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Paläo-News KW 31 2026

Posted on August 2, 2026August 23, 2026 by Markus Kretschmer
Lesedauer 7 Minuten

Willkommen zu den wöchentlichen Paläo-News! Jeden Sonntag fasse ich für dich ganz aktuell die wichtigsten neuen Studien aus der Dinosaurierforschung verständlich zusammen, damit du in wenigen Minuten auf dem neuesten Stand der Paläontologie bleibst. Hier findest du die Paläo-News aus KW 31 2026, vom 27. Juli bis 02. August.

Die Meldungen:

Musango matusadonaensis

Neuer Sauropodomorph aus Simbabwe

Barret et al. beschreiben Forschende mit Musango matusadonaensis einen neuen Sauropodomorphen aus der obertriassischen Pebbly Arkose Formation am Karibasee in Simbabwe. Das Teilskelett umfasst Wirbel, Schulter- und Beckengürtel sowie Teile der Vorder- und Hintergliedmaßen und unterscheidet sich deutlich vom dort ebenfalls vorkommenden Musankwa sanyatiensis. Eine stammesgeschichtliche Analyse ordnet beide vorläufig als nahe Verwandte innerhalb der Unaysauriden ein. Knochenhistologie und Massenschätzungen zeigen, dass Musango ein kleiner, mindestens acht Jahre alter subadulter oder erwachsener Dinosaurier mit bereits verlangsamtem Wachstum war. Zugleich fehlen bislang gemeinsame Dinosaurierarten mit dem südafrikanischen Karoo Becken.1Barrett, P. M. et al. (2026). A new sauropodomorph dinosaur from the Pebbly Arkose Formation (Upper Triassic: Norian) of Kariba, Zimbabwe. Journal of Systematic Palaeontology, 24(2), 2678610. doi:10.1080/14772019.2026.2678610

Berühmte Dinosaurier-Lagerstätten neu datiert

Maniel et al. haben neue Uran-Blei-Datierungen von Vulkanaschen und Zirkonen aus der Candeleros Formation und Huincul Formation im argentinischen Neuquén-Becken vorgenommen, aus denen so berühmte Dinosaurier wie Giganotosaurus bzw. Argentinosaurus und Mapusaurus bekannt sind. Beide Formationen bildeten sich offenbar schon während des Albiums in der Unterkreide! Die Candeleros Formation ist demnach etwa 111,4 Millionen Jahre, die Huincul Formation rund 106,8 Millionen Jahre alt. Das ist etwa 10 bis 15 Millionen Jahre älter angesetzt werden als bisher angenommen. Die neuen Altersdaten verändern die biostratigraphische Einordnung zahlreicher Fossilfunde, erklären auch die Korrelation mit der Cerro Barcino Formation besser und liefern zugleich neue Hinweise auf die frühe Hebung der Anden sowie einen klimatischen Wandel hin zu den warmen Treibhausbedingungen der mittleren Kreide.2Maniel, I. J. et al. (2026). Albian zircon U-Pb crystallization ages from tuff beds in the Candeleros and Huincul formations, Neuquén Basin, Argentina. Gondwana Research. doi:10.1016/j.gr.2026.06.020

Feinstaub verstärkte tödliche Hitze während des Chicxulub-Einschlags

Johnson et al. überprüfen die Hypothese, dass extreme Hitze und großflächige Brände verheerende Katastrophen während des Massenaussterbens infolge des Meteoriteneinschlags am Ende der Kreidezeit gewesen sein könnten. Beim Chicxulub-Einschlag wurden glasige Kügelchen und heißer Gesteinsdampf weltweit ausgeworfen. In der Atmosphäre trennten sich beide Bestandteile. Der Dampf kondensierte später zu großen Mengen feinen Staubs. Dieser Staub verstärkte die Wärmestrahlung der zurückfallenden Kügelchen und erhöhte so die Energie, die den Erdboden erreichte. Dadurch wurde die Landoberfläche weltweit stark aufgeheizt und auf der ganzen Erde Brände ausgelöst – ein Inferno, was besonders landlebende Organismen hart traf.3Johnson, B. C. et al. (2026). Heat and wildfires during the K–Pg mass extinction enhanced by fine dust. Journal of Geophysical Research: Biogeosciences, 131(7), e2026JG009837. doi:10.1029/2026JG009837

Ornithischier-Kladistik sollen einheitlicher werden

Reid, Fonseca & Madzia nehmen eine umfassende nomenklatorische Prüfung vor, mit dem Blick auf die bislang 257 Gruppennamen, die für Vogelbeckendinosaurier (Ornithischier) veröffentlicht wurden. Allerdings sind nur 96 als formal definierte Kladenamen etabliert. Unter Berücksichtigung historischer Synonyme lassen sich derzeit 126 eigenständige Kladenamen erkennen; 31 davon besitzen noch keine formale phylogenetische Definition. Probleme entstehen vor allem durch schlecht bekannte namensgebende Taxa und unsichere Verwandtschaftshypothesen. Die Studie ordnet frühere und heutige Namensverwendungen neu und entwickelt Empfehlungen im Sinne des PhyloCode. Ziel ist eine stabilere, nachvollziehbarere Benennung, die auch dann möglichst wenig verändert werden muss, wenn sich Stammbäume künftig verschieben.4Reid, I. J., Fonseca, A. O. & Madzia, D. (2026). The evolution of ornithischian nomenclature. Zoological Journal of the Linnean Society, 207(3), zlag111. doi:10.1093/zoolinnean/zlag111

Ceratopsiden-Fuß erstmals präzise rekonstruiert

Theurer et al. untersuchen einen nahezu vollständigen Hinterfußes aus der Dinosaur Park Formation. Dies ermöglicht erstmals eine Rekonstruktion mit der detaillierten Anordnung der Hintergliedmaße eines Ceratopsiden. Die vor über hundert Jahren gefundenen Knochen wurden per CT gescannt, digital zusammengesetzt und mit anderen erhaltenen Exemplaren verglichen. Dabei zeigte sich, dass nur die distalen Fußwurzelknochen III und IV vorhanden waren und eng mit den entsprechenden Mittelfußknochen verbunden lagen. Die Mittelfußknochen standen über ihre gesamte Länge dicht beieinander, während die Zehenglieder unterschiedlich stark asymmetrisch waren. Die Ergebnisse schaffen eine verlässlichere Grundlage für künftige biomechanische Analysen von Stand und Fortbewegung bei Ceratopsiden.5Theurer, B. et al. (2026). Morphology and articular configuration of the ceratopsid (Dinosauria: Ornithischia) lower hindlimb as revealed by a specimen from the Upper Cretaceous Dinosaur Park Formation of southern Alberta, Canada. PLOS ONE, 21(7), e0353362. doi:10.1371/journal.pone.0353362

Große Früchte entstanden schon vor dem Massenaussterben

Lee et al. zeigen anhand von 77 unterschiedliche Samen- und Fruchttypen aus der Jose Creek Formation in New Mexico, dass Blütenpflanzen bereits vor 74,6 Millionen Jahren stark spezialisierte Verbreitungsstrategien entwickelt hatten. Die Fossilien stammen aus einem Tropenwald und umfassen ungewöhnlich große Diasporen, deren Größenvielfalt bereits mit känozoischen Floren vergleichbar ist. Viele dürften auch damals schon durch Tiere verbreitet worden sein. Damit begann die stärkere Investition in Früchte und Samen nicht erst nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Die Studie deutet zudem auf dichte, feuchte Wälder mit bereits eng verzahnten Beziehungen zwischen Blütenpflanzen und Wirbeltieren hin.6Lee, J. et al. (2026). Diversification of angiosperm reproductive strategies predated the end-Cretaceous extinction. Science, 392(6805), 1380–1383. doi:10.1126/science.adw9457

Unbewegliche Finger verhinderten gegenseitige Blockaden

Senter zeigt anhand von Untersuchungen der Handskelette von Camarasaurus und Stegosaurus sulcatus, dass ihre Finger stark eingeschränkt beweglich waren. Bei beiden Gruppen standen die Mittelhandknochen röhren- oder halbröhrenförmig, wodurch sich frei bewegliche Finger beim Beugen gegenseitig behindert hätten. Dazu wurden die Knochen in Sand gebettet, um ihren möglichen Bewegungsumfang zu erfassen. Bei Camarasaurus konnten die Finger I bis IV im Wesentlichen nur überstreckt werden. Bei Stegosaurus galt dies für Finger II, während die übrigen unbeweglich waren. Sauropoden und Stegosaurier entwickelten damit unabhängig dieselbe funktionelle Lösung für ähnlich gebaute Hände.7Senter, P. J. (2026). Investigation of finger motion in two quadrupedal dinosaurs: The sauropod Camarasaurus and stegosaur Stegosaurus. Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology. doi:10.1080/03115518.2026.2697810

Quellenangaben:

  • 1
    Barrett, P. M. et al. (2026). A new sauropodomorph dinosaur from the Pebbly Arkose Formation (Upper Triassic: Norian) of Kariba, Zimbabwe. Journal of Systematic Palaeontology, 24(2), 2678610. doi:10.1080/14772019.2026.2678610 ↩︎
  • 2
    Maniel, I. J. et al. (2026). Albian zircon U-Pb crystallization ages from tuff beds in the Candeleros and Huincul formations, Neuquén Basin, Argentina. Gondwana Research. doi:10.1016/j.gr.2026.06.020 ↩︎
  • 3
    Johnson, B. C. et al. (2026). Heat and wildfires during the K–Pg mass extinction enhanced by fine dust. Journal of Geophysical Research: Biogeosciences, 131(7), e2026JG009837. doi:10.1029/2026JG009837 ↩︎
  • 4
    Reid, I. J., Fonseca, A. O. & Madzia, D. (2026). The evolution of ornithischian nomenclature. Zoological Journal of the Linnean Society, 207(3), zlag111. doi:10.1093/zoolinnean/zlag111 ↩︎
  • 5
    Theurer, B. et al. (2026). Morphology and articular configuration of the ceratopsid (Dinosauria: Ornithischia) lower hindlimb as revealed by a specimen from the Upper Cretaceous Dinosaur Park Formation of southern Alberta, Canada. PLOS ONE, 21(7), e0353362. doi:10.1371/journal.pone.0353362 ↩︎
  • 6
    Lee, J. et al. (2026). Diversification of angiosperm reproductive strategies predated the end-Cretaceous extinction. Science, 392(6805), 1380–1383. doi:10.1126/science.adw9457 ↩︎
  • 7
    Senter, P. J. (2026). Investigation of finger motion in two quadrupedal dinosaurs: The sauropod Camarasaurus and stegosaur Stegosaurus. Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology. doi:10.1080/03115518.2026.2697810 ↩︎
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