Im äußersten Norden Alaskas liegt die Prince Creek Formation, eine der bedeutendsten Fossilwelten der Polarwelt während der Kreidezeit. Ihre berühmten Dinosaurierfundstellen entstanden in einer küstennahen Flusslandschaft, die damals bei etwa 80 bis 85° nördlicher Paläobreite lag, also unweit des Nordpols. Trotz des warmen Treibhausklimas herrschten dort damals ausgeprägte Jahreszeiten mit monatelanger Polarnacht, kühlen bis frostigen Wintern und kurzen, produktiven Sommern. Fossilien sehr junger Dinosaurier zeigen, dass zahlreiche Arten dort nicht nur lebten, sondern sich auch fortpflanzten.

Die Prince Creek Formation wurde 1951 von den US-amerikanischen Geologen George Gryc, William Wallace Patton Jr. und Thomas G. Payne benannt. Namensgeber ist der Prince Creek, ein Nebenfluss des Colville River auf der North Slope Alaskas.1Gryc, G.; Patton, W. W. Jr. & Payne, T. G. (1951). Present Cretaceous stratigraphic nomenclature of northern Alaska. Journal of the Washington Academy of Sciences 41(5), 159–167 Die ursprüngliche Definition umfasste nichtmarine Schichten innerhalb der damals verwendeten Colville Group. Eine umfassende stratigraphische Revision änderte diese Einordnung später: Die Colville Group wurde als formale Einheit aufgegeben, die frühere Kogosukruk Tongue verworfen und die Tuluvak Tongue zur eigenständigen Tuluvak Formation erhoben.2Mull, C. G.; Houseknecht, D. W. & Bird, K. J. (2003). Revised Cretaceous and Tertiary stratigraphic nomenclature in the Colville Basin, northern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1673, 1–51
Ihre Aufschlüsse erstrecken sich über große Teile des Colville-Beckens und sind regional unterschiedlich alt. Die besonders fossilreichen kreidezeitlichen Schichten liegen vor allem an den Ufern des Colville River. Zu den bekannten Fundplätzen gehören das Liscomb Bonebed, der Kikak-Tegoseak Quarry, Pediomys Point und Aufschlüsse bei Ocean Point. Ihre Altersangaben sind nicht vollständig deckungsgleich und wurden durch neue radiometrische und biostratigraphische Untersuchungen wiederholt präzisiert. 3Flores, R. M. et al. (2007). Stratigraphy and facies of Upper Cretaceous Schrader Bluff and Prince Creek Formations in Colville River Bluffs, North Slope, Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1748, 1–524Druckenmiller, P. S. et al. (2021). Nesting at extreme polar latitudes by non-avian dinosaurs. Current Biology 31, 3469–3478.e5. doi:10.1016/j.cub.2021.05.041
Die interaktive Ansicht zeigt den Dalton Highway, die einzige ganzjährig befahrbare Straßenverbindung durch diese abgelegene Region. Die wichtigsten Fossilfundstellen der Prince Creek Formation liegen jedoch weit westlich davon am Colville River und sind über diese Ansicht nicht direkt erreichbar. Das Bild vermittelt daher vor allem einen Eindruck von der heutigen Landschaft der North Slope. Bildquelle: Google Street View.
Geologie
Die Prince Creek Formation besteht überwiegend aus Sandstein, Siltstein, organisch reichem Tonstein, Kohle, Paläoböden und vulkanischen Aschelagen. Diese Sedimente wurden auf einer flachen, küstennahen Schwemmebene abgelagert. Flüsse verlagerten ihre Läufe, durchbrachen bei Hochwasser natürliche Uferwälle und schütteten Sand- und Schlammfächer auf die Überschwemmungsebene. Dazwischen lagen Altarme, Teiche, Seen, Moore und bewaldete Feuchtgebiete. In den tiefer gelegenen Bereichen war das Flusssystem zeitweise von den Gezeiten beeinflusst. Die rasche Ablagerung feinkörniger Sedimente sowie einzelne energiereiche Hochwasser- und Schlammstromereignisse schufen günstige Bedingungen für die Erhaltung von Knochen, Zähnen, Pflanzenresten und Spurenfossilien. 5Flaig, P. P.; McCarthy, P. J. & Fiorillo, A. R. (2011). A tidally influenced, high-latitude coastal-plain: The Upper Cretaceous (Maastrichtian) Prince Creek Formation, North Slope, Alaska. SEPM Special Publication 97, 233–264. doi:10.2110/sepmsp.097.233 6Fiorillo, A. R. et al. (2010). Taphonomic and sedimentologic interpretations of the dinosaur-bearing Upper Cretaceous strata of the Prince Creek Formation, northern Alaska: Insights from an ancient high-latitude terrestrial ecosystem. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 295, 376–388. doi:10.1016/j.palaeo.2010.02.029
Die Sedimente wurden aus dem sich hebenden Brooks Range nach Norden in das Colville-Vorlandbecken transportiert. Weil sich Küstenlinie, Flussmündungen und Ablagerungsräume über lange Zeit verlagerten, verzahnt sich die nichtmarine Prince Creek Formation seitlich mit marinen Einheiten der Schrader Bluff Formation. Nach oben geht sie regional in die überwiegend nichtmarine Sagavanirktok Formation über. Die gesamte Formation reicht nach heutiger Nomenklatur von der Oberkreide bis in das Paläozän; Aussagen über Dinosaurier, Klima oder Landschaft beziehen sich dagegen gewöhnlich auf einzelne spätkretazische Aufschlüsse und dürfen nicht pauschal auf die gesamte Einheit übertragen werden. 7Mull, C. G.; Houseknecht, D. W. & Bird, K. J. (2003). Revised Cretaceous and Tertiary stratigraphic nomenclature in the Colville Basin, northern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1673, 1–51

Heutige Lage der Prince Creek Formation
Lage: North Slope, Alaska (USA)
Benannt: 1951 von Gryc, Wallace Patton Jr. & Payne
Koordinaten heute: 70,0° N, 151,5° W
Paläo-Koordinaten: ca. 89.0° N, 107.6° W
Alter: 77-60 Ma
Liegt unter: Sagavanirktok Formation
Liegt über: Schrader Bluff Formation
Wichtige Fundstellen: Liscomb Bonebed, Kikak-Tegoseak Quarry, Pediomys Point und Ocean Point
Paläolage der Prince Creek Formation
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Die Prince Creek Formation in meinen BüchernDie Prince Creek Formation ist einer der Handlungsorte in Mein zauberhaftes Dinosaurierbuch. In der zweiten Geschichte bereist du das kreidezeitliche Alaska. Dort kannst du dem kleinen Pachyrhinosaurus Patsch helfen, seine Familie wiederzufinden, von der er während eines Schneesturms getrennt wurde. Auch ein etwas mürrischer Troodontide hat einen kurzen Auftritt. Die früher gebräuchliche Bezeichnung „Alaska-Troodon“ ist wissenschaftlich unsicher, weil nordamerikanisches Troodontidenmaterial heute differenzierter beurteilt wird. |


Fossilbericht
Die Prince Creek Formation liefert eine außergewöhnlich vielfältige Polarfauna. Dinosaurierfunde umfassen den Ceratopsiden Pachyrhinosaurus perotorum, den Tyrannosauriden Nanuqsaurus hoglundi, Hadrosaurier aus dem Verwandtschaftskreis von Edmontosaurus, Pachycephalosaurier, Ornithomimosaurier, kleine Ornithopoden sowie Dromaeosauriden und Troodontiden. Die 2015 aufgestellte Hadrosauriergattung Ugrunaaluk gilt nicht als zweifelsfrei von Edmontosaurus trennbar. Embryonen und Jungtiere mehrerer Gruppen belegen lokale Fortpflanzung. Hinzu kommen fossile Vögel, Säugetiere, zahlreiche Süßwasserfische, Pflanzen, Pollen, Pilzhyphen und Vogelspuren. Kleine Säugetiere sind meist nur durch Zähne belegt; 2026 wurden außerdem drei Multituberculatenarten beschrieben, darunter Qayaqgruk peregrinus mit engen asiatischen Verwandtschaftsbeziehungen. Auffällig ist das bisherige Fehlen sicherer Amphibien, Schildkröten, Schuppenkriechtiere, Choristoderen und Krokodilartiger in den intensiv beprobten kreidezeitlichen Fundhorizonten. Neue Fischfunde zeigen eine artenreiche Gemeinschaft mit frühen Verwandten von Hechten und Lachsen. Fossile Jungvögel liefern außerdem den ältesten bekannten Nachweis brütender Vögel in polaren Breiten. Die Zusammensetzung schwankt zwischen den Fundstellen, weil diese unterschiedliche Lebensräume, Ablagerungsbedingungen und teilweise auch verschiedene Zeitabschnitte repräsentieren. 8Fiorillo, A. R. & Tykoski, R. S. (2012). A new Maastrichtian species of the centrosaurine ceratopsid Pachyrhinosaurus from the North Slope of Alaska. Acta Palaeontologica Polonica 57, 561–573. doi:10.4202/app.2011.0033 9Fiorillo, A. R. & Tykoski, R. S. (2014). A diminutive new tyrannosaur from the top of the world. PLoS ONE 9, e91287. doi:10.1371/journal.pone.0091287 10Shelley, S. L. et al. (2026). Arctic ecosystems shaped mammalian dispersal and diversification before the Cretaceous–Paleogene mass extinction. Proceedings of the National Academy of Sciences 123, e2601794123. doi:10.1073/pnas.2601794123 11Brinkman, D. B. et al. (2025). Fishes from the Upper Cretaceous Prince Creek Formation, North Slope of Alaska, and their palaeobiogeographical significance. Papers in Palaeontology 11, e70014. doi:10.1002/spp2.70014 12Wilson, L. E. et al. (2025). Arctic bird nesting traces back to the Cretaceous. Science 388, 974–978. doi:10.1126/science.adt5189
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Die Artenvielfalt der Prince Creek Formation sowie ihrer Nachbarformationen sind in einem eigenen Artikel gelistet. Alle spektakulären Lebewesen, also alle Pflanzen und Tiere, von den kleinen Wirbellosen über die Fische, Amphibien, Säugetiere und Reptilien bis hin zu den famosen Dinosauriern, die dort lebten, findest du hier! |
Weitere Lagerstätten des hohen Nordens:
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Prince Creek Formation |
Weitere Lagerstätten aus Mein traumhaftes Dinosaurier-Buch
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Hell Creek Formation – South Dakota (USA), vor 66 Millionen Jahren
Prince Creek Formation – Alaska (USA), Oberkreide bis Paläozän Djadochta Formation – Mongolei, vor etwa 74 Millionen Jahren Niobrara Chalk Formation – Kansas (USA), vor etwa 85 Millionen Jahren Bahariya Formation – Ägypten, vor etwa 100 Millionen Jahren Yixian Formation – Liaoning (China), vor etwa 125 Millionen Jahren Altmühltal Formation – Bayern (Deutschland), vor etwa 150 Millionen Jahren Posidonienschiefer – Baden-Württemberg (Deutschland), vor etwa 180 Millionen Jahren Trossingen Formation – Baden-Württemberg (Deutschland), vor etwa 210 Millionen Jahren Chinle Formation – Arizona (USA), vor etwa 225 Millionen Jahren |
Alle anderen Lagerstätten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen, erreichst du über meine interaktive Karte:
Quellenangaben:
- 1Gryc, G.; Patton, W. W. Jr. & Payne, T. G. (1951). Present Cretaceous stratigraphic nomenclature of northern Alaska. Journal of the Washington Academy of Sciences 41(5), 159–167 ↩︎
- 2Mull, C. G.; Houseknecht, D. W. & Bird, K. J. (2003). Revised Cretaceous and Tertiary stratigraphic nomenclature in the Colville Basin, northern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1673, 1–51 ↩︎
- 3Flores, R. M. et al. (2007). Stratigraphy and facies of Upper Cretaceous Schrader Bluff and Prince Creek Formations in Colville River Bluffs, North Slope, Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1748, 1–52 ↩︎
- 4Druckenmiller, P. S. et al. (2021). Nesting at extreme polar latitudes by non-avian dinosaurs. Current Biology 31, 3469–3478.e5. doi:10.1016/j.cub.2021.05.041 ↩︎
- 5Flaig, P. P.; McCarthy, P. J. & Fiorillo, A. R. (2011). A tidally influenced, high-latitude coastal-plain: The Upper Cretaceous (Maastrichtian) Prince Creek Formation, North Slope, Alaska. SEPM Special Publication 97, 233–264. doi:10.2110/sepmsp.097.233 ↩︎
- 6Fiorillo, A. R. et al. (2010). Taphonomic and sedimentologic interpretations of the dinosaur-bearing Upper Cretaceous strata of the Prince Creek Formation, northern Alaska: Insights from an ancient high-latitude terrestrial ecosystem. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 295, 376–388. doi:10.1016/j.palaeo.2010.02.029 ↩︎
- 7Mull, C. G.; Houseknecht, D. W. & Bird, K. J. (2003). Revised Cretaceous and Tertiary stratigraphic nomenclature in the Colville Basin, northern Alaska. U.S. Geological Survey Professional Paper 1673, 1–51 ↩︎
- 8Fiorillo, A. R. & Tykoski, R. S. (2012). A new Maastrichtian species of the centrosaurine ceratopsid Pachyrhinosaurus from the North Slope of Alaska. Acta Palaeontologica Polonica 57, 561–573. doi:10.4202/app.2011.0033 ↩︎
- 9Fiorillo, A. R. & Tykoski, R. S. (2014). A diminutive new tyrannosaur from the top of the world. PLoS ONE 9, e91287. doi:10.1371/journal.pone.0091287 ↩︎
- 10Shelley, S. L. et al. (2026). Arctic ecosystems shaped mammalian dispersal and diversification before the Cretaceous–Paleogene mass extinction. Proceedings of the National Academy of Sciences 123, e2601794123. doi:10.1073/pnas.2601794123 ↩︎
- 11Brinkman, D. B. et al. (2025). Fishes from the Upper Cretaceous Prince Creek Formation, North Slope of Alaska, and their palaeobiogeographical significance. Papers in Palaeontology 11, e70014. doi:10.1002/spp2.70014 ↩︎
- 12Wilson, L. E. et al. (2025). Arctic bird nesting traces back to the Cretaceous. Science 388, 974–978. doi:10.1126/science.adt5189 ↩︎
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