nicht halten.
Vergleiche zwischen KI-Systemen wie ChatGPT, BLOOM, DALL-E 2 und Midjourney und menschlichen Autoren sowie Illustratoren zeigten deutliche Unterschiede im Energieverbrauch. Einige Modelle benötigen bis zu 46-mal mehr Energie als andere. Auch die Bildauflösung beeinflusst den Strombedarf, allerdings uneinheitlich. Eine Verdopplung der Auflösung erhöht den Verbrauch je nach Modell um etwa das 1,3- bis 4,7-fache. Modelle mit U-Net Architektur schneiden meist effizienter ab als solche mit Transformer Technik. Überraschend ist, dass die Länge oder der Inhalt der Texteingabe kaum Einfluss auf den Energiebedarf haben.6Bertazzini, G. et al. (2025). The hidden cost of an image – quantifying the energy consumption of AI image generation. doi:10.48550/arXiv.2506.17016
Tatsächlich ist die Arbeit von KI inzwischen sogar insgesamt bereits „klimafreundlicher“ als die von Menschen. Pro geschriebener Seite Text verursachen KI-Modelle zwischen etwa 130- und 1500-mal weniger CO₂-Emissionen als wir, wenn wir diese Texte an einem laufenden PC tippen würden. Bei Bildern fällt der Unterschied sogar noch stärker aus. KI-Bildgeneratoren erzeugen ein Bild mit rund 310 bis 2900-mal geringeren Emissionen als menschliche Illustratoren, die digital arbeiten.7Tomlinson, B. et al. (2024). The carbon emissions of writing and illustrating are lower for AI than for humans. Scientific Reports, 14, 3732. doi:10.1038/s41598-024-54271-x
Die Studie betont zwar, dass solche Berechnungen nur den Energieverbrauch betrachten und nicht soziale Folgen wie Arbeitsplatzverluste oder rechtliche Fragen berücksichtigen, allerdings kann man ihr negativ ankreiden, dass sie bei der Energiebilanz der KI nicht die Emissionen berücksichtigt hat, die beim Training bzw. beim Aufbau der Infrastruktur angefallen sind, sondern allein vom bereits fertigen Modell aus gemessen hat. Nimmt man diese Emissionswerte dazu, und auch die, die beim gerade jetzt verstärkt erfolgten Ausbau der KI anfallen, kippt das Bild zwar nicht ins genaue Gegenteil. Dennoch kann das Training großer Modelle sehr energieintensiv sein. Das Training eines großen Sprachmodells wie GPT-3 verursacht etwa 1.287 MWh und damit ungefähr 552 Tonnen CO₂-Emissionen. Das ist vergleichbar mit dem Jahresausstoß von 120 Haushalten.8Patterson, D. et al. (2021). Carbon emissions and large neural network training. doi:10.48550/arXiv.2104.103509de Hoop Scheffer, W. (2025). What is the carbon footprint of AI infrastructure. Hanwha Data Centers.
Falls mir nun jemand den Klima-Vorwurf macht, nehme ich diesen also prinzipiell schon ernst. Infolge des Klimawandels sollten wir uns bei allem, was Energie braucht und somit CO₂-Emissionen verursacht, auf das Nötigste Beschränken. Doch dann gilt dieser Vorwurf genauso und sogar noch in höherem Maße bei allen, die online Serien und Filme schauen, Handyspiele zocken, online shoppen oder – wie du gerade – meinen Blog liest, dir eines meiner Videos anschaust oder bei miesem Wetter mit dem Auto zur Arbeit fährst. Tatsächlich ist es nicht der einzelne Blogger, der mit KI seine Website ein bisschen aufhübscht, sondern wir alle in der großen Masse, die auf unterschiedlichste Weise zur globalen Erwärmung beitragen. Wer nur mit dem Finger auf die böse KI zeigt, macht es sich hier doch ein bisschen zu einfach. Stattdessen sollten wir alle schauen, dass wir generell in allen Bereichen darauf achten, unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern.
Fazit
Zusammenfassend sollte damit klar sein, wo ich meine rote Linien ziehe. Ein Autor, der Texte oder Illustrationen vollständig generativ von KI erstellen lässt, ist in meinen Augen kein wirklicher Autor oder Künstler. Auch, wer das noch in einem Umfang tut, wo der KI-Einsatz einen großen Teil der „kreativen“ Arbeit übernimmt, wie wir das auf diesen KI-Seiten mit Dinosauriern sehen, die auf meiner Blacklist stehen.
Meiner Meinung nach handeln diese Personen nicht nur unredlich und schmücken sich mit fremden Federn, sie verpassen auch das Beste. Die eigene Wertschöpfung, das schöne Gefühl, dass entsteht, wenn ich als Autor selbst etwas aus meinem eigenen Kopf mit meinen eigenen Händen zu Papier bringe, oder die ganzen wunderbaren Aha-Momente, die ich bei der Recherche erlebe: das alles geht flöten, wenn diese Arbeit die KI macht. Das ist letzten Endes nichts anderes als Ghostwriting, nur dass hier nicht einmal ein echter Mensch als Ghostwriter rackert, sondern bloß eine Maschine, die echten Menschen ihre Arbeit klaut.
KI-Nutzung: ein Thema mit hoher Ambiguität!
All das kann auch ich nur mit dem Wort „widerlich“ beschreiben, da gehe ich absolut mit. Gleichzeitig ist es jedoch falsch und anmaßend, jede Form der KI-Nutzung pauschal zu verteufeln. Nicht alles, was erkennbare Züge der KI trägt, ist automatisch unkreativ, ausbeuterisch, umweltzertörerisch und widerlich! Hier möchte ich dem eingangs erwähnten Kommentator deutlich widersprechen und ihn zum Nachdenken auffordern, damit auch er zu einer gewissen Einsicht gelangt: Die KI bringt eine Menge neuer Möglichkeiten, die sich auch in redliche, kreative Arbeit integrieren lassen.
Auch für die Recherche kann KI gezielter als eine herkömmliche Suchmaschine sein. Diese laufen ja heute sowieso nicht mehr ohne KI. Auch beim Übersetzen, Zusammenfassen und vor allem beim Ordnen leistet KI mir gute Dienste. Und wenn ich meine eigene Kunst als Ausgangspunkt verwende, sie von der KI bloß noch kolorieren oder mit relalistischen Licht-Effekten ausstatten lasse, bleibe ich selbst Urheber des finalen Werks. Ob man diese Entwicklung nun gut findet oder nicht: KI wird künftig wahrscheinlich für viele Kreative ein selbstverständliches Werkzeug sein. Für viele ist sie es jetzt schon. Auch in der Wissenschaftsdidaktik kann sie sinnvoll eingesetzt werden, z.B. um leicht verständliche Erklärbilder zu erstellen. Wenn man dabei einen gewissen Standard einhält, ist auch das nicht per se verwerflich. Entscheidend ist somit nicht, ob man KI nutzt, sondern vielmehr wie und wofür man sie einsetzt.
Mein eigener Anspruch bleibt dabei, dass der kreative Kern meiner Arbeit immer von mir selbst stammen muss. Wer seinen eigenen Anspruch hier höher oder niedriger legt, kann das gerne tun. Solange dabei die hier im Beitrag angesprochenen roten Linien nicht überschritten werden, kann ich das für meinen Teil akzeptieren. Und wenn du mich nach diesem Beitrag für meine Haltung noch kritisieren möchtest, bitte gerne! Besonders, wenn ich hier deiner Meinung nach noch etwas wichtiges vergessen habe, oder dringend an einer Stelle nachschärfen sollte. Schreib mir dazu gern einen (respektvollen!) Kommentar.
Quellenangaben:
- 1de Vries-Gao, A. (2026). The carbon and water footprints of data centers and what this could mean for artificial intelligence. Patterns, 7(1), 101430. doi:10.1016/j.patter.2025.101430
- 2Ferrara, E. (2024). Fairness and bias in artificial intelligence – a brief survey of sources, impacts, and mitigation strategies. Sci, 6(1), 3. doi:10.3390/sci6010003
- 3Birhane, A. & Prabhu, V. & Kahembwe, E. (2021). Multimodal datasets – misogyny, pornography, and malignant stereotypes. arXiv. doi:10.48550/arXiv.2110.01963
- 4van Wynsberghe, A. (2021). Sustainable AI – AI for sustainability and the sustainability of AI. AI Ethics, 1, 213–218. doi:10.1007/s43681-021-00043-6
- 5Kazim, E. & Koshiyama, A. S. (2021). A high-level overview of AI ethics. Patterns, 2, 100314. doi:10.1016/j.patter.2021.100314
- 6Bertazzini, G. et al. (2025). The hidden cost of an image – quantifying the energy consumption of AI image generation. doi:10.48550/arXiv.2506.17016
- 7Tomlinson, B. et al. (2024). The carbon emissions of writing and illustrating are lower for AI than for humans. Scientific Reports, 14, 3732. doi:10.1038/s41598-024-54271-x
- 8Patterson, D. et al. (2021). Carbon emissions and large neural network training. doi:10.48550/arXiv.2104.10350
- 9de Hoop Scheffer, W. (2025). What is the carbon footprint of AI infrastructure. Hanwha Data Centers.
Hier meine anderen Statements:
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… gegen Kreationismus
… zur „gendergerechten“ Sprache … zur Nutzung von KI |
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