Willkommen zu den wöchentlichen Paläo-News! Jeden Sonntag fasse ich für dich ganz aktuell die wichtigsten neuen Studien aus der Dinosaurierforschung verständlich zusammen, damit du in wenigen Minuten auf dem neuesten Stand der Paläontologie bleibst. Hier findest du die Paläo-News aus KW 28 2026.

Die aktuellen Meldungen:
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Neues über frisch geschlüpfte TyrannosaurierLongrich et al. zeigen anhand von winzigen Knochen und Zähne frisch geschlüpfter Tyrannosaurier, dass Jungtiere von Tyrannosaurus rex und Gorgosaurus libratus beim Schlüpfen nur etwa 2,5 Kilogramm wogen. Synchrotron-Scans ergaben umgebaute Knochenstrukturen, die auf frühe Bewegungsfähigkeit hindeuten. Abgenutzte Zähne sprechen zudem dafür, dass die Jungtiere schon sehr früh selbst fraßen und jagten, möglicherweise auch größere Wirbeltiere. Daraus schließen die Forscher, dass Tyrannosaurier sehr große Gelege hatten, mindestens 15 bis sogar 30 Eier, vielleicht deutlich mehr, da die Jungtiere früh auf sich allein gestellt überleben mussten.1Longrich, N. R. et al. (2026). Hatchlings of Tyrannosaurus rex and the evolution of dinosaur reproductive strategies. Biology, 15(13), 1090. doi:10.3390/biology15131090 |
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Früchtevielfalt entstand im Erdmittelalter früher als gedachtLee et al. untersuchen die Fossilsammlung aus einem spätkreidezeitlichen Wald in New Mexico und kommen zu dem Schluss, dass Blütenpflanzen schon vor dem Chicxulub-Massenaussterben vielfältige Samen- und Fruchtformen entwickelten. Sie beschreiben 77 unterschiedliche Diasporen-Morphotypen, also Formen von Samen und Früchten, darunter fleischige Früchte ungefähr von Heidelbeergröße. Solche Merkmale sprechen wahrscheinlich für eine Verbreitung durch Wirbeltiere. Die Studie deutet jedoch an, dass diese Vielfalt nicht zwingend direkt durch neue Tiergruppen ausgelöst wurde. Stattdessen könnte sie mit dem Wandel zu schattigen, feuchten Tropenwäldern zusammenhängen, in denen andere Strategien der Samenverbreitung vorteilhaft wurden.2Lee, J. et al. (2026). Diversification of angiosperm reproductive strategies predated the end-Cretaceous extinction. Science, 392, 1380–1383. doi:10.1126/science.adw9457 |
Plesiolophus warnerensis |
Früher Parasaurolophine aus AlbertaMcFeeters et al. beschreibt ein Schädeldach mit Gehirnkapsel aus der Oldman Formation in Süd Alberta erstmals eindeutig einen erwachsenen Lambeosaurinen aus dieser Einheit. Der Fund stammt aus der Comrey Sandstone Zone und zeigt Merkmale der Parasaurolophini, darunter eine steil geneigte Stirnbeinplattform und besondere Strukturen an der Schädelbasis. Zugleich besitzt er eine einzigartige Merkmalskombination, die auf ein neues Taxon hinweist. Einige Schädelmerkmale ähneln Jungtieren von Parasaurolophus, obwohl das Tier groß und erwachsen war. Das stützt die Idee, dass Veränderungen im Entwicklungstempo die Evolution der Parasaurolophinen-Schädel prägten.3McFeeters, B. D. et al. (2026). A new parasaurolophin dinosaur (Hadrosauridae: Lambeosaurinae) from the Oldman Formation of southern Alberta. Canadian Journal of Earth Sciences, 63, 1–23. doi:10.1139/cjes-2026-0013 |
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Innenohr zeigt Sinne der CaenagnathidenBazzana-Adams, Funston & Evans zeigen durch Untersuchungen am Innenohr dreier Caenagnathiden, dass diese Oviraptorosaurier über mehr als zehn Millionen Jahre und trotz großer Körperunterschiede erstaunlich ähnliche Sinnesanpassungen besaßen. Die Forschenden verglichen ihre Rekonstruktionen sie mit denen anderen Maniraptoren. Dabei zeigten sich teils vogelähnliche Merkmale, wie sie in mehreren Linien unabhängig entstanden. Besonders aufschlussreich ist ein verkürzter Hörkanal im vollständigsten Exemplar, der auf eingeschränkte Hörempfindlichkeit hindeutet. Das passt schlecht zu früheren Vorstellungen besonders räuberischer Caenagnathiden und zeigt, dass späte Vertreter einzelner Gruppen nicht automatisch deren gesamte Vielfalt widerspiegeln.4Bazzana-Adams, K. D., Funston, G. F. & Evans, D. C. (2026). Inner ear anatomy of Caenagnathidae (Theropoda: Oviraptorosauria) emphasizes mosaic evolution of the avian neurosensory system. Journal of Comparative Neurology, 534(7), e70180. doi:10.1002/cne.70180 |
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Kleiner Iguanodontier von Japans KüsteKondo et al. beschreiben ein einzelnes Brustbein aus der marinen Ashizawa Formation in Fukushima und belegen damit, dass auch kleinere Iguanodontier die Küstenräume der japanischen Oberkreide nutzten. Der 1999 gefundene Knochen gehört zu einer beilförmigen, nicht verwachsenen Brustbeinplatte und lässt sich einem unbestimmten Styracosternen zuordnen, wahrscheinlich einem Hadrosauroiden. Seine Größe spricht für ein Tier von etwa drei Metern Körperlänge. Bisherige Iguanodontierfunde aus oberkreidezeitlichen Meeresablagerungen Japans schienen von größeren Tieren zu stammen. Der Fund erweitert daher das Bild dieser Küstenfaunen und zeigt, dass dort nicht nur große Ornithopoden vorkamen.5Kondo, M. et al. (2026). An iguanodontian sternal plate from the Upper Cretaceous Ashizawa Formation (Futaba Group) of Fukushima Prefecture, Japan. Paleontological Research, 30, 122–134. doi:10.2517/prpsj.250042 |
Mesetasaurus protector |
Neuer Titanosaurier aus UruguaySoto Núñez,Montenegro, & Perea beschreiben zwei gut erhaltene Schwanzwirbel aus der Guichón Formation im Nordwesten Uruguays mit Mesetasaurus protector als neue Titanosaurierart. Die Funde stammen von der neuen Fundstelle Meseta de Artigas und zeigen Merkmale der Aeolosaurini, darunter nach vorn geneigte Wirbelflächen, ein vorn sitzender Wirbelbogen, eine nach vorn geneigte Dornfortsatzform und lange vordere Gelenkfortsätze. Eine stammesgeschichtliche Analyse ordnet Mesetasaurus tief innerhalb dieser Gruppe ein. Da Aeolosaurini nur aus der Oberkreide vom Coniacium bis Maastrichtium bekannt sind, steht das bisher als unterkredezeitlich angenommene Alter der Guichón Formation infrage. Sie dürfte wohl auch aus der Oberkreide stammen. 6Soto Núñez, M., Montenegro, F. & Perea, D. (2026). A new Aeolosaurini (Sauropoda, Titanosauria) from the Upper Cretaceous of Uruguay. Ameghiniana. doi:10.5710/AMGH.19.06.2026.3689 |
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Laufspur zeigt rennenden OrnithopodenKim, Lee & Gihm beschreiben eine außergewöhnlich gut erhaltene Fährte aus der Hasandong Formation auf Juji Island in Südkorea, dass ein zweibeiniger Ornithopode dort tatsächlich rannte. Die Spur besteht aus drei aufeinanderfolgenden Fußabdrücken und bewahrt sowohl die Form der Füße als auch Hinweise auf die Fortbewegung. Mithilfe von 3D-Photogrammetrie und Spurenmessungen errechneten die Forschenden eine Laufgeschwindigkeit von etwa fünf Metern pro Sekunde. Sedimentologische Analysen zeigen, dass die Spuren auf einem genau passenden, feuchten, aber noch formstabilen Untergrund entstanden und kurz darauf von Sand überdeckt wurden. Der Fund erklärt, wie seltene Belege für schnelle Dinosaurierbewegung überhaupt erhalten bleiben konnten.7Kim, S., Lee, Y.-N. & Gihm, Y. S. (2026). A running ornithopod trackway from the Hasandong Formation (Lower Cretaceous, Korea): Evidence of a ‘Goldilocks’ substrate window and rapid avulsion burial. Palaeoworld, 201155. doi:10.1016/j.palwor.2026.201155 |
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Troodontiden-Zähne aus Südindien bestätigtDhiman et al. bestätigen zwei Zähne aus der Kallamedu Formation im Cauvery Becken Südindiens, dass Troodontiden auch in Gondwana vorkamen. Die Gruppe kleiner, vogelähnlicher Theropoden war sonst fast ausschließlich aus Laurasia bekannt. Ein früher gefundener Zahn war lange der einzige Hinweis; nun stützt ein zweiter, besser erhaltener Fund diese Zuordnung. Die Forschenden verglichen beide Zähne mit bekanntem Troodontiden-Material und nutzten zusätzlich statistische Analysen mehrerer Messwerte. Die Ähnlichkeit zu Troodon ist besonders auffällig. Der Fund könnte auf eine alte, einst weit verbreitete Linie oder auf eine spätere Ausbreitung von Laurasia nach Indien hinweisen.8Dhiman, H. et al. (2026). A second theropod tooth from the Cauvery Basin reaffirms the presence of troodontid dinosaurs in the Cretaceous of India. The Anatomical Record. doi:10.1002/ar.70280 |
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Dinosaurierspuren bleiben vieldeutigPeng & Xing zeigen mithilfe einer Überblicksstudie, warum Dinosaurierspuren vorsichtiger gedeutet werden müssen als Knochenfunde. Fußabdrücke speichern nicht direkt Anatomie, Verhalten oder Artenvielfalt, sondern nur Spuren von Bewegung, Untergrund und Erhaltung. Die Studie vergleicht klassische Methoden wie Umrissmessungen mit 3D-Digitalisierung, geometrischer Formanalyse, maschinellem Lernen und biomechanischen Simulationen. Dabei werden bekannte Probleme neu bewertet, etwa die Unterscheidung von Ornithopoden- und Theropodenspuren oder der Komplex um Grallator, Anchisauripus und Eubrontes. Moderne Verfahren beseitigen Unsicherheit selten vollständig, zeigen aber genauer, welche Deutungen robust sind und wo alternative Erklärungen offenbleiben.9Ha, Y. & Kim, S.-S. (2026). Deep learning enables automated detection of dinosaur footprints with high accuracy. Scientific Reports. doi:10.1038/s41598-026-56031-5 |
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Troodontiden-Zähne unterm CT-ScanYin et al. zeigen hochauflösende CT Scans zweier Troodontiden-Zähne aus der Yuliangzi Formation in Heilongjiang erstmals die dreidimensionale Form der Zahnhöhle dieser kleinen Theropoden. Die Forschenden untersuchten ein neues vollständiges Exemplar und einen bereits bekannten Zahn aus dem Sunwu Jiayin Becken. Dabei fanden sie sehr dünnen Zahnschmelz, unterschiedliche Schmelzdicken an den Zahnzacken und eine schmale, gebogene Zahnhöhle mit mehreren Vorsprüngen. Abnutzungsspuren zeigen zudem Kontakt beim Fressen. Der neue Zahn gehört zum Troodon Morphotyp und stützt damit einen Austausch von Dinosaurierfaunen zwischen Asien und Nordamerika über die kreidezeitliche Beringia.10Yin, Y.-L. et al. (2026). The anatomy of two troodontid teeth from the Upper Cretaceous of Jiayin, Heilongjiang Province, China. Swiss Journal of Palaeontology, 145, 823–837. doi:10.3897/sjp.145.195625 |
Uragasaurus kalasinensis |
Erster Mamenchisauride aus ThailandNilpanapan et al. beschreiben Forschende mit Uragasaurus kalasinensis einen neuen Sauropoden aus der Phu Kradung Formation im Nordosten Thailands. Grundlage ist ein gut erhaltener vorderer Rückenwirbel, dessen Knochenleisten eine ungewöhnliche Y-förmige Anordnung zeigen. CT-Aufnahmen machten zudem eine schwammartig gekammerte innere Luftstruktur im Wirbelkörper sichtbar. Stammesgeschichtliche Analysen ordnen Uragasaurus als frühen Vertreter der Mamenchisauriden ein, jener langhalsigen Sauropoden, die vor allem aus dem Jura Ostasiens bekannt sind. Der Fund erweitert ihre Verbreitung nach Südostasien und stützt ein oberjurassisches Alter für den unteren Teil der Phu Kradung Formation.11Nilpanapan, A. et al. (2026). A new mamenchisaurid sauropod from the Lower Phu Kradung Formation, Upper Jurassic of northeastern Thailand. Scientific Reports, 16(1). doi:10.1038/s41598-026-49822-3 |
Quellenangaben:
- 1Longrich, N. R. et al. (2026). Hatchlings of Tyrannosaurus rex and the evolution of dinosaur reproductive strategies. Biology, 15(13), 1090. doi:10.3390/biology15131090
- 2Lee, J. et al. (2026). Diversification of angiosperm reproductive strategies predated the end-Cretaceous extinction. Science, 392, 1380–1383. doi:10.1126/science.adw9457
- 3McFeeters, B. D. et al. (2026). A new parasaurolophin dinosaur (Hadrosauridae: Lambeosaurinae) from the Oldman Formation of southern Alberta. Canadian Journal of Earth Sciences, 63, 1–23. doi:10.1139/cjes-2026-0013
- 4Bazzana-Adams, K. D., Funston, G. F. & Evans, D. C. (2026). Inner ear anatomy of Caenagnathidae (Theropoda: Oviraptorosauria) emphasizes mosaic evolution of the avian neurosensory system. Journal of Comparative Neurology, 534(7), e70180. doi:10.1002/cne.70180
- 5Kondo, M. et al. (2026). An iguanodontian sternal plate from the Upper Cretaceous Ashizawa Formation (Futaba Group) of Fukushima Prefecture, Japan. Paleontological Research, 30, 122–134. doi:10.2517/prpsj.250042
- 6Soto Núñez, M., Montenegro, F. & Perea, D. (2026). A new Aeolosaurini (Sauropoda, Titanosauria) from the Upper Cretaceous of Uruguay. Ameghiniana. doi:10.5710/AMGH.19.06.2026.3689
- 7Kim, S., Lee, Y.-N. & Gihm, Y. S. (2026). A running ornithopod trackway from the Hasandong Formation (Lower Cretaceous, Korea): Evidence of a ‘Goldilocks’ substrate window and rapid avulsion burial. Palaeoworld, 201155. doi:10.1016/j.palwor.2026.201155
- 8Dhiman, H. et al. (2026). A second theropod tooth from the Cauvery Basin reaffirms the presence of troodontid dinosaurs in the Cretaceous of India. The Anatomical Record. doi:10.1002/ar.70280
- 9Ha, Y. & Kim, S.-S. (2026). Deep learning enables automated detection of dinosaur footprints with high accuracy. Scientific Reports. doi:10.1038/s41598-026-56031-5
- 10Yin, Y.-L. et al. (2026). The anatomy of two troodontid teeth from the Upper Cretaceous of Jiayin, Heilongjiang Province, China. Swiss Journal of Palaeontology, 145, 823–837. doi:10.3897/sjp.145.195625
- 11Nilpanapan, A. et al. (2026). A new mamenchisaurid sauropod from the Lower Phu Kradung Formation, Upper Jurassic of northeastern Thailand. Scientific Reports, 16(1). doi:10.1038/s41598-026-49822-3
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