Lesedauer 67 MinutenHier erfährst du alles über die aktuellen Erkenntnisse aus der Dinosaurierforschung. Die Paläo-News 2026 erfolgen dabei als kurze Paraphrase mit dem wichtigsten Ergebnis der Studie. Einen Link zum Paper findest du natürlich auch, falls du noch weiterlesen möchtest!
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Achtung: Die hier angegebenen Links führen alle direkt zu wissenschaftlichen Fachpublikationen. Diese können mitunter für Laien schwer verständlich sein, und sie sind auch alle auf Englisch verfasst. Natürlich kannst du sie mit Google oder einer KI übersetzen lassen, was aber nur bedingt empfehlenswert ist. Fachbegriffe und auch ganze Inhalte können hierbei falsch übersetzt und somit noch ungenauer werden. Lies dich also gern rein – aber es braucht etwas Übung und Geduld, bis man wirklich alles versteht. Bei Fragen stehe ich dir natürlich gern zur Verfügung! Eine Übersicht über viele gängige paläontologische Fachbegriffe und Abkürzungen findest du auch hier. |
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Alle Paläo-News des Jahres 2026 gibt es auch als Video auf meinem YouTube-Kanal! Schau gerne mal vorbei! Dort findest du auch noch viele andere spannende Beiträge zu weiteren Urzeit-Themen. |
Mai
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„Dueling Dinosaurus“ erstmals exakt datiert
Roberts et al. datieren Ascheschichten in Montana und zeigen erstmals, wie alt der berühmte Fundort der „Dueling Dinosaurs genau ist. Die beiden miteinander erhaltenen Dinosaurier, ein Nanotyrannus und ein Triceratops, stammen aus dem oberen Teil der Hell Creek Formation und wurden nun auf ziemlich genau 66,85 Millionen Jahre datiert. Damit lässt sich dieser außergewöhnliche Fund viel genauer in die letzten Hunderttausende Jahre vor dem Massenaussterben einordnen. Die Kreide-Paläogenze-Grenze selbst ist dort aber noch nicht aufgeschlossen. Die Studie zeigt zudem, dass bisher genutzte Sandsteinmarker für regionale Vergleiche nur vorsichtig verwendet werden sollten. Außerdem ist sie ein weiteres wichtiges Puzzleteil für meine These, dass Nanotyrannus erst in den letzten Jahrhunderttausenden der Kreidezeit vom Ostkontinent Appalachia in den Westkontinent Laramidia eingewandert sein könnte und daher nur in den obersten Schichten der Kreidezeit dort zu finden sein müsste.
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Ist „Hypacrosaurus stebingeri“ ein Corythosaurus?
Sharpe & Brown beschreiben einen gut erhaltenen Schädel von Hypacrosaurus altispinus aus der Horseshoe Canyon Formation bei Leduc in Alberta und weisen ihn als bislang nördlichsten Nachweis dieser Art aus. Der Fund zeigt nicht nur eine ungewöhnliche, möglicherweise jugendliche Form des Zwischenkieferknochens, sondern auch Reste eines Hornschnabels und erhaltene Schuppen. Durch den Vergleich von Schädel und Wirbeln mit anderen Lambeosaurinen bestätigen die Forschenden die besondere Schädelform von H. altispinus. Zugleich zeigen sie, dass frühere Merkmale zur Abgrenzung von Hypacrosaurus unsicher sind. Für „Hypacrosaurus stebingeri“ schlagen sie daher vor, dass er in die Gattung Corythosaurus überführt werden sollte.
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Spinosauriden besaßen Salzdrüsen
Cau et al. zeigen, dass manche Spinosauridae offenbar Drüsen oberhalb der Augen besaßen, mit der sie über ihre Nahrung aufgenommenes Meersalz filtern und ausscheiden konnten. Damit entwickelten diese Theropoden eine bislang nur bei Vögeln sicher belegte Anpassung innerhalb der Dinosaurier unabhängig von diesen. Die Forschenden erkannten an Schädelknochen Hinweise auf diese Drüsen und ihren Ausführungsgang und verglichen sie mit heutigen Vögeln und Meerechsen. Besonders in der spezialisierten spinosaurinen Linie, die Brackwasser nutzte, könnten verkürzte Abstände zwischen Augenhöhle und Nasenöffnung die Verlagerung der Nasendrüse begünstigt haben. Die Studie erklärt damit, warum Nichtvogel-Dinosaurier Meeresräume nicht eroberten: Ihre Schädel könnten die Entwicklung solcher Drüsen zur Salzregulation eingeschränkt haben. Die Studie darf allerdings nicht als Beleg dafür verstanden werden, dass Spinosauriden tatsächlich im Meer jagten.
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Koreanische Dinosauriereier überstanden extreme Hitze
Choi et al. untersuchen Oofossilien aus der Dadaepo Formation in Südkorea und zeigen, dass Dinosauriereier selbst starke geothermische Erwärmung erstaunlich gut überstehen können. Die Eier gehören mindestens zwei verschiedenen Eitypen an, darunter Macroelongatoolithus, der wahrscheinlich von einem sehr großen Oviraptorosaurier oder einem anderen Großtheropoden stammt. Obwohl die Gesteine Temperaturen von etwa 310 Grad erreichten, blieb die feine Struktur der Eierschalen nahezu unverändert. Das widerlegt die Annahme, dass starke Hitze solche Fossilien zwangsläufig zerstört. Gleichzeitig helfen die Funde dabei, das Alter wichtiger asiatischer Dinosaurierlagerstätten genauer einzugrenzen und mögliche neue Fundregionen in der Arktis vorherzusagen. Dass der lebende Inhalt der Schalen diese Hitze aber auch überstand und nicht gekocht wurde, ist natürlich trotzdem sehr unwahrscheinlich.
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Dysalotosaurus- Jungtier verändert Bild des Knochenwachstums bei Ornithopoden
Rocchi et al. untersuchen ein junges Exemplar von Dysalotosaurus lettowvorbecki aus der Tendaguru Formation in Tansania mithilfe von Mikro-Computertomographie. In einem Gesteinsblock ließen sich rund 40 zusammengehörige Knochen erkennen, darunter Schädelteile, fast alle Halswirbel, vier Rückenwirbel und Teile des Gliedmaßenskeletts. Form und Größenverhältnisse sprechen für ein Alter von etwa vier bis fünf Jahren, als das Tier starb. Besonders wichtig ist der Zustand der Wirbelnähte: Einige Halswirbel waren schon teilweise verwachsen, während hintere Rückenwirbel noch offene Nähte zeigten. Das widerspricht einem einfachen Verwachsen von Schwanz zu Kopf und deutet auf komplexere Wachstumsmuster bei Ornithopoden hin.
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Kurze Arme, starke Schädel bei Großtheropoden
Scherer, Steell & Upchurch legen neues Gewicht in die Waagschale der These, dass verkürzte Vordergliedmaßen bei großen Raubdinosauriern mehrfach unabhängig entstanden und eng mit der Entwicklung kräftiger Schädel sowie riesiger Körpergröße verbunden waren. Dafür maßen die Forschenden die Verringerung der Vordergliedmaßen innerhalb der Theropoden, entwickelten ein Bewertungssystem für die Stabilität des Schädels und werteten die Daten mit stammesgeschichtlichen Vergleichen aus. Besonders stark reduziert waren die Arme im Verhältnis zum Schädel bei Abelisauriden, Carcharodontosauriden und Tyrannosauriden. Die Studie deutet darauf hin, dass diese Tiere Beute immer weniger mit greifenden Armen überwältigten, sondern zunehmend mit massiven Schädeln und kräftigen Bissen. Ein möglicher Treiber war wahrscheinlich ein „Wettrüsten“ mit ihrer ebenfalls immer größer werdenden Beute.
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Pinacosaurus hilwitnorum
Eopinacosaurus mephistocephalus
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Pinacosaurus war vielfältiger als gedacht
Penkalski zeigt anhand neuer Untersuchungen zahlreicher Fossilien aus der Gobi Wüste, dass Pinacosaurus aus mehreren Arten bestand. Der bekannte gepanzerte Dinosaurier besaß ungewöhnliche Schädelmerkmale wie zusätzliche Nasenöffnungen und besondere Knochenstrukturen im Gesichtsbereich. Vergleiche verschiedener Fundorte deuten darauf hin, dass sich regionale Formen entwickelt hatten. Dabei wird eine neue Art namens Pinacosaurus hilwitnorum beschrieben. Außerdem erhält die bisherige Art „Pinacosaurus mephistocephalus“ mit Eopinacosaurus einen eigenen Gattungsnamen. Die Studie zeigt, dass die Ankylosaurier der späten Kreidezeit in der Gobi Region deutlich vielfältiger waren als lange angenommen.
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Südamerikanische Entenschnabeldinosaurier erreichten Nordamerika
Duarte-Bigurra et al. zeigen anhand neuer Hadrosaurierfunde aus Mexiko, dass bestimmte Entenschnabeldinosaurier weiter verbreitet waren als bisher angenommen. Die Fossilien aus der Cabullona Group gehören zu den Kritosauriern und stehen besonders nah mit Formen aus Patagonien in Verbindung. Damit handelt es sich um den ersten Nachweis dieser Gruppe außerhalb Südamerikas. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sich Hadrosaurier einst über den südlichen Teil Nordamerikas nach Südamerika ausbreiteten, obwohl die Kontinente durch ein Meer voneinander getrennt waren.
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Junger Titanosaur widerlegt alte Wachstumsmodelle zu Sauropoden
Zurriaguz et al. zeigen Knochen eines jungen Neuquensaurus australis aus Argentinien, dass Titanosaurier sich während des Wachstums stärker veränderten als bisher angenommen. Das Tier erreichte nur etwa die Hälfte der Größe erwachsener Tiere, besaß aber bereits Hinweise auf schnelles Wachstum. Gleichzeitig fehlten noch viele verwachsene Knochenstrukturen, die sich offenbar erst spät entwickelten. Auch luftgefüllte Hohlräume im Skelett entstanden wohl erst in späteren Lebensphasen. Besonders wichtig ist, dass sich die Körperproportionen im Laufe des Wachstums deutlich veränderten. Damit widerspricht die Studie der bisherigen Annahme, Titanosaurier seien weitgehend gleichförmig gewachsen.
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Alvarezsaurier waren wohl spezialisierte Gräber
Leedham et al. zeigen Bewegungsanalysen der Arme von Mononykus und Bannykus, dass Alvarezsaurier wahrscheinlich tatsächlich zum Graben angepasst waren. Besonders Mononykus besaß stark verkürzte, kräftige Vorderarme mit nur einem funktionsfähigen Finger und konnte seine Gliedmaßen nur noch eingeschränkt bewegen. Das deutet auf eine hoch spezialisierte Grabtechnik hin. Bannykus war dagegen beweglicher und vermutlich vielseitiger einsetzbar. Vergleiche mit grabenden Säugetieren zeigen zudem ähnliche Muskelverhältnisse. Die Ergebnisse unterstützen die Vermutung, dass sich diese ungewöhnlichen Raubdinosaurier zunehmend auf das Aufbrechen von Insektennestern spezialisierten.
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Dinosaurier-Wachstum war komplexer als gedacht
Saitta et al. zeigen neue Analysen, dass viele Wachstumsmodelle von Dinosauriern biologische Unterschiede möglicherweise zu stark vereinfachen. Faktoren wie Geschlecht, individuelle Variation oder unterschiedliche Arten werden oft unterschätzt, wodurch Veränderungen fälschlich nur als Altersunterschiede interpretiert werden könnten. Besonders bei Tyrannosauriern, Ceratopsiern oder Pachycephalosauriern könnte dies das Bild ihrer Entwicklung verzerren. So lassen sich Unterschiede bei den Hörnern von Centrosaurus wahrscheinlich nicht allein durch das Wachstum erklären, sondern womöglich auch durch Geschlechtsunterschiede. Die Studie fordert daher präzisere statistische Methoden, um die Vielfalt ausgestorbener Tiere realistischer abzubilden.
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Nagatitan chaiyaphumensis |
Neuer Riesensauropode aus Thailand entdeckt
Sethapanichsakul et al. beschreiben neue Fossilien aus der Khok Kruat Formation in Thailand einen bislang unbekannten Langhalsdinosaurier namens Nagatitan chaiyaphumensis. Das etwa 25 bis 28 Tonnen schwere Tier gehört zu den Somphospondylen und zeigt mehrere einzigartige Merkmale an den Rückenwirbeln. Verwandtschaftsanalysen ordnen ihn den Euhelopodiden zu, einer Gruppe asiatischer Titanosauriformen. Überraschend ist, dass Nagatitan keine eigene südostasiatische Untergruppe mit anderen bekannten Formen bildet. Die Studie deutet zudem darauf hin, dass viele asiatische Sauropoden der mittleren Kreidezeit deutlich größer wurden, möglicherweise begünstigt durch wärmeres Klima und größere geeignete Lebensräume.
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Früher Raubsaurier zeigt Übergang zu Averostra
Wang et al. beschreiben neue Fossilien aus der Lufeng Formation in China einen frühen Theropoden, der wichtige Hinweise zur Entstehung der Averostra liefert. Diese große Gruppe umfasst fast alle späteren Raubdinosaurier und letztlich auch die Vögel. Das teilweise erhaltene Skelett zeigt noch ursprüngliche Merkmale, besitzt aber bereits Eigenschaften späterer Formen. Einige davon galten bisher sogar als typisch für Tetanuren und könnten sich daher früher entwickelt haben als angenommen. Die Studie macht deutlich, dass die Evolution früher Theropoden komplexer verlief und viele Merkmale schrittweise entstanden, statt plötzlich aufzutreten.
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Rätsel um den Ursprung der Titanosaurier
Mannion & Carvalho zeigen neue Analysen von Triunfosaurus leonardii aus Brasilien, dass die frühen Titanosaurier deutlich schwieriger einzuordnen sind als lange gedacht. Der Sauropode aus der frühen Kreidezeit gehört wahrscheinlich zu den ursprünglichen Somphospondylen und könnte nahe am Ursprung der Titanosaurier stehen. Gleichzeitig deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die ältesten eindeutig nachgewiesenen Titanosaurier wohl aus Eurasien stammen. Überraschend ist zudem, dass typische Merkmale später Titanosaurier offenbar erst relativ spät entstanden. Die Studie spricht daher dafür, dass die erste Entwicklungsphase dieser erfolgreichen Langhalsdinosaurier im Fossilbericht bislang noch kaum entdeckt wurde.
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Jurassischer Fußspurentyp überdauerten bis zur Kreide
Xing et al. beschreiben zwei neue Fundstellen in der Tuchengzi Formation in China und zeigen, dass typische Grallator-Spuren überraschend lange überdauerten. Die dreizehigen Abdrücke ähneln stark bekannten Spuren aus dem frühen Jura Europas und Nordamerikas, obwohl sie deutlich jünger sind. Neben den Theropodenspuren wurden auch Sauropodenspuren des Typs Brontopodus entdeckt. Besondere Oberflächenstrukturen weisen darauf hin, dass mikrobielle Matten die Entstehung und Erhaltung der Spuren begünstigten. Die Funde liefern wichtige Hinweise darauf, dass bestimmte Fußformen kleiner Raubdinosaurier über viele Millionen Jahre hinweg erstaunlich stabil blieben.
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April
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Siamraptor war ein früher Carcharodontosaurier
Hattori et al. zeigen anhand zweier gut erhaltener Schädelteile aus Thailand, dass Siamraptor suwati zu den frühen Vertretern der Carcharodontosaurier gehört. Die Funde stammen aus der Khok Kruat Formation der Unterkreide und liefern erstmals eindeutige Merkmale dieses Dinosauriers im Bereich des Gehirnschädels. Auffällige Strukturen wie ein hoher Nackenkamm und besondere Vertiefungen unterscheiden ihn von anderen Raubsauriern. Gleichzeitig bestätigen die neuen Daten seine Stellung als einer der ursprünglichsten Vertreter dieser Gruppe. Damit liefert die Studie wichtige Hinweise darauf, wie sich die Schädelmerkmale großer Raubdinosaurier im Laufe der Evolution entwickelten.
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Lebten einige frühe Sauropodomporphen in selbstgegrabenen Tunnel?
Olsen & McDonald beschreiben außergewöhnliche Fossilfundstellen der Newark Supergroup in Nordamerika, wie sich die Welt rund um das Ende der Trias veränderte. Die Ablagerungen entstanden während des Zerbrechens des Urkontinents Pangäa und bewahren riesige Mengen an Spuren- und Körperfossilien, besonders von Dinosauriern. Einige Spuren zeigen sogar Hautstrukturen und mögliche Vorläufer von Federn. Daneben fanden sich hervorragend erhaltene Insekten, Fische und andere Reptilien. Die Schichten dokumentieren Klimaschwankungen in tropischen Monsunlandschaften und liefern ein besonders genaues Zeitfenster rund um das große Massenaussterben am Ende der Trias. Dadurch wird sichtbar, wie Dinosaurier danach die dominierenden Landtiere wurden. Ein in der Studie beschriebenes Skelett von Anchisaurus befand sich offenbar in einer selbstgegrabenen Tunnelstruktur, was die These aufwirft, dass einige frühe Sauropodomorphen möglicherweise eine grabende Lebensweise hatten.
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Zehenknochen verraten Raubsaurier-Familien
Warnock-Juteau, Smith & Cullen analysieren die Zehenknochen von Theropoden und zeigen, dass sich selbst isolierte Fußknochen verschiedenen Theropodenfamilien zuordnen lassen können. Mithilfe mathematischer Methoden wurden feine Unterschiede in der Form sichtbar gemacht. Dabei zeigt sich, dass Caenagnathiden schlankere Zehen besaßen, während Tyrannosaurier deutlich robustere Knochen hatten als ähnlich große Ornithomimiden. Solche Unterschiede betreffen mehrere Zehen und verschiedene Ansichten des Knochens. Die Ergebnisse ermöglichen es erstmals, auch einzelne Funde ohne vollständiges Skelett genauer einzuordnen.
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Neue Theropodenspuren erweitern Tunesiens Dinosaurierbild
Dridi zeigt anhand zweier neuer Fundschichten im Tataouine Becken von Tunesien, dass Raubsaurier im Jura dort häufiger vorkamen als bisher angenommen. In einer unteren Schicht wurden mittelgroße Fußspuren entdeckt, die dem Typ Grallator ähneln, während eine höhere Schicht die bislang größten bekannten Theropodenspuren des Landes enthält, vergleichbar mit Eubrontes. Diese Funde belegen, dass zweibeinige Fleischfresser über längere Zeiträume hinweg in der Region präsent waren. Gleichzeitig liefern die Spuren neue Hinweise auf die Vielfalt und Verbreitung dieser Dinosaurier im mittleren Jura Nordafrikas.
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Raubdinosaurier entwickelten unterschiedliche Erfolgsstrategien
Pereyra vergleicht die Oberkiefer von Theropoden und zeigt, dass verschiedene Prädatoren der Kreidezeit ganz eigene Entwicklungswege einschlugen. Abelisaurier veränderten vor allem die Form ihres Schädels, blieben aber in ihrer Körpergröße relativ konstant. Carcharodontosaurier setzten dagegen auf immer größere Körper, ohne ihre Schädel stark umzubauen. Tyrannosaurier und ihre Verwandten kombinierten beide Ansätze: zunächst neue Schädelstrukturen, später ein starkes Größenwachstum. So entstanden in allen drei Linien hoch spezialisierte Räuber, die sich jeweils an unterschiedliche ökologische Nischen anpassten.
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Jagten riesige „Kraken“ die mächtigsten Meeresreptilien der Kreidezeit?
Ikegami et al. zeigen fossile Kiefer aus der späten Kreidezeit, dass riesige Kraken zu den Spitzenräubern der Meere gehörten. Die außergewöhnlich starken Abnutzungsspuren an Nanaimoteuhtis jeletzkyi und dem sogar noch deutlich größeren Nanaimoteuhtis haggarti deuten angeblich darauf hin, dass sie harte Beute aktiv zermalmten, möglicherweise sogar große Meeresreptilien wie Plesiosaurier oder Mosasaurier. Sie seien bis zu 19m lang geworden! Auffällig ist eine ungleichmäßige Abnutzung an den mächtigen Schnäbeln, die auf eine bevorzugte Nutzung einer Körperseite hinweist und damit auf ein komplexes Verhalten schließen lässt. Solche Merkmale sprächen auch für eine überraschend hohe Intelligenz. Das Paper wird allerdings von Experten äußerst kritisch betrachtet.
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Zähne helfen bei Neueinordnung gepanzerter Dinosaurier
Cross et al. zeigen neue Messmethoden an blattförmigen Zähnen, dass die Verwandtschaft vieler Ankylosaurier neu bewertet werden muss. Frühere Gruppen wie Panoplosauridae oder Struthiosauridae lassen sich anhand der Zahnmerkmale nicht bestätigen, da alte Beschreibungen ungenau waren. Stattdessen weisen die Daten auf häufige unabhängige Ähnlichkeiten hin, die die Einordnung erschweren. Durch präzisere Analysen können einzelne Funde nun besser bestimmten Linien zugeordnet werden, etwa Peloroplites oder Aletopelta. Besonders wichtig ist dabei, dass selbst isolierte Zähne ausreichen können, um diese gepanzerten Pflanzenfresser genauer im Stammbaum zu platzieren und ihre Verbreitung besser zu verstehen.
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Neue Erkenntnisse zur Evolution der Iguanodonten
Rotatori et al. zeigen nach umfassenden Analysen, dass die Entwicklung der Iguanodonten früher begann als bislang angenommen. Eine neue Gruppe namens Ouranosauria wird erstmals benannt, basierend auf zahlreichen gemeinsamen Schädel- und Skelettmerkmalen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese pflanzenfressenden Dinosaurier bereits im frühen Jura entstanden und sich rasch weltweit ausbreiteten. Ihre große Vielfalt entwickelte sich schon vor dem späten Jura, bevor es regional zu Aussterben kam. Auffällig ist, dass wichtige Evolutionsschritte deutlich vor den ältesten bekannten Spuren liegen. Insgesamt liefert die Studie ein klareres Bild der frühen Entwicklung und weltweiten Verbreitung dieser bekannten Dinosauriergruppe.
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Phosphatotitan khouribgaensis
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Neuer Titanosaurier aus Marokko
Longrich et al. beschreiben Wirbel und Beckenknochen aus den Phosphatablagerungen von Marokko einen neuen Sauropoden namens Phosphatotitan khouribgaensis. Das Tier war mit etwa 3,5 bis 4 Tonnen deutlich kleiner als viele seiner Verwandten, zeigt aber auffällige Ähnlichkeiten zu südamerikanischen Titanosauriern wie Patagotitan und Argentinosaurus. Mit diesen wurden er und ein bislang unbeschriebener marrokanischer Sauropode nun in die Familie Argentinosauridae gestellt. Diese Verbindung deutet darauf hin, dass sich diese Sauropoden schon vor der Trennung von Afrika und Südamerika weit über beide Kontinente verbreitet hatten.
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Mongolische Oviraptorosaurier könnten gemeinsame Art gebildet haben
Hao & Xu zeigen ein neues Nestfossil aus Südchina, das Hinweise darauf gibt, dass mehrere Oviraptorosaurier wahrscheinlich nur eine einzige Art darstellen. Der Fund stammt aus der Oberkreide von Ganzhou und zeigt ein Tier in typischer Brutstellung auf dem Nest. Doch detaillierte Untersuchungen der Knochen legen nahe, dass zumindest Corythoraptor jacobsi, Huanansaurus ganzhouensis und eben das neue Exemplar zu einer gemeinsamen Spezies gehören. Da Huanansaurus zwei Jahre früher beschrieben wurde, wäre dies nun der gültige Name für die gemeinsame Art und Corythoraptor entsprechend ungültig. Gleichzeitig zeigen erweiterte Verwandtschaftsanalysen, dass sich in Südchina eigene Entwicklungslinien dieser Dinosaurier gebildet hatten, was auf eine starke regionale Spezialisierung hindeutet.
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Dinosaurier entstanden wohl noch früher als bisher gedacht
Brownstein & Griffin zeigen neue Berechnungen, dass die ersten Dinosaurier bereits vor etwa 250 bis 240 Millionen Jahren entstanden sein könnten, also deutlich früher als ihre ältesten sicheren Fossilien vermuten lassen. Kurz nach ihrem Auftreten entwickelten sich die wichtigsten Gruppen sehr schnell und nahmen unterschiedliche ökologische Rollen ein. Diese Phase war von einer besonders schnellen Veränderung der Körperformen geprägt, die ihren Höhepunkt in der späten Trias erreichte. Das erklärt, warum die Verwandtschaftsverhältnisse früher Dinosaurier oft schwer zu klären sind. Insgesamt spricht alles für eine rasche Ausbreitung direkt nach den großen Umweltkrisen des Großen Sterbens am Ende des Perm, das neue Lebensräume für diese Tiere eröffnete.
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Bicharracosaurus dionidei
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Neuer Riesen-Dinosaurier aus Patagonien entdeckt
Reutter et al. beschreiben mit Bicharracosaurus dionidei einen neuen Langhalsdinosaurier aus der Cañadón Calcáreo Formation in Argentinien. Die gefundenen Wirbel und Beckenteile stammen von einem ausgewachsenen Tier und zeigen Merkmale, die sowohl an Diplodociden als auch an Brachiosaurier-Verwandte erinnern. Stammesgeschichtliche Analysen ordnen das Tier meist den Macronariern zu, einer Gruppe, zu der auch Brachiosaurier gehören. Der Fund zeigt, wie schwierig die Einordnung früher Sauropoden ist, da viele Formen eine Mischung aus Merkmalen besitzen. Gleichzeitig liefert Bicharracosaurus wichtige neue Hinweise darauf, wie vielfältig die Langhalsdinosaurier im späten Jura der Südhalbkugel waren.
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Vierzehige Dinosaurierspuren aus der Trias erkannt
D’Orazi Porchetti et al. zeigen zahlreiche gut erhaltene Fußspuren aus dem etwa 235–222 Ma alten Coburger Sandstein in Franken, dass dort ein Spurentyp namens Evazoum viel häufiger vorkommt als bisher angenommen. Die zweibeinigen Tiere hinterließen vierzehige Abdrücke, bei denen der innere Zeh nach vorn zeigt und das Gewicht vor allem auf den äußeren Zehen lag. Die Füße waren leicht nach innen gerichtet, was auf eine spezialisierte Fortbewegungsweise hinweist. Diese Merkmale passen gut zu frühen Sauropodomorphen, also Vorfahren späterer Langhalsdinosaurier. Damit schließen die Funde eine Lücke zwischen Knochenfunden und Spuren aus derselben Zeit und zeigen, dass diese Tiere schon früher verbreitet waren.
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Früher Entenschnabeldinosaurier mit Hohlkamm entdeckt
Ma et al. zeigen ein außergewöhnlich gut erhaltener Schädel von Qianjiangsaurus changshengi, dass sich hohle Schädelkämme bei Entenschnabeldinosauriern unabhängig voneinander entwickelten. Der Kamm dieses frühen Vertreters entstand aus den Nasenknochen und enthält besondere Hohlräume, die sich von späteren Formen unterscheiden. Berechnungen und CT Analysen deuten darauf hin, dass diese Struktur tiefe Töne verstärken konnte, ähnlich wie bei späteren Verwandten. Das spricht dafür, dass solche Kämme nicht nur zur Schau dienten, sondern auch der Kommunikation. Die Studie zeigt, dass ähnliche Lösungen mehrfach in der Evolution entstanden, wenn Tiere vor vergleichbaren Herausforderungen standen.
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Dinosaurierknochen in kanadischen Meeresablagerungen entdeckt
Arbour, Bullard & Evans beschreiben einen einzelnen Schwanzwirbel aus Meeresablagerungen der Cedar District Formation, der erstmals eindeutig auf einen Dinosaurier. Der Knochen gehört wahrscheinlich zu einem Ornithomimosaurier, lässt sich aber nicht genauer bestimmen. Besonders spannend ist, dass das Tier natürlich nicht direkt dort lebte, wo der Fund gemacht wurde, also kein Meeresbewohner war. Stattdessen wurde der Knochen vermutlich über weite Strecken ins Meer transportiert. Die damalige Landschaft lag damals auch noch deutlich weiter südlich als heute. Dies zeigt, wie selten Dinosaurierfossilien in diesen Ablagerungen sind und liefert dennoch wichtige Hinweise auf ihre einstige Verbreitung entlang der Küsten Nordamerikas.
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Neue Titanosaurierfunde aus Ecuador
Balcázar-Loaiza et al. beschreiben neue Knochenfunde aus der oberkreidezeitlichen Tena Formation am Napo Fluss in Ecuador, die zu einem großen Sauropoden gehören. Erhalten sind Teile des Oberarmknochens und mehrere Handknochen, die auf ein schlank gebautes Tier hinweisen. Die Merkmale unterscheiden sich von früher bekannten Funden und passen eher zu großen Titanosauriern. Diese lebten in einer Landschaft mit Lagunen und zeitweiligem Meereseinfluss während der späten Kreidezeit. Der Fund zeigt, dass solche Langhalsdinosaurier in Nord Südamerika weiter verbreitet waren als bisher angenommen. Ein Teil der Knochen ging jedoch verloren, da sie zunächst von Laien geborgen wurden.
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Ptychotherates bucculentus
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Neuer Herrerasaurier aus New Mexico
Srivastava & Nesbitt zeigen anhand neuer Funde aus der Obertrias von New Mexico, dass Herrerasaurier deutlich länger existierten als bisher angenommen. Mit Ptychotherates bucculentus wird eine neue Art beschrieben, die eng mit Tawa hallae verwandt ist und einen ungewöhnlich tiefen Wangenknochen besitzt. Diese Tiere gehörten zu einer frühen Gruppe, die parallel zu moderneren Theropoden lebte. Während solche ursprünglichen Linien in höheren Breiten der Südhalbkugel wohl schon früher verschwanden, hielten sie sich in tropischen Regionen auf der Nordhallbkugel offenbar länger. Das deutet darauf hin, dass diese Gebiete als Rückzugsräume dienten und dass das Massenaussterben am Ende der Trias die Dinosaurierwelt stärker veränderte als bislang gedacht.
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Erstes Dinosaurier-Gelege aus Südchina entdeckt
Wang et al. beschreiben ein ringförmig angeordnetes Gelege aus der Dengta Basin Region, das eindeutig nicht zu Vögeln, sondern zu Dinosauriern gehört. Die länglichen Eier von Elongatoolithus elongatus lagen paarweise im Kreis, mit den spitzen Enden nach außen gerichtet. Solche Gelege sind typisch für oviraptorartige Dinosaurier. Die Schalen zeigen feine, längs verlaufende Strukturen und eine charakteristische innere Schichtung. Der Fund ist besonders bedeutend, weil er der erste Nachweis eines solchen Geleges in dieser Region ist. Gleichzeitig erweitert er das bekannte Verbreitungsgebiet dieser Dinosauriergruppe und liefert neue Hinweise auf ihr Brutverhalten.
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Zwei Tyrannosaurier-Arten waren wohl nur Jungtiere
Raun et al. zeigen Vergleiche von Schädelmerkmalen, dass Asiatyrannus xui und Raptorex kriegsteini wahrscheinlich keine eigenen Arten sind, sondern zu Tarbosaurus bataar gehören. Viele ihrer Merkmale entsprechen denen von jungen oder halbwüchsigen Individuen dieses bekannten Tyrannosauriers. Eigenständige, eindeutige Unterschiede fehlen dagegen. Damit werden beide Namen als sogenannte Synonyme betrachtet. Besonders spannend ist, dass ein Fund aus China das bekannte Verbreitungsgebiet von Tarbosaurus deutlich erweitert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass große Raubdinosaurier weitaus größere Lebensräume hatten als bisher angenommen, vergleichbar mit heutigen Großräubern.
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Chicxulub-Einschlag löste Mega-Erdbeben aus
Bermúdez et al. zeigen geologische Spuren in Mexiko und Kolumbien, dass der Einschlag des Chicxulub-Asteroiden gewaltige Erdbeben verursachte. Die untersuchten Gesteinsschichten weisen typische Verformungen auf, die durch starke Erschütterungen entstanden sind, sowohl während als auch nach dem Einschlag. Die Stärke dieser Beben könnte Werte von über 9 auf der Richterskala erreicht haben und damit zu den heftigsten der Erdgeschichte zählen. Hinweise darauf, dass die Erdkruste noch Jahre später erschüttert wurde, deuten auf langanhaltende Nachwirkungen hin. Diese extremen Bedingungen verschärften vermutlich die ohnehin katastrophalen Folgen für die Dinosaurier und viele andere Lebewesen zusätzlich.
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Neuer Zahn zeigt Vielfalt asiatischer Sauropoden
Sui, Shao & Yin beschreiben einen außergewöhnlich gut erhaltenen Zahn aus der Qigu Formation in China und liefern erstmals detaillierte Einblicke in den inneren Aufbau solcher Sauropodenzähne. Mithilfe von 3D-Scans konnten feine Strukturen wie Zahnschmelzverteilung und Wurzelaufbau sichtbar gemacht werden. Der Zahn weist typische Merkmale der Mamenchisaurier auf, gehört aber zu einer bisher unbekannten Linie innerhalb dieser Gruppe. Besonders auffällig ist die ungleichmäßige Verteilung des Zahnschmelzes sowie eine spezielle Verdickung im Inneren. Der Fund zeigt, dass die Langhalsdinosaurier dieser Region vielfältiger waren als bisher angenommen und hilft, die Entwicklung ihrer Zähne besser zu verstehen.
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Xiangyunloong fengming |
Neuer Langhals-Dinosaurier aus China entdeckt
Hu et al. beschreiben mit Xiangyunloong fengming einen neuen frühen Verwandten der Sauropoden aus der Fengjiahe Formation in Südwestchina. Die Knochen zeigen mehrere ungewöhnliche Merkmale, etwa verbreiterte Dornfortsätze im Hals und besondere Strukturen an den Rückenwirbeln und am Becken. Stammesgeschichtlich steht das Tier zwischen frühen Sauropodenverwandten und weiter entwickelten Formen, was es zu einem wichtigen Bindeglied in der Evolution dieser Gruppe macht. Der Fund stammt aus einer Region, in der solche Dinosaurier bislang selten waren. Damit erweitert er das Bild der Vielfalt und Verbreitung früher Langhalsdinosaurier im Jura erheblich und liefert neue Hinweise auf ihre Entwicklung.
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Frühe Titanosaurier lebten mit Brachiosauriern zusammen
Yoshida, Carpenter & Kobayashi zeigen Funde aus der Cedar Mountain Formation in Utah, dass verschiedene Langhalsdinosaurier bereits früh gemeinsam in Nordamerika lebten. In einem Knochenlager wurden mehrere Individuen entdeckt, darunter Vertreter früher Titanosaurier-Verwandter sowie Brachiosaurier. Besonders bemerkenswert ist, dass Tiere unterschiedlichen Alters zusammen vorkamen, obwohl sie ähnlich groß waren. Das deutet auf unterschiedliche Wachstumsstrategien hin. Der Fund stellt den bislang ältesten Nachweis dieser Titanosaurier-Verwandten in Nordamerika dar. Gleichzeitig zeigt er, dass mehrere große Pflanzenfresser denselben Lebensraum teilten und sich vermutlich ökologisch voneinander unterschieden.
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Sinne und Verhalten von Muttaburrasaurus neu untersucht
Herne et al. zeigen neue CT-Analysen des Schädels von Muttaburrasaurus langdoni, dass dieser australische Pflanzenfresser deutlich komplexere Sinnesfähigkeiten besaß als bisher angenommen. Der nun erstmals vollständig bekannte Vorderkiefer trägt Zähne, die beim gezielten Abbeißen von Nahrung halfen. Auffällig sind große Riechkolben, die auf einen sehr guten Geruchssinn hindeuten, sowie spezielle Nasenräume, die möglicherweise auch der Kommunikation dienten. Die Augen waren so ausgerichtet, dass sowohl Rundumsicht als auch räumliches Sehen möglich waren. Zudem konnte das Tier vermutlich tiefe Töne wahrnehmen. Insgesamt ergibt sich das Bild eines anpassungsfähigen Pflanzenfressers, der aktiv nach Nahrung suchte und sozial lebte.
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Zähne liefern neue Einblicke in Sauropoden-Ernährung
Saleiro et al. zeigen anhand einer großen Datensammlung von 119 Sauropodenzähnen, wie sich die Ernährung dieser riesigen Pflanzenfresser genauer untersuchen lässt. Mithilfe feiner Abnutzungsspuren auf den Zahnoberflächen konnten fast tausend Messwerte gewonnen werden, die Hinweise auf unterschiedliche Fressweisen geben. Die Ergebnisse bestätigen, dass solche Spuren zuverlässig sind und nicht durch Fossilisation verfälscht wurden. Dadurch lassen sich verschiedene Sauropodengruppen besser vergleichen und mögliche Unterschiede in ihrer Nahrung erkennen. Die Studie schafft damit eine wichtige Grundlage, um zu verstehen, wie mehrere große Pflanzenfresser gleichzeitig in denselben Lebensräumen existieren konnten, ohne sich vollständig gegenseitig zu verdrängen.
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Neuer Räuber aus Zahnfund in China erkannt
Li et al. zeigen ein einzelner Zahn aus der Lianmuqin Formation in Nordwestchina, dass dort vor etwa 113 Ma ein bislang unbekannter mittelgroßer Theropode lebte. Der etwa drei Zentimeter hohe Zahn besitzt typische scharfe Schneidkanten und feine Zähnchen, wie sie für fleischfressende Dinosaurier charakteristisch sind. Vergleiche mit bekannten Arten aus der Region zeigen jedoch, dass er zu keiner bisher beschriebenen Form passt. Stammesgeschichtlich gehört das Tier zu den Tetanuren, einer großen Gruppe von Raubdinosauriern. Der Fund deutet darauf hin, dass es in diesem Ökosystem neben großen Jägern auch mittelgroße Räuber gab, die eine eigene ökologische Rolle einnahmen.
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Ältester Turiasaurier-Fund aus Indien entdeckt
Gosh et al. zeigen ein einzelner Zahn aus dem Jaisalmer Becken in Indien, dass Turiasaurier dort bereits im Mitteljura lebten. Der Zahn besitzt die typische herzförmige Gestalt dieser großen Langhalsdinosaurier und gehört wahrscheinlich zu einem Oberkieferzahn. Obwohl ähnliche Funde aus der Region bekannt sind, ist dieses Exemplar der bislang älteste Nachweis dieser Gruppe auf dem indischen Subkontinent. Damit fällt er zeitlich mit den frühesten Turiasauriern in anderen Teilen der Welt zusammen. Der Fund liefert wichtige Hinweise darauf, wie sich diese riesigen Pflanzenfresser im Jura weltweit verbreiteten und zeigt, dass ihre Geschichte früher begann als bisher angenommen.
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Panzerdinosaurier-Schädel per CT neu entschlüsselt
Livius et al. zeigen neue CT-Untersuchungen des Schädels von Panoplosaurus mirus, dass dieser Panzerdinosaurier komplexer gebaut war als bisher gedacht. Durch die Scans konnten erstmals verborgene Bereiche wie Gaumen, Gehirnraum und Nasenhöhlen detailliert untersucht werden. Besonders auffällig sind stark gewundene Nasengänge und Unterschiede im Aufbau des Gehirns im Vergleich zu verwandten Arten. Auch die knöchernen Verzierungen auf dem Schädel erweisen sich als wichtig für die Unterscheidung von Arten und bestätigen die Eigenständigkeit von Panoplosaurus gegenüber ähnlichen Formen wie Edmontonia. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass es innerhalb der Art mehr Variation gab als bisher bekannt.
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Früher Langhals-Saurier zeigt Übergang zu Sauropoden
Fonseca et al. beschreiben die Wirbelsäule von Macrocollum itaquii aus der späten Trias Brasiliens und zeigen eine Mischung aus ursprünglichen und fortgeschrittenen Merkmalen. Der Dinosaurier besaß bereits einen deutlich verlängerten Hals, gleichzeitig aber noch eine geringere Anzahl an Hals und Kreuzbeinwirbeln als spätere Formen. Diese Kombination macht ihn zu einem wichtigen Übergangsstadium in der Entwicklung der großen Sauropoden. Besonders gut erhaltene Skelette erlauben zudem seltene Einblicke in Bauchrippen, die bei frühen Verwandten nur selten bekannt sind. Der Fund zeigt, dass sich die typischen Eigenschaften der späteren Langhalsdinosaurier schrittweise entwickelten und bereits früher einsetzten als lange angenommen.
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März
Gongshuilong fanwei
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Erster Hadrosaurier aus Südchina entdeckt
Yao et al. beschreiben mit Gongshuilong fanwei einen neuen Entenschnabeldinosaurier aus der Lianhe Formation in Südchina. Die Knochen zeigen eine einzigartige Kombination von Merkmalen, etwa besondere Zahnformen und verlängerte Dornfortsätze im Schwanz. Stammesgeschichtlich gehört das Tier zu einer frühen Gruppe der Saurolophinen und steht nahe bei Formen wie Maiasaura. Besonders bedeutend ist der Fund, weil er der erste eindeutig nachgewiesene Hadrosaurier aus Südchina ist. Zudem ist er erst der zweite Vertreter dieser Gruppe in Asien. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich wichtige Linien der Entenschnabeldinosaurier möglicherweise ursprünglich in Asien entwickelten, bevor sie sich weiter verbreiteten.
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Dinosaurier konnten Meere überqueren!
Pantelides et al. zeigen mithilfe eines neuen Energiemodells, dass große Dinosaurier möglicherweise weite Strecken durch das Meer schwimmen konnten. Für Hadrosaurier wie Lambeosaurus und Langhalsdinosaurier wie Rapetosaurus wurden Schwimmgeschwindigkeit und Energieverbrauch berechnet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Distanzen von mehreren hundert Kilometern unter günstigen Bedingungen machbar waren. Besonders bei niedrigem Meeresspiegel und mit Inseln als Zwischenstationen könnten solche Wanderungen erfolgt sein. Hadrosaurier schnitten dabei etwas besser ab als Sauropoden. Damit wird die Idee gestützt, dass Dinosaurier zwischen Afrika und Europa nicht nur über Landbrücken, sondern auch schwimmend neue Lebensräume erreichen konnten.
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Rätselhafter Alvarezsaurier neu eingeordnet
Meso et al. zeigen neue 3D-Untersuchungen, dass Bonapartenykus ultimus deutlich eigenständiger war als bisher angenommen. Trotz der wenigen bekannten Knochen konnten mehrere einzigartige Merkmale erkannt werden, die seine Stellung innerhalb der Alvarezsaurier klären. Demnach gehört er zu einer südlichen Gruppe, die sich klar von ihren nördlichen Verwandten unterscheidet. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass sich die Tiere auf verschiedenen Kontinenten unter unterschiedlichen Umweltbedingungen entwickelten. Während nördliche Formen andere Körperbaupläne ausbildeten, folgten südliche Arten wie Bonapartenykus einer eigenen Entwicklungslinie. Der Fund zeigt, wie vielfältig und spezialisiert diese kleinen Raubdinosaurier tatsächlich waren.
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Cryptarcus russelli
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Horndinosaurier aus Kanada als neue Art erkannt
Holmes et al. zeigen nach neuen Analysen eines bekannten Schädels aus der Dinosaur Park Formation, dass dieser nicht zu Chasmosaurus gehört. Stattdessen wird für das Tier die neue Gattung Cryptarcus russelli aufgestellt. Der Schädel besitzt eine Mischung aus Merkmalen, die sowohl an Chasmosaurus als auch an südlichere Formen wie Pentaceratops erinnern, passt aber zu keiner bekannten Gattung. Stammesgeschichtliche Auswertungen liefern widersprüchliche Ergebnisse, was seine genaue Verwandtschaft angeht. Möglich ist, dass es sich um einen Einwanderer aus südlichen Regionen handelt oder um eine eigenständige Entwicklungslinie. Die Studie zeigt, wie komplex die Evolution der Horndinosaurier war und dass noch immer neue Formen erkannt werden.
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Oviraptoren brüteten anders als moderne Vögel
Su et al. erstellten Simulationen zur Brutpflege von Heyuannia huangi und Nemegtomaia barsboldi. Diese zeigen, dass diese Dinosaurier ihre Eier nicht wie heutige Vögel vollständig durch Körperwärme ausbrüteten. Modelle von Nestern und Wärmeverteilung zeigen, dass die Tiere nur einen Teil der Eier direkt bedecken konnten. Dadurch entstanden Temperaturunterschiede zwischen inneren und äußeren Eiern. Wahrscheinlich nutzten die Tiere zusätzlich Umweltwärme, während sie selbst vor allem für stabile Bedingungen sorgten. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die Jungen nicht gleichzeitig schlüpften. Damit unterscheiden sich diese Brutstrategien deutlich von denen moderner Vögel und zeigen eine eigene Entwicklungsstufe im Übergang zum Vogelverhalten.
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Abelisaurier bissen sich beim Fressen selbst
Boschetto et al. zeigen Zahnfunde aus Südfrankreich, dass ein Abelisaurier beim Fressen offenbar in den Zahn eines Artgenossen biss. Auf einem gezähnten Zahn aus der Kreidezeit finden sich deutliche Bissspuren mit parallelen Rillen, die genau zu den Zähnen derselben Gruppe passen. Die Lage der Spuren spricht gegen Kämpfe zwischen Tieren und deutet stattdessen auf das Zerlegen eines Kadavers hin. In der Fundstelle wurden zahlreiche einzelne Zähne, aber nur wenige Knochen entdeckt, was ebenfalls für intensives Fressen spricht. Solche Spuren sind selten und liefern direkte Hinweise darauf, wie große Raubdinosaurier ihre Beute nutzten und dabei sogar die Zähne anderer Individuen trafen.
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Sauropoden nutzten feste Wanderwege in der Kreide
Mainbayar et al. zeigen neue Fährten aus der Shinekhudag Formation in der Mongolei, dass große Sauropoden offenbar wiederholt dieselben Wege nutzten. Auf einer einzigen Schicht liegen zahlreiche parallele Spuren von Pflanzenfressern und großen Theropoden übereinander. Die Sauropodenabdrücke verbinden ursprüngliche und weiterentwickelte Merkmale und stammen wahrscheinlich von frühen Titanosauriern. Besonders auffällig ist die hohe Dichte der Spuren, die auf eine Art „Verkehrsroute“ hindeutet. Die parallelen Fährten lassen vermuten, dass die Tiere gezielt günstige Wege wählten, um Energie zu sparen – ähnlich wie heutige Elefanten. Gleichzeitig belegen die Theropodenspuren, dass große Räuber diese Landschaft mit ihnen teilten.
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Zwei Langhals-Dinosaurier in Sibirien nachgewiesen
Averianov et al. zeigen Knochenfunde aus der Shestakovo 3 Fundstelle in Russland, dass dort mindestens zwei verschiedene Sauropoden lebten. Ein Schienbeinknochen stammt von einem etwa 16 Meter langen Tier und gehört zu den Euhelopodiden. Die feine Knochenstruktur belegt, dass es sich um ein ausgewachsenes Individuum handelte. Zusätzlich wurden Schwanzwirbel gefunden, die zu einem anderen Langhalsdinosaurier aus der Gruppe der Titanosaurier gehören. Damit ist erstmals eindeutig nachgewiesen, dass mehrere große Pflanzenfresser gleichzeitig in dieser Region existierten. Der Fund erweitert das Wissen über die Verbreitung und Vielfalt von Sauropoden im frühen Abschnitt der Kreidezeit deutlich.
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Neues Raubdinosaurier-Ei aus China entdeckt
Wang et al. beschreiben ein kleines, birnenförmiges Ei aus der Quantou Formation im Nordosten Chinas und ordnen es einer neuen Eigruppe zu. Das Ei von Jilinoolithus lamellotestus zeigt eine dünne Schale mit drei Schichten und feine, unverzweigte Porenkanäle, wie sie für Maniraptoren typisch sind. Solche Dinosaurier stehen den Vögeln nahe. Der Fund ist der erste sichere Nachweis eines solchen Eies in dieser Region und erweitert das Bild der dortigen Dinosaurierwelt erheblich. Er zeigt, dass auch kleinere, vogelähnliche Raubdinosaurier Teil des Ökosystems waren und sich dort fortpflanzten, was bisher nicht direkt belegt war.
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Einzelne Zähne reichen für Ernährungsanalysen bei Sauropoden schon aus
Kubo et al. zeigen anhand ihrer Untersuchungen am vollständigen Schädel von Omeisaurus maoianus, dass Abnutzungsspuren auf einzelnen Zähnen zuverlässig Rückschlüsse auf die Ernährung erlauben. Entlang der Zahnreihe wurden kaum Unterschiede festgestellt, sodass isolierte Zähne weiterhin sinnvoll für Analysen genutzt werden können. Vergleiche mit anderen Langhalsdinosauriern zeigen zudem einen klaren Trend: Frühere Formen wie Yunnanosaurus besaßen glattere Zahnoberflächen, während spätere Sauropoden rauere Strukturen aufweisen. Das deutet auf eine Umstellung hin zu härterer, faserreicher Pflanzenkost im Laufe der Evolution. Die Studie bestätigt damit eine wichtige Methode und liefert neue Hinweise auf die Ernährungsentwicklung dieser riesigen Pflanzenfresser.
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Stegosaurier dominierten jurassische Küstenlandschaften Spaniens
Sánchez-Fenollosa, Cobos & Suñer zeigen neue Funde aus der Villar del Arzobispo Formation, dass Stegosaurier in Ostspanien weit verbreitet und häufig waren. Die meisten Überreste gehören zur Gruppe der Dacentrurinen, insbesondere zu Dacentrurus armatus, während andere bekannte Stegosauriergruppen fehlen. Das deutet darauf hin, dass diese Tiere bevorzugt in Küstenregionen lebten, während andere Formen eher im Inland vorkamen. Eine Neubewertung älterer Funde zeigt zudem, dass viele Exemplare bisher falsch eingeordnet waren. Insgesamt entsteht das Bild einer erstaunlich einheitlichen, aber sehr erfolgreichen Stegosaurierfauna, die diese Landschaft im späten Jura klar dominierte.
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Riesenräuber veränderten ihre Größe im Laufe der Zeit
Boisvert et al. zeigen Vergleiche verschiedener Theropodengruppen, dass sich die Körpergrößen großer Raubdinosaurier im Laufe der Erdgeschichte unterschiedlich entwickelten. Während Tyrannosaurier und möglicherweise auch Megaraptoren nach einer Warmphase der Kreidezeit größer wurden, hatten Ceratosaurier diesen Schritt bereits früher vollzogen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass in Ökosystemen mit Tyrannosauriern häufiger bestimmte Größenstufen fehlten als in älteren Systemen mit Allosauriern. Das deutet darauf hin, dass sich große Räuber ihre Lebensräume und Beute stärker untereinander aufteilten oder ihre ökologische Rolle veränderten. Insgesamt ergibt sich ein komplexes Bild davon, wie sich die Spitzenräuber der Dinosaurierzeit an wechselnde Umweltbedingungen anpassten.
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Vierbeiniger Gang bei Sauropoden entstand komplexer als gedacht
Lefebvre et al. zeigen anhand von Analysen der Oberarmknochen früher Sauropodenverwandter, dass sich der Übergang vom Zwei- zum Vierbeiner nicht einfach Schritt für Schritt entwickelte. Während die oberen Bereiche des Knochens bei verschiedenen Formen noch sehr ähnlich sind, unterscheiden sich die unteren Abschnitte deutlich bei späteren Sauropoden. Das deutet darauf hin, dass sich wichtige Anpassungen plötzlich im Bereich des Ellenbogens entwickelten, während andere Teile langsamer folgten. Insgesamt zeigt sich, dass die Vorderbeine nicht einheitlich, sondern in einzelnen Abschnitten unterschiedlich evolvierten. Das stellt die bisherige Vorstellung infrage, dass große frühe Verwandte der Sauropoden bereits problemlos vierbeinig liefen.
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Doolysaurus huhmini
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Erster Schädelfund eines Dinosauriers aus Korea
Jung et al. beschreiben mit Doolysaurus huhmini einen neuen kleinen Pflanzenfresser aus der Ilseongsan Formation der Kreidezeit. Das teilweise erhaltene Skelett enthält erstmals auch Schädelknochen eines Dinosauriers aus Korea. Das Tier war noch sehr jung, vermutlich höchstens zwei Jahre alt. Im Bauchbereich gefundene Magensteine deuten darauf hin, dass es nicht nur Pflanzen fraß, sondern möglicherweise auch andere Nahrung aufnahm. Stammesgeschichtlich gehört Doolysaurus zu den frühen Verwandten der Thescelosaurier. Der Fund ist besonders wichtig, weil in Korea bisher fast nur Fußspuren und Eier bekannt waren. Er zeigt, dass die Dinosaurierwelt dort vielfältiger war, als es die bisherigen Funde vermuten ließen.
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Hier geht es nach der langen Pause von Ende März bis Mitte April weiter!
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Riesige Tyrannosaurier lebten schon lange vor Tyrannosaurus rex in Nordamerika
Longrich et al. beschreiben einen außergewöhnlich großen Schienbeinknochen eines Tyrannosauriers aus der Kirtland Formation in New Mexico, der etwa 74 Millionen Jahre alt ist. Der Knochen ist fast einen Meter lang und erreicht rund vier Fünftel der Größe der größten bekannten Tyrannosaurus Exemplare. Das deutet auf ein Tier mit einer Masse von etwa fünf Tonnen hin, größer als andere Tyrannosaurier seiner Zeit. Die Form des Knochens passt am besten zu den Tyrannosaurinen, einer Gruppe besonders großer Arten aus der direkten Verwandtschaft von T. rex. Der Fund zeigt, dass riesige Tyrannosaurier bereits Millionen Jahre vor Tyrannosaurus im Süden Nordamerikas existierten, während im Norden kleinere Verwandte lebten. Dies wirft zusätzliches Gewicht in die Waagschale der These, dass die Vorfahren des T. rex ursprünglich aus Nordamerika und nicht aus Asien stammten.
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Junge Maiasaura fraßen anders als Erwachsene
Hunter & Janis zeigen Zahnabnutzungsspuren bei Maiasaura peeblesorum, dass Jungtiere eine andere Nahrung hatten als ausgewachsene Tiere. Die Analyse der Kauflächen zeigt deutlich mehr Quetschspuren bei jungen Dinosauriern, während erwachsene Tiere überwiegend Scherspuren besitzen. Solche Muster lassen sich auch bei heutigen Pflanzenfressern beobachten. Quetschspuren entstehen eher beim Zerdrücken weicher, nährstoffreicher Nahrung wie Früchten oder Samen, während Scherspuren typisch für das Zerschneiden faserreicher Blätter sind. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass junge Maiasaura energiereichere Nahrung erhielten. Zusammen mit früheren Hinweisen auf Brutpflege spricht das dafür, dass erwachsene Tiere ihren Nachwuchs gezielt mit hochwertiger Nahrung versorgten.
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Zahnspuren verraten Ernährung großer Raubdinosaurier
Morrison et al. testen mithilfe mikroskopischer Abnutzungsspuren auf Zähnen eine Methode, um die Ernährung großer Theropoden zu rekonstruieren. Diese winzigen Kratzer und Vertiefungen auf der Zahnoberfläche entstehen beim Fressen und geben Hinweise auf unterschiedliche Beutearten geben. Die Studie zeigt auch, dass die Position eines Zahns im Kiefer das Muster der Abnutzung beeinflusst. Deshalb müssen Vergleiche sorgfältig ausgewählt werden, etwa innerhalb desselben Knochens oder derselben Zahnseite. Die Analyse zeigt, dass Theropoden unterschiedliche Beutearten und Ernährungsstrategien hatten. Irritator weist sehr glatte und homogene Abnutzung mit feinen Kratzern auf, was gut zu einer fischreichen Ernährung passt. Tyrannosaurus zeigt dagegen stark variierende Oberflächen mit deutlicheren Höhen und Vertiefungen, was zu einer Ernährung mit großen, robusten Beutetieren passt. Allosaurus zeigt eine moderat heterogene Abnutzung, was mit einer Jagd auf große Landwirbeltiere, möglicherweise auch juvenile Sauropoden, vereinbar ist. Ceratosaurus besitzt relativ gleichmäßige Abnutzung und wird als Generalist interpretiert, der vermutlich Fische, aquatische Tetrapoden und kleinere Dinosaurier fraß.
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Kryptohadros kallaiae
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Neuer Entenschnabel-Dinosaurier aus Rumäniens Inselwelt
Magyar et al. beschreiben einen neuen Hadrosauroiden aus der Oberkreide der Hațeg-Region in Rumänien. Das Tier trägt nun den Namen Kryptohadros kallaiae und wurde in der Densuș Ciula Formation entdeckt, wo ein teilweise erhaltenes Skelett mit Schädel- und Körperknochen geborgen wurde. Die Analyse zeigt, dass dieser Dinosaurier enger mit Telmatosaurus und Tethyshadros verwandt ist als mit den späteren echten Hadrosauriern. Zusammen bilden sie eine kleine, bislang kaum erkannte Gruppe europäischer Entenschnabel-Verwandter, die nun den neuen Familiennamen Telmatosauridae trägt. Der Fund zeigt, dass diese Tiere auf den Inseln des damaligen europäischen Archipels vielfältiger waren als bisher angenommen. Gleichzeitig liefern die Ergebnisse neue Hinweise auf mehrere Wanderungswellen von Dinosauriern aus Asien nach Europa und Nordamerika.
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Sauropoden-Gehirn verrät besondere Hörfähigkeiten
Garderes, Lerzo & Knoll analysieren die innere Schädelstruktur des Sauropoden Sidersaura marae, eines Vertreters der Rebbachisauriden. Mithilfe digitaler Rekonstruktionen konnten große Teile des Gehirnabdrucks sichtbar gemacht werden, darunter mehrere Hirnnerven, Blutgefäße und beide Innenohren. Dabei zeigt sich, dass sich das Gehirngehäuse deutlich von anderen bekannten Rebbachisauriden unterscheidet, etwa durch eine ungewöhnliche Ausdehnung im vorderen Schädelbereich. Bestimmte Blutgefäße und Nervenverläufe könnten typische Merkmale dieser Sauropodengruppe sein. Besonders interessant ist die Form des Innenohrs: Sie deutet darauf hin, dass Rebbachisauriden im Verhältnis zu ihrer Körpergröße andere Hörfähigkeiten besaßen als viele andere Sauropoden. Das könnte auf spezielle ökologische Anpassungen oder eine wichtige Rolle von Lautkommunikation hinweisen.
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Februar
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T. rex lief doch vogelähnlicher als gedacht
Boeye et al. zeigen anhand neuer Berechnungen, wie sich der Fuß von Tyrannosaurus rex beim Laufen verhielt. Mit drei Größenformeln und statistischen Tests rekonstruieren sie Schrittfrequenz und Schrittlänge, mit klarem Ergebnis: Der berühmte Räuber bewegte sich wie ein großer Laufvogel. Seine Schritte waren vergleichsweise kurz, dafür setzte er sie schneller hintereinander. Dieses Muster erinnert stark an den heutigen Strauß. Die berechneten Höchstgeschwindigkeiten liegen im Bereich von etwa 18 bis 40 Kilometern pro Stunde und stützen damit vorherige Daten. Somit steht relativ klar fest, dass erwachsene Tyrannosaurier keine extremen Sprinter, sondern eher ausdauernde, kraftvolle Läufer waren – ganz im Gegensatz zu den Jungtieren! Dieser Sachverhalt wird auch im Roman Die Weißen Steine so dargestellt.
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„Europäische“ Stegosaurier lebten auch in Nordamerika
Costa et al. weisen weitere Funde aus der Morrison Formation in Wyoming und Utah der Untergruppe Dacentrurinae zu und stärken damit die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika im Oberjura. Nach neuer Bewertung gehört das Tier, das einst als „Alcovasaurus“ bekannt war, zur Gattung Miragaia und ist enger mit dem portugiesischen Miragaia longicollum verwandt als mit Stegosaurus. Zusätzlich identifizieren die Autoren mehrere weitere Knochenfunde, darunter Halsplatten, Wirbel und Schwanzstacheln, die ebenfalls zu Miragaia passen. Damit waren diese langhalsigen Stegosaurier offenbar fester Bestandteil der nordamerikanischen Ökosysteme und nicht nur seltene Irrgäste. Die Ergebnisse sprechen für einen intensiven Faunenaustausch zwischen Europa und Nordamerika.
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Junger Titanosaurier aus Indien erstmals untersucht
Pal & Deshmukh beschreiben neue Knochenfunde von Titanosauriern aus Indien und liefern erstmals detaillierte Einblicke in das Wachstum dieser riesigen Dinosaurier. Untersucht wurden ein Speichenknochen und ein Ellenbogenknochen, deren Form wichtige Hinweise auf die Verwandtschaft innerhalb der Sauropoden gibt. Die Analyse zeigt verschiedene Bauformen dieser Gelenkflächen, die sich unabhängig voneinander in unterschiedlichen Gruppen entwickelt haben. Besonders bedeutend ist der Nachweis, dass einer der Knochen zu einem Jungtier gehört. Damit liegt erstmals eine mikroskopische Untersuchung eines jungen Titanosauriers aus Indien vor. Der Fund hilft, sowohl die Entwicklung als auch die Vielfalt dieser letzten großen Langhalsdinosaurier besser zu verstehen.
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Rätselhafte Alvarezsaurier neu eingeordnet
Makovicky et al. beschreiben ein außergewöhnlich vollständiges Skelett von Alnashetri cerropoliciensis, dem bislang kleinsten und am besten erhaltenen Vertreter dieser Gruppe aus Südamerika. Alvarezsaurier waren meist kleine Theropoden mit stark verkürzten, grabenden Vorderarmen und vermutlich auf Ameisen oder Eier spezialisierter Ernährung. Neue Verwandtschaftsanalysen zeigen nun, dass südamerikanische Arten nicht eine einzige Entwicklungslinie bilden, sondern unabhängig voneinander entstanden. Statt einer schrittweisen Verkleinerung im Zuge der Spezialisierung deuten die Daten darauf hin, dass sich ihre Körpergröße mehrfach in einem engen Rahmen bewegte. Zudem sprechen die Ergebnisse für eine ursprünglich weltweite Verbreitung auf dem Urkontinent Pangäa, bevor die Kontinente auseinanderdrifteten.
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Kopfbewegung bei Sauropoden neu rekonstruiert
Garderes et al. rekonstruieren erstmals detailliert die Kopf- und Kiefermuskulatur von Bajadasaurus pronuspinax, einem Vertreter der eher seltenen Dicraeosaurier. Anhand gut erhaltener Schädelknochen leiten sie ab, wie Kiefermuskeln, Augenmuskeln und die Verbindung zwischen Kopf und Hals angeordnet waren. Dabei zeigt sich eine ungewöhnliche Führung der Schläfenmuskeln, möglicherweise gestützt durch Knorpel. Hinweise auf bewegliche Schädelanteile deuten darauf hin, dass dieser Langhalssaurier seinen Oberkiefer leicht nach vorn bewegen konnte, um Pflanzen effektiver abzureißen. Auch die Augenmuskeln erinnern stark an die Anordnung bei Vögeln. Insgesamt sprechen die Befunde für eine überraschend komplexe Kopfmechanik innerhalb der Sauropoden.
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Theropoden konnten schon in der Trias wie moderne Vögel springen
Charles, Polet & Hutchinson analysieren mithilfe von Computersimulationen die Sprungkraft des frühen Theropoden Coelophysis bauri aus der späten Trias und vergleichen sie mit einem heutigen Laufvogel, Eudromia elegans. Trotz ähnlicher Hinterbeine erreichten beide eine vergleichbare Sprunghöhe. Doch der Weg dorthin unterschied sich: Beim Dinosaurier spielte der Schwanz eine entscheidende Rolle. Schon kleine Veränderungen im Bewegungsradius des Schwanzansatzes beeinflussten die Sprungleistung stark. Ein schwererer, beweglicher Schwanz konnte den Absprung sogar deutlich verbessern. Die Ergebnisse zeigen, wie Körperform, Gewicht und Gelenkbeweglichkeit die Entwicklung kraftvoller Bewegungen bei frühen zweibeinigen Archosauriern geprägt haben.
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Baby-Pachycephalosaurier in Kanada entdeckt
Moore et al. beschreiben das bislang ontogenetisch jüngste bekannte Skelett eines Pachycephalosauriers aus der kanadischen Frenchman Formation in Saskatchewan. Das Tier war bei seinem Tod vermutlich weniger als ein Jahr alt und nur rund 90 Zentimeter lang. Trotz seiner geringen Größe zeigt das Skelett typische Merkmale dieser Gruppe, etwa besondere Verzahnungen an den Wirbeln und ein stark verkleinertes Schambein. Dünnschliffe der Beinknochen belegen ein noch unreifes Knochengewebe ohne jährliche Wachstumsringe. Stammesgeschichtlich gehört das Tier wahrscheinlich zu den Pachycephalosauriern der Untergruppe Pachycephalosaurinae, möglicherweise in Nähe von Prenocephale. Auffällig sind die im Verhältnis langen Hinterbeine, was darauf hindeutet, dass sich die Körperproportionen im Laufe des Wachstums deutlich veränderten.
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Tyrannosaurus-Zahn im Edmontosaurus-Schnabel beweist Jagdverhalten
Wyenberg-Henzler & Scannella zeigen Funde aus der Hell Creek Formation und weisen nach, dass hier ein Tyrannosaurus einem erwachsenen Edmontosaurus direkt ins Gesicht biss. In einem fast vollständigen Schädel steckt noch die Spitze eines abgebrochenen Zahns im Nasenbein. Form, Krümmung und feine Zähnchen weisen klar auf einen mittelgroßen bis großen Tyrannosaurier hin. Die Computertomografie zeigt, wie tief der Zahn eindrang. Da keine Heilungsspuren am Knochen zu sehen sind, starb das Tier wohl kurz nach dem Biss. Alles spricht dafür, dass der Räuber von vorn zupackte, um das Beutetier zu kontrollieren und zum tödlichen Biss anzusetzen. Dies ist ein seltener, direkter Beleg für das Jagdverhalten der Tyrannosaurier.
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Vulkane veränderten Dinosauriernester auf Wi Island
Kim et al. untersuchen Dinosauriereier aus der Iren Dabasu Formation auf Wi Island in Südkorea und zeigen, wie stark vulkanische Prozesse die Überlieferung von Nestern beeinflussen können. Die Eier von Propagoolithus widoensis wurden teils durch Hitzeeinwirkung nahe eines Basaltgangs verändert, teils durch aufsteigendes Schlammgestein verlagert. Entscheidend ist: Die Verhärtung des Gesteins entstand erst nach dem Nestbau. Dinosaurier gruben also nicht in bereits verfestigtes, hartes Gestein. Stattdessen überprägten Lava, Asche und aufreißende Gesteinsspalten die Nester später. Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie Vulkane jede Phase vom Nestbau bis zur Fossilbildung beeinflussen konnten.
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Sauropoden stapften durch nasse Wüstendünen
Nascimento et al. belegen neue Fährten aus der Três Barras Formation in Brasilien, dass große Sauropoden sogar durch feuchte Wüstendünen zogen. Die Spuren liegen in ehemaligen Sanddünen, die zeitweise stark durchnässt waren. Die Füße sanken tief ein, verformten mehrere Sandschichten und hinterließen typische Unterspuren und eingestürzte Ränder. Solche Strukturen zeigen, dass der Boden sehr weich war und sich beim Herausziehen des Fußes sofort wieder mit Sand füllte. Offenbar nutzten die Tiere kurze Phasen mit hohem Grundwasserstand, um durch diese Landschaft zu wandern. Das deutet darauf hin, dass der Zugang zu Süßwasser entscheidend für ihr Verhalten war, vielleicht besonders in wüstenartigen Regionen.
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Spinosaurus mirabilis |
Neuer Spinosaurier mit säbelförmigem Schädelkamm
Sereno et al. beschreiben eine neue Art von Spinosaurus, dem berühmten segeltragenden Fischjäger aus Nordafrika. Spinosaurus mirabilis stammt aus der zentralen Sahara im Niger und lebte offenbar in Flusslandschaften gemeinsam mit langhalsigen Pflanzenfressern. Auffällig ist ein säbelförmiger Knochenkamm, der weit über das Schädeldach hinausragte. Die Studie unterscheidet drei Entwicklungsphasen der Spinosaurier: Zunächst entstand im Jura ein langgestreckter, fischfangender Schädel. In der frühen Kreide wurden sie zu führenden Räubern rund um das Tethysmeer. In der späten Unterkreide erreichten sie schließlich ihre größte Körpergröße und spezialisierten sich als gewaltige Lauerjäger in flachen Gewässern Nordafrikas und Südamerikas.
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„Dickschädel“ begrenzte Kaumuskulatur bei Pachycephalosauriern
Bateman & Larsson analysieren die Schädelmuskulatur von Stegoceras validum im Vergleich zu anderen vogelbecken Dinosauriern und kommen zu überraschenden Ergebnissen. Die Rekonstruktion der Kaumuskeln und die Einschätzung der Beißleistung zeigen, dass Stegoceras im Fressverhalten viel eher mit frühen Ornithischiern und Ornithopoden vergleichbar war als mit anderen Marginocephaliern wie Psittacosaurus lujiatunensis. Die Autoren deuten dies so, dass die markante, kuppelförmige Schädelstruktur der Pachycephalosaurier die Entwicklung ihrer Kiefermuskulatur begrenzte. Dadurch waren ihre Fressmöglichkeiten weniger vielfältig als bei anderen gleichgroßen Pflanzenfressern, und der Aufbau der Schädelkuppel beeinflusste offenbar ihre Ernährungsweise stärker als bislang gedacht. Möglicherweise entwickelten sich einige Formen aus diesem Grund auch zu Omnivoren.
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Setzte Barosaurus seinen Schwanz als Peitsche ein?
van der Linden et al. zeigen durch neue CT-Untersuchungen an einem außergewöhnlich gut erhaltenen Exemplar von Barosaurus aus der Morrison Formation, dass die dünne Schwanzspitze der Flagellicaudaten („Peitschenschänze“) verletzungsanfällig war. Die letzten Schwanzwirbel dieser langschwänzigen Sauropoden bestehen aus stabförmigen Elementen, ohne die sonst typischen Neuralbögen. Am vorletzten Wirbel wurde ein quer verlaufender Bruch festgestellt, der zur Bildung eines deutlichen Kallus führte. Die Heilung war offenbar noch nicht abgeschlossen. Der letzte Wirbel der Serie konnte eindeutig als Endelement identifiziert werden, da ihm eine hintere Gelenkfläche fehlt. Ob der Knochenbruch aber wirklich beim Kampf entstand, kann nicht eindeutig belegt werden. Es bleibt jedoch im Bereich des Möglichen.
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Bactrosaurus bildete Jugend-Gangs
Ma et al. analysieren die Verteilung von Knochen in einer Fundstelle der oberkreidezeitlichen Iren Dabasu Formation und stellen fest, dass das Skelettmaterial von Bactrosaurus johnsoni überwiegend aus Nestlingen und Jungtieren besteht. Diese Altersverteilung spricht dafür, dass junge Tiere zeitweise von älteren getrennt lebten, was auf ein segregiertes Sozialverhalten und Herdenbildung hindeutet. Gleichzeitig deuten die Befunde auf ein „attritional mortality pattern“ hin, also ein allmähliches Anhäufen von Todesfällen über längere Zeit statt eines einmaligen Massensterbens. Insgesamt liefert die Studie wichtige Einblicke in die Lebensweise und Todesursachen dieser frühen Entenschnabeldinosaurier.
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Triassische Dinosaurier kamen trotz Trockenheit in den Norden Laurasias
Pawlak et al. zeigen anhand von fossilen Überdauerungshöhlen (Aestivationsbauen) von Lungenfischen in der Ørsted Dal Formation, dass während der Trias in Ostgrönland ein saisonal trockenes Klima herrschte. Die vertikalen Baue belegen wiederkehrende Austrocknungsphasen von Gewässern. Trotz dieser ariden Bedingungen lebten dort Theropoden und Sauropodomorphen. Aridität stellte somit offenbar keine grundlegende Barriere für ihre Ausbreitung in Nordpangea dar. Die Studie relativiert damit die Annahme, dass klimatische Trockenräume die frühe Dinosaurierverbreitung wesentlich eingeschränkt hätten.
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Liefen Iguanodontier zwei- oder vierbeinig?
Gônet, Allain & Houssaye analysieren die Gliedmaßen von Iguanodon bernissartensis, Ouranosaurus nigeriensis und Lurdusaurus arenatus, um ihre Fortbewegung neu zu bewerten. Lange galten diese großen Pflanzenfresser als zumindest zeitweise zweibeinig. Es wurde angenommen, dass sie üblicherweise auf allen vieren liefen, sich aber beim schnellen Lauf zweibeinig fortbewegten. Der Vergleich von Arm und Beinknochen mit eindeutig zwei oder vierbeinig laufenden Dinosauriern zeigt jedoch ein klares Bild: Iguanodon und Ouranosaurus waren sehr wahrscheinlich dauerhafte Vierbeiner und konnten gar nicht zweibeinig laufen. Lurdusaurus ging sogar noch extremer: Seine kräftigen Ober und Oberschenkelknochen sowie der sehr kurze Mittelfuß deuten auf ein schwerfälliges, säulenartiges Laufen hin und ließen gar nicht zu, dass er sich auch nur temporär auf zwei Beine stellte.
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Theropoden jagten nicht am Seeufer
Drzewiecki et al. zeigen neue Sedimentanalysen der East Berlin Formation im Dinosaur State Park, dass die berühmten Eubrontes-Spuren nicht am Rand eines dauerhaften Sees entstanden. Stattdessen lag dort im frühen Jura ein episodisch wasserführendes Flachseesystem mit Sandflächen, das regelmäßig austrocknete. Über 750 dreizehige Theropodenspuren wurden auf solchen temporären Sandflächen hinterlassen. Hinweise auf einen gleichzeitig bestehenden großen Dauersee fehlen. Mikrobenmatten stabilisierten den feuchten Untergrund und verbesserten die Erhaltung der Abdrücke. Für das Verhalten der Theropoden bedeutet das: Schwimm- oder Jagdaktivitäten in tiefem Wasser sind unwahrscheinlicher, vielmehr bewegten sich die Tiere auf zeitweise trockenen oder seichten Flächen eines ariden Klimaraums.
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Troodontiden waren wohl Allesfresser
Fan, Miller & Pittman zeigen neue Auswertungen zu Troodon und anderen Vertretern der Troodontidae, dass diese kleinen bis mittelgroßen Maniraptoren vermutlich keine reinen Fleischfresser waren. Zwar besaßen sie typische Raubtiermerkmale wie eine vergrößerte, sichelförmige zweite Zehe und gebogene, teils gezähnte Zähne, doch weisen Zahnabnutzungsspuren und chemische Analysen auf eine gemischte Ernährung hin. Mageninhalte und Gewölle belegen die Aufnahme von Pflanzenmaterial ebenso wie kleiner Wirbeltiere. Besonders nordamerikanische Formen könnten sowohl Pflanzen als auch Jungtiere oder kleine Säuger gefressen haben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits frühe Vertreter der Deinonychosaurier und Paraves Omnivoren waren.
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Dasosaurus tocantinensis
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Neuer Sauropode aus Brasilien
Mayer et al. beschreiben einen neuen Sauropoden aus der frühen Kreide Brasiliens und benennen ihn Dasosaurus tocantinensis. Charakteristisch sind besondere Leisten an den Schwanzwirbeln und eine auffällige seitliche Ausbuchtung am Oberschenkelknochen. Diese Merkmale verbinden das Tier eng mit dem spanischen Garumbatitan morellensis. Die Knochenstruktur zeigt eine Mischung aus ursprünglichen und weiterentwickelten Eigenschaften, wie sie sowohl bei frühen als auch bei späteren Sauropoden vorkommen. Stammesgeschichtliche Analysen deuten darauf hin, dass die gemeinsame Linie ihren Ursprung in Europa hatte und sich später über Nordafrika nach Südamerika ausbreitete.
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Erste Dinosaurierspuren im Amazonasbecken
Barros et al. beschreiben erstmals eindeutig nachgewiesene Dinosaurierspuren aus dem kreidezeitlichen Tacutu Becken im Norden Brasiliens. In den Sandsteinen und Konglomeraten der Serra do Tucano Formation fanden sich mehrere unterschiedliche Trittsiegel von Theropoden und Ornithischiern. Mindestens vier Spurtypen werden Pflanzenfressern zugeordnet, weitere drei Fleischfressern. Besonders eine große Spur könnte auf einen größeren Dromaeosauriden hinweisen. Die Funde stammen vermutlich aus dem Barremium bis Albium und entstanden in einer überwiegend kontinentalen Riftlandschaft. Damit schließen sie eine wichtige paläobiogeographische Lücke im Amazonasraum und liefern erstmals konkrete Einblicke in das kreidezeitliche Ökosystem dieser bislang kaum erforschten Region.
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Weichteilerhaltung bei Albertosaurus
Williams et al. zeigen anhand neuer mikroskopische Untersuchungen an einem Dünnschliff eines Wadenbeins von Albertosaurus sarcophagus, dass selbst feinste Knochenstrukturen außergewöhnlich gut bewahrt sein können. Das rund 71,5 Millionen Jahre alte Fossil aus dem Canadian Museum of Nature wurde mit Rasterelektronenmikroskopie und dreidimensionaler FIB-SEM-Tomografie analysiert. Dabei ließ sich die typische 67-Nanometer-Bänderung von Kollagenfibrillen nachweisen, ein zentrales Merkmal lebenden Knochengewebes. Auch Havers-Kanäle zeigen Spuren von Mineralfüllung durch die Fossilisation. Besonders überraschend ist der Nachweis sogenannter ellipsoider Mineralkluster, die auch in modernem Knochen vorkommen. Die Ergebnisse belegen, dass selbst auf Nanoebene ursprüngliche Knochenorganisation über mehr als 70 Millionen Jahre erhalten bleiben kann.
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Triceratops besaß hochentwickelte Nasenphysiologie
Tada et al. rekonstruieren erstmals detailliert die Weichteilanatomie der Schnauze von Ceratopsiern. Sie zeigen dabei, dass die auffällig großen Nasenöffnungen weit mehr waren als bloßer Körperschmuck waren. Anhand von Schädeln von Triceratops und anderen Hornsauriern sowie moderner Bildgebung lassen sich Nervenbahnen, Blutgefäße und die Lage von Drüsen im Nasenbereich ableiten. Besonders ungewöhnlich ist die offenbar einzigartige Nervenversorgung der Nase, die mit ihrer starken Vergrößerung zusammenhängt. Zudem sprechen Knochenmerkmale dafür, dass Ceratopsier erstmals nachweisbare Nasenmuscheln besaßen, wie sie heute bei Vögeln und Säugetieren zur Wärmeregulierung dienen. Diese Struktur könnte geholfen haben, die enorme Kopfgröße thermisch besser zu kontrollieren.
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Stegosaurier lebten länger in Südamerika
Riguetti et al. beschreiben neue Stegosaurierfunde aus der Unterkreide Patagoniens und erweitern das Bild dieser gepanzerten Dinosaurier damit deutlich. Die Überreste stammen aus der Bajada Colorada Formation in Argentinien und umfassen Kreuzbeinwirbel, Rippen sowie verschiedene Knochenplatten und Stacheln. Form und Aufbau dieser Knochen zeigen klare Gemeinsamkeiten mit Stegosauriern, einer Gruppe, die auf der Südhalbkugel lange als extrem selten galt. Zusammen mit älteren Funden aus dem Jura belegen sie, dass Stegosaurier in Südamerika länger und auch deutlich vielfältiger vorkamen als bisher angenommen. Der Fundort Bajada Colorada erweist sich damit als Übergangsfauna zwischen Jura und Kreide und zeigt, dass das Fehlen der „Stachelsaurier“ wwohl nur auf Überlieferungsprobleme zurückgeht.
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Haolong dongi |
Iguanodontier besaßen stachelige Filamente!
Huang et al. beschreiben mit Haolong dongi einen neuen, hervorragend erhaltenen Iguanodontier aus der Unterkreide Nordostchinas. Dessen nahezu vollständiges Skelett zeigt einerseits außergewöhnlich gut erhaltene Haut, entlang des Schwanzes mit großen, sich überlappenden Schuppen. Hals und Rumpf waren dagegen von kleinen Knötchenschuppen bedeckt. Dazwischen befanden sich zahlreiche Hautstacheln, deren feiner Aufbau bis auf Zellebene erhalten ist. Diese Stacheln unterscheiden sich klar von Federvorformen und von Schuppen heutiger Reptilien und stellen offenbar eine eigene evolutionäre Lösung dar. Wahrscheinlich dienten sie vor allem der Abschreckung von Fressfeinden und zeigen, wie vielfältig die Hautstrukturen pflanzenfressender Dinosaurier waren.
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Riesige Sauropodenspuren aus Nordwestchina
Yang et al. beschreiben eine neu entdeckte Sauropoden-Fährtenfläche aus der Unterkreide Nordwestchinas, die bislang größte ihrer Art in dieser Region. Auf einer steil geneigten Gesteinsfläche konnten mithilfe moderner 3D-Methoden neun zusammenhängende Spurfolgen und zahlreiche Einzelabdrücke dokumentiert werden. Die Fußabdrücke stammen von mittelgroßen bis sehr großen Langhalssauriern und zeigen unterschiedliche Spurweiten sowie nach außen gedrehte Hände und Füße. Die Spuren entstanden offenbar in mehreren kurzen Zeitabschnitten auf derselben Schlammfläche. Der Fund erweitert das Wissen über Größe, Vielfalt und Verbreitung früher Sauropoden in China deutlich und schließt eine wichtige Lücke im Fossilbericht dieser Region.
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Yantaloong lini |
Frühster bekannter Turiasaurier entdeckt?
Zhang et al. beschreiben einen neuen Sauropoden aus dem Mitteljura Südchinas, der wichtige Hinweise auf die Entwicklung moderner Sauropoden liefert. Yantaloong lini ist durch mehrere Hals- und Rückenwirbel bekannt und zeigt eine ungewöhnliche Mischung aus ursprünglichen Merkmalen früher Sauropoden und weiterentwickelten Eigenschaften, wie sie sonst bei späteren Gruppen vorkommen. Besonders auffällig sind Strukturen zur Gewichtsreduktion der Wirbel und spezielle Gelenkverbindungen der Wirbelsäule. Stammesgeschichtlich ordnen die Analysen das Tier nahe bei den Turiasauriern ein, einer bislang in Ostasien unbekannten Gruppe. Der Fund schließt eine lange bestehende Lücke zwischen mamenchisauriden Sauropoden und den späteren Neosauropoden und zeigt, dass diese Entwicklung auch in Asien stattfand.
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Metriacanthosaurier durch Einzelzahn in Thailand belegt
Samathi, Suteethorn & Suteethorn beschreiben einen einzelnen Raubdinosaurierzahn aus Nordostthailand, der überraschend klare Hinweise auf seine Abstammung liefert. Der Fund stammt aus dem Übergang vom späten Jura zur frühen Kreide und zeigt mehrere typische Merkmale der Metriacanthosaurier, einer Gruppe naher Verwandter von Allosaurus. Dazu gehören ein asymmetrischer Zahnquerschnitt und charakteristische Vertiefungen an der Innenseite der Krone. Vergleichende Analysen bestätigen diese Zuordnung trotz des fragmentarischen Materials. Damit ist dies bereits der dritte Nachweis dieser Raubdinosauriergruppe in Thailand. Der Fund erweitert ihr bekanntes Verbreitungsgebiet somit nach Südostasien.
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Foskeia pelendonum |
Kleiner Ornithopode aus Spanien neu benannt
Dieudonne et al. beschreiben als Neubewertung einen winzigen pflanzenfressenden Dinosaurier aus der Unterkreide Nordspaniens. Neue Schädelreste aus der Castrillo de la Reina Formation konnten mithilfe von Computertomografie dreidimensional untersucht werden und erlauben erstmals eine klare Bestimmung. Das Tier wird nun als Foskeia pelendonum geführt und gehört wohl zu den frühen Rhabdodontomorphen, einer europäischen Linie kleiner Iguanodontier. Auffällig sind unter anderem verwachsene Oberkiefer, nach vorn gerichtete Zähne und ein hochliegendes Kiefergelenk.
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Älteste Dinosaurierspur Australiens entdeckt
Romilio & Runnegar beschreiben einen einzelnen Dinosaurierfußabdruck mit zugehöriger Schwanzspur aus der Obertrias von Queensland und liefern damit den frühesten Nachweis von Dinosauriern in Australien. Der Fund stammt aus der Aspley Formation bei Brisbane und wurde bereits in den fünfziger Jahren geborgen, aber erst jetzt wissenschaftlich ausgewertet. Form und Zehenabdrücke ähneln stark der Spurengattung Evazoum, sind jedoch deutlich größer als bisher bekannte Exemplare. Berechnungen deuten auf einen zweibeinigen Sauropodomorhen mit rund achtzig Zentimetern Hüfthöhe hin. Damit reichen Dinosaurier in Australien sicher bis ins Karnium, der ältesten Stufe der Obertrias, zurück.
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Januar
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Möglicher neuer Ornithopode in der Morrison Formation
Krumenacker et al. beschreiben drei ungewöhnliche Ornithopodenfunde aus der Morrison Formation von Wyoming, die sich deutlich von den bekannten Gattungen Dryosaurus und Camptosaurus unterscheiden. Dazu gehören ein Hirnschädel, ein Mittelfußknochen und ein gut erhaltener Schädel. Mehrere anatomische Besonderheiten, etwa eine bislang unbekannte Struktur an der Schädelbasis und ein auffällig schlanker Fußbau, sprechen dafür, dass hier auch ein bislang unerkannter Pflanzenfresser lebte. Auch der Schädel zeigt Merkmale, die nicht zu den bekannten Arten passen. Die Funde deuten somit darauf hin, dass die Vielfalt kleiner und mittelgroßer Pflanzenfresser im Morrison Becken vielleicht bislang unterschätzt wurde.
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Microraptor war ein dynamischer Gleitflieger
Hefler et al. analysieren die Gleitflugfähigkeit von Microraptor und zeigen, dass dieser kleine Raubdinosaurier aerodynamisch deutlich ausgefeilter war als lange angenommen. Mithilfe aktualisierter Flügelformen und realistischer Flugmodelle wurde untersucht, wie Vorder- und Hinterflügel im Gleitflug zusammenwirkten. Dabei traten Luftwirbel auf, wie sie auch bei heutigen Vögeln und Insekten für Auftrieb sorgen. Besonders die gespreizten Hinterbeine mit langen Federn erzeugten stabile Randwirbel, die zusätzlichen Auftrieb lieferten. Die Ergebnisse zeigen, dass frühe gefiederte Dinosaurier bereits komplexe aerodynamische Prinzipien nutzten und dass der Weg zum aktiven Fliegen über überraschend effiziente Gleitmechanismen führte.
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Junger Apatosaurier aus Utah beschrieben
Hullinger et al. beschreiben neue Apatosaurier-Funde aus dem Arches National Park in Utah und erweitern das Bild dieser bekannten Sauropodengruppe. Die Knochen gehören zu einem mittelgroßen Vertreter der Apatosaurinen, der geologisch überraschend jung ist. Damit zeigen die Funde, dass diese langhalsigen Pflanzenfresser länger existierten und vielfältiger waren als bisher angenommen. Die Kombination aus moderater Körpergröße und spätem Auftreten deutet darauf hin, dass sich Apatosaurier an unterschiedliche Umweltbedingungen anpassen konnten. Der Fund schließt eine zeitliche Lücke im Fossilbericht und hilft, die Entwicklung großer Sauropoden im späten Jura besser zu verstehen.
Diese Studie ist online leider (noch) nicht einsehbar.
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Kannibalismus bei Tyrannosauriern?
Nielsen et al. analysieren Bissspuren an einem Mittelfußknochen aus der Judith River Formation in Montana, wo mehrere Tyrannosauriden wie Gorgosaurus und Daspletosaurus im gleichen Lebensraum lebten. Die Analyse liefert neue Hinweise auf das Fressverhalten dieser großen Fleischfresser. Insgesamt sechzehn Zahnmarken auf dem Knochen lassen sich eindeutig einem hungrigen Aasfresser zuordnen: Form, Größe und Abstand der Spuren zeigen, dass sie von einem deutlich kleineren Tyrannosaurier stammen müssen, der sich entweder an einem größeren Artgenossen oder nahen Verwandten bediente. Da keinerlei Heilungsspuren vorhanden sind und die Bisse an einem wenig fleischigen Knochen sitzen, handelt es sich vermutlich um spätes Aasfressen, als der größte Teil des Kadavers schon abgefressen war. Dies spricht dafür, dass Tyrannosaurier nicht nur Jäger, sondern auch regelmäßige Aasnutzer waren.
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Barosaurus lebte auch im Norden der Morrison Formation
Woodruff et al. beschreiben erstmals einen Fund von Barosaurus lentus aus Montana und schließen damit eine lange bestehende Lücke im Fossilbericht der Morrison Formation. Ein einzelner Halswirbel aus den Pryor Mountains belegt, dass dieser langhalsige Sauropode auch im nördlichsten Verbreitungsgebiet der Formation vorkam. Damit ist dies der bislang nördlichste Nachweis der Gattung. Bisher wurde darüber gestritten, ob Barosaurus in Montana vielleicht gar nicht mehr vorkam, oder ob sein Fehlen auf einen Zufall der schlechten Überlieferung zurückzuführen ist. Der neue Fund bestätigt, dass Barosaurus ein fester Bestandteil auch der nördlichen Ökosysteme von Morrison war.
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Frühe Tyrannosaurier hatten robuste Schädeln
Johnson-Ransom et al. beschreiben die Entwicklung der Beißleistung innerhalb der Tyrannosaurier und zeigen, dass ihre enorme Schädelstabilität schon früh angelegt war. Mithilfe von Muskelrekonstruktionen und Belastungsmodellen wurden Schädel verschiedener Theropoden verglichen. Dabei zeigte sich, dass bereits frühe Tyrannosaurier relativ geringe Belastungen im Schädel aufwiesen, obwohl sie hohe Kräfte erzeugen konnten. Ursache waren robuste Schädel und knöcherne Verstärkungen, die offenbar an spätere Riesen wie Tyrannosaurus rex weitervererbt wurden. Zudem deutet der Vergleich darauf hin, dass kurze, kräftige Schnauzen Belastungen besser verteilten als lange, schmale Schädel.
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KI-Programm zur Identifikation von Dinosaurierspuren
Hartmann et al. zeigen mithilfe einer selbstlernenden künstlichen Intelligenz, dass umstrittene Dinosaurierspuren aus der späten Trias und dem frühen Jura tatsächlich vogelähnlicher sind als die meisten anderen Dinosaurierfährten. Analysiert wurden fast zweitausend Fußabdrücke, ohne dass der Algorithmus zuvor wusste, von welchem Tier sie stammen könnten. Stattdessen erkannte das System selbstständig zentrale Unterschiede in Form, Zehenstellung und Gewichtsverteilung. Besonders auffällig ist, dass die lange diskutierten „vogelförmigen“ Spuren enger mit fossilen und heutigen Vögeln verwandt erscheinen als mit anderen Theropoden. Das deutet darauf hin, dass Vögel oder sehr vogelnahe Dinosaurier deutlich früher existierten, als es ihre bislang bekannten Skelette zeigen.
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Piatnitzkysaurus neu untersucht
Pradelli et al. analysieren eine umfassende Neubeschreibung des frühen Theropoden Piatnitzkysaurus floresi aus dem Unterjura Patagoniens. Erstmals werden die zahntragenden Kieferknochen und die Wirbelsäule detailliert beschrieben und mit modernen Methoden untersucht. Computertomografien liefern neue Einblicke in die Zahnentwicklung früher Tetanuren und zeigen, wie sich ihr Gebiss von älteren Fleischfressern unterschied. Auch Merkmale der Schädelbasis wurden neu interpretiert und die Artbeschreibung präzisiert. Die Ergebnisse machen Piatnitzkysaurus zu einem wichtigen Bindeglied für das Verständnis der frühen Evolution der Tetanuren, jener Theropodengruppe, aus der später viele sehr unterschiedliche Raubdinosaurier hervorgingen.
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Camptosaurus neu beschrieben
Galton & Carpenter präsentieren eine umfassende Neubearbeitung der klassischen Funde von Camptosaurus dispar aus der Morrison Formation und schließen damit Lücken, die seit dem 19. Jahrhundert bestanden. Erstmals werden der Holotyp und mehrere Paratypen detailliert dargestellt und mit besser bekannten Exemplaren verglichen. Besonders wichtig ist die Neubewertung des Schädels von Camptosaurus medius, der lange falsch zugeordnet war. Viele Unterschiede zwischen benannten weiteren Arten, also C. medius, C. nanus und C. browni, lassen sich nun als Alters- oder Individualvariationen von C. dispar erklären. Die Studie korrigiert alte Fehlrekonstruktionen und liefert eine deutlich stabilere Grundlage für die Evolution früher Iguanodontier.
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Winziger Stegosaurus wirft Licht auf Wachstum
Carpenter beschreibt die Überreste eines außergewöhnlich kleinen Stegosauriers aus der Morrison Formation, die völlig neue Einblicke in die frühe Entwicklung dieser Gruppe liefern. Das Fossil besteht aus Teilen von Becken, Unterschenkel und Fuß und gehörte zu einem Tier mit nur etwa eineinhalb Metern Körperlänge. Damit handelt es sich um den bislang kleinsten bekannten Stegosaurus. Der Vergleich mit etwas größeren Jungtieren und ausgewachsenen Individuen zeigt deutliche Unterschiede in Knochenform und Proportionen. Diese Funde helfen, Wachstumsschritte besser nachzuvollziehen und zeigen, wie stark sich Stegosaurier im Laufe ihres Lebens veränderten.
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Über das Wachstum von Camarasaurus
Carpenter, Ikejiri & Wilson beschreiben zwei kleine, noch nicht ausgewachsene Skelette von Camarasaurus lentus aus der Morrison Formation und vergleichen sie mit dem erwachsenen Typusexemplar. Die Tiere waren mit etwa fünf und acht Metern Körperlänge deutlich kleiner als viele andere Sauropoden dieser Zeit, zeigen aber bereits typische Merkmale von Camarasaurus. Gleichzeitig treten klare Unterschiede auf, die mit dem Wachstum zusammenhängen, etwa bei Wirbeln, Schulter und Becken sowie bei der Robustheit der Gliedmaßen. Besonders gut lässt sich verfolgen, wie Wirbel im Laufe der Entwicklung zunehmend miteinander verwachsen. Der Vergleich zeigt, dass alle untersuchten Funde zu derselben Art gehören, jedoch unterschiedliche Wachstumsstadien repräsentieren.
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Riesiger Stegosaurier sprengt Größenrahmen
Hunt-Foster et al. berichten über einen außergewöhnlich großen Stegosaurier-Fund aus Utah, der aus Teilen beider Vorderbeine besteht. Die Oberarmknochen dieses Tieres sind deutlich länger als bei allen bisher bekannten Stegosauriern aus der Morrison Formation und übertreffen selbst die bislang größten bekannten Exemplare klar. Insgesamt waren die Knochen rund ein Drittel länger als der bisherige Durchschnitt. Das zeigt, dass Stegosaurier um einiges größer werden konnten als lange angenommen. Offenbar erreichten manche von ihnen Körpergrößen, die sich bereits mit denen junger Sauropoden überschnitten. Solche Tiere hätten wahrscheinlich mehr als 7 Tonnen gewogen. Damit verändert der Fund das Bild von der maximalen Größe gepanzerter Dinosaurier im späten Jura.
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Zähne erzählen die Evolutionsgeschichte der Theropoden
Hendrickx analysiert erstmals umfassend die äußere Zahnform nicht-coelurosaurer Theropoden und zeigt, dass sich ihre Gebisse meist nur schrittweise veränderten. Anhand zahlreicher Merkmale wird deutlich, dass frühe Fleischfresser ihre Schneidezähne vergrößerten und die Zahnreihen umformten, vermutlich um größere Beute zu bewältigen. Spätere Gruppen entwickelten spezialisierte Lösungen: Einige Ceratosaurier bekamen besonders hohe Zahnkronen, andere veränderten die Stellung einzelner Zähne. Die größten Umbrüche traten jedoch bei „Chilesauriern“ und Spinosauriern auf. Dort ging der Wandel der Zähne mit einem Wechsel der Ernährung einher, von Fleisch zu Pflanzen bei den einen und zu einer stark fischfressenden Lebensweise bei den anderen.
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Dystrophaeus war kein Diplodocoide
Foster et al. ergänzen neue Knochenfunde den bislang rätselhaften Sauropoden Dystrophaeus viaemalae aus der Morrison Formation in Utah. Zu den bisher bekannten Resten kamen Zähne, Rücken- und Schwanzwirbel, Rippen sowie Teile von Becken, Hinterbein und Fuß hinzu, die zu einem teilweise zusammenhängenden Skelett gehören. Diese deutlich umfangreichere Grundlage zeigt, dass Dystrophaeus kein Diplodocoide war, wie lange vermutet. Stattdessen deutet die Anatomie auf eine andere Stellung innerhalb der Sauropoden hin. Eine Datierung ordnet das Tier ins späte Oxfordium vor rund 156 Millionen Jahren ein und macht Dystrophaeus zu einem wichtigen Baustein für das Verständnis früher Sauropodenvielfalt.
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Ceratosaurus tötete Beute offenbar schnell wie eine Säbelzahnkatze
Oswald & Curtice analysieren Zahnmaße von Ceratosaurus und vergleichen sie mit denen anderer Morrison-Theropoden sowie mit den Säbelzähnen känozoischer Säugetiere. Die Ergebnisse zeigen klare Unterschiede zu spinosauriden Zähnen und sprechen gegen eine stark wassergebundene Ernährungsweise. Stattdessen ähneln die vergrößerten Zähne von Ceratosaurus in Form und Krümmung den Zähnen von Raubtieren, die ihre Beute schnell töten. Einige Zähne von Ceratosaurus waren demnach sogar funktional optimiert, sodass sie beim Überwältigen der Beute zu schnellem Blutverlust und einem raschen Tod führten. Wahrscheinlich bevorzugte Ceratosaurus mittelgroße Tiere und wich so der Konkurrenz mit Allosaurus und Torvosaurus aus.
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Turiasaurier erstmals im Jura Nordamerikas nachgewiesen
Foster, Woodruff & Royo-Torres beschreiben Zahnabdrücke aus der Morrison Formation in Colorado, die durch ihre herzförmige Kronenform auffallen. Die Zähne stammen aus dem späten Jura und lassen sich erstmals eindeutig den Turiasauriern zuordnen, einer bislang dort unbekannten Sauropodengruppe. Der Fund zeigt, dass diese Dinosaurier Nordamerika schon vor der Kreidezeit erreichten und möglicherweise den Übergang vom Jura zur Kreide in dieser Region überlebten. Damit erweitert sich nicht nur die geografische Verbreitung der Turiasaurier deutlich, sondern auch ihr zeitlicher Bestand. Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf Wanderbewegungen großer Pflanzenfresser und die Dynamik spätjurassischer Ökosysteme.
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Ceratosaurier-Schädel weniger robust als gedacht
Rowe, Cerroni & Rayfield analysieren dreidimensionale Schädelmodelle von Ceratosaurus, Carnotaurus, Majungasaurus und dem kleineren Masiakasaurus, um ihre Belastbarkeit beim Zubeißen zu testen. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst große Abelisaurier trotz kurzer, massiver Schädel keine besonders niedrigen Spannungen aushielten. Auch Hörner und andere Schädelverzierungen wirkten nicht als stabile Verstrebungen. Beim kleinen Masiakasaurus deuten Schädelmechanik und nach vorn gerichtete Zähne auf das Ergreifen kleiner Beute hin. Das spricht für eine ökologische Aufteilung zwischen großen und kleinen Ceratosauriern und stellt bisherige Annahmen über ihre Kampftauglichkeit infrage.
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Frühe Sauropoden tauschten Zähne überraschend schnell
Gomez, Carballido & Pol beschreiben Zahnwechselmuster früher Sauropoden aus dem Unterjura Patagoniens und zeigen eine unerwartet große Vielfalt. Untersucht wurden mehrere Arten, darunter Bagualia alba, Patagosaurus fariasi und Amygdalodon patagonicus. Einige dieser Dinosaurier besaßen gleichzeitig bis zu drei Ersatzzähne pro funktionalem Zahn, andere nur ein oder zwei. Auch die Geschwindigkeit des Zahnwechsels unterschied sich deutlich und hing offenbar mit der Form und Robustheit der Zähne zusammen. Diese Unterschiede sprechen für verschiedene Ernährungsweisen und eine stärkere ökologische Aufteilung, als bislang angenommen. Schon im frühen Jura waren Sauropoden demnach vielfältiger spezialisiert, als es das bisherige Bild vermuten ließ.
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Sauropoden wanderten aufgrund von Wetterumschwüngen
Alessandretti et al. interpretieren neu entdeckte Unterspuren aus der Capacete Formation im Südosten Brasiliens als Abdrücke von Sauropoden, die durch weiche, schlammige Überschwemmungsflächen liefen. Obwohl aus diesem Becken bislang keine Dinosaurierknochen bekannt sind, zeigen die Spuren deutliche Parallelen zu Funden aus benachbarten Regionen. Sedimentdaten und Rekonstruktionen von Klima und Landschaft deuten darauf hin, dass Regen durch eine aufragende Hochzone unterschiedliche Umweltbedingungen schuf. In Trockenzeiten könnten Sauropoden aus ariden Gebieten nach Norden gewandert sein, um feuchtere Lebensräume mit besserem Nahrungs- und Wasserangebot zu erreichen. Die Spuren liefern damit seltene Hinweise auf großräumige Wanderbewegungen dieser Riesendinosaurier.
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Innere Strukturen der Kämme verraten Unterschiede bei Lambeosaurinen
Dudgeon, Brown & Evans vergleichen erstmals detailliert die inneren Strukturen der Kopfkämme ausgewachsener Lambeosaurinen und zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Gattungen. Untersucht werden Corythosaurus casuarius, Corythosaurus intermedius und Lambeosaurus lambei und ihr Aufbau den bekannten Merkmalen von Hypacrosaurus altispinus gegenübergestellt. Die inneren Luftkammern und Nasengänge variieren stark in Form und Verlauf, etwa bei seitlichen Ausstülpungen und charakteristischen Schleifen der Nasenhöhle. Zwischen den beiden Corythosaurus-Arten zeigen sich hingegen kaum Unterschiede. Die Ergebnisse belegen, dass sich die auffälligen Kämme nicht nur äußerlich, sondern auch im Inneren deutlich zwischen den Gattungen unterscheiden.
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Neuer Fund klärt Stellung von Patagopelta
Agnolín et al. beschreiben neu geborgene Panzerdinosaurier-Reste aus Salitral Moreno in Patagonien, die wichtige anatomische und stammesgeschichtliche Hinweise liefern. Die Knochen, darunter Schädelteile, Wirbel, Becken, Gliedmaßen und Panzerplatten, lassen sich Patagopelta cristata zuordnen und zeigen ein vergleichsweise ursprüngliches Becken sowie einen gepanzerten Schwanz, der an Stegouros erinnert. Die Einbindung der neuen Daten in eine umfassende Analyse ordnet Patagopelta innerhalb der Parankylosauria ein und stellt eine nähere Verwandtschaft zu Antarctopelta und Kunbarrasaurus her. Damit wird deutlich, dass diese südhemisphärische Gruppe vielfältiger, größer und ökologisch variabler war als bislang angenommen.
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Dinosaurierspuren täuschen Vielfalt oft vor
Falkingham & Gatesy erklären detailliert, wie Dinosaurierspuren entstehen und warum ihre Formen leicht fehlinterpretiert werden können. Fußbau, Bewegung und Untergrund wirken zusammen und erzeugen Abdrücke, die je nach Tempo, Verhalten oder Bodenzustand stark variieren. Selbst ein einzelnes Tier kann dadurch sehr unterschiedliche Spuren hinterlassen. Hinzu kommt, dass freigelegte Schichten unter der ursprünglichen Oberfläche andere Formen zeigen als der eigentliche Abdruck. Mithilfe moderner Computersimulationen und CT-Daten wird erstmals eine virtuelle Dinosaurierfußbewegung rekonstruiert und mit Sedimentmodellen getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass scheinbare Artenvielfalt bei Spuren oft auf komplexe Entstehungsprozesse zurückgeht und nicht zwangsläufig echte biologische Unterschiede widerspiegelt.
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Wuchs T. rex deutlich langsamer und lebte viel länger als gedacht?
Woodward, Myhrvold & Horner analysieren umfangreiche Knochenquerschnitte von siebzehn Individuen des Tyrannosaurus rex-Artenkomplexes und zeichnen ein neues Bild seines Wachstums. Statt schneller Jugendexplosion zeigen die Daten geringere Spitzenraten und ein deutlich längeres Heranwachsen. Die Endgröße könnte demnach erst nach etwa fünfunddreißig bis vierzig Jahren erreicht worden sein. Entscheidend ist die Berücksichtigung aller erkennbaren Wachstumsmarken, auch solcher, die nur im polarisierten Licht sichtbar sind. Zwei junge Exemplare passen statistisch nicht in die übrige Reihe, was auf bislang unterschätzte Vielfalt hindeutet. Insgesamt spricht alles für eine lange Phase als Halbwüchsiger und eine höhere Lebenserwartung als bisher angenommen.
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Scheinvielfalt bei Dinosaurierspuren entlarvt
Lallensack et al. zeigen Analysen zahlreicher Fährtenfelder aus dem mittleren Jura Marokkos und der frühen Kreide Spaniens, dass viele scheinbar unterschiedliche Dinosaurierspuren nicht auf verschiedene Tiere zurückgehen. Tiefe Abdrücke in weichem Sediment lassen den Fuß einsinken, sodass sich das Material um ihn schließt und Formen erzeugt, die echte Anatomie nur vortäuschen. Solche sogenannten penetrativen Spuren sind deutlich häufiger und variabler als bislang angenommen. Mehrere klassische Spurarten wie Saurexallopus, Magnoavipes, Theroplantigrada, Ordexallopus und Archaeornithipus beruhen wahrscheinlich auf solchen Effekten. Die Studie fordert daher eine kritische Neubewertung der Spurklassifikation und mahnt zu Vorsicht bei der Ableitung biologischer Vielfalt aus Fährten.
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Vulkane ebneten Dinosauriern den Weg
Chen et al. beschreiben neue Daten aus einem Bohrkern des Kunming-Beckens in Südwestchina, die den Übergang von der Trias zum Jura präzise einordnen. Chemische Signale und regelmäßige Ablagerungsrhythmen belegen mehrere Phasen intensiver Vulkanausbrüche, die Umweltstress verursachten und das Massenaussterben am Ende der Trias begleiteten und vermutlich befeuerten. Kurz danach tauchen erstmals Sauropodomorphen in niedrigen Breiten auf, vor rund zweihundert Millionen Jahren. Diese mittel- bis großwüchsigen Dinosaurier besiedelten offenbar rasch freigewordene Lebensräume. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Vulkanismus und stärkere Klimaschwankungen ökologische Chancen schufen und den frühen Aufstieg der Dinosaurier im Jura begünstigten.
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Neue Dinosaurierspuren im Hohen Atlas entdeckt
Ait Haddou et al. beschreiben neu entdeckte Fährtenfelder aus dem mittleren bis späten Jura im Msemrir-Gebiet des marokkanischen Hohen Atlas. Die Spuren stammen überwiegend von zweibeinigen Fleischfressern, daneben finden sich Abdrücke eines vierbeinigen Dinosauriers, möglicherweise eines Stegosauriers oder Sauropoden. Die Fährten ähneln bekannten Formen wie Changpeipus, Carmelopodus, Kayentapus und Grallator-Typen und treten häufig gemeinsam mit wirbellosen Spuren auf. Erstmals werden diese Fährtenverbände detailliert dokumentiert. Sie liefern neue Einblicke in die Zusammensetzung und Lebensräume jurazeitlicher Dinosauriergemeinschaften und zeigen, dass die Region großes Potenzial für weitere spektakuläre Funde besitzt.
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Nopcsaspondylus entpuppt sich als zweifelhaft
Lerzo nimmt eine Neubewertun von Nopcsaspondylus vor und zeigt, dass er kein sicher unterscheidbarer Rebbachisaurier ist. Die Gattung basiert lediglich auf einem einzelnen Rückenwirbel, der heute verloren ist und keine eindeutigen Merkmale aufweist, um eine eigene Art zu begründen. Damit fügt sich der Fall in ein bekanntes Problem dieser Sauropodengruppe ein, deren Artenzahl durch fragmentarische Funde vermutlich überschätzt wurde. Zusätzlich entsprach die ursprüngliche Benennung nicht vollständig den Regeln der zoologischen Nomenklatur. Aus diesen Gründen wird Nopcsaspondylus als nomen dubium eingestuft. Die Studie mahnt zu Zurückhaltung bei der Aufstellung neuer Arten auf Grundlage isolierter Knochen.
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Erster Lambeosaurier aus Nordostchina entdeckt
Yu et al. beschreiben neue Fossilien aus der Nenjiang Formation im Songliao-Becken, die den ersten Nachweis von Hadrosauriern in dieser Region liefern. Das Material umfasst Zahnreste, Teile des Unterkiefers sowie Wirbel und Bruchstücke von Becken- und Beinknochen. Formvergleiche zeigen, dass die Knochen zu den Lambeosaurinen gehören, einer Gruppe entenschnäbliger Dinosaurier mit oft auffälligen Kopfaufsätzen. Diese frühen Vertreter stützen die Annahme, dass sich Lambeosaurinen ursprünglich in Asien entwickelten und später nach Nordamerika ausbreiteten. Der Fund erweitert sowohl das zeitliche als auch das geografische Verbreitungsgebiet der Hadrosaurier und unterstreicht die Bedeutung der Nenjiang Formation für das Verständnis kreidezeitlicher Ökosysteme.
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Triassische Spuren schließen Lücke in Chinas Dino-Geschichte
Xing et al. beschreiben neue Fährten aus der Xujiahe Formation am Nordrand des Sichuan-Beckens und liefern seltene Hinweise auf Dinosaurier der späten Trias in China. Der neu entdeckte Fundplatz Zilanba umfasst zehn kleine Vierfüßer-Spuren, darunter eine Spurfolge und mehrere Einzelabdrücke. Größe, Spurbreite und das Verhältnis von Vorder- zu Hinterfuß deuten vorsichtig auf frühe Sauropodomorphen hin. Damit handelt es sich um den neunten bekannten Trias-Fährtenplatz des Landes und erst den dritten mit solchen Tieren. Die Spuren erweitern das Bild ihrer Verbreitung und stützen die Annahme möglicher Wanderungen vom westlichen in den östlichen Tethysraum.
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Schwanz eines „Titanosauriers“ aus Patagonien gehört zu einem Rebbachisauriden
Lerzo ordnet ein bislang als Titanosaurier gedeutetes Schwanzskelett aus der Candeleros Formation neu ein und weist es den Rebbachisauriden zu. Entscheidend sind die beidseitig eingedellten Wirbelkörper, die weit nach vorn gerückten Wirbelbögen, eine längliche Vertiefung an der Unterseite sowie auffällig sternförmige Bogenknochen unter dem Schwanz. Stammesgeschichtliche Analysen platzieren den Fund in einer frühen Rebbachisauriden-Linie nahe Sidersaura, Zapalasaurus und Astigmasaura. Raue Oberflächen an den ersten Schwanzwirbeln deuten darauf hin, dass ein kräftiger Oberschenkelmuskel weiter nach hinten reichte als bei anderen Sauropoden.
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Yeneen houssayi |
Neuer Saltasaurier aus Argentinien
Filippi et al. beschreiben einen neuen Titanosaurier aus der Bajo de la Carpa Formation im Neuquén-Becken und erweitern damit die bekannte Artenvielfalt dieser Zeitstufe deutlich. Yeneen houssayi stammt aus dem Gebiet Cerro Overo–La Invernada und zeigt auffällige Merkmale an Rücken-, Kreuz- und Schwanzwirbeln. Stammesgeschichtliche Analysen ordnen das Tier nahe bei Narambuenatitan und Overosaurus ein und weisen es einer frühen Linie fortgeschrittener Saltasauroiden zu. Die Funde aus diesem Areal belegen, dass im Santonium mindestens zwei Titanosaurier-Linien gleichzeitig existierten. Damit erweist sich die Region als Hotspot der Titanosaurier-Vielfalt und als Schlüsselgebiet für das Verständnis der Dinosaurierentwicklung dieser Epoche.
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Rinconsauria neu definiert
Pérez Moreno et al. nehmen eine umfassende Neubewertung von Muyelensaurus pecheni aus der späten Kreide Patagoniens vor und klären damit langjährige Unsicherheiten um die Gruppe Rinconsauria. Die Untersuchung zeigt, dass die bislang zugewiesenen Fossilien mehrere unterschiedliche Formen enthalten und die Art daher aus einer Mischsammlung bestand. Künftig wird Muyelensaurus pecheni auf das Leitexemplar beschränkt, dessen Schädelmerkmal nun präzisiert wird. Mehrere Stammbäume belegen, dass diese Instabilität die Zusammensetzung von Rinconsauria stark beeinflusst. In der Folge wird die Gruppe neu gefasst und klarer gegenüber anderen Titanosauriern abgegrenzt, was das Verständnis ihrer Evolution deutlich schärft.
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Trias-Fährten in Italien verschwinden rapide
Granata et al. analysieren den Erhaltungszustand der berühmten Fährtenfläche von Lerici aus der späten Trias und zeigen, wie stark Erosion dieses wichtige Archiv früher Dinosauriergeschichte bedroht. Der Vergleich aktueller dreidimensionaler Aufnahmen der Fundstelle mit einem älteren Glasfaserabguss macht deutlich, dass viele Spuren bereits stark verwittert oder verloren gegangen sind. Besonders betroffen ist der Typfundort von Evazoum sirigui, der zugleich eine kleine, aber vielfältige Fährtenfauna bewahrt. Auch der historische Abguss weist Verformungen auf, die seine Aussagekraft einschränken. Die Studie unterstreicht, dass digitale 3D-Dokumentation unverzichtbar ist, um Erosionsraten zu erfassen und dieses verschwindende Naturerbe langfristig zu sichern.
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Xenovenator esspinosai
Xenovenator robustus
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Kämpften auch Troodontiden mit Rammstößen mit ihrem Kopf?
Rivera-Sylva et al. beschreiben einen ungewöhnlichen Troodontiden aus der Cerro del Pueblo Formation in Mexiko, dessen Schädel stark verdickt und kuppelförmig ausgebildet ist. Die Knochen des Schädeldachs von Xenovenator esspinosai sind extrem massiv und erinnern an die Bauweise von Tieren, die für Kopfstöße bekannt sind. Weitere Funde zeigen schwächere Ausprägungen, was auf altersbedingte Veränderungen oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern hindeutet. Verschmolzene Schädelnähte und eine raue Knochenoberfläche sprechen für eine Anpassung an innerartliche Kämpfe. Auch die 2004 von Sullivan beschriebene Art „Saurornitholestes robustus“ wird vorläufig der Gattung Xenovenator zugeordnet. |
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Theropoden liefen dynamischer als lange gedacht
Díaz-Martínez et al. analysieren zwei außergewöhnliche Fährtenreihen aus der frühen Kreidezeit Spaniens, die von sehr schnell laufenden Theropoden stammen. Obwohl beide Spuren auf derselben Oberfläche entstanden, unterscheiden sie sich deutlich in der Form der Fußabdrücke. Manche Abdrücke zeigen reinen Zehengang, andere zusätzlich Eindrücke des Mittelfußes. Diese Unterschiede werden als verschiedene Phasen eines Laufs gedeutet, etwa Beschleunigung oder Abbremsen. Ähnliche Spurformen sind auch aus anderen Erdzeitaltern bekannt und wurden ebenfalls mit schnellem Laufen in Verbindung gebracht. Die Studie zeigt, dass Laufbewegungen bei Dinosauriern komplexer waren als bisher angenommen und dass selbst kleine Details in Fußspuren viel über Haltung, Gewichtsverlagerung und Muskelarbeit verraten.
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Ferenceratops shqiperorum |
Europas Horndinosaurier waren vielfältiger als gedacht!
Maidment et al. beschreiben neue Fossilien von Ajkaceratops aus der späten Kreide Ungarns und zeigen, dass Horndinosaurier in Europa tatsächlich existierten. Stammesgeschichtliche Analysen bestätigen die Zugehörigkeit dieses Tieres zu den Ceratopsiern und widerlegen frühere Zweifel. Überraschend ergibt sich zudem, dass einige bislang als Rhabdodontiden gedeutete Funde keine Iguanodonten sind, sondern ebenfalls zu den Ceratopsiern gehören. Auch der zuvor als Zalmoxes shqiperorum geführte „Ornithopode“ war mit Sicherheit ein Ceratopsier, der somit in die neue Gattung Ferenceratops gestellt wird. Bei Zalmoxes robustus ist diese Zuordnung weiterhin unsicher. Dennoch wird hier erstmals eine verborgene Vielfalt europäischer Horndinosaurier mit Sicherheit belegt, was vorherige Annahmen über diese Tiergruppe auf Kopf stellt.
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Seltener Halswirbel erweitert Bild brasilianischer Titanosaurier
Navarro et al. beschreiben einen nahezu vollständig erhaltenen zweiten Halswirbel eines Sauropoden aus der São José do Rio Preto Formation in Brasilien, ein außergewöhnlicher Fund innerhalb dieser Gesteinseinheit. Der Knochen zeigt einen langgestreckten Wirbelkörper, einen hohen Wirbelbogen und ein stark durchlüftetes Inneres mit vielen Hohlräumen. Solche Strukturen kennt man sonst vor allem von stark abgeleiteten Titanosauriern. Formvergleiche weisen jedoch eher auf Verwandtschaft zu Colossosauriern hin, einer Gruppe großer Titanosaurier Südamerikas. Zusätzlich besitzt der Wirbel mehrere einzigartige Merkmale, die bisher kaum beachtet wurden. Der Fund erhöht die bekannte Vielfalt brasilianischer Titanosaurier und zeigt, dass einzelne Halswirbel wichtige Hinweise zur Verwandtschaft und Funktion liefern können.
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Vierzig Jahre Abelisaurier-Stammbäume auf dem Prüfstand
Seculi Pereyra et al. analysieren vier Jahrzehnte phylogenetischer Studien zu Abelisauriden und zeichnen nach, wie sich Datensätze, Methoden und Fragestellungen im Lauf der Zeit verändert haben. Der Überblick zeigt, dass trotz wachsender Artenzahl und immer größerer Merkmalslisten die Verwandtschaftsverhältnisse dieser Raubsaurier oft instabil bleiben. Besonders Unterschiede bei Merkmalsgewichtung, Datentypen und Zeitkalibrierung beeinflussen die Ergebnisse stark. Die Auswertung macht deutlich, welche Ansätze sich bewährt haben und wo methodische Schwächen liegen. Auf dieser Basis werden konkrete Empfehlungen für zukünftige Stammbäume gegeben, um die Evolution der Abelisaurier robuster und vergleichbarer zu rekonstruieren. |
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Winzige Dinosaurier zeigen frühe Wachstumsstrategien
Campos et al. beschreiben außergewöhnlich kleine Dinosaurierknochen aus der Obertrias Südbrasiliens, die neue Einblicke in die frühe Entwicklung dieser Tiergruppe liefern. Die Funde umfassen Arm- und Fußknochen, Wirbelteile und eine Kralle und lassen sich einem frühen Sauropodomorphen zuordnen. Dünnschliffe der Knochen zeigen erstmals klare Wachstumspausen, erkennbar an einer Jahreslinie und einer Wachstumszone. Das Tier war noch jung, hatte aber bereits einen Wachstumsstopp hinter sich. Diese Befunde belegen, dass manche frühe Dinosaurier klein blieben und ihr Wachstum deutlich anders organisierten als spätere Riesenformen.
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Quellenangaben:
Paläo-News – Archiv
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Glossar
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Achtung: Die in den Artikeln angegebenen Fachinformationen können mitunter für Laien schwer verständlich sein. Aus diesem Grund habe ich eine Übersicht über viele gängige paläontologische Fachbegriffe und Abkürzungen erstellt. Du findest sie hier. |
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