Lesedauer 9 MinutenWillkommen zu den wöchentlichen Paläo-News! Jeden Sonntag fasse ich für dich ganz aktuell die wichtigsten neuen Studien aus der Dinosaurierforschung verständlich zusammen, damit du in wenigen Minuten auf dem neuesten Stand der Paläontologie bleibst. Hier findest du die Paläo-News aus KW 38 & 39 2026, vom 14. bis 27. September.

Die Meldungen:
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Kritik an Rekonstruktion von möglicher Sauropoden-Farbrekonstruktion
Rossi & McNamara stellen die Studie von Gallagher et al. (2025) infrage, in welcher die Autoren behaupteten, die Hautfarbe juveniler Diplodociden aus dem oberjurassischen Mother’s Day Quarry rekonstruiert zu haben. Zwar akzeptieren die Autoren einige Mikrostrukturen als mögliche Melanosomen, halten aber Rückschlüsse auf Hautfarbe und Farbmuster für unbelegt. Kritisiert werden unzureichend dokumentierte Proben, teilweise eingebettete und daher fehlerhaft vermessene Melanosomen, geringe Stichprobengrößen, fehlende Vergleichsdaten und statistische Analysen sowie methodische Probleme bei SEM- und EDS-Untersuchungen. Besonders entscheidend: Die bei Federn bekannte Beziehung zwischen Melanosomenform und Farbe lässt sich nicht einfach auf Haut übertragen. Für belastbare Sauropoden-Farbrekonstruktionen seien daher zusätzliche Pigmentnachweise erforderlich. |
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Wie entstanden die Edmontosaurus-Mumien?
Saitta et al. untersuchen zwei außergewöhnlich erhaltene Edmontosaurus annectens-Exemplare aus der maastrichtischen Lance Formation. Dabei zeigen sie, wie derartige dreidimensionale Dinosaurier-Mumien wahrscheinlich entstanden. Die Tiere trockneten vermutlich zunächst an der Erdoberfläche aus, bevor ihre Kadaver rasch von Flusssanden bedeckt und ausgefüllt wurden. Analysen von Haut, Schuppen, Schwanzstacheln und Hufen ergaben kaum Hinweise auf ursprüngliches organisches Gewebe oder Biomoleküle. Stattdessen bildeten Mikroorganismen während der Verwesung eine weniger als einen Millimeter dünne Tonmineralschicht, überwiegend aus Kaolinit, welche die äußere Körperoberfläche detailgetreu abformte. Dinosauriermumien sind somit außergewöhnlich präzise mineralische Abbildungen vertrockneter Weichteile. |
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Diplodocus erstmals außerhalb Nordamerikas nachgewiesen
Sánchez-Fenollosa, García-Cobeña & Cobos beschreiben einen Diplodociden aus der oberjurassischen Villar del Arzobispo Formation bei El Castellar in Spanien, der anhand anatomischer Vergleiche und phylogenetischer Analysen der bislang nur aus Nordamerika bekannten Gattung Diplodocus zugeordnet wird. Das aus 14 Schwanzwirbeln und mehreren Chevronknochen bestehende Exemplar zählt sogar zu den vollständigsten europäischen Diplodociden. Bislang war die Gattung ausschließlich aus der Morrison Formation überliefert. Der spanische Fund liefert damit den ersten interkontinentalen Nachweis von Diplodocus und einen weiteren starken Beleg auf episodische Ausbreitungsereignisse und Faunenaustausch zwischen Nordamerika und der Iberischen Halbinsel über den entstehenden Nordatlantik im späten Kimmeridgium bis frühen Tithonium. |
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Sauropoden bevorzugten Lagunen auf Skye
DePolo et al. untersuchen Fußspuren von Sauropoden auf der schottischen Insel Skye. Diese hielten sich wahrscheinlich bevorzugt in Lagunengebieten auf, während andere Dinosaurier häufiger auf freiliegenden Wattflächen vorkamen. Das zeigt die Untersuchung der größten bekannten Fundstelle für Dinosaurierspuren auf Skye, der Duntulm-Fundstelle an der Küste. Mithilfe von Luftaufnahmen wurden die Spuren datiert und mehrere kurze, schmalspurige Fährten von Sauropoden rekonstruiert, die sich gehend fortbewegten. Die unterschiedlichen Laufrichtungen liefern dabei keinen Hinweis auf geselliges Verhalten. Eine statistische Auswertung aller bekannten Dinosaurierspuren der Insel deutet vielmehr auf eine Aufteilung der Lebensräume hin, wobei weitere Funde dieses Muster künftig überprüfen sollen.
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Faunenwechsel bei den Sauropoden Thailands
Chowchuvech et al. untersuchen die isolierten Sauropodenzähne aus der Khorat Group in Thailand und zeigen einen deutlichen Faunenwechsel am Übergang vom Jura in die Kreide. Morphologische und quantitative Analysen unterscheiden vier Zahntypen mit Ähnlichkeiten zu Mamenchisauridae, Brachiosauridae, Somphospondyli und Dicraeosauridae. Während Mamenchisauriden im Oberjura bis in die früheste Kreide vertreten waren, gewannen Neosauropoden wie Titanosauriformes und Diplodocoidea während der Unterkreide zunehmend an Bedeutung. Die Ergebnisse stimmen mit dem übrigen Sauropoden-Fossilbericht der Region überein und sprechen für einen größeren Faunenaustausch, der möglicherweise durch ökologische Veränderungen unter den pflanzenfressenden Dinosauriern begünstigt wurde. |
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Jainosaurus und Isisaurus lebten gemeinsam
Kumar et al. beschreibt einen neuen Fossilfundort der maastrichtischen Lameta Formation bei Taunri im indischen Distrikt Jabalpur. Neun dort gefundene postkraniale Knochen werden Titanosauriern zugeordnet, darunter einer der größten bislang bekannten Oberschenkelknochen von Jainosaurus sowie der erste von dort dokumentierte Mittelfußknochen eines Titanosauriers. Besonders bedeutend sind Oberarmknochen, die sowohl Jainosaurus als auch Isisaurus zugeschrieben werden. Ihr gemeinsames Auftreten liefert erstmals substanzielle Belege dafür, dass beide Titanosaurier im Raum Jabalpur gleichzeitig vorkamen. |
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Unterarme indischer Titanosaurier zeigen große Formenvielfalt
Pal & Deshmukh analysieren Speiche und Elle zweier indischer Titanosaurier und vergleicht deren distale Gelenkflächen quantitativ mit anderen Eusauropoden. Morphometrische Analysen unterscheiden vier grundlegende Formen der ulnaren und drei der radialen Gelenkflächen. Ähnliche Morphologien treten jedoch unabhängig in verschiedenen Sauropodenlinien auf, was auf Homoplasien hinweist und ihre Verwendung für phylogenetische Analysen erschwert. Zusätzlich untersuchten die Forschenden die Knochenhistologie beider Exemplare. Dabei erwies sich die untersuchte Elle als die eines Jungtiers. Sie liefert damit die erste osteohistologische Beschreibung eines juvenilen Titanosauriers aus Indien und erweitert die bislang spärlichen Kenntnisse über deren Individualentwicklung.
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Quellenangaben:
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Sonstige Meldungen:
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Glossar
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