Rund um den Elephant Butte Reservoir, in den Caballo Mountains und unter einem großen Teil der Jornada del Muerto im Süden New Mexicos befindet sich die oberkreidezeitliche McRae Formation. Einige der obersten Schichten des Hall Lake Members reichen eventuell noch bis in das Paläozän. Die McRae Formation ist besonders bekannt für ihre reichhaltigen Pflanzenfossilien, die ein gutes Bild über die Vegetation und das Klima im Südwesten Nordamerikas überliefern. Aber auch die Fossilen von Ceratopsiern, Tyrannosauriern, Ankylosauriern, Sauropoden und vor allem zahlreiche Schildkrötenpanzer wurden hier entdeckt. Kelley & Silver benannten die Formation im Jahre 1952, nach Fort McRae, einem Stützpunkt der Unionsarmee, der dort während des Bürgerkriegs 1863 errichtet wurde und bis 1876 bestand. Das Fort wiederum wurde nach Alexander McRae benannt, einem Soldaten der Unionsarmee, der 1862 in der Schlacht von Velverde fiel und für seine Treue und Tapferkeit als Held gefeiert wurde.

Das Foto zeigt die Aufschlüsse der McRae Formation in der Nähe der Südseite von Elephant Butte, New Mexico, USA. Die McRae Formation sind die dunklen Ablagerungen entlang des Ufers, die hellere „Badewannenring“-Markierungen von verschiedenen Wasserständen im Elephant Butte Reservoir zeigen. Die McRae Formation ist auch in den unteren Hängen des Hintergrundgebirges vorhanden, dessen obere Hänge aus Gesteinsschichten der Mesaverde Group bestehen. Bildquelle: Kent G. Budge / Wikipedia.
Die Orientierungskarte zeigt die gleiche Gegend aus der Vogelperspektive. Bildquelle: Hot Spring Towing / GoogleMaps.
Geologie
Sie setzt sich aus einer basalen Konglomeratschicht zusammen, die mit Schiefer und Siltstein abwechselt, sowie einer Abfolge von abwechselnden Sandstein- und Schieferlagen. Die unteren Konglomerate enthalten auch vulkanische Ablagerungen, während die oberen Schichten nur wenige nicht-vulkanische Gesteinsfragmente enthalten. Die Schiefer sind rötlich-braun bis purpurfarben, während die Sandsteine hellgrau sind. Sandsteine hingegen sind hier mittel- bis massivgeschichtet und bilden manchmal auch ganze Rücken. Die Gesamtmächtigkeit beträgt mehr als 910 Meter. Die McRae Formation liegt über der Mesaverde Group aus dem Campanium, von der sie einen Großteil ihrer Sedimente ableitet. Die Love Ranch Formation aus dem Paläozän und Eozän liegt darüber.
Die McRae Formation ist in den unteren Jose Creek Member und den oberen Hall Lake Member unterteilt. Beide werden von einigen Geologen als eigenständige Formationen behandelt, bei ihnen ist „McRae“ dann der Name einer geologischen Gruppe. Der Jose Creek Member wird als Ablagerungen von Schlammströmen oder alluvialen Fanen interpretiert, die in einer feucht-tropischen bis subtropischen Umgebung nahe der Küste des Pierre Seaways abgelagert wurden. Er enthält charakteristische Konglomerat-Breccie-Schichten.
Heutige Lage der McRae Formation:
Lage: New Mexico (USA)
Benannt: 1952 von Kelley & Silver
Koordinaten heute: 33.197°N 107.167°W
Paläo-Koordinaten: 40.4°N 85.7°W
Alter: 72 – 66 Ma
Liegt unter: Love Ranch Formation
Liegt über: Mesaverde Group
Subeinheiten: Jose Creek Member, Hall Lake Member
Paläo-Lage der McRae Formation:
Fossilbericht:
Landreptilien: |
Schildkröten:In der McRae Formation wurden die bislang unbestimmten Fossilien einer Schildkröte gefunden. |
Dinosaurier: |
Sauropoden:Alamosaurus sp. Theropoden:Tyrannosaurus mcraensis Ankylosaurier:Ankylosauridae indet. Marginocephalier:Sierraceratops turneri Triceratops sp. Ornithopoden:Hadrosauridae indet. Umstritten:Torosaurus sp. (vielleicht Triceratops?) |
Pflanzen: |
Nadelbäume:Araucarites longifolia (Araukarie) Geinitzia cf. formosa (Pinie?) Sequoia sp. (Mammutbaum) Blütenpflanzen:Baasia armendarisense (Spindelbaum) Canna magnifolia (Canna) Ficus planicostata (Feigenbaum) Fulleroxylon armendarisense (Myrte) Metcalfeoxylon kirtlandense (Malve) Paraphyllanthoxylon cf. anazasii (Lorbeer?) Phyllites cf. ratonensis (Ölbaum) Pygmaeoxylon paucipora (Magnoliengewächs?) Sabalites montana (Palme) Cinnamomum sp. (Zimtbaum) Platanoxylon sp. (Platane) Salix sp. (Weide) |
Tyrannosaurus mcreaensis und die mögliche Herkunft von T. rex
In der aktuellen Forschung wird eine weitere Tyrannosaurus-Art aus der McRae Formation diskutiert, und das bereits seit über vier Jahrzehnten. Bereits 1983 entdeckten Forscher in New Mexico Teile des Schädels, des Unterkiefers, isolierte Zähne und Chevron-Knochen eines großen Theropoden. Das Material wurde zunächst Tyrannosaurus rex zugeschrieben.1Lozinsky, R. P., Hunt, A. P., Wolberg, D. L. & Lucas, S. G. (1984). Late Cretaceous (Lancian) dinosaurs from the McRae Formation, Sierra County, New Mexico. New Mexico Geology, 6(4), 72–77. doi:10.58799/NMG-v6n4.72 1986 wurde es näher beschrieben, aber ebenfalls noch als sehr urtümlicher T. rex.2Gillette, D. D., Wolberg, D. L. & Hunt, A. P. (1986). Tyrannosaurus rex from the McRae Formation (Lancian, Upper Cretaceous), Elephant Butte reservoir, Sierra County, New Mexico. New Mexico Geological Society Guidebook, 37, 235–238. doi:10.56577/FFC-37.235 Lehman und Carpenter schlugen 1990 vor, dass das Fossil zu einer neuen Tyrannosauriden-Gattung gehören könnte3Lehman, T. M. & Carpenter, K. (1990). A partial skeleton of the tyrannosaurid dinosaur Aublysodon from the Upper Cretaceous of New Mexico. Journal of Paleontology, 64(6), 1026–1032. doi:10.1017/S0022336000019843, während Carr und Williamson dies 2000 aber zurückwiesen.4Carr, T. D. & Williamson, T. E. (2000). A review of Tyrannosauridae (Dinosauria: Coelurosauria) from New Mexico. Bulletin, 17. New Mexico Museum of Natural History and Science, 113–145. Sullivan und Lucas argumentierten 2015, dass es nur wenige Belege dafür gebe, dass es sich tatsächlich um Tyrannosaurus rex handle, und klassifizierten das Fossil deshalb vorsichtig als cf. Tyrannosaurus sp. Sie vermuteten außerdem, dass der sogenannte „McRae-Tyrannosaurier“ deutlich vor der Lancium-Fauna lebte, also älter als etwa 67 Millionen Jahre sei.5Sullivan, R. M. & Lucas, S. G. (2015). Cretaceous Vertebrates of New Mexico. New Mexico Museum of Natural History and Science Bulletin, 68.
Dalman und Kollegen untersuchten das Exemplar 2024 erneut und kamen zu dem Schluss, dass es sich tatsächlich um eine eigene, deutlich ältere Art von Tyrannosaurus handeln müsse, womit sie der These neues Gewicht verliehen, dass T. rex sich ursprünglich auf dem nordamerikanischen Kontinent entwickelte, und nicht, wie andere vermuteten, als invasive Spezies aus Asien eingewandert sei. Das Exemplar schätzten sie auf etwa 12 Meter Länge, womit es ähnlich groß wie ein ausgewachsener T. rex wäre. Unterschiede zwischen beiden Formen betreffen vor allem den Schädel: Das Dentarium von T. mcraeensis ist verhältnismäßig länger, besitzt ein weniger ausgeprägtes „Kinn“ und der Unterkiefer ist flacher, was auf eine schwächere Beißkraft hindeuten könnte. Auch die Zähne sind stumpfer und seitlich stärker zusammengedrückt, während die Postorbitalhöcker weniger stark ausgeprägt sind. Zudem weist die Skelettanatomie Gemeinsamkeiten mit Tarbosaurus und Zhuchengtyrannus auf. Aufgrund dieser Unterschiede, aber auch des großen angenommen zeitlichen Abstand zu T. rex, gaben die Forscher dem Exemplar den neuen Namen Tyrannosaurus mcraeensis, benannt nach der Formation, in wecher er gefunden worden war. Diese ist einige Millionen Jahre älter als die klassische Zeitspanne von T. rex, der am Ende des Maastrichtiums lebte, und wird auf ein Alter zwischen 72,7 und 70,9 Millionen Jahren datiert, also noch aufs spätes Campanium bis frühestes Maastrichtium. 6Dalman, S. G. et al. (2024). A giant tyrannosaur from the Campanian–Maastrichtian of southern North America and the evolution of tyrannosaurid gigantism. Scientific Reports, 13(1), 22124. doi:10.1038/s41598-023-47011-0

Ein Konferenzabstract aus demselben Jahr kam jedoch zu einem jüngeren Alter: Die genaue Fundschicht von T. mcraeensis sei zwischen 69,0 und 66 Ma alt. Damit läge das Alter deutlich näher an T. rex als ursprünglich angenommen.7Schantz, E. & Amato, J. M. (2024). Dating dinosaurs in the Laramide foreland. U-Pb geochronologic constraints on a stratigraphic section containing Alamosaurus and the postulated Tyrannosaurus mcraeensis in the Love Ranch Basin. New Mexico Geological Society of America Abstracts with Programs, 56, 9.8Scherer, C. R. (2025). Multiple lines of evidence support anagenesis in Daspletosaurus and cladogenesis in derived tyrannosaurines. Cretaceous Research, 169, 106080. doi:10.1016/j.cretres.2025.106080 Nicht zuletzt deshalb wurde die Gültigkeit von T. mcraeensis bereits 2025 von anderen Forschern infrage gestellt. Sie argumentierten, dass die Verwendung von Alamosaurus-Fossilien, die als biostratigraphische Marker zur Altersbestimmung herangezogen wurden, problematisch sei, da die Sedimentationsraten stark schwanken könnten. Außerdem bezweifelten sie, dass sich die Merkmale des Holotypus zuverlässig außerhalb der bekannten Variationsbreite von T. rex bewegen. Unabhängig von Alter und Gültigkeit von T. mcraeensis kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die Gattung Tyrannosaurus zwar in Laramidia entstand, ihre Vorfahren aber wohl doch aus Asien eingewandert waren.9Morrison, C. et al. (2025). Rise of the king. Gondwanan origins and evolution of megaraptoran dinosaurs. Royal Society Open Science, 12(5), 242238. doi:10.1098/rsos.242238 Später im selben Jahr betrachteten auch Voris und Kollegen T. mcraeensis als jüngeres Synonym von T. rex. Sie stimmten den Bedenken bezüglich der stratigraphischen Daten zu und kamen zu dem Ergebnis, dass alle vorgeschlagenen diagnostischen Merkmale innerhalb der bekannten Variationsbreite von T. rex liegen.10Voris, J. T. et al. (2025). A new Mongolian tyrannosauroid and the evolution of Eutyrannosauria. Nature, 642(8069), 973–979. doi:10.1038/s41586-025-08964-6 Auch Thomas Carr erkannte T. mcraeensis in seiner Untersuchung des Holotyp-Schädels von T. rex nicht als gültige Art an und interpretierte die vorgeschlagenen Unterschiede ebenfalls als normale Variation innerhalb von T. rex.11Carr, T. D. (2025). Observations on the skull of the type specimen of Tyrannosaurus rex Osborn, 1905. All Earth, 37(1), 2539638, 1–66. doi:10.1080/27669645.2025.2539638 An der Gültigkeit von „T-Mac“ bestehen inzwischen ebenso Zweifel wie an T. regina und T. imperator. Und der Streit um die Herkunft von T. rex, also die Frage, ob seine Vorfahren aus Nordamerika oder doch aus Asien kamen, ist somit ebenfalls noch offen.
Weitere Lagerstätten an den Küsten des Südwesens:
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Ojo Alamo Formation
McRae Formation |
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