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Paläo-News KW 37 2026

Posted on September 13, 2026 by Markus Kretschmer
Lesedauer 8 Minuten

Willkommen zu den wöchentlichen Paläo-News! Jeden Sonntag fasse ich für dich ganz aktuell die wichtigsten neuen Studien aus der Dinosaurierforschung verständlich zusammen, damit du in wenigen Minuten auf dem neuesten Stand der Paläontologie bleibst. Hier findest du die Paläo-News aus KW 37 2026, vom 07. bis 13. September.

Die Meldungen:

Kayrasaurus changliensis

Neuer Therizinosaurier aus China

Liao et al. beschreiben mit Kayrasaurus changliensis einen neuen frühen Therizinosaurier aus der unterkretazischen Yixian Formation in der chinesischen Provinz Liaoning. Das nahezu vollständige, noch nicht ausgewachsene Exemplar war deutlich größer als andere zeitgleich lebendee Therizinosaurier der Jehol Biota und besitzt unter anderem ungewöhnlich kleine, dicht stehende Zähne. Phylogenetische und biomechanische Analysen deuten darauf hin, dass verschiedene Therizinosaurier dort unterschiedliche ökologische Nischen besetzten. Kayrasaurus und Beipiaosaurus könnten kräftiger gebaut und auf stärkere Beißkräfte spezialisiert gewesen sein, während andere Formen stärker laufangepasst waren und ihre Vordergliedmaßen intensiver zur Nahrungssuche nutzten.

Erste T. rex-Fährte entdeckt

Falkingham et al. beschreiben eine rund sieben Meter lange Fährte aus der Hell Creek Formation in North Dakota. Sie stammt wahrscheinlich von einem erwachsenen Tyrannosaurus rex. Die vier dreizehigen Abdrücke sind jeweils etwa einen Meter lang und 66,5 Millionen Jahre alt. Sie liegen etwa 33 Meter unterhalb der Grenze zur Fort Union Formation. Größe und Form der Spuren sowie zahlreiche örtliche T. rex-Funde sprechen für diese Zuordnung. Aus Schrittlänge und Fußlänge errechneten die Forschenden eine Gehgeschwindigkeit von etwa 1,5 bis 2 Metern pro Sekunde. Obwohl die Abdrücke kaum anatomische Details bewahren, liefert die Fährte den bislang ersten wahrscheinlichen Nachweis eines erwachsenen T. rex als Spurenverursacher.1Falkingham, P. L. et al. (2026). A large tridactyl trackway from the Upper Cretaceous Hell Creek Formation of North Dakota, likely attributable to an adult Tyrannosaurus rex. Journal of Vertebrate Paleontology, e2706201. doi:10.1080/02724634.2026.2706201

Hell Creek-Theropode gönnte sich Vogel-Snack

O’Connor et al. beschreiben eine außergewöhnlich gut erhaltene Konturfeder aus einem Theropoden-Koprolithen der obersten Hell Creek Formation. Knochenreste im selben Koprolithen sprechen dafür, dass die Feder von einem flugunfähigen aquatischen Hesperornithiformen stammte, den der Theropode gefressen hatte. Die moderne Konstruktion mit leichtem, steifem Federschaft und dicht stehenden Federästen zeigt, dass hochentwickelte Federn bereits vor dem K/Pg-Massenaussterben existierten. Weitere im Koprolithen erhaltene Federn weisen zugleich ausgestorbene Federtypen auf. Unterschiede im isolierenden Körpergefieder könnten nach Ansicht der Forschenden möglicherweise zum unterschiedlichen Überleben von Vogelgruppen während des Impaktwinters beigetragen haben. Als vogelhungriger Verursacher des Kothaufens kommt ausgehend von der Größe ein junger Tyrannosaurus oder auch ein Ausgewachsener Nanotyrannus oder Anzu in Betracht. Der ehemalige Besitzer der Feder könnte vielleicht Brodavis gewesen sein.2O’Connor, J. K.; DeMar, D. G.; Carroll, N. R.; Chin, K.; Armour Smith, E.; Holland, M.; Clark, A. D.; Cooper, C.; Kuo, P.-C.; Tobin, T. S.; Celestian, A. J.; Bottjer, D. J.; Chiappe, L. M.; Wilson Mantilla, G. P. (2026). „Bird feathers from a Late Cretaceous coprolite“. Current Biology. doi:10.1016/j.cub.2026.08.054.

Diplodocoideen erholten sich nach Vielfaltseinbruch am Ende des Jura

Órfão et al. zeigen, dass die Vielfalt der Diplodocoidea unmittelbar vor oder während des Jura-Kreide-Übergangs stark einbrach, sich danach jedoch wieder erholte und im Aptium einen neuen Höhepunkt erreichte. Insgesamt war ihre Diversität in der Unterkreide sogar höher als im Oberjura. Dabei entwickelten sich unterschiedliche geografische Muster: Flagellicaudata waren auf höhere Breiten beschränkt, während Rebbachisauriden das gesamte Breitenspektrum der Diplodocoideen besiedelten. Die Forschenden vermuten unterschiedliche klimatische und ökologische Anpassungen beider Gruppen. Zugleich zeigen die Analysen, dass Verzerrungen des Fossilberichts frühere Einschätzungen der Sauropodenvielfalt erheblich beeinflusst haben könnten.3Órfão, J. et al. (2026). Everything, everywhere, all at once? Trends in Diplodocoidea diversity during the Jurassic/Cretaceous transition. Fossil Record, 29(2), 707–730. doi:10.3897/fr.29.189225

Zwei Zahnformen zeigen zwei Spinosaurier

Buffetaut et al. beschreiben zwei deutlich unterschiedliche Zahnformen von Spinosauriern, die an der unterkreidezeitlichen Fundstelle Phra Prong in Ostthailand entdeckt wurden. Eine besitzt ausgeprägte Längsrippen auf dem Zahnschmelz, während die andere fast glatten Schmelz mit lediglich schwacher Fältelung aufweist. Da asiatische Spinosaurierzähne gewöhnlich deutlich gerippt sind, ist die zweite Form besonders ungewöhnlich. Die Forschenden deuten das gemeinsame Auftreten der beiden Morphotypen als Hinweis auf zwei verschiedene Spinosaurierarten. Die Unterschiede könnten mit verschiedenen Ernährungsweisen und einer Aufteilung der ökologischen Nischen zusammenhängen. Welche Funktion die Schmelzrippen tatsächlich hatten, bleibt allerdings weiterhin ungeklärt.4Buffetaut, E. et al. (2026). An Unusual Spinosaurid Tooth Morphotype from the Early Cretaceous of Eastern Thailand. Diversity, 18(9), 557. doi:10.3390/d18090557

Titanosaurier nisteten nahe der Antarktis

Tanaka et al. die Studie mehr als 250 Dinosaurier-Eierschalen aus der maastrichtischen Chorrillo Formation im südlichsten Patagonien, das damals auf etwa 55–60° südlicher Breite lag. Die Fragmente werden Fusioolithus oosp. zugeordnet und stammen wahrscheinlich von Titanosauriern. Ihre hohe Porosität deutet darauf hin, dass die Eier während der Brut vollständig mit Nestmaterial bedeckt waren. Aufgrund der hohen Paläobreite vermuten die Forschenden hügelartige Nester, in denen vor allem die Wärme mikrobieller Zersetzung die Eier ausbrütete. Der Fund stellt den bislang südlichsten eindeutigen Nachweis von Dinosauriereiern dar und erweitert das bekannte Brutgebiet der Titanosaurier erheblich.5Tanaka, K. et al. (2026). Titanosaur eggshells from the latest Cretaceous of Patagonia, Argentina: implications for nesting at high latitude. Royal Society Open Science, 13(9), 260333. doi:10.1098/rsos.260333

Troodon wuchs erstaunlich gleichförmig

Varricchio & Caldwell zeigen in einer neuen Untersuchung, dass sich das Skelett von Troodon formosus während des Wachstums nur vergleichsweise wenig veränderte. Dafür untersuchten Forschende Becken und Hinterbeine von Embryonalstadien bis zu ausgewachsenen Tieren aus der Two Medicine Formation in Montana. Die grundlegende Form der Knochen blieb über die verschiedenen Altersstufen weitgehend erhalten, während Veränderungen etwa bei Knochenstärke, Verwachsungen und der Oberflächenstruktur offenbar zu bestimmten Wachstumsphasen auftraten. Auffällig sind zudem mögliche krankhafte Veränderungen an zahlreichen Fußknochen. Die geringe Veränderlichkeit während der Entwicklung schränkt die natürliche Variation innerhalb der Art ein und unterstützt damit auch die eigenständige taxonomische Einordnung einiger junger Troodontiden. 6Varricchio, D. J. & Caldwell, H. R. (2026). Pelvic and hindlimb osteology and ontogeny of a troodontid from the upper member of the Two Medicine Formation (Cretaceous) of Montana. PLOS ONE, 21(9), e0356249. doi:10.1371/journal.pone.0356249

Eosinopteryx ist offenbar kein eigener Dinosaurier

Li et al. zeigen in einer Neubewertung, dass Eosinopteryx brevipenna wahrscheinlich keine eigenständige Dinosaurierart war, sondern ein junges Individuum von Anchiornis huxleyi. Forschende untersuchten den Holotypus erneut und stellten fest, dass seine Knochenmerkmale im Wesentlichen mit denen von A. huxleyi übereinstimmen. Viele vermeintlich charakteristische Merkmale von Eosinopteryx lassen sich demnach durch Verformungen und Beschädigungen des Fossils erklären. Damit wird Eosinopteryx brevipenna als jüngeres Synonym von Anchiornis huxleyi betrachtet. Die Neubewertung ist besonders relevant für die Erforschung der frühen gefiederten Paravier, deren Anatomie wichtige Hinweise auf die Entstehung des Vogelflugs liefert. 7Li, F.-F. et al. (2026). Redescription and taxonomic reassessment of the holotype of anchiornithine Eosinopteryx brevipenna. Palaeoworld, 201180. doi:10.1016/j.palwor.2026.201180

Quellenangaben:

  • 1
    Falkingham, P. L. et al. (2026). A large tridactyl trackway from the Upper Cretaceous Hell Creek Formation of North Dakota, likely attributable to an adult Tyrannosaurus rex. Journal of Vertebrate Paleontology, e2706201. doi:10.1080/02724634.2026.2706201 ↩︎
  • 2
    O’Connor, J. K.; DeMar, D. G.; Carroll, N. R.; Chin, K.; Armour Smith, E.; Holland, M.; Clark, A. D.; Cooper, C.; Kuo, P.-C.; Tobin, T. S.; Celestian, A. J.; Bottjer, D. J.; Chiappe, L. M.; Wilson Mantilla, G. P. (2026). „Bird feathers from a Late Cretaceous coprolite“. Current Biology. doi:10.1016/j.cub.2026.08.054. ↩︎
  • 3
    Órfão, J. et al. (2026). Everything, everywhere, all at once? Trends in Diplodocoidea diversity during the Jurassic/Cretaceous transition. Fossil Record, 29(2), 707–730. doi:10.3897/fr.29.189225 ↩︎
  • 4
    Buffetaut, E. et al. (2026). An Unusual Spinosaurid Tooth Morphotype from the Early Cretaceous of Eastern Thailand. Diversity, 18(9), 557. doi:10.3390/d18090557 ↩︎
  • 5
    Tanaka, K. et al. (2026). Titanosaur eggshells from the latest Cretaceous of Patagonia, Argentina: implications for nesting at high latitude. Royal Society Open Science, 13(9), 260333. doi:10.1098/rsos.260333 ↩︎
  • 6
    Varricchio, D. J. & Caldwell, H. R. (2026). Pelvic and hindlimb osteology and ontogeny of a troodontid from the upper member of the Two Medicine Formation (Cretaceous) of Montana. PLOS ONE, 21(9), e0356249. doi:10.1371/journal.pone.0356249 ↩︎
  • 7
    Li, F.-F. et al. (2026). Redescription and taxonomic reassessment of the holotype of anchiornithine Eosinopteryx brevipenna. Palaeoworld, 201180. doi:10.1016/j.palwor.2026.201180 ↩︎
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